Dont just do it, do it right
Politik, Kultur & Wissenschaft

„Don’t just do it, do it right“

Nach diesem Nachhaltigkeitsleitspruch handelt Tine Hassert. Sie leitet die Executive Training Programme am CSI der Universität Heidelberg. Im Interview erklärte sie uns das CSI und dessen Aufgabe.

Nach diesem Nachhaltigkeitsleitspruch handelt Tine Hassert. Sie leitet die Executive Training Programme am CSI der Universität Heidelberg. Im Interview erklärte sie uns das CSI und dessen Aufgabe.

22.05.2015

UMWELTHAUPTSTADT.de: Frau Hassert, Sie leiten die Executive Training Programme am CSI der Universität Heidelberg. Was ist Ihre Hauptaufgabe und an wen richtet sich Ihr Angebot konkret?

TINE HASSERT: Am Centrum für soziale Investitionen und Innovationen (CSI) haben wir ganz verschiedene Lehrangebote für den sozialen Sektor, die je nach individuellen Zielsetzungen und Vorkenntnissen variieren. Die Executive Training Programme am CSI sind kompakte, sehr praxisnahe Weiterbildungsangebote zu unterschiedlichen Themenschwerpunkten. Meine Aufgabe ist die Organisation, Koordination und Weiterentwicklung der bestehenden internationalen Bildungsprogramme sowie der Entwurf von neuen, z.T. auch sehr individualisierten Lösungen.

Es gibt hier nicht DIE Zielgruppe für unsere Bildungsangebote. Wir haben in den BASIC Trainings u.a. Teilnehmer, die sich verstärkt im sozialen Bereich engagieren möchten und sozusagen „quer einsteigen“. In den ADVANCED Trainings findet man z.B. ambitionierte Mitarbeiter einer Nonprofit-Organisation, die sich bestmöglich auf eine erfolgreiche Karriere auf Leitungsebene vorbereiten möchten. Und an den EXPERT Trainings nehmen Führungskräfte teil, die ihr Projekt nachhaltig voranbringen möchten. Die Individual Solutions sind indes ein gänzlich auf eine bestimmte Organisation/Projekt zugeschnittenes Programm zu Themen wie z.B. Wirkungsmessung oder Stiftungsstrategien, das vor allem in In-House-Trainings umgesetzt wird.

Das CSI wurde im Juli 2006 als Zentralinstitut der Universität Heidelberg mit dem Ziel gegründet, die Leistungsfähigkeit von Non-Profit-Organisationen und Stiftungen zu erhöhen und den Gemeinwohl- und Stiftungsgedanken zu fördern. Welche Erfolge konnten bisher verzeichnet werden?

Das CSI besteht ja aus mehreren Abteilungen, die zu diesem, unserem Leitziel, gemeinsam beitragen. Eine große Stärke des CSI liegt in der Verknüpfung seiner Abteilungen: Neuste Erkenntnisgewinne aus diversen Forschungsprojekten werden – sowohl durch die Lehre als auch die Politikberatung in unserem Berliner Büro – direkt zurück in den Sektor transportiert, wo sie nachhaltig Wirkung entfalten können.

In der Lehre sehe ich die Erfolge natürlich besonders unmittelbar: Durch unsere Weiterbildungsprogramme befähigen wir Studierende und Teilnehmer, in ihren jeweiligen Organisationen ihre Arbeit noch besser zu tun und neue Entwicklungen in der Organisationsentwicklung anstoßen.

Was ist der sogenannte "Dritte Sektor"?

Der Dritte Sektor ist der gemeinnützige oder gemeinwohlorientierte Bereich einer Gesellschaft, der sich zwischen Markt und Staat, Einzelinteressen und Gemeinwesen, bewegt. Als Intermediär richtet er sich an gesellschaftlichen Bedarfen aus und stellt Produkte und Dienstleistungen bereit, bei denen die anderen Akteure versagen. Viele dieser Angebote liegen insbesondere in den Bereichen Bildung, Gesundheit und Pflege, Umwelt. Typische Organisationsformen sind z.B. Vereine und Verbände, Stiftungen, Sozialunternehmen oder NGOs.

Was mich in dem Bereich besonders fasziniert sind die Vielfältigkeit und Kreativität, mit der Herausforderungen angegangen werden und Potenziale energetisch genutzt werden.

Die Arbeit des CSI ist unter anderem Führungskräfte für den Dritten Sektor professionell zu qualifizieren. Wie schaut das aus?

In der Abteilung Lehre haben wir neben dem berufsbegleitend studierbaren Masterstudiengang „Nonprofit Management & Governance“ zahlreiche ihrem Umfang nach niedrigschwelligere Bildungsangebote, die sich an angehende und/oder bereits etablierte Führungskräfte im sozialen Bereich wenden. In Abgrenzung zu anderen Bildungsgängen wird neben dem interdisziplinären Inhalt zu z.B. Sozialen Investitionen oder Wirkungsmessung auch auf persönliche und organisationale Entwicklung gezielt.

Je nachdem was welcher Bildungsinteressierte sucht, versuchen wir eine möglichst passende Lösung zu finden. Aus Perspektive eines Bildungsmanagers ist es natürlich ein wunderbares Privileg in der Lage zu sein, das genau so tun zu können.

Was genau sind soziale Innovationen?

Eine einheitliche Definition gibt es so, glaube ich, gar nicht. Wir verstehen „soziale Innovationen“ als ein von einem Netzwerk induziertes Phänomen, das neuartige Lösungen für Güter, Leistungen, Prozesse oder Ressourceneinsatz und Leistungsfähigkeit im sozialen Sektor anbietet und Einfluss auf die Gesellschaft bzw. auf das Gemeinwohl bezogenes Handeln hat. Damit bietet eine soziale Innovation eine neue Lösung für ein gesellschaftliches Problem und erfüllt dabei gleichzeitig die grundlegenden Kriterien von Relevanz, Dringlichkeit und Legitimität.

Soziale Innovation verläuft in Phasen von der Invention, gestartet durch einen ersten Impuls, über die Prüfung der Machbarkeit und Standardisierung einer Idee bis hin zur Diffusion. Bei sozialen Innovationen spielt in diesem Prozess eben die Zivilgesellschaft eine maßgebliche Rolle: Als Labor um Ideen zu generieren, als Inkubator, aber vor allem als Ort der Kommunikation, der neuen Werteperspektiven den Boden bereitet und damit die Verbreitung sozialer Innovationen unterstützt.

In dem CSI-Projekt "CrESSI – Creating Economic Space for Social Innovation in Europe" soll erforscht werden, wie Politik und (Zivil-)Gesellschaft das Leben der am stärksten ausgegrenzten Bürgerinnen und Bürger in der EU verbessern können. Wie definiert sich diese "Zielgruppe"?

„Marginalisierung“ ist ein Stichwort, das auf ganz verschiedene Weisen interpretiert wird. Eine der wesentlichen Herausforderungen des Forschungsprojektes ist es, zu einer klaren, übereinstimmenden und auch allgemeingültigen Bedeutung zu kommen. Daher wurde die Definition der „Marginalisierten“ zu Beginn von CrESSI auch relativ offen gelassen. In den bereits publizierten Veröffentlichungen (insb. D1.1 und D 1.3) kann nachgelesen werden wie unterschiedlich der Begriff verwendet wird [ http://www.sbs.ox.ac.uk/ideas-impact/cressi/cressi-publications ].

Das CSI wächst seit seiner Gründung stetig. Suchen Sie derzeit Verstärkung und wenn ja, für welche Bereich?

Ja, das CSI ist mittlerweile auf insgesamt etwa vierzig Mitarbeiter (Vollzeit: 22-24) angewachsen. Diesen Stand wollen wir stabil halten. Aktuell sind am CSI zwar keine Stellen offen; jedoch können sich Interessierte natürlich auch initiativ bewerben, um bei neuen Projekten ggf. berücksichtigt zu werden. Informationen dazu gibt es auf unserer Webseite.

Ihr Nachhaltigkeitsleitspruch lautet?

Mein persönlicher Leitspruch für Nachhaltigkeit ist „Don’t just do it, do it right“. Ich bin der Überzeugung, dass man, wenn man Dinge richtig tut – insbesondere dann, wenn es auch noch die richtigen Dinge sind, die man da tut – wirklich und nachhaltig etwas bewirken kann.



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