Autoreifen der Zukunft: Bioprodukte aus Sojaöl und Löwenzahn
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Autoreifen der Zukunft: Bioprodukte aus Sojaöl und Löwenzahn

Löwenzahn kann Naturkautschuk ersetzen.

Löwenzahn kann Naturkautschuk ersetzen.

Bild: Rainer Sturm / pixelio.de

Sowohl die Produktion als auch die Nutzung herkömmlicher Autoreifen ziehen ökologische Probleme nach sich. Zum einen werden für die Fertigung der Reifen mit Erdöl und Stahl große Mengen nicht-regenerativer Rohstoffe benötigt. Zum anderen ziehen sicherheitsrelevante Aspekte (wie Grip und Bremsverhalten) einen hohen Rollwiderstand – und damit einen hohen Kraftstoffverbrauch – nach sich. Dies führt zu einer schlechten CO²-Bilanz.

Damit im Zuge des steigenden Verkehrsaufkommens nicht auch die Nachfrage nach Erdöl und der Ausstoß von Kohlenstoffdioxid weiter anwachsen, sind alternative Reifentechnologien gefragt.

Löwenzahn kann Naturkautschuk ersetzen

Ein konventioneller Pkw-Reifen besteht zu rund 60 Prozent aus Rohöl. Der hohe Öl-Anteil steht auch mit Kautschuk, einem weiteren wichtigen Reifenbestandteil, in Verbindung. So stammt der Naturkautschuk (auch Latex genannt) für die Reifenproduktion derzeit fast ausschließlich vom südamerikanischen Parakautschukbaum. Trotz großflächigem Plantagenanbau kann die Latexproduktion jedoch nicht mehr mit der steigenden Reifennachfrage mithalten. Im Ergebnis wird zunehmend synthetischer Kautschuk verwendet, der wiederum aus Rohöl gewonnen wird.

Jedoch gibt es verschiedene Alternativen. Der japanische Reifenhersteller Bridgestone, seines Zeichens Weltmarktführer im Bereich der Pkw-Bereifung, hat schon 2012 auf dem Pariser Autosalon einen Konzeptreifen vorgestellt, der zu 100 Prozent aus nachwachsenden Rohstoffen besteht. Zudem wird der erforderliche Kautschuk nicht aus dem Parakautschukbaum gewonnen. Als Latexlieferant dient dagegen kaukasischer Löwenzahn, eine anspruchslose Pflanze, die zudem wesentlich ergiebiger ist als ihr Pendant aus Südamerika.

Bis die Pkw-Reifenpalette von Bridgestone jedoch auf die neuen Modelle umgestellt ist, werden noch einige Jahre vergehen. So gilt es, Rahmenbedingungen für die zukünftige Forschung und die Weiterentwicklung der neuen Reifenkonzepte zu schaffen. Denn der Löwenzahn ist in seiner derzeitigen Form nicht für den großflächigen Plantagenanbau geeignet. Erst durch langwierige Kreuzungen mit verwandten Arten muss eine passende Sorte gezüchtet werden. Zudem muss der gesamte Produktionsprozess auf die neuen Erzeugungs- und Verarbeitungssysteme umgestellt werden. Bis 2020 möchte Bridgestone die ersten Bioreifen in Serie verkaufen, bis 2050 soll die gesamte Reifenfertigung beim japanischen Großkonzern auf Ökoreifen umgestellt sein.

Alternativen zum Erdöl

Neben dem Naturkautschuk ist vor allem das Rohöl ein problematisches Gut. Auch hier sind führende Reifenhersteller wie Goodyear und Continental dabei, Alternativen zu erforschen. So führt Goodyear schon seit Längerem Versuche mit Konzeptreifen durch, in welchen das Erdöl komplett durch Sojabohnenöl ersetzt wird. Wie das Unternehmen mitteilt, verfügen die fertigen Reifen über rund zehn Prozent mehr Kilometerleistung. Im Ergebnis könnte allein der Goodyear-Dunlop-Konzern pro Jahr etwa 26 Millionen Liter Erdöl sparen.

Bei Continental wird das Rohöl im Fall verschiedener grüner Konzeptreifen durch Rapsöl ersetzt. Auch hier ist eine komplette Umstellung möglich, bislang allerdings können die Eco-Modelle bezüglich verschiedener sicherheitsrelevanter Eigenschaften noch nicht mit den konventionellen Reifenmodellen mithalten. Trotzdem ist man bei Continental zuversichtlich: Schon 2019 soll der erste Ökoreifen, der komplett aus Biomasse besteht, beim deutschen Marktführer in Serie gehen.



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