Klimaschutz, Wirtschaftlichkeit und Versorgungssicherheit Energiewende geht nur europäisch
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Klimaschutz, Wirtschaftlichkeit und Versorgungssicherheit - Energiewende geht nur europäisch

„Ich sehe die Zukunft der erneuerbaren Energien mit einem lachenden und einem weinenden Auge“, so Mike Winkel, Mitglied des Vorstands von der E.ON SE.

„Ich sehe die Zukunft der erneuerbaren Energien mit einem lachenden und einem weinenden Auge“, so Mike Winkel, Mitglied des Vorstands von der E.ON SE.

26.08.2014 - Pressemeldung EUROFORUM Deutschland SE Bild: Mike Winkel Vorstandsmitglied, E.ON SE Source : Christian Schl√ľter/E.ON

„Auf der einen Seite boomen die Erneuerbaren – nicht nur in Europa sondern weltweit. Auf der anderen Seite laufen sie Gefahr, Opfer ihres eigenen Erfolgs zu werden.“ Während zuletzt allein in Europa ein Zubau von rund 60 Prozent zu verzeichnen sei, gefährde der Energy-Only-Markt die Wirtschaftlichkeit. Denn an sonnen- und windstarken Tagen tendieren die Marktpreise aufgrund der wachsenden Menge an eingespeistem regenerativem Strom immer häufiger gen Null. Angesichts der Marktintegration der regenerativen Energien und des schrittweisen Abbaus der Einspeisevergütungen müsse das System des Energy-only-Marktes überdacht werden, um Investitionen in erneuerbare Energien weiterhin attraktiv zu halten.

Joachim Balke, Policy-Officer Renewable Energies der EU Kommission, betonte in seinem Vortrag die Rolle eines integrierten Ansatzes der europäischen Energiewende. Mit den Zielen für 2020 - 20 Prozent weniger CO‚āā, 20 Prozent mehr erneuerbare Energien und 20 Prozent weniger Energieverbrauch im Vergleich zu 1990 - verfolge die Kommission ein ganzheitliches Energiekonzept, das Versorgungssicherheit, Klimaschutz und Wirtschaftlichkeit in Einklang bringen wolle. Insgesamt sieht Balke die Erreichung der 2020-Zieltrias auf einem guten Weg, was z.T. aber auf die Wirtschaftskrise und den damit verbundenen niedrigeren Energieverbrauch zurückzuführen sei. Gerade im Bereich Energieeffizienz gebe es noch Handlungsbedarf. Zudem seien nach Berechnungen der Kommission im Zeitraum bis 2030 Investitionen in Höhe von 38 Mrd. Euro pro Jahr in das europäische Energiesystem nötig. Hier käme es aber nur zu einer Verschiebung der Kosten. Denn während auf der einen Seite zusätzliche Kosten durch den Ausbau der regenerativen Energien entstünden, komme es auf der anderen Seite zu Einsparungen bei fossilen Brennstoffen.

Zwischen regionaler Akzeptanz und grenzüberschreitendem Netzausbau

Christian Pegel, Minister für Energie, Infrastruktur und Landesentwicklung des Landes Mecklenburg-Vorpommern, sieht das Thema Energiewende aus der regionalen Perspektive. Ohne die Akzeptanz der Bürger vor Ort sei die Energiewende nicht zu schaffen. Daher wolle er ein Bürger- und Kommunalbeteiligungsgesetz vorlegen. Das sehe eine 20-prozentige Beteiligung für Bürger und Kommunen im Umkreis von fünf Kilometern jeder geplanten Windenergieanlage vor. „Indem betroffene Bürger auch wirtschaftlich profitieren, erhöht sich die Akzeptanz“, so Pegel. Neben der Akzeptanzförderung vor Ort sah der Minister aber auch im Netzausbau eine große Herausforderung für die Energiewende. Durch den Ausbau der dezentral erzeugten erneuerbaren Energien steige der Bedarf an zusätzlichen Netzen vor allem in Westdeutschland. Nur so könne der Strom vom Produktionsort im ländlichen Raum an die Verbrauchsorte in den Ballungsräumen transportiert werden.

„Elektronen interessieren sich nicht für nationale Grenzen“

Um den Netzausbau ging es auch bei der anschließenden Diskussionsrunde zum Thema „Energie Schengen“. Konstantin Staschus vom Verband Europäischer Übertragungsnetzbetreiber ENTSO-E betonte die Bedeutung eines grenzüberschreitenden intelligenten Netzes und eines bewussten Umgangs mit Strom auf Seiten der Verbraucher. Das Ziel: Verbrauch und Produktion besser in Einklang bringen. Dr. Patrick Graichen vom Think Tank Agora Energiewende ergänzte, dass der Netzausbau mit dem Ausbau der erneuerbaren Energien einhergehen müsse. Denn bei 50 Prozent Strom aus volatilen Quellen entstünden starke Schwankungen im Netz, die nur durch grenzüberschreitenden Im- und Export aufgefangen werden könnten. Speicher seien aus Kostengründen keine praktikable Alternative. Während Europa von einer gemeinsamen Lösung in punkto Versorgungssicherheit noch weit entfernt sei, finde der grenzüberschreitende Austausch von Leistung bereits erfolgreich statt, war sich die Runde einig. „Elektronen interessieren sich nicht für nationale Grenzen“ brachte es Dr. Wolfram Vogel von EPEX Spot European Power Exchange auf den Punkt.

Neue Märkte, Technologien und Zielgruppen – Wohin geht der Trend?

57 Prozent weniger Investitionen in Photovoltaik in Deutschland und 21 Prozent weniger installierte Leistung im Bereich Onshore Wind weltweit – im Zeitraum von 2012 bis 2013 hat die Branche nach Angaben der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte deutliche Umsatzeinbußen verzeichnet. Doch hier gelte es genauer hinzuschauen. Von den Einbußen sei vor allem die Solarbranche betroffen, nicht jedoch die Windbranche. Zudem seien mit 7,5 Prozent Einbußen bei den Arbeitsplätzen weniger Jobs verloren gegangen als befürchtet. „Das zeigt, dass die Branche erfolgreich neue Geschäftsbereiche erschließen konnte“, erläuterte Dr. Florian Klein von Deloitte. Die Branche stehe vor einem Gezeitenwechsel: Der heimische Markt sei begrenzt, daher müssten neue Geschäftsfelder erschlossen werden, beispielsweise im Bereich Ertragsoptimierung oder Maintenance & Operation.

Dr. Armin Sandhövel von Allianz Global Investors Europe GmbH ermutigte die Branche, sich auf die veränderten Bedingungen einzustellen. „Die Welt der Einspeisevergütungen ist vorbei. Genauso wie die Zeiten mit Renditeerwartungen von sechs bis zehn Prozent“, so Sandhövel. „Dennoch sehe ich sehr viele Opportunitäten.“ Das Marktumfeld sei zwar stärker und die Anforderungen an die Akteure in der Branche komplexer geworden, aber es gebe genug Chancen, erfolgreich in erneuerbare Energien zu investieren – beispielsweise in den Zukunftsmärkten Asien und Amerika.



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