Gesellschaft

Nachhaltige Bestattungen – Worauf kommt es an?

Der Aspekt der Nachhaltigkeit umfasst immer mehr Lebensbereiche. Viele Verbaucher*innen sorgen dafür, dass auch nach dem Tod ihr ökologischer Fußabdruck so klein wie möglich bleibt.

 

Der Aspekt der Nachhaltigkeit umfasst immer mehr Lebensbereiche. Viele Verbaucher*innen sorgen dafür, dass auch nach dem Tod ihr ökologischer Fußabdruck so klein wie möglich bleibt.

 

08.10.2021 | Ein Beitrag von Saphira Conradi | Bild: Angelica Reyes, Unsplash

 

Wer zu Lebzeiten auf die Umwelt Wert gelegt hat, der möchte das wahrscheinlich auch nach seinem Tod tun. Verschiedene Faktoren können dabei eine entscheidende Rolle spielen – vor allem die Art der Aufbewahrung und die Bestattung an sich. Die Nachfrage nach alternativen Bestattungsmöglichkeiten wächst und mittlerweile gibt es schon einige Angebote hierfür, die teilweise sogar günstiger sind, als die herkömmlichen Methoden. Was für Möglichkeiten es gibt, um eine Beerdigung umweltfreundlich zu gestalten und welche Methode die Nachhaltigste ist, erfährst du in diesem Artikel.

Erd- oder Feuerbestattung – Wie funktionieren die klassischen Bestattungsarten und wie geht das nachhaltig?

Die Erdbestattung ist die klassischste Bestattungsart. Der Sarg oder die Urne wird dabei auf einem Friedhof vergraben beziehungsweise aufbewahrt. Es gibt verschiedene Faktoren, die die Nachhaltigkeit deines Sarges beeinflussen, über die du im nächsten Abschnitt mehr erfährst. Eine weitere Möglichkeit ist die Verbrennung des Toten samt seiner Aufbahrung. Diese Art der Beerdigung ist am schlechtesten fürs Klima, denn neben der eigentlichen Verbrennung sorgt auch die Herstellung und der Transport des Sarges und nachher der Urne für mehr CO2 in der Atmosphäre. Doch auch hier gibt es nachhaltigere Alternativen: Wenn im Krematorium, die im Körper enthaltenen Schadstoffe herausgefiltert werden, bevor die Asche beigesetzt wird, ist das sogar nachhaltiger, als den Körper im Ganzen beizusetzen. Wenn die Urne dazu noch aus biologisch abbaubarem Material ist, ist das umso besser.

Särge und Urnen aus umweltfreundlichem Material

Für mehr Nachhaltigkeit bei der Beisetzung können Cellulose-Särge sorgen: Statt eines traditionellen Sarges bieten immer mehr Bestattungsinstitute Särge aus Pappe an. Sie sind aus ausgeforstetem Holz und Pflanzenresten gemacht und nicht nur umweltfreundlicher, sondern auch günstiger als herkömmliche Särge. Darüber hinaus sind sie leichter und deshalb besser zu transportieren. Allerdings eignen sie sich schlecht für Feuerbestattungen, da die Cellulose allein nicht gut genug brennt und daher extra Brennmaterial benötigt wird.

friedhof am abend

Umweltfreundliche Beerdigungen sind im Kommen (Bild: Janeson Keeley, Unsplash).

Andere umweltfreundliche Särge sind aus regionalen, schnell nachwachsenden Hölzern gemacht. Manche Unternehmen bieten zudem ungewöhnliche Alternativen, wie Särge aus Bananenblättern an. Nachhaltige Urnen bestehen aus biologisch abbaubaren Materialien wie Holz und Hanf und belasten somit den Boden weniger als herkömmliche Urnen. Die nachhaltigen Alternativen findet man mittlerweile bei immer mehr herkömmlichen Bestatter*innen.

Naturverbundenheit demonstrieren durch Wald- oder Seebestattung

Immer mehr im Kommen, vor allem bei Naturfreunden, ist die Bestattung im Ruheforst oder Friedwäldern. Dabei wird die Urne meist anonym unter einem Baum begraben. Bis zu 12 Urnen finden so unter einer Baumwurzel Platz. Hierfür sind lediglich Urnen aus biologisch abbaubarem Material erlaubt, um den Boden und die Wurzeln nicht zu beschädigen.

wald im sommer

Für Viele ist der Wald die geeignete letzte Ruhestätte (Bild: Irina Iriser, Unsplash).

Wer sich nicht vorstellen kann, unter der Erde begraben oder verbrannt zu werden, der kann seine Asche auch im Meer verstreuen lassen. Dabei wird eine Urne aus schnell löslichen Materialien verwendet, zum Beispiel Pappmaché oder Salz, und anschließend wird die Urne ins Meer überführt. Die Bestattung kann nur im Meer und keinen anderen Gewässern stattfinden. Umwelttechnische Bedenken bestehen hier eher durch die Überfahrt. Die Urne mit der Asche an sich ist für das Meer nicht schädlich. Die Regelungen für die Seebestattung sind allerdings ziemlich strikt und daher nicht für jeden einfach umsetzbar.

Die Recycling-Bestattung: Umwandlung zur Gartenerde

Ein ungewöhnlicher Ansatz kommt aus den USA: Dort gibt es seit Neuestem die Möglichkeit, den zersetzten, menschlichen Körper nach einer gewissen Zeit als Gartenerde wiederzuverwenden. Die erste Kompostieranlage für menschliche Körper der Firma „Recompose“ ist dort seit 2020 in Betrieb. Die Gründerin rechtfertigt ihre ungewöhnliche Idee vor allem mit dem Gedanken der Nachhaltigkeit: Besonders in Großstädten werde der Platz für Erdbestattungen zunehmend knapper und die Verbrennung in Krematorien verbrauche sehr viel Energie. Nach eigenen Angaben verbrauche ihre Methode bis zu 1 Tonne weniger CO2 als die Verbrennung. Der Vorgang selbst ist recht simpel: Der Körper wird in einen Behälter mit Holzstreu, Alfalfa und Heu gegeben und anschließend von körpereigenen und äußeren Bakterien zersetzt. Am Ende bleibt Pflanzenerde übrig, die die Angehörigen entweder selbst aussäen können, oder in einem Naturschutzgebiet ausgetragen wird. Es leuchtet ein, dass diese Art der Bestattung nachhaltig ist. Ein größerer Streitpunkt ist die Ethikfrage bei dem Verfahren. Zur Genehmigung des Verfahrens musste in den USA extra ein Gesetz geändert werden. Die Frage danach, wie vertretbar es ist, einen Menschen zu Hummus zu verarbeiten und anschließend für Gartenpflanzen zu verwenden ist auf jeden Fall berechtigt und muss im Zweifel von jedem selbst beantwortet werden. Hier in Deutschland ist das Verfahren so oder so nicht zulässig.

Viele Wege führen zur Öko-Beerdigung

Wir haben gesehen: Es gibt viele Wege, die Beisetzung eines nahestehenden Menschen oder per Testament auch die eigene Beerdigung nachhaltiger zu gestalten. Wichtig sind dabei vor allem:

·         Die Art und der Ort der Bestattung

·         Die Auswahl des Sargs oder der Urne

·         Die regional verfügbaren Möglichkeiten und Gesetze

Ob, und für welche Alternative man sich entscheidet, hängt aber zum großen Teil von der Persönlichkeit und dem Lebensweg des Verstorbenen ab. Denn das Wichtigste an der Beerdigung bleibt nach wie vor die Ehrung und das Gedenken an einen geliebten Menschen.



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