Grüne Wirtschaft

Im Interview: Frau Dr. Heike Schiffler, Direktorin Kommunikation und Umwelt, Tetra Pak GmbH & Co KG

2010 hat sich Tetra Pak im Rahmen einer Zehn-Jahres-Strategie ehrgeizige Ziele gesetzt, um seine Beiträge zum Schutz der Umwelt weiter voranzutreiben.

2010 hat sich Tetra Pak im Rahmen einer Zehn-Jahres-Strategie ehrgeizige Ziele gesetzt, um seine Beiträge zum Schutz der Umwelt weiter voranzutreiben.

UMWELTHAUPTSTADT.de: Tetra Pak hat sich ehrgeizige Umwelt- und Klimaschutzziele bis 2020 gesteckt. Welches sind die drei wichtigsten?

DR. HEIKE SCHIFFLER: 2010 hat sich Tetra Pak im Rahmen einer Zehn-Jahres-Strategie ehrgeizige Ziele gesetzt, um seine Beiträge zum Schutz der Umwelt weiter voranzutreiben. Im Mittelpunkt der Initiative stehen drei Kernbereiche: Wir wollen unseren ökologischen Fußabdruck verkleinern, nachhaltige Produkte entwickeln und das Recycling gebrauchter Getränkekartons weiter ausbauen.

Man bekommt immer noch oft zu hören: „Mehrwegflaschen sind doch viel umweltfreundlicher als Getränkekartons…“. Stimmt das?

Getränkekartons sind genauso umweltverträglich wie Mehrweg-Glasflaschen. Das hat eine Ökobilanz für Getränkeverpackungen ergeben, die der damalige Bundesumweltminister Jürgen Trittin im August 2000 vorgestellt hat. In der Studie heißt es: Zwischen Mehrweg-Glasflaschen und den Einweg-Getränkekartons gibt es aus Umweltsicht ein Patt. Mit der Novelle der Verpackungsverordnung im Jahr 2005 ist der Getränkekarton als ökologisch vorteilhafte Verpackung offiziell im Verordnungstext verankert und damit von dem Pflichtpfand auf Einwegverpackungen ausgenommen.

Kritisiert wird häufig, dass die Recyclingquote von Getränkekartons zu gering ist und immer noch zu viel als Abfall auf den Deponien landet. Wie sieht die Realität aus?

Das Recycling gebrauchter Getränkekartons ist für Tetra Pak ein wesentlicher Beitrag zur Abfallvermeidung und Schonung natürlicher Ressourcen. Dank der ausgezeichneten Faserqualität ist das Kartonmaterial als Sekundärrohstoff in der Papierindustrie begeht. Mit einer Recyclingquote von rund 70 Prozent setzt Deutschland weltweit Maßstäbe, doch auch hier investieren wir in den weiteren Ausbau des Recyclings. Unser besonderes Augenmerk liegt dabei auf den Aluminium- und Kunststoffanteilen des Getränkekartons, die derzeit noch überwiegend als Energieträger in Zementfabriken verwertet werden. Der Einsatz innovativer Recyclingtechnologien ermöglicht künftig auch eine verstärkte werkstoffliche Verwertung der Folienreste. So können sie etwa zu Paraffin, Kunststoffgranulat und qualitativ hochwertigem Aluminium verarbeitet werden.

Eines Ihrer Umweltziele ist die Entwicklung von Getränkeverpackungen, die zu 100% auf nachwachsenden Rohstoffen basieren. Welche Rohstoffe kommen hier neben Holz in Betracht? Ist eine solche Verpackung, die Flüssigkeiten vor äußeren Einflüssen längerfristig schützen soll, überhaupt realisierbar?

Bis zu 75 Prozent eines Tetra Pak-Getränkekartons bestehen bereits aus einem nachwachsenden Rohstoff, nämlich Holz, der im Gegensatz zu fossilen Ressourcen wie Öl, bei verantwortungsvoller Bewirtschaftung nahezu unbegrenzt verfügbar ist. Derzeit arbeiten wir mit Hochdruck daran, auch die Nichtpapierkomponenten wie Polyethylen und Aluminium schrittweise durch nachwachsende Rohstoffe zu ersetzen. So haben wir als weltweit erstes Unternehmen der Kartonverpackungsindustrie Verschlüsse aus bio-basiertem Polyethylen hoher Dichte (HDPE) aus Zuckerrohr-Derivaten hergestellt und zur Marktreife gebracht: Im vergangenen Jahr 2012 waren bereits 610 Millionen Verpackungen mit einem solchen bio-basierten Verschluss aus Zuckerrohr ausgestattet.

Im Juni 2013 hat Tetra Pak Abkommen mit dem brasilianischen Braskem-Konzern über die Belieferung mit Polyethylen niedriger Dichte (LDPE) aus Zuckerrohr geschlossen. Mit diesem Polyethylen wird der Getränkekarton innen und außen beschichtet. Der Startschuss für diese bahnbrechende Initiative, die während des Testlaufs auf Brasilien beschränkt ist, wird im ersten Quartal 2014 fallen. Geplant ist, dass wir bio-basiertes LDPE für die Beschichtung aller in dem südamerikanischen Land produzierten Verpackungen einsetzen.

Wagen Sie einen Ausblick: Wie könnten die Menschen Getränke in 20 Jahren konsumieren? Welche neuartigen Verpackungen und Designs könnte es geben und aus welchen Materialen? Haben Sie zu diesem Thema vielleicht auch schon Kooperationen mit innovativen Unternehmen geschlossen?

Weltweit wächst der Bedarf an verpackten Lebensmitteln – an sicheren und an ökologisch wie ökonomisch vorteilhaften Verpackungslösungen. In Zeiten von Klimawandel und knapper werdenden Rohstoffen zählt es zu den größten Herausforderungen der Industrie, ressourceneffizient zu wirtschaften und Produkte umweltfreundlich zu gestalten. Diesen Anforderungen kommen wir mit der Entwicklung von Verpackungen aus 100 Prozent nachwachsenden Rohstoffen nach.

Aber bei der Verpackung der Zukunft geht es auch um Differenzierung, Convenience und veränderte Konsumgewohnheiten. Unter anderem geht der Trend klar zum Unterwegsverzehr. Konsumenten verlangen nach Verpackungslösungen mit größeren Öffnungen, die das Trinken direkt aus der Packung erleichtern. Nach dem Prinzip „One Step Opening“ hat Tetra Pak neue Drehverschlüsse auf den Markt gebracht, die diesen Anforderungen gerecht werden und Getränkeherstellern zudem noch Kostenersparnisse in der Produktion bringen. Die Gestaltung von Verschlüssen und Öffnungen ist nicht zuletzt auch aufgrund des demografischen Wandels ein wichtiges Innovationsthema. Gefragt sind Lösungen, die auch älteren Menschen und Konsumenten die Nutzung der Verpackung leicht machen.

Die meisten Menschen kennen das Unternehmen Tetra Pak nur als Hersteller von Getränke-Kartons. Daneben stellen Sie jedoch u.a. auch Molkerei- und Käsereianlagen her und bieten sogar komplette Prozesslösungen an. Welchen (Umsatz-)Anteil haben diese anderen Sparten und wie heben Sie sich hier vom Wettbewerb ab?

Tetra Pak liefert nicht nur Verpackungsabfüllsysteme, sondern auch die Anlagen zur Herstellung von Lebensmitteln. Viele Produkte, wie Milch, Desserts, Fruchtsäfte oder auch Suppen und Saucen, um nur einige zu nennen, werden auf Prozessanlagen von Tetra Pak hergestellt. Das Produkt-portfolio von Tetra Pak umfasst auch Maschinen für die Herstellung von Eiskrem und Käse: Tetra Pak Tebel bietet komplette Produktionslösungen für viele unterschiedliche Käsesorten, zum Beispiel Cheddar, Gouda, Tilsiter, Emmentaler, Hüttenkäse und Weichkäse. Tetra Pak Hoyer ist der weltweit führende Full-Service-Anbieter von kompletten Systemen, Maschinen und Verbrauchsmaterialien für die Produktion und Verpackung von Eiskrem jeglicher Art. Dazu gehören unter anderem Eis am Stiel, im Becher und in Waffeltüten, Eissandwiches, Eis in Familienpackungen sowie Großverbrauchereinheiten.

Sie versuchen Verbraucher und „Erfinder“ aktiv in Ihren Innovationsprozess mit einzubeziehen und rufen dazu auf, innovative Ideen und (technologische) Konzepte einzureichen, um diese eventuell gemeinsam mit dem „Erfinder“ weiterzuentwickeln. Welche Erfahrungen haben Sie hierbei gemacht, sind die Deutschen begeisterte „Erfinder und Tüftler“?

Unser Unternehmen hält 5.100 Einzelpatente für die Verpackung und Verarbeitung flüssiger und pastöser Lebensmittel. Um auch künftig technologische Innovationen voranzutreiben, investiert das Unternehmen jedes Jahr rund vier Prozent des Umsatzes in Forschung und Entwicklung. Wir betreiben elf Forschungszentren weltweit. Von daher kommt die Menge an Ideen und Entwicklungen aus den eigenen Reihen. Aber egal woher die Erfindung kommt: Wenn sie in unser Produktportfolio passt, sind wir durchaus interessiert.

Sie haben nicht nur sich selbst anspruchsvolle Kriterien und Obergrenzen auferlegt, sondern verlangen auch viel von Ihren Zulieferern. Stehen bei Ihnen die Einhaltung hoher Umwelt- und Sozialstandards vor dem Preis?

Tetra Pak handelt aus der festen Überzeugung, dass Unternehmen auf Dauer nur dann erfolgreich sein können, wenn sie im Einklang mit ökologischen Ansprüchen und gesellschaftlichen Interessen wirtschaften. Daher unterwirft sich unser Unternehmen den Richtlinien des Global Compact der Vereinten Nationen und verlangt die Einhaltung dieses etablierten und weltweit anerkannten Handlungsrahmens auch von seinen Zulieferern. Daneben unterstützen wir unsere Kunden und Lieferanten dabei, ihre Ökoeffizienz zu steigern und erarbeiten mit unseren Lieferanten konkrete Vereinbarungen zur Verminderung ihrer CO2-Emissionen. Wir wollen der wachsenden Nachfrage nach hochwertigen Nahrungsmitteln auf verantwortliche und nachhaltige Weise begegnen.

Was macht Tetra Pak zu einem besonders attraktiven Arbeitgeber und welche Art Mitarbeiter wünschen Sie sich für Ihr Unternehmen?

Leistung auf Weltklasse-Niveau – das funktioniert nur mit den Besten. Unser Anspruch ist hoch: Wir wollen weiter wachsen und in einer angenehmen Arbeitsatmosphäre jedem seinen Freiraum lassen. Dazu brauchen wir Menschen, die unternehmerisch denken, ein Ziel im Blick haben und aus eigenem Antrieb bereit sind, zu zeigen, was in ihnen steckt. Dafür bieten wir als international tätiges Unternehmen spannende Karriereperspektiven, aber auch überdurchschnittliche soziale Leistungen. Wir fördern eine motivierende Unternehmenskultur, in der die Mitarbeiter ihre Talente voll entfalten und kreative Ideen einbringen können. Chancengleichheit, ein faires Miteinander, weltweite hohe Standards für Arbeitssicherheit und Sozialleistungen sind für uns die Grundlagen einer nachhaltigen Personalpolitik.

Was tut Ihr Unternehmen speziell für die Karriereförderung für Frauen und insbesondere für die Vereinbarkeit von Karriere und Familie? (Diese Frage findet in Kooperation mit der Women & Work statt, dem größten Frauenkongress Deutschlands)

2012 waren 13,7 Prozent der Positionen im Top-Management bei Tetra Pak mit Frauen besetzt. Die Vereinbarkeit von Karriere und Familie wird durch eine Betriebsvereinbarung geregelt, um durch größere Flexibilität hinsichtlich Arbeitszeit und -ort die Bindung der Mitarbeiter an das Unternehmen zu stärken, qualifizierten Mitarbeitern den Wiedereinstieg nach der Elternzeit zu erleichtern und eine bessere Balance von Arbeits- und Privatzeit zu ermöglichen. Dieses Angebot wird sowohl männlichen als auch weiblichen Arbeitnehmern unterbreitet. Darüber hinaus bieten wir bei Bedarf und entsprechender Einsatzmöglichkeit unseren Mitarbeitern während der Elternzeit befristete Mitarbeit an, um den Kontakt zum Unternehmen und die berufliche Qualifikation aufrecht zu erhalten. Tetra Pak arbeitet mit einem Familienservice zusammen, um alles rund um die Kinderbetreuung, einschließlich Back-up-Einrichtung, bei Bedarf sicherzustellen.



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