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Lass die Sau raus – es geht auch mit Hülsenfrüchten

INTERVIEW | Es muss nicht immer Fleisch sein. Ersatzprodukte aus Hülsenfrüchten, Getreide oder Gemüse haben oft nicht nur ethische, sondern auch ökologische und gesundheitliche Vorteile.

INTERVIEW | Es muss nicht immer Fleisch sein. Ersatzprodukte aus Hülsenfrüchten, Getreide oder Gemüse haben oft nicht nur ethische, sondern auch ökologische und gesundheitliche Vorteile.

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03.08.2020 | Ein Interview geführt von Vera Kluck

Die Fleischindustrie hat besonders in den letzten Wochen für negative Schlagzeilen gesorgt, aber auch schon vorher stand die Massentierhaltung stark in der Kritik. Das Bewusstsein der Verbraucher für gesunde Ernährung und Nachhaltigkeit ist dem gegenüber in den letzten Jahren angestiegen. Für das Unternehmen SOTO steht Nachhaltigkeit und faire Produktion bei der Herstellung ihrer Produkte schon lange auf dem Programm. Was das genau bedeutet und welchen Mehrwert SOTOs Ersatzprodukte bieten, erfahrt ihr im Interview mit Dorothea Wachter.

LifeVERDE: Für welche Werte steht SOTO?

Dorothea Wachter: Wir von SOTO stellen bereits seit über 30 Jahren vegane und vegetarische Bio-Spezialitäten, also Produkte ausschließlich mit Zutaten aus kontrolliert ökologischem Anbau her. Dies ist ganz sicher einer unserer Schwerpunkte: die Konsequenz in der ökologischen Herstellung. Mit großer Überzeugung, viel Liebe und handwerklichem Geschick produzieren rund 100 Mitarbeiter das SOTO Sortiment. Die Samosas falten unsere Mitarbeiter noch einzeln per Hand. Um dem bewussten Verbraucher einen bestmöglichen Nutzen zu bieten, umfasst unser Sortiment eine abwechslungsreiche und spannende Geschmackswelt mit wertvollen Zutaten – von modernen Superfood-Spezialitäten bis hin zu Veggie-Klassikern.

Woraus werden Ihre Burger hergestellt?

Bei all unseren Produkten kommen nur natürliche Zutaten zum Einsatz. Also nur Hülsenfrüchte, Gemüse, Getreide, Saaten, Kräuter und Gewürze. Der Einsatz von Zusatz-, Hilfs- oder Konservierungsstoffen kommt für uns nicht in Frage. Ebenso wenig das Zusetzen von Wasser und Bindemitteln, wie es bei einigen konventionellen Herstellern praktiziert wird.

Bei unseren Burgern setzen wir auf proteinreiche Hülsenfrüchte wie rote Linsen, grüne Erbsen und schwarze Bohnen. In Kombination mit hochwertigen Saaten wie Kürbiskernen, geschmackvollem Buchweizen und exotischen Komponenten wie Cashew-Nüssen bietet jeder Burger für sich ein einzigartiges Geschmackserlebnis.

Was bedeutet Nachhaltigkeit für Sie und in welchen Bereichen des Unternehmens spiegelt sich das wider?

Wir sind ein zertifiziertes Bio-Unternehmen, das sich seit seiner Gründung 1988 für Ressourcenschutz und Nachhaltigkeit engagiert. Dabei ist es uns wichtig, nicht nur auf einzelne Projekte zu setzen. Vielmehr verfolgen wir einen ganzheitlichen Ansatz, der alle Wirtschaftsbereiche miteinbezieht.

Dies beginnt mit der Rohstoffbeschaffung. Hier beziehen wir, wenn möglich aus der näheren Umgebung, um unnötige Transportwege zu vermeiden, CO2 zu sparen und die heimische Wirtschaft zu stärken. Außerdem fördern wir die Sortenvielfalt, indem wir vorrangig samenfestes Gemüse und Getreide einsetzen und so den Fortbestand alter Sorten fördern.

Bei unserer Produktion setzen wir zu 100% auf Ökostrom aus Wasserkraft bzw. aus der eigenen Photovoltaikanlage. Unsere Maschinen tragen mittels Wärmerückgewinnung zur Warmwasserbereitung und zur Heizung bei. Außerdem nutzen wir unseren Abfall. So wird das Frittieröl von einer Partnerfirma zu Bio-Diesel aufbereitet. Organischer Abfall wird mittels Biogasanlagen zur Stromgewinnung genutzt.

Bei den Produkten selbst achten wir besonders auf nachhaltige Verpackungen. So vermeiden wir den Verbrauch von Kunststoff, indem wir zu 57% recyceltes Plastik einsetzen. Allein dadurch konnten im letzten Jahr über 50 Tonnen CO2 eingespart werden. Auch sparen wir an Verpackungen, indem wir bewusst auf Produktbanderolen und Umverpackungen verzichten. Bei unseren Tiefkühlprodukten haben wir im letzten Jahr von Kunststoff auf Faltschachteln aus Pappe umgestellt. Der dafür verwendete Rohstoff stammt aus nachhaltiger Forstwirtschaft.

Last but not least dürfen wir die Mitarbeiter nicht vergessen. Auch hier verfolgen wir einen nachhaltigen Ansatz, indem wir für rund 100 Angestellte regionale Arbeitsplätze sichern. Wir sind ein Ausbildungsbetrieb und bilden sowohl in der Verwaltung wie in der Produktion aus. Die Gesundheit jedes einzelnen Mitarbeiters liegt uns am Herzen. So bieten wir ergonomisch eingerichtete Arbeitsplätze und einen Zuschuss für das örtliche Fitnesscenter.

Dies sind unsere wichtigsten Nachhaltigkeitsbemühungen. Ich möchte hier nicht zu sehr ins Detail gehen, aber man könnte zu jedem Punkt einen längeren Vortrag halten.

Haben Sie in den letzten Jahren einen Anstieg der Nachfrage an veganen Produkten bemerkt?

Wir bemerken seit Jahren einen Anstieg an unserem veganen Sortiment und bauen den Anteil an veganen Produkten kontinuierlich aus. Das Bewusstsein der Verbraucher in Bezug auf gesunde Ernährung ist in den letzten Jahren stark gestiegen. Gleichzeitig sorgen Skandale oder Krisen wie die jetzige, bei der die prekären Arbeitsbedingungen in der Fleischindustrie aufgedeckt werden, dafür, dass sich viele eine fleischfreie Alternative wünschen, die nicht unbedingt ein Fleischersatzprodukt sein muss. Wir bieten Produkte, die für sich stehen und gerne von Veganern, Vegetariern und Flexitariern genossen werden.

Was läuft Ihrer Meinung nach aktuell in der Fleischindustrie falsch?

Das ganze System ist fragwürdig und nicht nachhaltig. Massentierhaltung, der Einsatz von Antibiotika und Wachstumshormonen, Dumping-Preise, unwürdige Arbeitsbedingungen für die Menschen und unwürdige Lebensbedingungen für die Tiere. Eigentlich müsste jedes Glied in der Kette überprüft und nach Kriterien der Würde sowie der Nachhaltigkeit neu ausgerichtet werden. Dies könnte durch staatliche Regulierung stattfinden, wird aber in der globalisierten Welt von heute nicht die gewünschte Wirkung zeigen. Gefragt ist der Verbraucher, der ein Gefühl für den wahren Wert eines Produktes entwickeln und dazu bereit sein muss, dafür das entsprechende Geld auszugeben.

Welchen Mehrwert bieten Sie Ihren Kunden mit Ihren Produkten im Vergleich zu anderen Anbietern?

Unsere Produkte überzeugen durch ihre Natürlichkeit und den guten Geschmack! Wenn Sie eine unserer Zutatenlisten lesen, wird Ihnen jede einzelne aufgeführte Komponente vertraut sein. Wir arbeiten ausschließlich mit naturbelassenen Rohstoffen und das schmeckt man auch.

Dass wir auch bei allen anderen Parametern überdurchschnittlich abschneiden, hat erst kürzlich die Zeitschrift ÖKO-TEST bestätigt. Mit unserem Burger Cashew-Black Bean haben wir in der Ausgabe 11-2019 das Testurteil „sehr gut“ erhalten.

Wo kann man Ihre Burger kaufen?

Unsere leckere Vielfalt an veganen SOTO Burgern sowie auch alle anderen Produkte von uns bekommen Sie im Naturkostfachhandel, sprich in Bio-Läden und Bio-Supermärkten in ganz Deutschland. Auch in einigen Online Shops für vegane und biologische Ernährung ist SOTO erhältlich.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft?

Dass das Bewusstsein der Verbraucher für gesunde und nachhaltige Lebensmittel weiterwächst und ein globales Umdenken in Bezug auf Massentierhaltung und industrieller Landwirtschaft stattfindet. Allein aus dem Umstand heraus, dass wir Menschen täglich satt werden müssen, beschäftigen wir uns ständig mit unserer Nahrung und doch wissen wir so wenig über die einzelnen Elemente in der Wertschöpfungskette.

Ein ganz konkreter und nicht so abwegiger Wunsch wäre, dass das Thema Ernährung in den schulischen Lehrplan aufgenommen wird. Und zwar als Grundfach ab der 1. Klasse. Mit von klein an aufgeklärten Verbrauchern würden wir die Ernährungswende hin zu einer ökologischen und nachhaltigen Landwirtschaft mit Sicherheit schaffen!

 

Noch mehr Ideen zur Fleischalternative findest du hier: Vom Burger bis zum Proteinriegel: Insektenprodukte erobern den Markt

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Bilder: Unsplash, SOTO



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