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Kreislaufwirtschaft leicht gemacht mit reCIRCLE

INTERVIEW | Auf Mehrweg setzen statt Einweg nutzen und so den Kaffee-To-Go das nächste Mal im Sinne der Umwelt genießen.

INTERVIEW | Auf Mehrweg setzen statt Einweg nutzen und so den Kaffee-To-Go das nächste Mal im Sinne der Umwelt genießen.

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04.10.2021 | Ein Interview geführt von LifeVERDE | Bild: reCIRCLE

Gerade während der Pandemie ist wohl allen bewusst geworden, wie wichtig das To-Go-Geschäft für Restaurants, Cafés und Co. ist – und somit auch umweltfreundliche Verpackungen. Um unnötige Abfälle zu vermeiden, bietet reCIRCLE ein cleveres Mehrwegsystem für Essen und Getränke in der Gastronomie an. Im Interview mit Geschäftsführer Thorben Bechtoldt erfährst du, warum diese Kreislauflösung unbedingt notwendig ist.

LifeVERDE: Welche Idee steckt hinter dem Unternehmen reCIRCLE?

Thorben Bechtoldt: Wir sind überzeugt, dass nur durch konsequente Kreislaufwirtschaft echte Nachhaltigkeit möglich ist. Mit unserem Ansatz eines Mehrwegkonzepts machen wir das für die Gesellschaft erlebbar. Wir bauen ein deutschlandweites Netzwerk für Mehrwegbehälter im To-Go-Bereich auf und verbannen damit Einwegverpackungen aus der Gastronomie. Zwar entwickeln Lokale bereits eigene Mehrwegsysteme oder Kund*innen bringen Behälter mit, in einem dichten Netzwerk gebündelt lassen sich Mehrweglösungen für Menschen aber einfacher in den Alltag integrieren und man muss nicht auf Mehrweg verzichten, wenn man die eigene Box doch mal zuhause vergessen hat.

Ohne schlechtes Gewissen das leckere Essen beim Restaurant um die Ecke abholen – das klingt wunderbar. Wie genau funktioniert das reCIRCLE-System?

Kund*innen bestellen das Essen oder Getränk in einer reCIRCLE BOX oder einem ISY Cup bei einem Partnerlokal und bezahlen ein Pfand von 10 Euro für die Box und 5 Euro für den Cup. Nach dem Verzehr kann man die reCIRCLE BOX und den ISY Cup bei einem beliebigen Partnerlokal deutschlandweit zurückgeben. Kund*innen können dann selbst entscheiden, ob sie das Pfand wiederbekommen oder Box und Cup neu befüllen lassen.

Ganz neu sind eure To-Go-Becher, die ISY Cups. Was macht die Becher besonders?

Beim ISY Cup haben wir uns einige Gedanken gemacht, um ihn so praktisch und vielfältig wie möglich zu gestalten. Er kann sowohl für Essen als auch für Getränke eingesetzt werden. Damit gelingt uns erstmalig der Brückenschlag zwischen Speisen und Getränken mit einem Mehrwegbecher. Auch die Eigenschaften des ISY Cups sind innovativ. Durch die Doppelwandigkeit wirkt er isolierend und hält damit sowohl kalte auch als warme Temperaturen des Inhalts. Außerdem lässt das transparente Material eine ansprechende Präsentation von Kaffeespezialitäten, Müsli, Joghurt, Couscoussalat oder auch Suppen mit Topping zu.

reCIRCLE Mehrwegbehälter

Der Umstieg auf Mehrweg-Behälter ist ein großer Schritt in die richtige Richtung (Bild: reCIRCLE).

Wo sind eure Mehrwegprodukte erhältlich?

Unsere reCIRCLE BOXen und ISY Cups können in allen reCIRCLE Partnerlokalen geliehen werden. Mittlerweile sind das bereits 450 Standorte in Deutschland und weitere rund 1750 Partnerlokale in der Schweiz. Damit sind wir das größte Mehrwegsystem für Essen im To-Go-Bereich im deutschsprachigen Raum. Durch dieses immer dichter werdende Netzwerk wird es für alle einfacher, Mehrweglösungen in den Alltag zu integrieren. Die eigene Box zuhause vergessen zu haben, bedeutet nicht mehr, auf Einweg zurückgreifen zu müssen. Mit Dänemark, Estland, Italien und den Niederlanden sind im Juni 2021 außerdem die ersten europäischen reCIRCLE-Initiativen außerhalb der DACH-Region gestartet. Unser gemeinsames Ziel ist es, ein europaweites Netzwerk aufzubauen und von den Erfahrungen des jeweils anderen zu profitieren, um das bestmögliche Mehrwegkonzept zu entwickeln. Gleichzeitig agieren alle reCIRCLE Teams als eigenständige Unternehmungen, um flexibel auf die kulturellen Besonderheiten der Länder eingehen zu können.

Muss man für die Boxen oder Becher etwas bezahlen?

Die Nutzung unserer reCIRCLE BOXen und ISY Cups ist für Endkonsument*innen komplett kostenlos. Wir verlangen lediglich eine Pfandgebühr von 10 Euro für die BOXen und 5 Euro für die Cups, um zu garantieren, dass unsere Behälter wieder den Weg zurück in den Kreislauf finden. Die Ausleihe wird in Zukunft außerdem noch einfacher werden: Wir arbeiten aktuell an einer App, mit der die Bezahlung des Pfands komplett digital ablaufen kann. Gastronom*innen zahlen wiederum nur, was sie auch tatsächlich verbrauchen. Für unsere Boxen fällt eine Nutzungsgebühr von 13,5 Cent und für unsere Becher von 8 Cent je Befüllung an. Damit sind die Mehrwegbehälter je nach Größe sogar günstiger als ihre Einwegalternativen.

Aus welchem Material bestehen eure Produkte und wie häufig können sie in der Regel wiederverwendet werden?

Die reCIRCLE Mehrwegbehälter bestehen aus hochwertigem PBT – Polybutylenterephtalat (Deckel aus Polypropylen) ohne BPA-Weichmacher und schadstofffrei, um den besonderen Anforderungen der Gastronomie gerecht zu werden. Durch den Zusatz von 30% Glasfaser sind sie robust, vor Schnitten geschützt und damit langlebiger. Abhängig davon, wie viel in einer Box geschnitten wird, kann sie so 150 bis 200 Mal wiederverwendet, also tatsächlich benutzt, werden. Würde man nur die Spülzyklen betrachten, halten sie sogar bis zu 1000 Mal durch. Die "aubergine" Farbe sorgt außerdem für den nötigen Wiedererkennungswert und lässt zusätzlich jedes Essen im besten Licht erscheinen. Auch für unsere ISY Cups haben wir ein Material gewählt, das eine hohe Langlebigkeit aufweist und durch seine Transparenz gleichzeitig jedes Gericht und Getränk ideal zur Geltung bringt. Sie bestehen aus hochwertigem TritanKunststoff, der eine besonders angenehme Haptik hat, isolierend ist und keine Gerüche annimmt.

Welche Rolle spielt die Nachhaltigkeit bei reCIRCLE selbst?

Die zentrale Rolle! Wir werden häufig gefragt, ob Mehrweg wirklich besser als Einweg sei - gerade, weil reCIRCLE BOXen vor Gebrauch immer gespült werden. Die einfache Antwort ist: Na klar! Bereits ab 8-16 Wiederverwendungen (je nach Material der Einwegverpackung) schneidet die reCIRCLE BOX besser ab als Einweggeschirr. Wenn man bedenkt, dass sie extrem langlebig ist und bis zu 1000 Mal wiederverwendet werden kann, erreichen wir hier eine enorme Wirkung. Außerdem setzen wir mit unserem Konzept auf das Modell der Kreislaufwirtschaft. Überschüssige, verfärbte oder kaputte Behälter, nehmen wir garantiert und kostenfrei aus dem Kreislauf und erstatten Gastronom*innen den Pfandbetrag. Die Qualität und Langlebigkeit unserer Mehrwegbehälter sind deshalb das A und O. Erreichen unsere Produkte schließlich doch das Ende ihres Lebenszyklus schmeißen wir sie nicht einfach weg. Die Deckel werden bereits heute zu Abstandshaltern für die Bauindustrie verwertet, die Boxen hingegen lagern wir ein, bis wir eine ausreichende Menge zur Verfügung haben, um sie weiterzuverarbeiten. Da die Boxen so robust sind und so oft wieder befüllt werden können, ist die Menge unbrauchbarer Behälter bisher überschaubar. Gemeinsam mit unserem Produktionspartner arbeiten wir aktiv daran, ein Recycling-Verfahren zu entwickeln, das in Zukunft sogar einen Einsatz der recycelten Boxen und Deckel mit Lebensmittelkontakt zulässt.

Wie erfolgreich ist das Pfandsystem bisher und inwiefern ist es tatsächlich nachhaltiger? (Zahlen oder Statistiken?)

Wir bieten das größte Mehrwegsystem im gesamten deutschsprachigen Raum – auch über Ländergrenzen hinweg. Durch die Heimatnähe zu unserem Sitz in Stuttgart sind wir besonders in Süddeutschland sehr stark vertreten. Mehrweglösungen sind im Zuge von Corona aber insgesamt zunehmend gefragter. Im letzten Jahr fand in der Gesellschaft ein Umdenken statt: Auf Gastronomie-Seite haben die Schließungen der Lokale dazu geführt, dass das ToGo-Geschäft enorm in die Höhe gegangen ist. Sowohl Verbraucher*innen als auch Gastronom*innen wurden dadurch nochmal auf die Mengen Verpackungsmüll sensibilisiert, die anfallen. Außerdem hatten viele Lokale vorher noch kein To-Go-Angebot und waren auf der Suche nach einer schnellen und ansprechenden Lösung, um ihre Gerichte zu verpacken. Unser reCIRCLE Netzwerk wächst damit also weiter stetig und umfasst aktuell 2100 Partnerlokale in ganz Europa. Jeden Monat können wir dadurch allein in Deutschland 108.000 Einwegverpackungen einsparen.

Mehrweg am Arbeitsplatz

Nicht nur praktisch, sondern auch cool – die reCIRCLE BOX (Bild: reCIRCLE).

Welche Bedingungen würdet ihr in der "To-Go-Branche" ändern, damit alles noch etwas nachhaltiger wird?

Gerade während des letzten Jahres sind wichtige Schritte in eine nachhaltigere Zukunft erfolgt. Nicht nur bei Gastronom*innen und Kund*innen hat ein Umdenken stattgefunden, sondern auch die Politik hat die ersten wichtigen Weichen gestellt. Die vor Kurzem verabschiedete Mehrwegangebotspflicht, die 2023 in Kraft tritt, war ein wichtiger Schritt, genauso wie das EU-weite Einwegverbot. Nichtsdestotrotz kratzen wir hier erst an der Spitze des Eisbergs. Unser Wunsch ist es, dass die Mehrwegsangebotspflicht auf alle gastronomischen Betriebe ausgeweitet wird. Hier sehen wir die Politik in der Pflicht, konsequent voranzugehen und die nötigen Rahmenbedingungen für eine breite Akzeptanz von Mehrwegsystemen zu schaffen. Dazu müssen unter anderem lokale Intra-Logistiken (Umverteilung Pfandverpackung, Rücknahmeautomat, Dezentrale Spüldienstleistung, ...) aufgebaut werden. Abfallwirtschaftsbetrieben muss es ermöglicht werden, diesen Weg im Sinne der Abfallprävention zu begleiten – auch finanziell und mit Investitionen.

 

Wir danken Dir für das Interview, Thorben!

Dir schwebt nun auch noch eine Frage im Kopf herum, die du gerne an reCIRCLE stellen möchtest?

Dann schreib sie in die Kommentare - wir freuen uns auf den Austausch mit dir!

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