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Politik, Kultur & Wissenschaft

Was uns bewegt im August: Skandalöse Bedingungen in der Fleischindustrie

Schlechte Arbeitsbedingungen, unwürdige Tierhaltung und keinerlei Änderungen. Wieso wir die Fleischindustrie nach wie vor kritisch hinterfragen sollten.

Schlechte Arbeitsbedingungen, unwürdige Tierhaltung und keinerlei Änderungen. Wieso wir die Fleischindustrie nach wie vor kritisch hinterfragen sollten.

28.08.2020 | Ein Beitrag von Tabea Dammann

Vor allem durch Corona sind die unzumutbaren Bedingungen in der Fleischindustrie noch einmal stärker ans Licht gekommen. Aber obwohl der Aufruhr um den Tönnies Skandal mittlerweile abgeebbt ist, sind die skandalösen Umstände der Fleischindustrie noch lange kein Thema der Vergangenheit. Es wird zwar immer wieder über Veränderungen diskutiert, klare Schritte für bessere Verhältnisse werden jedoch nicht geschaffen. Hieran werden die Lücken, Probleme und die Einstellung der Politik deutlich.

 

Wie steht es um den Fleischkonsum in Deutschland

Fangen wir aber ganz vorne an. Wie sieht die fleischige Situation in Deutschland überhaupt aus? Der*Die durchschnittliche Deutsche verbraucht fast 60 kg Fleisch pro Jahr (Stand 2019). Um dieser Nachfrage entgegenzukommen, werden täglich über 2 Millionen Tiere geschlachtet. Täglich! Dabei ist das Schwein das häufigste Opfer der Schlachtbetriebe. Vergleicht man weltweit, schlachtet Deutschland nach den USA und China jährlich am meisten Schweine, nämlich fast 60 Millionen. Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass pro Woche gut eine Millionen Schweine getötet werden. Die dabei herrschenden Bedingungen sind grässlich. Ungefähr 12% der Schweine müssen die Schlachtung bei Bewusstsein erleben. Aber so viel soll erstmal an schockierenden Fakten reichen. Betrachten wir lieber die Industrie im Detail und schauen uns Tönnies und dessen Rolle in der Fleischindustrie an.

 

Tönnies und ihre Rolle in der Fleischindustrie

In Deutschland teilen sich die Schlachtungen auf ein paar kleine Unternehmen auf, die einen enormen Marktanteil besitzen. Der größte Tiertöter in ganz Deutschland ist hierbei Tönnies. Fast 17 Millionen Schweine jährlich verarbeitet und schlachtet das Unternehmen allein hierzulande. Dass es fatale Folgen gibt, sobald so ein Massenschlachthof, wie der in Rheda-Wiedenbrück zu machen muss, ist also vorhersehbar. An diesem Standort arbeiten über 7.000 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen. Aufgrund der Corona Pandemie schlug bei mehr als 2.000 dieser Mitarbeitenden ein Coronatest positiv an. Die Folge? - ein lokaler Lockdown und die vorläufige Schließung von Tönnies.

Dieser Vorfall hat sich aber im Juni/Juli zugetragen. Weshalb ist es also diesen Monat unser “Was uns bewegt”? Aus ein paar einfachen Gründen. Viele erschreckende Erkenntnisse über die Fleischindustrie sind ans Licht gekommen, klar geändert hat sich jedoch nichts. Nun, wo Tönnies seit Ende Juli wieder in den alltäglichen Betrieb übergehen darf, ist es ihnen sogar erlaubt, 4.000 Schweine pro Tag mehr zu schlachten. Somit steigt alleine in diesem Betrieb die Zahl auf 30.000 Schweine täglich. Nun mag man argumentieren, dass dies alleine dem Grund geschuldet ist, dass es zuvor einen Schlachtungsstau gab, also hunderttausende Mastschweine eng zusammengepfercht auf ihre Schlachtung warteten.

Selbst wenn wir nun sagen würden, dass diese Tiere, die dadurch täglich mehr geschlachtet werden, sowieso zum Tode verurteilt waren, sollte man trotzdem nicht die Arbeiter und Arbeiterinnen aus dem Gedächtnis verlieren. Auch diese sind Opfer der Fleischindustrie und leben und arbeiten unter fast schon unmenschlichen Bedingungen.

Arbeitsbedingungen in der Fleischindustrie

Der Erfolg dieser Branche existiert auf Kosten osteuropäischer Arbeiter*innen. Bis zu diesem Jahr waren der Großteil der Arbeiter*innen mit Werkverträgen angestellt. Werkverträge sind in dem Sinne nicht nachhaltig, da nicht die Arbeitsleistung vergütet wird, sondern die Herstellung einer bestimmten Sache, eines bestimmten Produkts. Viele Sachen, die gesetzlich zum Schutz von beschäftigten Personen geregelt sind, greifen in Werkverträgen nicht. Somit ist im Krankheitsfall die Entgeltfortzahlung keine Pflicht. Arbeitende tragen die Verantwortung dafür, dass die Leistung erbracht wird. Bezahlten Urlaub gibt es dementsprechend auch nur in den seltensten Fällen.

Darüber hinaus, nimmt die Fleischindustrie die Verschwiegenheitspflicht der Verträge sehr genau. Angestellte müssen sich verpflichten, mit keiner externen Person über die vertraglichen Vereinbarungen zu reden. Solch eine Klausel ist aber rechtswidrig und dient zum größten Teil der Abschreckung der Arbeitenden. Dies ist nicht die einzige rechtswidrige Klausel in den Arbeitsverträgen. Wer möchte aber in einer Industrie arbeiten die von Abschreckung und Einschüchterung lebt?

Darüber hinaus gibt es weder eine vernünftige Einarbeitung, noch ein vernünftiges Gehalt, denn - die üblichen Überstunden werden natürlich nicht vergütet. So wird aus der 40 Stundenwoche auch schnell mal eine 60 Stunden Woche mit einer 40 Stunden Bezahlung. Gegen diese Aussagen äußern sich die Schlachtereien vereinzelt. Es gäbe reguläre Arbeitswochen in den Unternehmen. 

Dank Corona ist die Politik nun endlich ins Handeln gekommen und hat immerhin Gesetze verabschiedet, die ab 2021 die Bedingungen in der Fleischindustrie endgültig verbessern sollen. Diese beinhalten das Verbot von Werkverträgen, eine elektronische Arbeitszeiterfassung, regelmäßige Arbeitsschutz-Kontrollen und Mindestanforderungen für Gemeinschaftsunterkünfte. Denn auch in den Unterkünften leben die Angestellten in unzumutbaren Zuständen.

Das klingt alles sehr schön und schenkt Hoffnung auf eine zukünftig freundlichere Fleischindustrie aus Sicht der Arbeitenden. Jedoch wird nun dem Fleischkonzern Tönnies vorgeworfen, neue Gesellschaften zu gründen. Die Gesetze richten sich nämlich nur an Gesellschaften mit einer maximalen Anzahl von 49 beschäftigten Personen. Das soll dann mit vielen kleineren Einzelbetrieben dreist umgangen werden. Es bleibt also spannend, ob die Fleischindustrie langfristig tatsächlich ihren Ausweg aus diesem Gesetz findet.

 

Und was sagt die Politik dazu? So hängen Fleischindustrie und Politik zusammen

Sobald Stimmen in der Politik laut werden, findet das Tönnies gar nicht mal so gut. Dementsprechend hat sich Tönnies bereits mit verschiedenen Politikern angelegt. So versuchte Geschäftsführer Clemens Tönnies eine einstweilige Verfügung gegen Ralf Stengel zu erlassen. Dieser äußerte und äußert sich auch nach wie vor kritisch über das Unternehmen. Die einstweilige Verfügung wurde aber abgelehnt.

Es gibt eine Person, die das Thema der Fleischindustrie eigentlich am meisten interessieren sollte: Unsere Bundesministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, Julia Klöckner.

Diese lässt sich aber, im Gegensatz zu anderen Politiker*innen, mit Äußerungen und Maßnahmen noch Zeit. Ihren Aussagen zufolge möchte Sie die Fleischindustrie reformieren. Unter anderem konnte sie (endlich) feststellen, dass der niedrige Preis des Fleisches, weder artgerechte Tierhaltung noch faire Löhne hervorruft. Einen Vorschlag, wie sie mit diesem Problem umgehen möchte, gibt es jedoch noch nicht.

Weiterhin sind staatliche Auflagen in Bezug auf das Tierwohl in der Theorie bereits angedacht. Doch hier streitet man sich noch darüber, wie das Ganze umzusetzen ist. Während Frau Klöckner eher auf die freiwillige Einhaltung dieser Auflagen setzt, fordert die SPD die Auflagen verpflichtend zu machen. Julia Klöckner, unsere Frau für freiwillige Lösungen. Unsere Landwirtschaftsministerin ist weiterhin der Meinung, dass es mehr dezentrale Betriebe braucht. Ob sie hier auch auf eine freiwillige Lösung setzt?

Auch bei der anstehenden Kommunalwahl in NRW lohnt es sich also, das Thema Ernährung in die Wahlentscheidung miteinzubeziehen.

Was ändert sich jetzt für dich als Konsumierende*r?

Per se ändert sich für dich erst einmal nichts. Fest steht aber auch, dass sich die Bedingungen und die Umstände in der Fleischindustrie nicht so schnell ändern werden. Wir möchten keine Moralapostel sein, aber trotzdem darauf hinweisen, dass eine bewusste Ernährung sehr sinnvoll sein kann. Bewusst in dem Sinne, dass du weißt, was du in deinem Körper und in der Welt bewirkst, wenn du Fleisch konsumierst. Genauso ist es wichtig dem gesamten Thema offen gegenüberzustehen und sich verschiedene Meinungen anzuhören. Denn wie man sehen kann, geht es nicht nur den Tieren in der Fabrik schlecht. Auch die Arbeiter und Arbeiterinnen leiden unter ihren Arbeitsbedingungen. Die Augen zu verschließen, bringt nichts. Du möchtest deinen eigenen Fleischkonsum gerne reduzieren und dich bewusster und nachhaltiger ernähren, weißt aber nicht wie? Im nächsten Abschnitt haben wir ein paar Produkte und Tipps für dich zusammengestellt, die die ein oder andere Fleischmahlzeit ersetzen können.

 

Jetzt gehts (fleisch)los!

In vielen Ländern wurde in den letzten Monaten ein enormer Anstieg an veganen Fleischersatz Produkten festgestellt. Bedeutet das jetzt, dass durch Corona ganz viele Menschen zu Veganer*innen geworden sind? Nicht unbedingt. Es kann mehrere Gründe für den erhöhten veganen Konsum geben. Sei es die Angst vor infiziertem Fleisch oder die Hoffnung auf ein stärkeres Immunsystem - solange wir weniger Fleisch konsumieren, ernähren wir uns nachhaltiger. Mit diesem Bewusstsein gründeten sich auch eine Menge an Unternehmen, die den Markt für Fleischersatzprodukte erklimmen wollten. Viele hiervon sind auch bei LifeVERDE vertreten.

Allgemein sind die meisten Fleischersatzprodukte auf der Basis der Sojabohne oder des Weizenkorns hergestellt. Diese können am leichtesten Geschmack annehmen und besitzen auch in Form von Tofu oder Seitan eine ähnliche Konsistenz wie Fleischprodukte.
Eine weitere bekannte Fleischalternative ist die Jackfruit. Jackfruit hat von Natur aus eine faserige Struktur, die an Hähnchenfleisch erinnert. Bei JackyF kannst du diese Alternative ausprobieren.
SOTO bietet Burgerpatties an, die auf Basis verschiedenster Gemüsesorten hergestellt werden. Grünkohl-Hanf Burger, Cashew Black-Bean Burger oder auch ein klassischer Burger auf Tofubasis, bei SOTO findest du experimentierfreudige Alternativen.
Der Salu vegan Shop bietet Fleischalternativen auf Lupinenbasis an. Und auch dein Vierbeiner kann auf eine nachhaltige Alternative umsteigen. Bei Yarrah bekommst du zum Beispiel veganes Futter für deinen Hund.

 

Du siehst also, dass es mittlerweile unglaublich viele Fleischersatzprodukte zu allen möglichen Anlässen gibt. Sei es für dein Haustier oder für den menschlichen Verzehr, wenn du möchtest hast du heutzutage das Glück auf eine einfache Art und Weise auf Fleisch verzichten zu können. Dabei geht es nicht um das Ganz oder gar nicht‘, sondern darum, den eigenen Konsum bewusst zu reflektieren.
 

Wenn du jetzt richtig in Stimmung bist, dich noch mehr über eine nachhaltige Ernährung und die vegane Lebensweise zu informieren, lies gerne unser letztes “Was uns bewegt.. “: Lass die Kuh in Ruh.

Folge uns auch gerne auf Instagram, wo wir regelmäßig über eine nachhaltige Ernährung reflektieren und informieren: LifeVERDE  

Die Informationen dieser Seite sind der Webseite von ProVeg entnommen, sowie seriösen Quellen wie der Tagesschau oder dem Fleischatlas 2018.



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