Der mobile Dorfladen Supermarkt auf Rädern
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Der mobile Dorfladen- Supermarkt auf Rädern

INTERVIEW | Ab jetzt kommt der Supermarkt zu Ihnen nach Hause, denn der mobile Dorfladen verspricht Essen auf Rädern in ländlichen Regionen Bayerns.

INTERVIEW | Ab jetzt kommt der Supermarkt zu Ihnen nach Hause, denn der mobile Dorfladen verspricht Essen auf Rädern in ländlichen Regionen Bayerns.

03.09.2018- Das Interview führte Larissa Littek, Fotos © Mobiler Dorfladen

LifeVERDE.de: Was ist der mobile Dorfladen?
Der mobile Dorfladen: Der mobile Dorfladen ist eine Art rollender Supermarkt, der Bürger mit Lebensmitteln aus der Region und weiteren Produkten des täglichen Bedarfs versorgt. Umgesetzt wurde der mobile Dorfladen als begehbarer LKW mit einer Verkaufsfläche von 17 qm, der seit Mitte August in unserer Modellregion, der Steinwald-Allianz, auf Tour ist und ein breites Warensortiment anbieten kann. Das Besondere am mobilen Dorfladen ist, dass er im Hintergrund mithilfe einer digitalen Plattform gesteuert wird, die Betreiber, regionale Erzeuger und Bürger in der Steinwald-Allianz digital vernetzt: So können die Bürger über einen Online-Shop Waren bestellen und über den mobilen Dorfladen in ihren Ort geliefert bekommen.
 
Woher stammt die Idee des mobilen Dorfladens?
Die Idee des mobilen Dorfladens ist 2016 im Rahmen des Wettbewerbs „Digitales Dorf“ der Bayerischen Staatsregierung zur Erforschung von Potentialen der Digitalisierung im ländlichen Raum entstanden. Eingereicht wurde die Idee von der Steinwald-Allianz, einem kommunalen Zweckverband im Landkreis Tirschenreuth. Die Idee des mobilen Dorfladens konnte die Jury innerhalb Nordbayerns am meisten überzeugen: Es wurde als das Projekt mit dem umfassendsten Ansatz beurteilt und hat als Zielgruppe Bürger jeden Alters. Perspektivisch besitzt die Projektidee eine hohe Anschlussfähigkeit und kann durch weitere Dienstleistungen ergänzt werden. Gemeinsam mit den Fraunhofer Instituten IIS und IESE wurde die Idee weiterentwickelt und befindet sich nun in der Umsetzung.
 
Für welche Probleme bietet der mobile Dorfladen eine Lösung und was soll er langfristig bewirken?
Die Steinwald-Allianz umfasst als kommunaler Zweckverband 16 Gemeinden und fast 40.000 Einwohner in einer sehr großflächigen Region. Die Bürger müssen teilweise sehr weite Wege zu Versorgungseinrichtungen, bspw. Supermärkten, Bildungs- oder Gesundheitseinrichtungen, zurücklegen.
Schon heute ist die Versorgung mit Lebensmitteln und anderen Services in vielen Ortsteilen lückenhaft. Allein zwischen 2005-2015 sank die Zahl der Lebensmittelgeschäfte in der Region um 28%. Nachdem bis 2035 außerdem ein deutlicher Rückgang der Bevölkerung prognostiziert wird, muss davon ausgegangen werden, dass sich Angebote zur Nahversorgung weiter ausdünnen werden.
Außerdem leben in ländlichen Gebieten vergleichsweise viele ältere Menschen, die häufig nicht mehr mobil sind und diese Wegstrecken ohne Hilfe nicht zurücklegen können.
Der mobile Dorfladen soll einerseits Bürgern den Vorteil der Wege- und Zeitersparnis bringen und andererseits regionalen Erzeugern zur zusätzlichen Vermarktung und Abnahme ihrer Produkte dienen. Außerdem können die Erzeuger ebenfalls Zeit sparen, sobald keine eigenen, weiten Verkaufstouren gefahren werden müssen und werden über den mobilen Dorfladen an die Digitalisierung und neue Absatzmöglichkeiten herangeführt. Langfristig gesehen soll der mobile Dorfladen also die Nahversorgung für alle Alters- und Zielgruppen verbessern und die regionale Kreislaufwirtschaft stärken und somit auch neue Arbeitsplätze schaffen. Der ländliche Raum soll damit wieder attraktiver werden.
 
Wie soll sich der mobile Dorfladen in Zukunft finanzieren?
Zurzeit wird der Betrieb des mobilen Dorfladens im Rahmen des Projekts „Digitales Dorf“ durch die Bayerische Staatsregierung gefördert. In einer nächsten Phase planen wir den Online Shop und den mobilen Dorfladen in Hinblick auf Sortiment, Angebote und Routen so zu optimieren, dass er sich zu einer nachhaltigen, tragfähigen Lösung weiterentwickelt. Zudem ist die digitale Plattform so konzipiert, dass weitere Services einfach angebunden werden können. Welche weiteren Services sinnvoll sind und den größten Bedarf und Nutzen für die Bürger haben soll in der nächsten Phase erforscht werden.


 
Wann und wo soll der mobile Dorfladen realisiert werden?
Der mobile Dorfladen wird zunächst in der Steinwald-Allianz erprobt, dort fährt der LKW bereits seit Mitte August. Zu Beginn werden 25 unversorgte Ortsteile der Steinwald-Allianz zwei Mal wöchentlich für jeweils ca. 30 Minuten angefahren.   
 
Wie können potentielle Kunden beim mobilen Dorfladen einkaufen?
Kunden können einerseits vor Ort im begehbaren LKW „spontan“ einkaufen oder die Waren über den Online-Shop bestellen. Bestellte Waren werden dann vorkommissioniert und können fertig gepackt einfach und schnell an einem ausgewählten Haltepunkt des LKWs abgeholt werden.
 
Welche Produkte bietet der mobile Dorfladen an?
Das Angebot besteht aus Produkten des täglichen Bedarfs. Was regional bezogen werden kann, wird von Erzeugern aus der Steinwald-Allianz angeboten, Waren darüber hinaus werden bei einem Lebensmittelgroßhändler bestellt. Welche Waren der mobile Dorfladen transportieren soll, wurde im Zuge einer umfangreichen Beteiligung der Bürger in der Region erhoben, um die Bedarfe bestmöglich abzudecken. Zudem gibt es die Möglichkeit im LKW Bargeld abzuheben. Im nächsten Schritt werden weitere Services und Angebote identifiziert, die an den mobilen Dorfladen angebunden werden könnten, bspw. die Auslieferung von Arznei.
 
Sind noch weitere Projekte dieser Art in Planung?
Im Rahmen des Projekts „Digitales Dorf“ gibt es neben der nordbayerischen Modellregion (Steinwald-Allianz – Betreuung durch Fraunhofer IIS und IESE) drei weitere Modellregionen in Südbayern (Betreuung durch die Technische Hochschule Deggendorf), in welchen digitale Lösungen erprobt werden.
In Nordbayern gibt es zudem mittlerweile mehrere Teilprojekte, die unterschiedliche Lebensbereiche abdecken. Im Projekt Digitales Dorf Steinwald-Allianz wird der mobile Dorfladen zur Verbesserung der Nahversorgung entwickelt, das Teilprojekt Digitales Dorf Wohnen & Bildung, welches gemeinsam mit dem Landkreis Tirschenreuth umgesetzt wird, konzentriert sich dagegen auf eine digitale Wohnberatung und Bildungsangebote für Ältere zur Digitalisierung. Und in einem bald startenden Digitalen Gesundheitsdorf sollen Lösungen zur Vernetzung von Pflegediensten, Patienten und Ärzten entwickelt werden. Abseits der „Digitales Dorf“ Initiative arbeitet Fraunhofer IIS an digitalen Lösungen zur Verbesserung der Mobilität im ländlichen Raum.

 

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Kommentare
Kommentare
Wolfgang Gröll
05.09.2018
Der Dorfladen soll die Bestellung per Online ermöglichen.
Unter www.steinwald-dorfladen.de sehen Sie das ganze Fiasko.
Professionelle Begleitung sieht anders aus. Hier wird m. E. große Augenwischerei betrieben.
Übrigens: bei www.onlein.shop.de sieht es nicht anders aus.
Mich wundert es nur, dass dafür so viel Fördergelder zur Verfügung gestellt wird.


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