Mitwachsende BioKleidung
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Mitwachsende Bio-Kleidung

INTERVIEW | „Kinder wachsen wahnsinnig schnell, ständig wird eine weitere Konfektionsgröße benötigt. Das kostet Nerven, Zeit und Geld. Es ist also nur sinnvoll, Kleidungsstücke zu entwickeln, die ein Kind lange tragen kann.“ Ein Interview mit Mandy Geddert von CharLe.

INTERVIEW | „Kinder wachsen wahnsinnig schnell, ständig wird eine weitere Konfektionsgröße benötigt. Das kostet Nerven, Zeit und Geld. Es ist also nur sinnvoll, Kleidungsstücke zu entwickeln, die ein Kind lange tragen kann.“ Ein Interview mit Mandy Geddert von CharLe.

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16.05.2017 - Das Interview führte Gessica Mirra

LifeVERDE: Frau Geddert, wofür steht CharLe - sustainable kids fashion und welche Firmenphilosophie verfolgen Sie?

Mandy Geddert: Ich fang mal mit dem Namen an. CharLe (sprich: Tscharlee) ist ein Kunstwort und setzt sich aus den Anfangsbuchstaben der Vornamen meiner Kinder zusammen.
Im März 2010 habe ich das nachhaltige Kindermodelabel mit dem Ziel, mitwachsende Biokleidung für Kinder zu entwickeln, in Berlin gegründet.

Warum Kleidung die mitwächst? Kinder wachsen gerade in den ersten Lebensjahren wahnsinnig schnell. Ständig wird eine weitere Konfektionsgröße benötigt. Das kostet Nerven, Zeit und Geld. Es ist also nur sinnvoll Kleidungsstücke zu entwickeln, die ein Kind lange tragen und die idealerweise danach noch an ein Geschwisterkind weitergegeben werden kann. Unsere Kleidung passt über 2-3 Regelgrößen hinaus. Dabei haben wir berücksichtigt, dass die Materialen entsprechend robust sind.    

Die ökologischen Fasern und Zutaten sollten möglichst kurze Transportwege aufweisen und in Deutschland verarbeitet werden. Das haben wir bis heute alles umsetzen können. Die Baumwolle kommt aus der Türkei, alle anderen Zutaten aus Deutschland und Österreich. Wir produzieren kaum Abfälle, beziehen unseren Strom von einem reinen Ökostromanbieter, verwenden nachhaltige Büromaterialien und biologische Reinigungsmittel, versenden unsere Kleidung klimaneutral in recycelten oder gebrauchten Kartonagen und lassen unsere Kataloge und Werbematerialien in der Region so ökologisch wie möglich drucken. Nachhaltigkeit ist für uns keine leere Worthülse.

Wer steckt hinter dem Label und was treibt Sie und Ihr Team an?

Wir, das sind aktuell fünf Girls und ein Boy. Meine Mutter Rosita ist hauptsächlich für die Verarbeitung zuständig. Zissy und Swantje sind unsere Schnittfeen. Rebekka ist recht neu bei uns und unterstützt uns im Bereich Verarbeitung. Mein Mann Oliver ist für die IT zuständig und ich eigentlich für alles. Wir sind von der Idee getrieben, langlebige, wertige und zeitlose Kinderkleidung zu entwickeln. Mit dieser Idee schwimmen wir komplett gegen den Fastfashion-Strom. Einfach weil es Sinn macht.

Aus welchen Materialien besteht Ihre Mode?

Die Materialien, die in unserer Kleidung zum Einsatz kommen, bestehen aus reiner Biobaumwolle, Biobaumwolle mit Elasthananteil, Bioleinen und Wolle aus kontrollierter Tierhaltung.  

Worauf achten Sie bei der Herstellung besonders und worauf sind Sie besonders stolz?

Wir achten auf eine perfekte Verarbeitung und sind darauf bedacht eine hohe Qualität abzuliefern. Kleidung, die lange halten soll, muss diese Voraussetzungen u.a. erfüllen. Wenn es doch mal Reparaturarbeiten gibt, führen wir diese für unsere Kunden selbstverständlich kostenlos durch.

Ich bin stolz darauf mit vielen großartigen Partnern zusammenarbeiten zu dürfen - sei es der Stricker in Sachsen, der einen Teil unserer Jerseystoffe fertigt oder eine Berliner Siebdruckspezialistin, die unsere Siebe belichtet und Druckfarben mischt. Ganz besonders freue ich mich aber über die langjährige Zusammenarbeit mit einem Bandweber in Österreich, der ein natürliches Wasserkraftwerk besitzt und mit diesem 50% seiner Produktionskapazität abdeckt. Mit ihm haben wir schon viele verschiedene Biogummibänder entwickelt, die wir inzwischen auch in den USA verkaufen.   

Können Sie den Produktionsprozess überwachen bzw. nachvollziehen?

Weitestgehend ja. Bei der Herkunft unserer Biobaumwolle sind wir allerdings auf Zwischenhändler und deren Zertifikate angewiesen. Direkt auf dem Feld bei den Baumwollbauern waren wir bislang noch nicht.

Zu unseren Produzenten (Stoff, Verarbeitung etc.) haben wir einen engen und persönlichen Kontakt. Sie alle arbeiten sehr transparent. Viele unserer Produkte produzieren wir inzwischen bei uns im Haus. Hier können wir immer sofort auf Störungen o.ä. reagieren. Das ist ein großer Vorteil.   

An welchen Siegeln und Merkmalen kann ich mich als Verbraucher generell orientieren, wenn ich nachhaltige Mode suche?

Grundlegend empfehle ich die Siegel GOTS (Global Organic Textile Standard), IVN (Internationaler Verband Naturtextilien) bzw. IVN Best. Diese Siegel erfüllen weltweit die höchsten Standards in Bezug auf Ökologie, Ethik und soziale Bedingungen entlang der gesamten Wertschöpfungskette.

Man kann sich aber auch direkt bei den Anbietern ökofaier Mode schlau machen. Wer nichts zu verbergen hat, zeigt und erklärt sehr gern wie er arbeitet und produziert oder was ihn antreibt.

Wir als Unternehmen sind zum Beispiel nicht zertifiziert, weil es uns einfach zu teuer ist. Die von uns verwendeten Materialien sind entweder GOTS/IVN zertifiziert oder GOTS/IVN konform. Das allein reicht aber nicht, um die fertige Kleidung mit den Siegeln auszeichnen zu dürfen. Für den Verbraucher ist es nun schwierig zu erkennen, welchen Kriterien das Produkt entspricht. Hier ist viel Aufklärungsarbeit und Transparenz erforderlich. Wir haben das Problem insofern gelöst, als dass wir unsere Produkte mit eingängigen Icons, die unsere Kriterien wiedergeben, kennzeichnen. Und wir stellen uns sehr gern den Fragen unserer Interessenten und Kunden. Ein Austausch schafft Vertrauen und oft eine lange Beziehung.              

Nimmt das Bewusstsein speziell von Eltern zu, was ökofaire Kleidung betrifft?

Ganz klar: Ja.

Wie würden Sie generell den Entwicklungstrend hin zu grüner Mode beschreiben? Lassen sich neue Zielgruppen begeistern?

Der Markt entwickelt sich rasant. Es gibt immer mehr Designer und Hersteller, die sich mit ökofairer Mode beschäftigen und richtig gute Produkte entwickeln. Grüne Mode steht konventioneller Mode heute in nichts mehr nach. Damit lassen sich nahezu alle Zielgruppen erreichen und bestenfalls auch begeistern. Wie es um grüne Mode für Menschen ab 60+ und Menschen mit körperlichen Einschränkungen bestellt ist, weiß ich nicht.

Kostet grüne Mode deutlich mehr?

Nein. Du bekommst eine konventionelle Jeans für Kinder für 30 EUR und eine ökologische Jeans ebenfalls. 

Inzwischen gibt es grüne Mode für jeden Geldbeutel. Man sollte aber auch hier genau hinschauen. Ein Shirt, welches gemäß Hersteller aus ökologischer Baumwolle besteht und 10 EUR kostet, muss noch lange nicht unter ordentlichen sozialen Bedingungen hergestellt worden sein. Viele Verbraucher gehen irrtümlicherweise aber davon aus.  Hier ist noch viel Aufklärung erforderlich.

Letztlich muss jeder selbst wissen, welche Aspekte ihm wichtig sind. Für mich sind bio & fair in Kombination eine Selbstverständlichkeit und somit ein Muss.



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