Grüne Wirtschaft

Im Interview: Hardy Nitsche, Gründer und Geschäftsführer von 360report

Kleinere und mittlere Unternehmen erkennen immer mehr die Bedeutung von Nachhaltigkeit für den langfristigen Erfolg des Unternehmens. 360report bietet die weltweit erste Lösung für die Erstellung von Nachhaltigkeitsberichten für den Mittelstand.

Kleinere und mittlere Unternehmen erkennen immer mehr die Bedeutung von Nachhaltigkeit für den langfristigen Erfolg des Unternehmens. 360report bietet die weltweit erste Lösung für die Erstellung von Nachhaltigkeitsberichten für den Mittelstand.

Das Interview führte Rebecca Sallan

UMWELTHAUPTSTADT.DE: Das Thema Nachhaltigkeit gewinnt für viele Unternehmen immer mehr an Bedeutung. Herr Nitsche, welche Unternehmen sind denn sehr stark an nachhaltigem Handeln interessiert?

Hardy Nitsche: „Nachhaltigkeit“ ist mittlerweile quer durch alle Branchen ein wichtiges Thema. Vor allem in den im Fokus der Öffentlichkeit stehenden international tätigen Großunternehmen ist es schon lange ein Kernthema. Das sieht man auch daran, dass die meisten Großunternehmen, zum Beispiel alle DAX 30 Unternehmen, einen Nachhaltigkeitsbericht veröffentlichen und beachtliche CSR-Abteilungen aufgebaut haben. Doch auch kleinere und mittlere Unternehmen erkennen mehr und mehr die Bedeutung von Nachhaltigkeit für den langfristigen Erfolg des Unternehmens. Nachhaltigkeit ist ein entscheidender Wettbewerbsvorteil und bietet Unternehmen die Möglichkeit, sich über Preis und Produkt hinaus vom Wettbewerb zu differenzieren. Nachhaltigkeit führt zudem zu eindeutig messbaren ökonomischen Effekten wie Ressourceneinsparungen, Abfallvermeidung, effizienteren Prozessen, langfristiger Kunden- und Mitarbeiterbindung und höherer Mitarbeiterzufriedenheit. Diese Aspekte sind ganz klar für jedes Unternehmen relevant, lediglich die Schwerpunkte unterscheiden sich je nach Branche und auch Größe. Sicherlich sind aber bestimmte Branchen besonders für das Thema Nachhaltigkeit sensibilisiert. So beispielsweise die Verpackungs- oder Textilindustrie, die durch negative Schlagzeilen immer wieder in den Fokus der Öffentlichkeit gelangt sind und durch einen proaktiven Umgang mit dem Thema dem negativen Image verstärkt entgegenwirken.

Welche Faktoren sind für nachhaltiges Wirtschaften besonders wichtig? Orientieren sich diese immer nur am Umweltschutz oder spielen auch soziale Faktoren eine Rolle?

Nachhaltigkeit umfasst Aspekte aus den drei großen Bereichen Ökologie, Gesellschaft und Ökonomie. Von der Altersvorsorge für die Mitarbeiter über den indirekten Energieverbrauch bis zu Korruptionsrisiken sind potenziell alle Aspekte wichtig, die über die monetären Daten eines Unternehmens hinausgehen. Es gibt verschiedene Richtlinien und Standards zur Nachhaltigkeitsberichterstattung, die Anhaltspunkte für die Aspekte des nachhaltigen Wirtschaftens liefern. Die international am weitesten verbreitete Richtlinie wurde von der Global Reporting Initiative (GRI) entwickelt. Sie beinhaltet einen ausführlichen Katalog an Indikatoren, der die verschiedenen Bereiche der Nachhaltigkeit abdeckt. Ziel der Standards ist aber nicht, dass jedes Unternehmen den Katalog von Anfang bis Ende „abarbeitet“ und zwingend alle Aspekte behandelt. Denn nicht alle Bereiche sind für alle Unternehmen gleich wichtig oder überhaupt relevant. So können für ein Textilunternehmen die Auswirkungen der Unternehmenstätigkeit auf die Biodiversität oder das Thema Kinderarbeit hochrelevant sein, während beide Bereiche für einen Finanzdienstleister möglicherweise keine Bedeutung haben. Eine allgemeingültige Aussage über spezifische Aspekte, die zwingend behandelt werden müssen, kann daher nicht getroffen werden. In einem ersten Schritt sollte ein Unternehmen unter Einbezug der Anspruchsgruppen die wesentlichen Bereiche für sich definieren, denn genau diese systematisch aufnehmen und verbessern. Das kontinuierliche Controlling und die Verbesserung in diesen Kernbereichen macht letztlich eine erfolgreiche Nachhaltigkeits-Strategie aus. 

Mit 360report.org besteht für Unternehmen die Möglichkeit einen Nachhaltigkeitsbericht zu erstellen. Nach welchen Richtlinien wird ein solcher Bericht erstellt?

Unsere Nachhaltigkeitsbericht-Software 360report orientiert sich an den Richtlinien der Global Reporting Initiative (GRI), den weltweit am meisten angewandten Richtlinien für die Berichterstattung. Der GRI-Rahmen ist sehr umfassend und legt ohne spezifischen Schwerpunkt die Prinzipien und Indikatoren dar, mit denen Organisationen ihre ökonomische, ökologische und soziale Leistung aufnehmen können. Mit 360report werden aber auch weitere Standards abgedeckt: die Prinzipien des United Nations Global Compact, die ISO 26000 und das Greenhouse Gas Protocol. Der United Nations Global Compact hat zehn universell anerkannte Prinzipien aus den Bereichen Menschenrechte, Arbeitsnormen, Umweltschutz und Korruptionsbekämpfung aufgestellt. Die ISO (International Organization for Standardization) hat mit der ISO 26000-Norm einen auf die ethische und gesellschaftliche Verantwortung fokussierten Leitfaden entwickelt. Das Greenhouse Gas Protocol ist ein Standard, der alle direkten und indirekten Treibhausgas-Emissionen eines Unternehmens inklusive Lieferkette abdeckt, jedoch keine sozialen Aspekte einschließt. Aufgrund der internationalen Verbreitung und der Abdeckung aller relevanten Nachhaltigkeits-Bereiche ist Unternehmen generell zu empfehlen, sich auf GRI zu konzentrieren. Inhaltlich ist die Richtlinie für alle Unternehmensgrößen und  Branchen geeignet.  

Wie funktioniert das Erstellen eines solchen Berichts? Welche Angaben muss ein Unternehmen machen und wie werden die Ergebnisse erfasst?

Die Schritte zum Nachhaltigkeitsbericht sind kurz gesagt: relevante Aspekte bestimmen, Daten sammeln, Ziele definieren und alles in eine Berichtsform bringen. In der Praxis ist das natürlich nicht so einfach. Welche Daten brauche ich für welchen Bereich? Wie sammle ich die Daten? Und wie bringe ich sie anschließend in eine verständliche und sinnvolle Struktur? Fragen über Fragen, die insbesondere Einsteiger schnell überfordern. Doch genau diese Probleme lösen wir jetzt mit 360report. In der Software haben wir die komplexen Standards für die Berichterstattung in eine benutzerfreundliche „Datenabfrage-Logik“ übersetzt. Der Anwender wird so Schritt für Schritt durch den gesamten Prozess der Datenaufnahme und Berichterstellung entlang der GRI geführt. So können innerhalb weniger Tage und ohne spezifisches Nachhaltigkeits-Wissen alle relevanten Daten zu den eigenen Nachhaltigkeitsleistungen aufgenommen werden. Das integrierte intelligente Feedbacksystem liefert auf Basis der eingegeben Daten konkrete Ziele, deren Erreichen in den Folgejahren kontrolliert und gesteuert werden kann. Nach der Dateneingabe wird der fertige Bericht auf Klick als PDF- oder Word-Dokument automatisch ausgegeben und kann sofort für die Kommunikation mit Stakeholdern sowie in Vertrieb und Marketing eingesetzt werden. Der Bericht kann nachträglich bearbeitet und mit dem firmenindividuellen Design versehen werden, ein Service, den wir unseren Kunden ebenfalls anbieten. Unternehmen, die im Vorfeld bei der Definition der relevanten Bereiche noch Beratung benötigen, unterstützen wir zudem durch günstige Beratungs-Pakete, die wir gemeinsam mit unseren Partnern anbieten.

360report fokussiert sich momentan auf den Mittelstand. Welche Erfahrungen haben Sie bei mittelständischen Unternehmen in Bezug auf die Erfüllung von Nachhaltigkeitsfaktoren gemacht? Soll die Zielgruppe in den kommenden Jahren erweitert werden?

Mehr als 100 mittelständische Unternehmen nutzen 360report bereits – quer durch alle Branchen und Unternehmensgrößen. Unsere Erfahrung ist, dass es vielfach nicht an der Erfüllung von Nachhaltigkeitsfaktoren mangelt, sondern meist am strukturierten Management der Nachhaltigkeits-Themen. So wird besonders soziale, aber auch ökologische Verantwortung in den Unternehmen schon lange groß geschrieben, aber vielfach nur punktuell und nicht strategisch umgesetzt. Dazu bedarf es eines professionellen Datenmanagement-Systems als Controlling- und Steuerungsinstrument der Aktivitäten, was bisher aber nur von einem Bruchteil der Unternehmen eingesetzt wird. Die Gründe für den Verzicht sind meist fehlende personelle und finanzielle Ressourcen und mangelndes Know-how. Genau diese Hindernisse räumen wir jetzt mit 360report aus dem Weg. Wir bieten erstmals ein mittelstandsgerechtes Controlling-Tool, das wirklich jedem Unternehmen ermöglicht, seine Nachhaltigkeits-Aktivitäten professionell zu managen und damit auch zu optimieren. Denn nur, was ich kenne, kann ich auch steuern. Das Handling von 360report ist einfach, der Nutzer wird sozusagen an die Hand genommen und durch den gesamten Berichterstellungs-Prozess geleitet – von der Datenaufnahme bis hin zum fertigen Nachhaltigkeitsbericht. Die Software ist damit auch für Einsteiger und „Nicht-Nachhaltigkeits-Experten“ bestens geeignet. Die geringen Anschaffungs- und Folgekosten machen 360report zur idealen Software-Lösung für mittelständische Unternehmen.

Unsere bisherigen Kunden zeigen, dass es bei der Anwendbarkeit von 360report für Unternehmen  größenmäßig weder nach oben noch nach unten Grenzen gibt. Auch größere Konzerne sehen die Vorteile unserer klar und einfach strukturierten Lösung und setzen diese bereits ein. Doch natürlich weichen grundsätzlich die Bedürfnisse sehr großer und global agierender Unternehmen aufgrund komplexerer Organisationsstrukturen von den Bedürfnissen kleinerer Unternehmen ab. Daher arbeiten wir zurzeit auch an der Weiterentwicklung unserer Software und werden noch in diesem Jahr eine „Premium“-Version auf den Markt bringen, die u. a. die automatische Aggregation von Standorten ermöglicht sowie eine Admin- und Zuweisungsfunktion beinhaltet.



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