Gesellschaft

Urbane Revolution: Obst und Gemüse wachsen künftig in Städten

GASTBEITRAG | Die Gemüse- und Obstversorgung muss nachhaltiger und regionaler werden, zum Beispiel durch Alternativen wie Urban Farming. Mehr dazu im Interview.

GASTBEITRAG | Die Gemüse- und Obstversorgung muss nachhaltiger und regionaler werden, zum Beispiel durch Alternativen wie Urban Farming. Mehr dazu im Interview.

11.08.2021 | Ein Gastbeitrag von Exner Grüne Innovation | Bild: Exner Grüne Innovation

 

Die Exner Grüne Innovation GmbH ist Dienstleister und Generalübernehmer ​von Gewächshaussystemen. Da sich die Märkte stark verändert haben, hat sich Exner auf die Bereiche des nachhaltigen Anbaus wie Indoor-Farming und Aquaponik spezialisiert. Wie sieht die Zukunft des Gartenbaus aus?

Dazu berichtet Wolfgang Grüne, geschäftsführender Gesellschafter der Exner Grüne Innovation, im Interview.

 

Elita Wiegand: In Oberhausen wurde 2019 das Leuchtturmprojekt „Altmarktgarten“ eröffnet. Auf dem Dach des Jobcenters werden unter besonderen Bedingungen Kräuter, Salate und Erdbeeren angebaut. Was verbirgt sich hinter dem „Urban Farming“ Gewächshaus?

Wolfgang Grüne: Die Versorgung mit regionalen Lebensmitteln ist künftig in Städten eine enorme Herausforderung, weil die Anbauflächen begrenzt sind. Die urbane Produktion ist eine Lösung, die wir in dem Altmarktgarten in Oberhausen realisieren. Es ist optimal, weil hier auf 1.100 Quadratmetern Kräuter, Salate und Erdbeeren wachsen. Die Ressourcen werden geschont, weil die Transportwege wegfallen, der C02-Verbrauch geringer ausfällt und der Energieverbrauch effizient ist. Nachhaltigkeit ist oberstes Ziel: So verwenden wir recycelbare Blumentöpfe und arbeiten verstärkt mit Nützlingen, die die natürlichen Gegenspieler von Schaderregern sind.


Der Altmarktgarten in Oberhausen (Bild: Exner Grüne Innovation).

Das bedeutet, dass die Stadtfarm in Oberhausen auf Nachhaltigkeit setzt. Ist das die Zukunft?

Wir sind Vorreiter für innovative Technik und entwickeln nachhaltige Methoden. Als Gärtner will ich umdenken, in das Urbane gehen und Nachhaltigkeit stärker in den Mittelpunkt unseres Handelns stellen. Dazu zitiere ich gerne Greenpeace: „Wir haben nur einen Planten und haben keinen zweiten im Kofferraum.“

Angesichts des Klimawandels wird es künftig immer wichtiger, dass wir uns regional versorgen. Es macht doch keinen Sinn, dass wir in Holland oder Spanien Tomaten produzieren und die nach Berlin, München oder Hamburg transportieren. Den Irrsinn müssen wir stoppen, wenn uns die Umwelt wichtig ist. Damit Menschen die Landwirtschaft verstehen und sich ein Bild davon machen, gilt es, dass wir sie näher an die Natur heranbringen und die urbane Selbstversorgung fördern. Auch für die Kinder ist es wichtig, die Natur in der Stadt zu erleben, denn ein Salat kommt nun mal nicht aus dem Regal eines Supermarktes.

Doch wie verändern Menschen ihre Einstellung zu nachhaltigen Lebensmitteln?

Nachhaltigkeit entsteht dann, wenn wir Lebensmittel auch wertschätzen. Wenn ein Kopf Salat 50 Cent kostet, ist der Wert viel zu gering. Ich wünschte mir, dass wir positiver über Lebensmittel denken und habe oft die Erfahrung gemacht, dass wir den Wert mehr schätzen, wenn wir Gemüse oder Obst selbst anbauen.

Vieles spricht für die urbane Landwirtschaft. Welche Projekte sind in Planung?

Aktuell sind einige Projekte in der Planung. So wird bald in einem alten Atombunker in Herne eine vertikale Indoor-Farm entstehen. Aquaponik erfreut sich immer größerer Beliebtheit, denn wir erhalten dafür auch immer mehr Anfragen.     

Die urbane Landwirtschaft erfordert für Gärtner andere Qualifikationen. Welche Anforderungen sind gefragt?

Ein normaler Gärtner ist dem urbanen Anbau kaum gewachsen. Wer im Bereich Indoor-Farming arbeiten will, braucht Qualifikationen. Ich habe mich zum Beispiel in meiner Ausbildung auf Aquaponik fokussiert, habe einen Bachelor in Agrarwissenschaften gemacht und einen Master in Aquakultur an der Universität Wageningen in den Niederlanden absolviert.  Es ist eben nicht mehr allein das Gärtnern, sondern inzwischen gibt es immer mehr technische Innovationen, die das Indoor-Farming verändern. So haben beispielsweise moderne Klimasteuerungen mehrere tausend Variablen, die nachhaltige Gärtner verstehen und vor allem bedienen sollten.    


Wolfgang Grüne bei der Erdbeerernte (Bild: Exner Grüne Innovation).

Wie sehen Sie die Zukunft der regionalen Versorgung in den Städten?

In Zukunft werden wir viele Gärtnereien, die heute stillstehen, reaktivieren und für den urbanen Gartenbau erhalten. Dann werden wir viel mehr Dachflächen und alte Fabriken dazu nutzen, um Roof-Farming, also Stadtfarmen, zu bauen. Urban Farming Projekte werden wir wie in Holland vorantreiben und es könnten eines Tages Stadtfarmen mit Milchvieh in Türmen entstehen. Wenn die Forschung weiter betrieben wird und es sich als wirtschaftlich herausstellt, werden wir Lebensmittel in einem großen Umfang in den Städten anbauen.

In Japan und den USA gibt es inzwischen sehr viele Vertical Farms. Doch auch da besteht das Problem, dass der C02-Ausstoß mit der Ernte zwar in der Waage sind, aber wir müssen dahin kommen, dass die Stadtfarmen CO2-neutral werden. Die LED-Technik muss noch ausgebaut werden, damit wir die Energieeffizienz verbessern. Wir brauchen den Mut zur Veränderung.

 

Vielen Dank für das Interview, Wolfgang!

Dir schwebt nun auch noch eine Frage im Kopf herum, die du gerne an Exner Grüne Innovation stellen möchtest?

Dann schreib sie in die Kommentare - wir freuen uns auf den Austausch mit dir!

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