Dem Kükenschreddern ein Ende setzen
Gesellschaft

Dem Kükenschreddern ein Ende setzen

Pro Jahr werden in Deutschland rund 45 Mio. männliche Küken geschreddert und das nur, weil sie unrentabel sind. Das "haehnlein-Konzept" findet dafür seit fünf Jahren eine sinnvolle Lösung: Die sogenannten Bruderhähnen werden auch großgezogen – querfinanziert über einen geringen Aufpreis bei den Eiern der Schwesterhennen. Dem Kükenschreddern soll damit ein Ende gesetzt werden.

Pro Jahr werden in Deutschland rund 45 Mio. männliche Küken geschreddert und das nur, weil sie unrentabel sind. Das "haehnlein-Konzept" findet dafür seit fünf Jahren eine sinnvolle Lösung: Die sogenannten Bruderhähnen werden auch großgezogen – querfinanziert über einen geringen Aufpreis bei den Eiern der Schwesterhennen. Dem Kükenschreddern soll damit ein Ende gesetzt werden.

02.03.2018 - Das Interview führte Gessica Mirra, Fotos: © 13° Crossmedia Agentur

LifeVERDE: Frau Behrens, stellen Sie uns die Arbeit von haehnlein bitte kurz vor. Wer arbeitet mit, was sind Ihre Ziele?

Annalina Behrens: Hahnenküken aufzuziehen statt sie zu töten – das ist das Ziel von haehnlein, einer Marke des Bio-Erzeugerzusammenschluss’ Fürstenhof im Landkreis Rostock. Seit 2012 ziehen wir die Bruderhähne unserer haehnlein-Legehennen mit auf, anstatt sie – wie sonst üblich – direkt nach dem Schlupf zu vergasen oder zu schreddern.

Unser Ziel ist es, sichere und wohlschmeckende Lebensmittel anzubieten, die verantwortungsvoll hergestellt werden. Dazu zählen bspw. die artgerechte Haltung und gute Pflege unserer Tiere sowie eine schonende und damit nachhaltige Bewirtschaftung unserer Flächen. Unseren ganzheitlichen haehnlein-Ansatz möchten wir bis 2019 auf den gesamten Verbund, unserer Gemeinschaft aus 19 ökologisch wirtschaftenden Familienbetrieben, ausweiten. Aktuell schaffen wir es, zu mehr als der Hälfte der Legehennen aus der Erzeugergemeinschaft den Bruderhahn aufzuziehen. 

Welche Lebensmittel produzieren die Betriebe?

Unsere Kernkompetenz ist die Produktion von Bio-Eiern. Daneben bieten wir auch Bio-Geflügelfleisch von den Brüdern der haehnlein-Legehennen, also BruderhahnFleisch, tiefgekühlt als Brustfilet, Keule und Flügel national im Einzelhandel an. Im Frühjahr ergänzen wir unser Portfolio um unsere erste Convenience-Linie „Die neue Ess-Klasse“ mit Bio-Fleisch vom Bruderhahn. Kunden wählen hier zwischen acht Gerichten, wie beispielsweise einem leckeren haehnlein-Curry in Kokosmilch, einer leichten Couscous-Pfanne mit Fleisch und gegrilltem Gemüse in einer Joghurt-MinzSauce oder einem saftigen Hühnerfrikassee mit Erbsen und Möhren. Ganz neu im Programm haben wir zudem unseren Power Mampfer, eine fettarme Snack-Salami aus reinem Bruderhahn-Fleisch. Über diese Produkte hinaus produzieren unsere Betriebe Bio-Kartoffeln für den Lebensmitteleinzelhandel.

Was unterscheidet diese Lebensmittel von konventionellen und was macht sie besser?

Die komplette Produktionskette unserer Eier läuft inhouse. Das hält die Lieferketten kurz und die Eier frisch. Wir sind uns sicher: Das schmeckt der Verbraucher. 

Fleisch von Bruderhähnen aus Legerassen schmeckt anders und sieht anders aus als gewöhnliches, helles Hähnchenfleisch von Mast-Rassen. haehnlein-Fleisch ist fast dunkelrot und schmeckt eher wie Wildgeflügel oder Ente. Da unsere Hühner und Bruderhähne so viel Auslauf und Zeit zum Wachsen haben, ist ihr Fleisch auch viel saftiger und aromatischer als das von konventionellen Masthähnchen. Und natürlich sind alle haehnlein-Produkte von bester Bio-Qualität. 

Würden Sie uns bitte Ihr „haehnlein-Konzept“, mit dem Sie männliche Küken retten wollen, vorstellen?

Pro Jahr sterben rund 45 Millionen männliche Küken allein in Deutschland nach dem Schlupf, weil sie unrentabel sind: Die Hähne aus der Legelinie legen keine Eier und setzen nur langsam Fleisch an. Unser haehnlein-Konzept findet seit fünf Jahren eine sinnvolle Lösung für die Eintagsküken-Problematik: Statt die männlichen Legetiere, die sogenannten Bruderhähne, direkt nach ihrem Schlupf zu töten, ziehen wir sie in 120 Tagen schonend und unter biologisch kontrollierten Haltungsbedingungen groß – querfinanziert über einen geringen Aufpreis bei den Eiern der Schwesterhennen. Nach der Schlachtung wird das Bruderhahn-Fleisch tiefgekühlt als Brustfilet, Keule und Flügel national im Einzelhandel angeboten.

Wie kommt dieses Projekt bei den Kunden an? Welches Feedback erhalten Sie?

Seit der ersten Testphase im Jahr 2012 ist die Nachfrage nach unseren Eiern und unserem Fleisch so konstant gestiegen, dass wir im März 2016 die Aufzucht des 100.000 Hahns feiern konnte. Ende 2017 feierte unser haehnlein-Konzept fünften Jahrestag – wir haben bis dahin rund 350.000 Eintagsküken großgezogen. Die Kunden wünschen sich, dass die männlichen Küken mehr als nur den Schlupf erleben.

Wer sind Ihre Kunden? Wer unterstützt damit Ihr Projekt?

Wir sprechen die gesundheitsbewusste Familie ebenso an wie den tierlieben Studenten. Unsere Kunden sind in der Regel Menschen, denen Tierwohl ebenso am Herzen liegt wie der schonende Umgang mit den natürlichen Ressourcen – und das ist zum Glück eine wachsende Gruppe in unserer Gesellschaft. Auch deshalb gibt es unsere Produkte inzwischen bundesweit sowohl im Naturkostfach- als auch im Lebensmitteleinzelhandel.

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