Tierquälerei in China
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Tierquälerei in China

Tierschutz vs. Tierquälerei. Besonders in China finden Praktiken statt, die das deutsche Verständnis von Tierschutz erschüttern. Von Hundefleisch-Festival bis Bärengalle...

Tierschutz vs. Tierquälerei. Besonders in China finden Praktiken statt, die das deutsche Verständnis von Tierschutz erschüttern. Von Hundefleisch-Festival bis Bärengalle...

27.08.2018 - Ein Beitrag von Maike Merrem, Fotos © Pixabay

Tierquälerei in China, dem von Traditionen geprägten Reich der Mitte, ist ein vielfach diskutiertes Thema. Es liegen große Differenzen zwischen dem Umgang mit Tieren in der westlichen Welt und dem in China. Tierquälerei ist ein No-Go: Der chinesische Tierschutz Bedarf an Fortschritt.

Kein Tierschutzgesetz

In Deutschland gilt ein strenges Tierschutzgesetz, an welches sich die Bevölkerung halten muss. Bei Verstoß drohen hohe Geldstrafen. China dagegen hat kein ausgearbeitetes Gesetz, das die Tiere vor Gewalt und Grausamkeiten schützt. Das fängt schon bei den Haustieren an. Erst seit knapp 10 Jahren ist die Haustierhaltung in China beliebt. Nach und nach steigt die Zahl der Hunde, die privat als treuer Wegbegleiter gehalten werden. Informationen zum Umgang mit Tieren oder tierärztliche Versorgung ist kaum vorhanden. So werden die Hunde nicht geimpft und es finden kaum Kastrationen statt. Die chinesische Bevölkerung ist kaum über die Haltung von Tieren aufgeklärt, so sind die Hunde und Katzen ihrem Schicksal oftmals selbst überlassen. Ein greifendes Tierschutzgesetz, welches für alle verbindlich eingehalten werden muss, könnte einen strukturellen Wandel herbeiführen. Durch die seltenen Kastrationen steigt die Hundepopulation kontinuierlich. Die wenigsten Hunde erfahren eine Erziehung und niemand fühlt sich für sie verantwortlich. So laufen die Tiere oft herrenlos durch die Straßen. Das verärgert die Menschen, die selbst keine Haustiere halten. Schlägertrupps, ausgestattet mit Schlagstöcken, wollen das vermeintliche Problem eindämmen, indem sie frei laufende Hunde auf offener Straße erschlagen. Die Tierrettungsorganisation IFAW setzt sich vermehrt für den Schutz der Tiere in China ein und konnte bereits erreichen, dass Hunde auch tagsüber ausgeführt werden dürfen, dass die Schlägertrupps zur Hundetötung etwas seltener agieren, die Tollwutimpfungen verpflichtend sind und auch die Kastration offener thematisiert wird.

Der Hund, mein treuer Begleiter

Für uns steht fest: Der Hund ist der beste Freund des Menschen. Das man diesen Freund nicht quält oder gar verspeist ist in unseren Köpfen sehr fest verankert. Schon seit vielen hundert Jahren werden in der westlichen Welt die Haustiere wie Familienmitglieder behandelt. Die chinesische Bevölkerung hat einen anderen Bezug zu Hund und Katze. Sie sind erst seit wenigen Jahren als Haustiere akzeptiert und galten zuvor stets als Nutztiere.

Das Hundefleisch-Festival

Jährlich findet in China zur Sommersonnenwende das Hundefleisch-Festival statt. In Indien wird mit bunten Farben das Holi-Festival gefeiert, im Rheinland wird der Karneval zelebriert, in Schweden wird bei fröhlicher Sommerstimmung in den Midsommar getanzt und in China werden beim zehntägigen Hundefleisch-Festival bis zu 10.000 Hunde und Katzen getötet. Das hat Tradition. Das Verzehren von Hundefleisch in den Sommermonaten soll für Gesundheit und Glück sorgen. Auch die Katzen werden nicht verschont und landen bei dem jährlichen Festival im südchinesischen Yulin auf dem Grill. Die teilweise verletzten und gequälten Tiere werden in viel zu kleinen Käfigen gehalten und dann schamlos getötet und verspeist. Oftmals werden die Tiere bei noch lebendigem Leib in das kochende Wasser oder heiße Fett geworfen. Ein grausamer Anblick. Auch das Häuten der Hunde gehört dazu. Daraus werden Ledertaschen oder Handschuhe gefertigt. In Yulin erfährt der Hund sein Schicksal an lebendigem Leib.

Ist das Verspeisen von Katzen und Hunden in China Alltag?

Die chinesischen „Köstlichkeiten“ werden meist nur zu speziellen Anlässen zubereitet. Das Fleisch von Hund oder Katze ist eher der ärmeren Bevölkerung vorbehalten. Die großen Metropolen sind sehr westlich orientiert. Hier wird es schwer Hunde- oder Katzenfleisch zu finden. Landestypischere Speisen sind Pekingente, Schwein und Huhn aber auch viele Produkte aus Soja sind in China beliebt, so zum Beispiel Tofu. Es ist ein Irrtum zu glauben, die gesamte chinesische Bevölkerung esse täglich Hunde und Katzen. China ist sehr groß und in den wenigsten Regionen wird das Hundefleisch konsumiert. Nur ca. 20% der chinesischen Bevölkerung hat jemals Hundefleisch gegessen. Es handelt sich also um ein Vorurteil, dass „alle“ Chinesen Hunde verspeisen. Dass die chinesische Bevölkerung aber einen anderen Zugang zum Umgang mit den Tieren hat, bleibt unbestritten.

Adrenalin pur

Es heißt, die Qualität des Fleisches nimmt ab, sobald das Tier vor der Schlachtung zu viel des Hormons Adrenalin ausgeschüttet hat. Adrenalin schüttet der Körper in Angst- und Stresssituationen aus. So wird in der EU darauf geachtet, dass das Tier vor dem Schlachtprozess so wenig Stress wie möglich verspürt. Die chinesische Bevölkerung geht allerdings davon aus, dass gerade das Adrenalin zu einer Qualitätssteigerung führt. Aus diesem Grund werden die Tiere vor der Schlachtung des Öfteren gequält und bei vollen Bewusstsein verstümmelt. Auch in einigen Restaurants finden diese Praktiken vor Augen der Kundschaft statt. Die speisenden Gäste fühlen sich dadurch amüsiert. Sie machen sich teilweise sogar lustig über den Überlebenskampf der Tiere. Je mehr ein Tier gequält wird, desto mehr Adrenalin wird ausgeschüttet. Das Fleisch gewinnt dadurch in China an Wert. Diese Praktiken finden allerdings auch nur in wenigen Regionen Chinas statt und sind nicht Gang und Gäbe.

Nicht nur Hunde und Katzen sind betroffen

Nicht nur bei der Lebensmittelgewinnung werden Tiere schmerzhaften Qualen ausgesetzt, sondern auch bei der Gewinnung von „Medizin“. In der traditionellen chinesischen Medizin glaubt man daran, dass die Gallenflüssigkeiten von Bären heilende Wirkungen haben. Um an die Flüssigkeit zu gelangen, werden die Bären in frühen Jahren gefangen, in viel zu kleine Käfige gesteckt und dort bis zu zweimal täglich ihrer Gallenflüssigkeit beraubt. Die Tiere werden bei diesem Prozess nicht betäubt. Sie sind bei vollem Bewusstsein und stoßen schreckliche Schreie unter Qualen aus. Die Pflege der Tiere wird vollkommen vernachlässigt. Sie haben oftmals gebrochene Gliedmaßen, sind verkrüppelt, unterernährt und krank. Bis zu 20 Jahre können die Bären unter diesen Umständen leben. Ein Leben voller Schmerz und Grausamkeit. Die Wirkung der Bärengalle ist dabei aus medizinischer Sicht widerlegt. Es handelt sich um Aberglaube, um eine sehr alte Tradition, die zudem teuer ist. Dennoch ist das Produkt, welches in Pulverform verkauft wird, sehr gefragt. Die Tierrechtsorganisation Animals Asia Foundation (AAF) setzt sich für die Rettung der Bären ein und will gemeinsam mit der Regierung die Bärenfarmen schließen. Bisher allerdings mit wenig Erfolg...

 

Kleiner Reminder am Rande:

Es sollte hier nicht außer Acht gelassen werden, dass es sich um eine andere Kultur mit anderen Sitten und Bräuchen handelt. Auch in Deutschland findet Tierquälerei statt, wie zum Beispiel in der Massentierhaltung. Und dennoch essen die Deutschen gerne Schnitzel, Currywurst und Co. Auch diese Tiere haben vor dem Verzehr gelitten und kein artgerechtes Leben geführt. Dessen sollte man sich bewusst sein...

 

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