Kritik an veganer Ernährung Pro und Contra
Gesellschaft

Kritik an veganer Ernährung - Pro und Contra

Gesünder durch vegane Ernährung? Wir stellen euch die Vor- und Nachteile einer veganen Ernährungsweise gegenüber.

Gesünder durch vegane Ernährung? Wir stellen euch die Vor- und Nachteile einer veganen Ernährungsweise gegenüber.

29.04.2019 - Ein Beitrag von Ella Poppensieker

Was macht eine vegane Ernährung aus?

Eine vegane Ernährung beinhaltet ausschließlich pflanzliche Lebensmittel und schließt alle tierischen Produkte aus, also Fleisch, Fisch, Milchprodukte, Eier und Honig. Wer über die Ernährungsweise hinaus, auch einen veganen Lebensstil verfolgt, verzichtet außerdem auf Lederwaren, Wolle und andere Produkte, die tierische Inhaltsstoffe enthalten, wie bestimmte Kosmetikprodukte.

Bestandteile einer gesunden veganen Ernährung

Laut Daniel Aichinger sind Veganer die gesündesten Menschen, wenn sie wissen was sie tun. Daniel Aichinger ist passionierter Ernährungsberater und TV-Schauspieler mit einer eigenen Ernährungsberatungspraxis inklusive eines Gesundheitsshops. Denn eine vegane Ernährung bedeutet nicht automatisch eine gesunde Ernährung. Eine vegane Ernährung kann auch Chips, Backwaren, Schokolade und überzuckerte Fertigprodukte bedeuten. Um sich vegan und gesund zu ernähren, muss wie bei einer konventionellen Ernährungsweise auf Ausgewogenheit geachtet werden. Als Veganer oder Vegetarier ist es leicht in die Kohlenhydrate- bzw. Tofu-Falle zu treten, so Daniel Aichinger. So eine einseitige Ernährung ist jedoch nicht gesund, da eine sogenannte “High-Carb-Low-Fat”-Ernährungsweise den Körper nicht ausreichend mit Mikronährstoffen versorgt. Abwechslung und die richtige Kombination von Lebensmitteln ist für Veganer wichtig. Daniel Aichinger empfiehlt daher als Grundregel eine Kombination von Getreiden oder Pseudogetreiden mit Hülsenfrüchten. Also etwa Vollkornreis mit Bohnen oder Quinoa mit Kichererbsen. So werden der Eiweiß- und Mineralienbedarf gedeckt ganz ohne die negativen Effekte, die tierisches Eiweiß mit sich bringt, beispielsweise das höhere Krebsrisiko. Die Nährstoffdeckung mit einer veganen Ernährung erfolgt daher ohne Schaden und mit guten Aminosäuren, allerdings haben Aminosäuren aus tierischen Produkten durchaus eine höhere Bioverfügbarkeit. Das bedeutet, dass die Aminosäuren aus tierischen Produkten eher denen entsprechen, die wir für den Muskelaufbau oder unsere Haut benötigen. Dafür gibt es jedoch entsprechende Nahrungsergänzungsmittel für Veganer. Insgesamt sollten Veganer also viel Gemüse, Obst, Hülsenfrüchte, etwa Kichererbsen und Linsen, Nüsse, glutenfreies Getreide, wie Hirse, Buchweizen, Reis, Mais und Hafer und stärkereiches Gemüse, etwa Kartoffeln und Süßkartoffeln zu sich nehmen. Da Fisch, Fleisch und Eier bei einer veganen Ernährung wegfallen, ist es wichtig viel Gemüse zu essen und verstärkt auf glutenfreies und glutenarmes Getreide zu setzen, um nicht zu getreidelastig zu essen. Bei Backwaren sollte daher darauf geachtet werden, vorwiegend welche aus Ursprungsgetreidesorten, wie Dinkel oder Emmer, zu verzehren.

Eine unausgewogene vegane Ernährung kann auch Nachteile haben und etwa zu Mangelerscheinungen führen. Auch die Forschung ist noch nicht so weit fortgeschritten bezüglich der Auswirkungen einer veganen Ernährungsweise.

Contra: Mangelerscheinungen

Bei unausgewogener Ernährung bzw. nicht-Einnahme von wichtigen Nahrungsergänzungsmitteln kann es bei einer veganen Ernährung zu Mangelerscheinungen kommen, die dem Körper langfristig Schaden zufügen können. Zu den wesentlichen Ergänzungsmitteln einer veganen Ernährung zählen etwa Vitamin B12, Eisen, Zink und Fettsäuren, wie Omega 3. Diese Mangelerscheinungen treten bei Veganern, aber auch bei Menschen einer konventionellen Ernährungsweise auf, wenn sie sich nicht ausgewogen ernähren. Ausreichend Vitamine und Mineralien, Ballaststoffe und Fette werden nur aufgenommen, wenn auch entsprechende Lebensmittel verzehrt werden, die diese Stoffe enthalten.

  • Vitamin B12

Das Vitamin B12 kommt vorwiegend in tierischen Produkten vor und wird über mikroorganismen aufgenommen, muss bei einer veganen Ernährung also als Ergänzungsmittel eingenommen werden. Die Ergänzungspräparate, die in der Drogerie zu finden sind, sind jedoch oft zu schwach. In der Apotheke gibt es höher dosierte Präparate, die den Vitamin B12 Bedarf ausreichend decken. Auch einige pflanzliche Lebensmittel enthalten kleine Mengen B12, etwa Algen, Rote Beete und Möhren. Ein Mangel des Vitamins führt unter anderem zu Depressionen, Appetitlosigkeit, Schlaf- und Konzentrationsstörungen. Vitamin B12 kann im Gewebe zwischen 6 bis 18 Monaten gespeichert werden, so Daniel Aichinger. Ein Vitamin B12 Mangel ist daher erst spät bemerkbar. Einen Mangel erkennt man etwa an brüchigen Nägeln, trockener Haut und Müdigkeit. Der Ernährungsberater empfiehlt allen, die ein B12 Ergänzungspräparat einnehmen, nach etwa einem dreiviertel Jahr den B12 Haushalt beim Arzt mit einem Blutbild kontrollieren zulassen. Falls der B12 Wert immer noch gering ist, kann das Vitamin B12 dann gespritzt werden.

  • Omega-3-Fettsäuren

Omega-3-Fettsäuren sind wichtig für den Körper, zum Beispiel für die Herzgesundheit, das Hirn und die Nerven, sowie für die Haut. Die Omega-3-Fettsäure ALA findet sich vor allem in pflanzlichen Lebensmitteln, wie Leinöl und Walnüssen, so Daniel Aichinger. Die Omega-3-Fettsäuren EPA und DHA findet man hingegen vorwiegend in tierischen Produkten. EPA und DHA werden auch marine Fettsäuren genannt, so der Ernährungsberater, da sie üblicherweise in fettem Fisch, wie Lachs, Hering, Thunfisch oder Makrele. Diese Fische sind jedoch oft Schwermetall, also mit Schadstoffen, belastet. Da Omega-3-Fettsäuren wichtig für ein gut funktionierendes Herz-Kreislauf-System sind, ist bei einer veganen Ernährung ein Ergänzungsmittel zu empfehlen, damit die ausreichende Versorgung mit sichergestellt wird. Daniel Aichinger empfiehlt Omega-3 in Form eines Öl oder einer Kapsel aufzunehmen. Darüber hinaus sollten genügend pflanzliche Produkte, die Omega-3-Fettsäuren enthalten, in den täglichen Speiseplan integriert werden. Diese Lebensmittel sind neben Nüssen und Samen, wie Chia- und Leinsamen, auch Öle aus diesen Nüssen und Samen, sowie Salzwasseralgen. Die Salzwasseralgen werden in Edelstahltanks mit künstlichem Meerwasser gezüchtet, sodass die Schwermetallbelastung ausgeschlossen ist.

Contra: Fehlende Forschung

Die Forschung im Bereich der veganen Ernährung und welche vermeintlichen Gesundheitsvorteile sie bewirkt ist bisher noch relativ unfortschrittlich. So gibt es zwar schon einige Studien zu Veganismus und dessen Auswirkungen, aber noch keine Langzeitstudien, mit denen die langfristigen Folgen und Wirkungen einer veganen Ernährung dokumentiert und aufgezeigt werden. Dies wird sich in den nächsten Jahren ändern, wenn heute noch junge Studien sich zu Langzeitstudien weiterentwickeln. So können wichtige Daten erhoben werden, die zeigen, ob eine vegane Ernährung gesünder ist, oder ob dem Körper dadurch wichtige Stoffe fehlen. Vor allem die Auswirkungen einer veganen Ernährung auf Kinder und Jugendliche sind wenig erforscht. Wird die Entwicklung von Kindern tatsächlich gehemmt  oder können Kinder auch durch eine vegane Ernährung gesund heranwachsen?

Die Vorteile einer veganen Ernährung umfassen unter anderem eine bessere Gesundheit durch das Vorbeugen von Krankheiten, wie Krebs oder Adipositas. Aber auch das Bewusstsein für Nahrungsmittel und Inhaltsstoffe werden durch eine vegane Ernährungsweise gestärkt.

Pro: Förderung der Gesundheit

Menschen, die sich vegan ernähren, erkranken seltener an typischen Krankheiten, wie Adipositas, Herzerkrankungen, Diabetes oder Krebs. Die vegane Ernährungsweise ist in gewisser Hinsicht vorbeugend, was bestimmte Krankheiten angeht. Etwa Adipositas, starkes Übergewicht, kommt bei Menschen, die sich gesund vegan ernähren weniger häufig vor. Die vegane Ernährung enthält mehr Ballaststoffe und keine tierischen Fette. In Verbindung mit einem aktiven Lebensstil hält vegane Ernährung vital und fit. Auch das Risiko für Diabetes und Herzerkrankungen wird durch eine vegane Ernährung gemildert, da der Cholesterinspiegel aufgrund der fehlenden Aufnahme tierischer Fette geringer ausfällt. Auch das Krebsrisiko, dass durch den Verzehr von rotem Fleisch erhöht wird, wird durch eine vegane Ernährungsweise entsprechend verringert.

Pro: Kreatives und bewusstes Kochen

Eine vegane Ernährung kann einen Anreiz für kreatives Kochen schaffen. Neue Gewürze, Kombinationen oder Ersatzprodukte wecken Freude und Neugier für die vegane Küche. Denn, wenn man nicht immer alles essen kann, schafft das neben mehr Kreativität in der Küche auch ein größeres Bewusstsein für die verwendeten Zutaten beim Kochen, sowie für die Inhaltsstoffe in fertigen Lebensmitteln. Auch bei negativen Kommentaren von Freunden und Familie über eine vegane Ernährung, leisten kreative, exotische und leckere Gerichte die richtige Überzeugungskraft, um die Kritiker vom Gegenteil zu überzeugen. Anreize für neue Gerichte finden sich in veganen Restaurants und Cafés, von denen es vor allem in Großstädten mittlerweile zahlreiche gibt. Auch vegane Kochbücher machen Appetit auf neue Rezeptideen und Zutaten.

Fazit zu veganer Ernährung

Neben einer bewussteren Wahrnehmung für Lebensmittel und die Wirkungen der Inhaltsstoffe, fördert eine vegane Ernährung die Gesundheit, indem einigen Volkskrankheiten vorgebeugt werden kann. Bei einer veganen Ernährungsweise sollte aber vor allem auf eine gesunde vegane Ernährung Wert gelegt werden, damit keine Mangelerscheinungen entstehen, die langfristige Schäden hinterlassen können. Die Forschung wird nach und nach in den nächsten Jahren konkrete Fakten aus Langzeitstudien bereitstellen können, wodurch die weitere Optimierung einer gesunden veganen Ernährungsweise dann ermöglicht wird.

 

Daniel Aichinger ist passionierter Ernährungsberater und TV-Schauspieler.
Seine Ernährungsberatungspraxis mit Gesundheitsshop findest Du in Berlin-Weißensee und online unter: pieceofcake.coach

 

Auch interessant: Gesunde und nachhaltige Ernährung dank veganer Kochbücher

DU möchtest zum Thema Nachhaltigkeit auf dem Laufenden bleiben? Dann abonniere unseren kostenlosen LifeVERDE-Newsletter & JOBVERDE-Newsletter.



Kommentar erstellen

Name *
E-Mail *
URL
Kommentar *
Hiermit erkläre ich mich damit einverstanden, dass die abgesendeten Daten nur zum Zweck der Bearbeitung meines Anliegens verarbeitet werden. Weitere Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.


Grüne Unternehmen