Die Verwendung von Blättern als ein Konsumgut der Natur ist unsere Leitidee
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Die Verwendung von Blättern als ein Konsumgut der Natur ist unsere Leitidee

Die Marke Leef steht für die Verbindung zwischen Nachhaltigkeit und Konsumgesellschaft. Ein Interview mit den zwei Leef-Gründern Marcel Frank und Claudio Vietta.

Die Marke Leef steht für die Verbindung zwischen Nachhaltigkeit und Konsumgesellschaft. Ein Interview mit den zwei Leef-Gründern Marcel Frank und Claudio Vietta.

05.11.2014

UMWELTHAUPTSTADT.de: Wofür steht die Marke Leef?

MARCEL FRANK: Die Marke Leef steht für die Verbindung zwischen Nachhaltigkeit und Konsumgesellschaft. Dabei ist die Verwendung von Blättern als ein Konsumgut der Natur unsere Leitidee. Unsere erste Produktserie sind designte Einweg-Teller, die nachhaltig aus den zu Boden gefallenen Blättern der Areka-Palme hergestellt werden und 100 % biologisch abbaubar sind.

Auf welche Themen haben Sie sich in Ihrem Segment spezialisiert?

MARCEL FRANK: Als unser Hauptsegment sehen wir natürliche und nachwachsende Rohstoffe. Wir haben uns auf Blätter spezialisiert und eine Serie von Einweg-Tellern auf den Markt gebracht, die jeweils aus einem Palmblatt gefertigt werden. Unser Ansatz dabei ist, sowohl die Produktion fair als auch die Verpackung nachhaltig zu gestalten.

Was würden Sie sagen, macht Leef besser als seine Wettbewerber?

MARCEL FRANK: Leef bietet nicht nur ein ästhetisches Produkt, sondern auch ein soziales & nachhaltiges Produktionskonzept. Dabei werden Betriebsmittel und Rohstoffe in der Produktion recycelt und als einziger Hersteller verwenden wir eine Verpackung, die komplett plastikfrei und biologisch abbaubar ist. Unsere große Transparenz dabei gibt dem Kunden die Möglichkeit, ein Wegwerfprodukt mit gutem Gewissen zu kaufen.

Welche 3 Nachhaltigkeitsziele sind für Sie am wichtigsten und wie erreichen Sie diese?

CLAUDIO VIETTA: Unser Nachhaltigkeitsanspruch manifestiert sich in drei Kategorien: Sozial, ökologisch und ökonomisch. Das heißt, dass wir ein nachhaltiges Produkt fair produzieren und damit zeigen, dass nachhaltiges Wirtschaften ökonomisch tragfähig sein kann. In der Produktion bedeutet dies zum Beispiel, dass wir lokale, strukturschwache Regionen in Indien fördern und die Menschen eine langfristige Perspektive bekommen.

Welche Kaufkriterien sind für Ihre Kunden am wichtigsten und welche Rolle spielen Nachhaltigkeitsfaktoren hierbei?

CLAUDIO VIETTA: Design, Qualität und Preis sind in Deutschland - besonders im B2B-Bereich - immer noch die dominierenden Verkaufskriterien. Nachhaltigkeit ist dabei eher ein zusätzliches Verkaufsargument. Deswegen versuchen wir mit Leef gerade dahingehend zu punkten, dass wir ein einzigartiges und sehr schönes Manufakturprodukt haben. Das für uns so wichtige Argument der Nachhaltigkeit ist dabei eher ein Zusatzpunkt. Der Privatkundenbereich achtet hier etwas mehr auf Nachhaltigkeit, aber auch hier ist dies bisher nur eine Nische. In anderen Ländern hingegen ist dieser unumgängliche Gedanke bereits in der Gesellschaftsmitte angekommen.

Wie schafft man es, Nachhaltigkeit als echtes Kaufkriterium in Ihrer Branche zu positionieren?

CLAUDIO VIETTA: Die Konsumgesellschaft ist momentan im Umbruch, „Geiz ist geil!“ ist nicht mehr das alleinige Verkaufsargument schlechthin. Viele Menschen suchen heutzutage eine umweltbewusstere Alternative, ohne dabei auf Ästhetik und Bequemlichkeit verzichten zu wollen. Das Geheimnis ist dabei, nachhaltigkeit zu sein, aber dennoch ein attraktives Produkt zu liefern. Unsere Teller werden beispielsweise eher wegen ihrer Ästhetik und schönen Haptik gekauft. So stellen wir unser Produkt auch optisch in die Mitte der Gesellschaft und versuchen nicht, unsere Nachhaltigkeit über eine klassische „bio-Optik“ zu vermarkten. Für uns sollte Nachhaltigkeit eben nicht ein Kaufkriterium sein, sondern eine Selbstverständlichkeit.

Wie stehen Sie zu der These, dass gesellschaftliches Engagement auch wirtschaftlichen Nutzen bringt?

CLAUDIO VIETTA: Gesellschaftliches Engagement sollte natürlich passieren, ohne dass zwingend ein wirtschaftlicher Nutzen dahintersteht. Wichtiger ist jedoch, dass wirtschaftlicher Nutzen unbedingt mit gesellschaftlichem Engagement einhergeht. Der moderne Konsument ist clever und aufgeklärt und honoriert dies auch durch Wiederkauf und Empfehlungen, manchmal sogar durch eigenes Engagement. Leef wäre nicht da, wo es heute steht, ohne das Engagement vieler Menschen, die das Projekt unterstützt und vorangetrieben haben – und dies ohne eine direkte Gegenleistung. Vielen Dank an dieser Stelle an alle Beteiligten, die mit uns bewiesen haben, dass gesellschaftliches Engagement auch wirtschaftlichen Nutzen bringt, durch den weiteres gesellschaftliches Engagement ermöglicht wird.

Welches sind Ihrer Ansicht nach die größten Herausforderungen, mit denen Ihre Branche aktuell zu kämpfen hat.

CLAUDIO VIETTA: Ein großes Problem, mit dem alle nachhaltigen Unternehmen zu kämpfen haben, ist, dass sie gegen Unternehmen konkurrieren, die große Teile ihrer Kosten auf die Gesellschaft abwälzen. Auf uns bezogen heißt das zum Beispiel, dass der Preis, den der Endkunde bezahlt, die Gesamtkosten von Rohstoffgewinnung, Produktion und Entsorgung (in unserem Fall: die einfache Rückführung in die Natur) abdeckt. Würden Hersteller, die Plastik verwenden, auch die Folgekosten ihrer Produkte tragen, wären diese um ein Vielfaches teurer. Die Herausforderung ist letzten Endes, eine Erwartungshaltung in der Gesellschaft aufzubauen, so dass ein Produzent für die gesellschaftlichen gesamtwirtschaftlichen Kosten seiner Produkte aufkommt. Mehr und mehr Unternehmer stellen sich dieser Herausforderung, es ist trotzdem noch ein langer Weg zu gehen.

Welches sind Ihrer Meinung nach relevante Trends und Innovationen im Lebensmittel-Bereich?

MARCEL FRANK: Selbstverständlich kann man schon seit einiger Zeit den Trend erkennen, dass Menschen keine Lust mehr auf billige und qualitativ schlechtere Massenware haben. Der wachsende Bio-Trend zeigt dies sehr deutlich. Ein interessanter neuer Trend, der sich weltweit stark etabliert, ist der kritischere Umgang mit Plastik im Bereich des Food-Packaging. Die gesundheitlichen Risiken von Plastikverpackungen im Lebensmittelbereich werden nun offen diskutiert und es wird nach Alternativen gesucht.

Welche Innovationen bzw. Meilensteine verfolgen Sie derzeit?

MARCEL FRANK: Ein großes Thema für uns ist zur Zeit der Einsatz von Palmblättern als Material für Verpackungen. Als Pioniere in diesem Bereich haben wir noch einiges an Forschungsarbeit zu leisten.

In unserem Tagesgeschäft arbeiten wir hauptsächlich daran, unseren Kunden Problemlösungen anzubieten anstatt nur das Produkt selbst. Viele möchten beispielsweise einen nachhaltigen Event durchführen, stehen aber beim Einsatz von nachhaltigen Nahrungsmittelträgern vor dem Problem der Rückführung. Hier erweitern wir gerade unseren Service zu einem Komplettpaket, welches nicht nur die Bereitstellung der Teller umfasst, sondern auch die Rückführung, Beschilderung, etc.

Um uns gesellschaftlich noch stärker zu engagieren gründen wir gerade einen Verein, durch den wir die Ausbildung der Kinder der Arbeiter, die unsere Teller herstellen, unterstützen.



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