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Nachhaltig reisen - Ein Überblick für einen umweltschonenden Urlaub

Wie kann ich nachhaltig reisen, ohne auf vieles zu verzichten?  Das erfährst du hier.

Wie kann ich nachhaltig reisen, ohne auf vieles zu verzichten?  Das erfährst du hier.

26.04.2022 (aktualisiert, erstveröffentlicht am 05.04.2022) | Ein Beitrag von Raphael Havemann| Bild: Unsplash, Holly Manderich

Für viele ist Urlaub die beste Möglichkeit, um einfach mal abzuschalten und dem alltäglichen Leben entfliehen. Reisen erschaffen Geschichten, tolle Bilder und lebhafte Erinnerungen und bleiben damit  nachhaltig im Gedächtnis.
Dabei heißt Urlaub für jede Person etwas anderes. Manche wollen den ganze Zeit nur entspannen, andere hetzen von Kulturereignis zur nächsten Sehenswürdigkeit und wieder andere stehen einfach auf einen soliden Wandertrip.

Nachhaltigkeit und Reisen passt für viele nicht wirklich zusammen. Das liegt daran, dass nachhaltige Reisepläne häufig mit Kompromissen verbunden sind auf die im Urlaub die wenigsten Lust haben. Man will ja schließlich zur Ruhe kommen!
Wie man trotz mancher Einschränkungen einen großartigen und entspannenden Urlaub erleben kann, erfährst du hier. 

Einen guten Überblick, wie du deine Reise-Emissionen kompensieren kannst findest du hier:

Primaklima (*)

Klima Kollekte (*)

atmosfair (*)

MyClimate (*)

Nachhaltiges Anreisen - Bitte nicht über den Wolken

Ist es sinnvoll mit dem Flugzeug zu seinem Reiseziel zu fliegen? Leider nein. 
Aber ist es wenigstens nachhaltig das CO2 für seinen Flug über Zertifikate auszugleichen? Jein. Es bringt ein paar Probleme mit sich und sollte eher die Ausnahme als die Regel sein.

Denn CO2-Kompensation funktioniert folgendermaßen: Mithilfe eines CO2-Rechners oder spezialisierten Organisationen lassen sich die CO2-Emissionen des Fluges berechnen. Hierfür müssen verschiedene Angaben, wie Flugzeit oder auch Gewicht des Gepäcks angegeben werden. Daraufhin ergibt sich ein Betrag an CO2-Ausscheidungen. Um diesen zu kompensieren, kauft man ein Zertifikat, dessen Geld an Klimaschutzprojekte geht.
Diese Projekte sind meistens Aufforstungen von Regenwäldern, können aber auch im beispielsweise im Bereich der erneuerbaren Energien sein.

Auch wenn das Konzept der CO2-Kompensation für Flüge sehr einleuchtend klingt, ist es nicht so einfach wie es aussieht.
Zum Beispiel sind nicht alle Projekte für CO2-Kompensation wirklich sinnvoll. 
Es gibt Möglichkeiten Zertifikate dafür zu erwerben, dass Regenwälder geschützt werden. Dieser Bereich soll dann dafür dienen, die verbrauchten CO2-Emissionen aufzunehmen. Leider lässt sich nicht so einfach und transparent nachvollziehen, wie gut das wirklich funktioniert oder sich nicht einfach nur die Abholzung auf andere Gebiete verschiebt.
Zusätzlich werden auch einige Projekte wie Windkraftanlagen auch ohne den finanziellen Beitrag sowieso gebaut und lassen den Sinn der CO2-Kompensation etwas anzweifeln.
Dafür gibt es zum Beispiel den “Gold Standard”, der garantiert, dass die Klimaschutzprojekte angebracht und von hoher Qualität sind.

Doch selbst mit Qualitätssiegeln hat die CO2-Kompensation von Flügen einen Schönheitsmakel: Bei der Reise mit Flugzeugen werden nicht nur CO2, sondern auch Stickoxide, Aerosole und Wasserdampf ausgestoßen, die auch ihren Beitrag zum Treibhauseffekt leisten. Das wird dadurch verstärkt, dass diese Emissionen in großen Höhen abgegeben werden und dazu führen, dass Flüge eine zwei-bis fünfmal höhere Treibhauswirkung haben als die alleinigen CO2-Emissionen.

Da CO2-Kompensation also das Flugproblem nicht vollständig löst, ist es sinnvoll auf Alternativen wie Bus und Bahn umzusteigen. Hierbei ist zu beachten, dass Bus und Bahn Autos vorzuziehen sind, da letztere auf Langstrecken bezogen ungefähr einen fünfmal höheren CO2-Ausstoß hat als die anderen beiden Möglichkeiten.

Zusätzlich dazu sind Reisen zu nähergelegenen Zielen umweltschonender als weit entfernte. Wer nicht weit in die Ferne reisen möchte und auch in puncto Reisen auf Nachhaltigkeit setzen will. findet auch in Europa eine Vielzahl an Möglichkeiten für einen schönen Urlaub. Doch selbst in Deutschland hat einiges zu bieten, vom Strandurlaub an der Ostsee bis zu Wandertrips in den Alpen in Bayern oder in der Sächsischen Schweiz ist vieles dabei. Doch manchmal kann und möchte man es einfach nicht vermeiden und begibt sich für seinen Urlaub an einen weiter entfernteren Ort. Hier gilt: Je länger die Anfahrt, desto länger sollte auch der Urlaub gehen.


Fliegen sollte man beim für einen nachhaltigen Urlaub vermeiden. Selbst mit CO2-Kompensation nicht so einfach (Bild: Unsplash, Ross Parmly).

Nachhaltige Unterkunft - Alles hat seinen Haken

Einmal angekommen, gibt es unterschiedliche Möglichkeiten für den lang ersehnten Urlaub unterzukommen. Beispielsweise kann man statt in einem herkömmlichen Hotel zu nächtigen auf ein Bio-Hotel umsteigen. Herkömmliche Hotels haben nämlich verschiedene Probleme: Es kommt häufig vor, dass die Putzkraft oder andere Mitarbeiter*innen nicht gut und fair bezahlt werden. Auch der Wasserverbrauch ist in nicht-nachhaltigen Hotels enorm, was man aber mit einem Aufenthalt dort unterstützt.
Bio-Hotels sind Hotels, die sich darauf spezialisiert haben, nachhaltig zu agieren. Dazu gehört, regionales Essen anzubieten oder Ökostrom, Naturmaterialien und Recyclingpapier zu nutzen. Über CO2-Kompensation lassen sich sogar Bio-Hotelketten finden, die vereinzelt klimaneutral oder sogar CO2-positiv sind, also mehr CO2 kompensieren als sie verbrauchen. Das ist allerdings nicht der Standard.
Insgesamt muss man sehr vorsichtig sein und genau darauf achten, was die Bio-Hotels anscheinend so nachhaltig macht. Die Problematik liegt darin, dass Bio in diesem Fall kein gesicherter und fest vorgeschriebener Begriff ist und sich theoretisch jedes Hotel Bio-Hotel nennen darf. Daher ist es noch wichtiger als ohnehin schon, im Vornherein sicherzugehen, dass das Hotel wirklich so bio ist, wie es sich nennt.
Leider spielt auch hier wieder die Geldfrage mit hinein. Die wirklich nachhaltigen Bio-Hotels haben ihren Preis und sind nicht für jede Person eine Option.

Falls man nach preiswerteren Alternativen sucht, kommt vielleicht Airbnb in Betracht. Allerdings steht der US-Konzern seit geraumer Zeit in heftiger Kritik.
Der Grund dafür ist, dass es für Vermieter*innen häufiger finanziell erträglicher ist, die Wohnung auf Airbnb zu stellen, statt sie dauerhaft zu vermieten. Das ist insofern problematisch, als dass dadurch wichtiger Wohnungsraum für die Menschen, die in der Stadt wohnen, verloren geht und viele dadurch Probleme bei der Wohnungssuche bekommen. Vor allem dass die Wohnungssituation in einigen Städten ohnehin schwierig ist, wird durch das vermieten von Airbnb Unterkünften nicht gerade verbessert.

Eine mögliche Alternative ist Socialbnb. Hier ist die Idee, dass Tourist*innen sich mit lokalen NGOs auseinandersetzen und dort ihr Zimmer buchen. Das fördert kleine Projekte, die normalerweise auf Spenden angewiesen sind und sonst nicht die nötige Finanzierung erhalten. Bei der Plattform sind inzwischen über 180 Organisationen aus über 45 Ländern gelistet. Es ist also durchaus möglich, ein lokales Projekt beim nächsten Reisetrip zu finden, welches man mit seinem Aufenthalt unterstützen möchte.
Auch Hostels kommen als preisgünstige Option in Betracht. Sie funktionieren vergleichbar zu Hotels, beherbergen aber bei ähnlichen Emissionen eine höhere Anzahl an Menschen. Daher ist die Umweltbilanz pro Kopf im Vergleich zu einem herkömmlichen Hotel besser. 
Allerdings haben Hostels ähnliche Probleme wie Hotels, wie zum Beispiel einen hohen Wasserverbrauch. Deswegen lässt sich nicht sagen, dass Hostels per se nachhaltig sind, aber natürlich gibt es auch hier Hostels, die sich besonders nachhaltig engagieren. Hier kommt wieder eine gründliche Recherche ins Spiel.

Glücklicherweise gibt es einige Portale, die es ermöglichen, Unterkünfte zu suchen, die umweltschonender und gleichzeitig preislich erschwinglich sind. Beispielsweise lässt sich über die Plattform “Naturhäuschen” aus einer Vielzahl an nachhaltigen Ferienhäusern abseits des Massentourismusses aussuchen.

Zusätzlich ist auch sogenanntes Green-Camping möglich. Camping ist sowieso tendenziell nachhaltiger als viele Alternativen. Darüber hinaus gibt es Eco-Campingplätze, die unter anderem mit Ökostrom laufen oder ausschließlich biologisch abbaubare Reinigungsmittel benutzen.
Wird beim Campen allerdings ein Wohnmobil oder ein Van genutzt, sieht das Ganze schon etwas anders aus. Wohnmobile sind große, schwere Autos und haben, wie schon erwähnt, einen hohen CO2-Ausstoss. Zusätzlich entsteht durch den Reifenabrieb ein hoher Anteil an Mikroplastik, der umweltschädlich ist. 


Es gibt viele mögliche Unterkünfte, die in Frage kommen, wie zum Beispiel ein Ferienhaus, nachhaltiges Hostel oder ein Platz im Socialbnb (Bild: Unsplash, Joris Beugels).

Nachhaltiger Aufenthalt - Wie im Alltag, nur besser

Soll der Urlaubsaufenthalt nachhaltig sein, so gibt es einige Dinge zu beachten:

Sanfter Tourismus 

Ein Konzept, auf das man schnell beim Thema nachhaltiges Reisen stößt, ist der sanfte Tourismus. Massentourismus beruht häufig darauf, in günstigen Hotel-Ketten zu übernachten, die Strände zu füllen oder die Sehenswürdigkeiten zu sehen, die man an den Orten besucht. Sanfter Tourismus ist der genaue Gegenentwurf dazu.
Der Fokus liegt hierbei auf einem achtsamen und bewussten Umgang mit Natur und Umgebung,die man bereist. Dabei ist das Ziel, so wenig Einfluss wie möglich auf das Reisegebiet zu nehmen. Das bedeutet also nicht nur einen durch den sanften Tourismus geminderten ökologische Fußabdruck, sondern auch ein respektvolles Umgehen mit den Menschen vor Ort, beispielsweise in dem man in lokalen Läden einkauft, oder in Restaurants statt Fast-Food-Ketten essen geht.

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Nachhaltig Reisen mit ReNatour

Seit 1994 veranstaltet ReNatour sozial- und umweltverträgliche Reisen in Europa. Zum Programm gehören Familienreisen, Wanderreisen und Auszeit-Urlaube abseits des Massentourismus. Typisch für ReNatour Reisen sind landestypische, naturnahe Unterkünfte mit geringer Bettenzahl. In vielen der Unterkünfte können die Gäste an sportlichen, kreativen oder meditativen Aktivitäten teilnehmen. ReNatour-Unterkünfte bieten landestypische Verpflegung mit lokalen, oft biologisch erzeugten Produkten an. Gegründet wurde das Unternehmen von Roland und Sybille Streicher in Nürnberg. Es zählt zu den ersten nachhaltigen Reiseveranstaltern Deutschlands. Das CSR-zertifizierte Unternehmen engagiert sich für nachhaltiges Reisen – unter anderem im Verband forum anders reisen und der Initiative atmosfair. An verschiedenen Standorten unterstützt ReNatour soziale und wirtschaftliche Projekte sowie den Einsatz von erneuerbaren Energien. Mehr zum nachhaltigen Reisen mit ReNatour gibt es auf ihrer Webseite.

Ob in den Bergen oder am Strand, ob mit Kindern oder alleine – ReNatour zeigt, wie sanfter Tourismus gehen kann (Bild: ReNatour).

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Der sanfte Tourismus hat mehrere Vorteile: 
Er schützt nicht nur die Umwelt, sondern unterstützt auch die lokale Tourismuswirtschaft. 
Dadurch, dass man sich noch mehr auf die andere Kultur einlässt, lokaler agiert, einkauft und isst, kommt man schneller aus seiner Komfortzone heraus und lernt die andere Kultur schneller besser kennen.

Zusätzlich ist es auch wichtig zu erwähnen, dass Nachhaltigkeit seinen Preis hat, im wörtlichen Sinne. Versucht man von herkömmlichen Hotel auf beispielsweise Bio-Hotels oder Unterkünfte, die mit Nachhaltigkeitszertifikaten ausgestattet sind, umzusteigen, so wird man schnell feststellen, dass die umweltschonenden Alternativen ins Geld gehen können. Das gilt auch für die Anreise, denn nicht ohne Grund sind Flüge so beliebt: Sie sind oft kostengünstiger als lange Bahnstrecken und in unserer globalisierten Welt oftmals die einzige Möglichkeit, ferne Länder bereisen zu können. Glücklicherweise gibt es auch Möglichkeiten mit einem kleineren Budget nachhaltig zu reisen, aber leider führt hier kein Weg an einer intensiven Recherche vorbei.

Öffentliche Verkehrsmittel nutzen

Wie oben erwähnt, haben Autos keine gute CO2-Bilanz. Daher ist es ratsam auch während des Reisens auf das Auto oder einen Mietwagen zu verzichten. Stattdessen sollte auf öffentliche Verkehrsmittel, Fahrräder oder den Fußweg ausgewichen werden.
Das hat auch den Vorteil, dass man mit dem Rad oder zu Fuß Städte ganz neu kennenlernt und sich auch noch sportlich betätigt.

Lokale Unternehmungen

Im Sinne des sanften Tourismus ist es wichtig, die lokale Wirtschaft zu unterstützen. Aus diesem Grund sollte man auch mit der Auswahl seiner Unterkunft lokal agieren. Konsequenterweise ist es daher sinnvoll nicht große Restaurantketten, sondern lokale Restaurants für das genüssliche Dinieren auszuwählen oder in ortsansässige Läden zum Einkaufen aufzusuchen. Das ist auch nicht nur ein Zeichen des Respekts und unterstützt die Menschen in der Umgebung, sondern sorgt auch dafür, dass man mehrere neue Dinge ausprobiert und der Kultur näher kommt.


Mit Besuchen von lokalen Läden oder Restaurants, lässt man sich nicht nur auf die neue Kultur ein, sondern unterstützt auch die lokale Tourimuswirtschaft (Bild: Unsplash, Ting, Tian).

Nachhaltig agieren

Es gibt einige Dinge, die man im Alltag schon macht oder machen sollte, die sich auf den Urlaub übertragen lassen.
Eins davon ist, dass Licht und Klimaanlage nicht eingeschaltet werden sollten, wenn man sie nicht benötigt. In Hotels oder ähnlichen Einrichtungen ist es nicht notwendig jeden Tag ein neues Handtuch oder neue Bettwäsche zu benutzen. 
Insgesamt sparsam mit Ressourcen umzugehen, gehört auch beim Reisen zum guten Ton, wie zum Beispiel Müll recyceln, wenn das die Müllentsorgungsstruktur vor Ort zulässt.

Nachhaltigkeit und Reisen lassen sich vereinbaren

Wie sich zeigt, gibt es viele verschiedene Möglichkeiten und Aspekte, die für ein nachhaltiges Urlaubserlebnis sorgen können.
Sowohl für die Unterkunft und die Aktivitäten gibt es einiges, was zur Auswahl steht, um die Reise umweltschonend und im Sinne des sanften Tourismus zu gestalten.
Bei der Anreise ist man etwas eingeschränkter, aber wenn man frühzeitig plant und bucht, bleiben zahlreiche Möglichkeiten offen. 
Insgesamt erfordert ein achtsamer Umgang mit Tourismus einiges an Zeit und Energie für Planung und Recherche. Dafür tut man nicht nur der Umwelt und dem lokalen Tourismus etwas Gutes, sondern öffnet sich selber die Möglichkeit für viele neue und authentische Erlebnisse.
Und wenn man früh genug mit der Organisation beginnt, steht einem nachhaltigen Urlaub ohne Kompromisse nichts mehr entgegen.

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