Mode mit Geschichte und Gewissen
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Mode mit Geschichte und Gewissen

INTERVIEW | „kiss the inuit will allen zeigen: Schaut her - hier gibt es richtig tolle, junge Marken, die nichts mit den Ökoklamotten von früher zu tun haben. Die Mode hat eine Geschichte und ein Gewissen und: sie ist bezahlbar“.  Ein Interview mit Gründerin Katharina Partyka.

INTERVIEW | „kiss the inuit will allen zeigen: Schaut her - hier gibt es richtig tolle, junge Marken, die nichts mit den Ökoklamotten von früher zu tun haben. Die Mode hat eine Geschichte und ein Gewissen und: sie ist bezahlbar“.  Ein Interview mit Gründerin Katharina Partyka.

Mehr zu den Themen:   nachhaltige mode faire mode
23.05.2017

LifeVERDE: Frau Partyka, wofür steht kiss the inuit und wer steckt dahinter?

Katharina Partyka: kiss the inuit ist übersetzt das Eskimoküsschen und wurde 2011 gegründet mit dem Ziel, fair und umweltverträglich produzierte Kleidung bekannter zu machen. kiss the inuit will allen zeigen: Schaut her - es gibt richtig tolle, junge Marken, die nichts mit den Ökoklamotten von früher zu tun haben. Die Mode hat eine Geschichte und ein Gewissen und: Sie ist auch bezahlbar. Gegründet wurde kiss the inuit von mir, aber das kleine Unternehmen hat heute viele Gesichter - zurzeit acht „kit-Mädels“  :-)

Worauf legen Sie bei Ihrer Mode besonderen Wert und worauf sind Sie besonders stolz?

Die Mode muss vor allem modisch und tragbar sein und einen Charakter haben. Dass sie fair und ökologisch produziert sein muss, ist ja klar. Uns sind auch die Menschen hinter den Marken wichtig - manchmal ist es traurig, wenn wir eine Marke lieben, sie sich aber nicht gut verkaufen lässt. Aber auch das gibt es.

Woran können sich Verbraucher generell orientieren, wenn sie nachhaltige Mode suchen? Welchen Zertifizierungen oder Siegeln würden Sie vertrauen?

Das GOTS-Siegel ist ein sehr wichtiges Produktsiegel, das eine schadstofffreie Produktion bei Naturtextilien in der gesamten Wertschöpfungskette garantiert. Auch sozial sind die wichtigsten Punkte abgedeckt, denn das Siegel bedeutet auch, das die Charta der Internationalen Arbeitsorganisation ILO eingehalten wird, z.B. keine Kinderarbeit, existenzsichernder Lohn, Gewerkschaftsgründung etc. Unternehmen, die der Fairwearfoundation angehören tragen das Fairwear-Siegel. Dies ist häufige eine Ergänzung zum GOTS-Siegel. Aber auch nicht zertifizierte Kleidung kann öko-fair produziert worden sein. Das muss man im Einzelfall fragen.

Inwieweit hat der grüne Lifestyle Einzug in den Bereich Mode erhalten? Würden Sie sagen, dass immer Menschen sich bewusst für diese grüne Alternative entscheiden?

Teils, teils.  Richtig ist, das ecofaire Modeangebot wächst, weil auch die Nachfrage steigt. Es gibt mittlerweile grüne Blogs und Prominente, die das Thema Green Lifestyle pushen. Aber global gesehen gibt es leider auch den Gegentrend - niemals wurde so viel konventionelle Baumwolle angebaut wie derzeit und Fast Fashion wächst weiterhin stark. Dem müssen wir etwas entgegensetzen!

Wer kleidet sich grüner und bewusster– Männer oder Frauen?

Oh, das kann man nicht genau sagen. Frauen kaufen häufiger Mode ein, Männer shoppen eher nach Bedarf. Aber wenn Männer eine Überzeugung haben, dann bleiben sie ihr treu, ist unsere Erfahrung. Will heißen, einmal grün, immer grün. Bei Frauen ist es vielleicht nicht immer ganz so konsequent. Eine wissenschaftliche Studie dazu wäre sicher aufschlussreich.

Vielen Menschen ist grüne oder faire Mode (noch) zu teuer. Was sagen Sie dazu?

Nein, das ist so nicht richtig. Öko-faire Mode gibt es ab dem mittleren Preissegment, wo wir auch angesiedelt sind. Die Kleidung hat ein sehr gutes Preis-/Leistungsverhältnis. Aber billig können - und wollen wir ja auch nicht. Es geht darum zu schauen, unter welchen Bedingungen wurde das Produkt hergestellt. Wenn ich mir das als Konsument bewusst mache und nicht jede Woche neue Teile kaufe, dann darf ein Produkt ruhig mehr kosten. Seit der Discounterwelle und GEIZ-IST-GEIL-Kampagne haben viele das Bewusstsein für den Wert der Ware verloren. Wir müssen wieder einen Wertewandel hinbekommen, hin zu mehr Qualität, die auch etwas mehr kosten darf.

Immer mehr grüne Mode-Labels konzentrieren sich auch auf Upcycling-Mode. Würden Sie sagen, dass Kleidung aus Textilresten und Abfallprodukten gut ankommt?

Das kommt sehr auf das Design an. Ich bin ein großer Fan von Upcycling-Mode, aber es gibt kaum Labels, die schöne und tragbare Sachen machen, die auch vom Preis ok sind. Aber ein Tipp: Tauko und reet aus sind tolle Marken. Die führen wir auch.

Welche weiteren Trends im Bereich faire und nachhaltige Mode finden Sie aktuell besonders spannend?

Die Regeneratfasern liegen stark im Trend. Das sind Materialien wie Tencel und Modal. Hier würde ich mir auch ein Siegel wünschen wie GOTS. Das gibt es noch nicht. Außerdem wird sehr viel Plastik recycelt und zu Kleidung verarbeitet. Das dänische Herrenlabel knowledge cotton apparel hat es sich zur Aufgabe gemacht, bis 2020 mehr als 4,5 Millionen PET-Bottles zu recyceln. Eine Entwicklung, die mir auch gut gefällt, ist dass viele junge Labels aus Deutschlands kommen und „made in Germany“ wieder an Bedeutung gewinnt.

Verraten Sie uns, was es künftig Neues von Ihnen geben wird? 

Oh, das wird wirklich spannend. Es ist einiges geplant, verraten wird aber noch nix :-)



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