Nachhaltigkeit im Weinbau Biowein wird immer beliebter
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Nachhaltigkeit im Weinbau - Biowein wird immer beliebter

Nachhaltiger Weinanbau wurde in Deutschland lange belächelt, zu Unrecht. Die Fläche, auf denen nachhaltiger Weinanbau betrieben wird, beträgt heute weit über 7.000 Hektar, das sind mehr als 7,5 Prozent aller Weinberge.

Nachhaltiger Weinanbau wurde in Deutschland lange belächelt, zu Unrecht. Die Fläche, auf denen nachhaltiger Weinanbau betrieben wird, beträgt heute weit über 7.000 Hektar, das sind mehr als 7,5 Prozent aller Weinberge.

12.01.2015 - Bildquellenangabe: Timo Klostermeier / pixelio.de

Nachhaltiger Weinanbau wurde in Deutschland lange belächelt - wie so viele andere Bereiche der ökologischen Bewirtschaftung von Agrarflächen auch. Die aktuellen Zahlen belegen allerdings, dass Biowein in der Bevölkerung immer mehr Akzeptanz und Absatz findet. So haben sich die Anbauflächen in den letzten zehn Jahren mehr als verdoppelt. Die Fläche, auf denen nachhaltiger Weinanbau betrieben wird, beträgt heute weit über 7.000 Hektar, das sind mehr als 7,5 Prozent aller Weinberge. Damit steht Deutschland auch im Vergleich mit anderen Wein produzierenden Ländern weltweit relativ gut da.

Was heißt nachhaltiger Weinanbau im Detail?

Ausgangspunkt für die Produktion von Biowein ist - wie bei anderen ökologischen Methoden in der Landwirtschaft - ein ideologischer Ansatz, der den Unterschied zum "normalen" Weinanbau ausmacht. Es geht darum, den jeweiligen Weinberg als Ökosystem zu sehen und durch eine ausgewogene Bearbeitung vor allem des Bodens als solches in der Balance zu halten. Biowein-Anbauer verzichten zuerst einmal auf den Einsatz von Chemie, um die Umwelt so wenig wie möglich zu belasten.

Das beginnt mit der Düngung der Anbauflächen. An Stelle von synthetisch erzeugtem Mineraldünger werden ausschließlich Kompost, Humus und andere organische Nährstoffe in den Weinbergen eingesetzt. Der zweite Schritt ist der Verzicht auf Insektizide und Herbizide beim Pflanzenschutz. Unkraut etwa wird rein mechanisch entfernt. Zudem werden zwischen den Rebstöcken viele andere Pflanzen angebaut, um für mehr Artenvielfalt im Weinberg zu sorgen und die Struktur des Bodens zu verbessern.

Gegen Mehltau zum Beispiel werden heute nur noch Kupfer und reiner Schwefel verwendet. Manche Weinbauern verzichten mittlerweile sogar auf Schwefel und benutzen stattdessen Natriumbikarbonat, also ganz normales Backpulver. Weiterhin werden Mittel zur Stärkung der eigenen Abwehrkräfte der Reben eingebracht, um ihre Widerstandsfähigkeit zu erhöhen. Schädlinge wie den Traubenwickler, einer Schmetterlingsart, bekämpfen viele Biowein-Bauern mit so genannten Pheromonfallen. Dabei handelt es sich um Duftstoffe in hoher Konzentration, die den männlichen Tieren vorgaukeln, es befänden sich zur Fortpflanzung bereite Weibchen zwischen den Rebstöcken. Die Männchen werden dadurch so sehr verwirrt, dass sie die Weibchen nicht mehr finden und es nicht zu einer Vermehrung kommt.

Nachhaltiger Weinanbau lässt sich nicht von heute auf morgen betreiben. Winzer, die ihre Produktion von konventionellem auf ökologischen Anbau umstellen wollen, müssen mit einer Übergangszeit von mindestens drei Jahren rechnen, um alle Auflagen erfüllen zu können. Wie ein Biowein dann schmeckt, findet man hier: http://www.captaincork.com/Weinleute/Dr-Randolf-Kauer-Mittelrheintal-Bacharach-Biowein-Riesling-Spaetburgunder-Tipp?Seite=1

Nachhaltiger Weinanbau endet nicht im Weinberg

Die Europäische Union hat im Jahr 2012 eine Verordnung erlassen, mit der auch der Ausbau von Biowein im Weinkeller geregelt ist. Im Vergleich zu herkömmlich produzierten Weinen wurden für Biowein zum Beispiel die Grenzwerte für den Schwefelgehalt abgesenkt. Andere Zusatzstoffe wurden zum Teil verboten oder müssen aus biologischem Anbau stammen. Hinzu kommt noch das Verbot, gentechnisch veränderte Substanzen wie etwa Hefen einzusetzen. Alle Weine, die seit 2012 nach diesen Prinzipien hergestellt werden, dürfen sich als ökologischer Wein, Öko- oder Biowein bezeichnen und tragen ein spezielles EU-Logo. Die zertifizierten Weingüter werden jährlich von unabhängigen Kontrolleuren daraufhin überprüft, ob sie alle erforderlichen Maßnahmen eingehalten haben. Nachhaltiger Weinanbau ist auch das Ziel verschiedener Verbände in Deutschland und anderen Ländern, die ihren Mitgliedern für eine Zertifizierung meist noch strengere Kriterien auferlegen, als in den EU-Richtlinien festgeschrieben sind.

Nachhaltiger Weinanbau beeinflusst auch konventionelle Produzenten

Im Lauf der letzten Jahrzehnte haben auch die herkömmlich arbeitenden Winzer erkannt, dass nachhaltiger Weinanbau und dessen Methoden die Qualität ihrer Weine nicht schmälert. Viele Weinbauern reduzieren beispielsweise mehr und mehr den Gebrauch von chemischen Pflanzenschutzmitteln und synthetischem Dünger und übernehmen Konzepte und Arbeitsweisen der Öko-Bauern. So ist der oben beschriebene Einsatz von Duftfallen gegen den Traubenwickler heute auf mehr als der Hälfte der gesamten Rebfläche in Deutschland üblich.

Biowein stammt nicht von anderen Rebsorten

Weinliebhaber fragen sich oft, ob Öko-Winzer andere Rebsorten anbauen als herkömmlich arbeitende Weinbauern. Dies ist so gut wie nicht der Fall. Allenfalls findet man im nachhaltigen Weinbau häufiger Sorten, die weitgehend resistent gegen Pilzerkrankungen sind, zum Beispiel die Traube Regent, aus der kräftige Rotweine gekeltert werden. Bei Weißweinen greifen Öko-Winzer gerne auf Neuzüchtungen wie Johanniter oder Solaris zurück. Ansonsten kommen die gleichen Traubensorten zum Zuge, die Weintrinkern von jeher geläufig sind.

Wer nicht die Gelegenheit oder das Glück hat, direkt beim Winzer um die Ecke einkaufen zu können - Biowein gibt es mittlerweile in größerer Auswahl im Fachhandel und in jedem halbwegs gut sortierten Supermarkt. Grundsätzlich gilt besonders für Wein - und damit auch für Biowein - die alte Redewendung: Probieren geht über Studieren.



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