Lecker und gesund der Gemüsegarten von BEHR
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Lecker und gesund - der Gemüsegarten von BEHR

INTERVIEW | Die Bauern der BEHR AG sind noch mit dem Boden verwurzelt und bringen jeden Tag unter freiem Himmel gereiftes und frisch geerntetes Gemüse auf den Tisch.

INTERVIEW | Die Bauern der BEHR AG sind noch mit dem Boden verwurzelt und bringen jeden Tag unter freiem Himmel gereiftes und frisch geerntetes Gemüse auf den Tisch.

16.08.2018 - Das Interview führte Romek Voge, Fotos © BEHR AG

LifeVERDE: Herr Behr, wofür steht die BEHR AG und was findet man in Ihrem „Gemüsegarten“?

Rudolf Behr: Die BEHR AG entspringt einer bäuerlichen Familie. Dementsprechend wird alles von der Produktion her gesehen und zwar langfristig bzw. „nachhaltig“. Wir sind Bauern und bauen überwiegend Gemüse unter freiem Himmel an. Das geschieht sowohl konventionell wie auch ökologisch. In beiden Bereichen steht für uns die Zufriedenheit mit unseren Produkten und ihrer Qualität an oberster Stelle.

An wen richtet sich Ihr Gemüse-Angebot?

Wir denken natürlich immer an den Konsumenten, der unser Gemüse essen will. Auf dem Weg dorthin arbeiten wir fast ausschließlich mit dem deutschen Lebensmitteleinzelhandel (LEH) zusammen.

Welchen Stellenwert haben nachhaltige Anbau- und Erntemethoden bei Ihnen?

Nachhaltigkeit ist ein urlandwirtschaftlicher Begriff und seltsamerweise wird der Begriff förmlich okkupiert. Nachhaltig für wen, muss man bei all den Diskussionen fragen. Wir, als Bauern, denken in Generationen und das nennen wir nachhaltig. Kommenden Generationen eine geordnete, zukunftsfähige Welt zu hinterlassen, das ist nachhaltig. Die Generationen bestehen aus Menschen. Wenn diese Menschen eine gewisse Landschaft, Natur oder sonstige Umweltfaktoren brauchen, dann müssen wir sie erhalten oder neu aufbauen. Nachhaltigkeit ist also nicht nur Bewahren, sondern auch Verändern und zukunftsfähig Gestalten. Da hilft moderne Technik außerordentlich, um gezielter zu arbeiten und bedarfsgerechter auf den Punkt die richtigen Maßnahmen zu treffen. Wir können den Pflanzenschutzmitteleinsatz um 50% durch geeignete Technik reduzieren, bei gleichzeitig besserer Wirkungsweise gegen die Schadorganismen. Dazu brauchen wir große Arbeitsbreiten und sehr viele Kameras, um Arbeitsschritte genauer und exakter auszuführen. Das sind hohe Investitionen, die sich nur bei großen Anbaumengen lohnen. Es ist oft anders, als die Allgemeinheit fühlt. Kleine, regionale Strukturen sind für die Konsumenten nachhaltig. Das ist die gefühlte Welt. Große, hoch mechanisierte Einheiten sind beweisbar und mathematisch eindeutig nachhaltiger, nur fühlt man es nicht. Wir haben durch unsere 12m-Arbeitsbreiten schon 25% der Anwendungen (Pflanzenschutz, Dünger, Wasser) einsparen können. Das gilt sowohl für unseren Bio- als auch für unseren konventionellen Anbau.

Biodiversität definieren Sie bei der BEHR AG neu und legen großflächige Blühwiesen und -streifen an, die gemeinsam mit ortsansässigen Imkern und Naturschutzverbänden geplant werden. Welches Kernproblem möchten Sie damit lösen und wie funktioniert das?

Schon 2009 haben wir uns diesem Thema gewidmet. Durch unsere 12m-Arbeitsbreite entstehen Freiflächen. Denn die Felder enden nicht immer mit 12 Metern. Manchmal sind es auch 11 Meter und weniger. Auf diesen Streifen Blühwiesen auszusäen, war sehr erfolgreich. Es ist unglaublich, was sich dort an Insekten und eben auch Bienen versammelt. Wir sind in der glücklichen Lage, in Norddeutschland unsere Hauptproduktion zu haben. Hier haben wir Raum und Fläche und brauchen nicht jeden Quadratmeter umzuwühlen. Wir haben ausreichend nicht bebaute Flächen, wo sich die Natur ungestört ausbreiten kann. Das hilft uns auch. Denn die Schadorganismen fressenden Tiere und Pilze haben den Feldrand als Rückzugsraum. Das ist sehr wichtig. Für die Biodiversität spielt es übrigens keine Rolle, ob sie einen Bio- oder einen konventionellen Anbau machen. Unsere Bio-Pflanzenschutzmittel entspringen zwar der Natur, sind aber auch „Mittel“, die entsprechend die Natur beeinflussen. Frei von Insekten und Pilzen muss das Bio-Gemüse auch sein, so steht es im Lebensmittelgesetz. Die Bio-Mittel sparsam einsetzen zu können, dazu verhilft uns die Technik. Großzügige Feldränder sind auch im Bio-Anbau für eine Vielfalt des Lebens notwendig. Das kann durch Steinhaufen, Insektenhotels, Nistkästen und Stangen für Greifvögel unterstützt werden. Das machen wir. Wir sind da nicht ideologisch und beurteilen die Maßnahmen nach dem Erfolg. Dazu sind wir mit Naturschutzverbänden und Imkern verbunden und stets im offenen Dialog.

Auch Produkt-Innovationen sind ein wesentlicher Eckpfeiler der Erfolgsstrategie. Können Sie ein paar Beispiele geben?

Produktinnovationen sind für Betriebe wichtig. In unserem Bereich steigern wir durch neuartige Produkte in der Regel nicht den gesamten Gemüsekonsum, sondern verdrängen eher andere Produkte. Aber, wenn man nichts Neues hat, kann es sein, dass man verdrängt wird. Generell wartet im Handel keiner auf etwas „Neues“, jedenfalls in der Regel nicht. Es ist immer Mehrarbeit und ein zusätzlicher Einsatz. Bedenkt man, dass viele Artikel ein Flop sind, dann wird es noch verständlicher. Aber,- wenn die Konkurrenz das Produkt aufgreift und es zum Erfolg führt, dann ist es gefährlich, Innovationen zu verschlafen. Das gilt für den Produzenten und für den Handel. Wir landen ab und an einen Volltreffer im Markt. So haben wir „damals“, 1977, den Eissalat in Deutschland anbauen und durchsetzen können. Später folgten dann der 500g-Broccoli, die Bluccoli-Schale, der Mini Romanasalat, der Kohlrabi mit einem Durchmesser von 100mm plus und neu: der Mini-Pak Choi. Auch alte Produkte neu aufzugreifen ist wichtig. Andere Produkte, wie den Kronenbroccoli oder den SalaCrisp, haben wir noch nicht durchsetzen können. Es bleibt häufig etwas auf der Strecke, was zu einem sehr viel späteren Zeitpunkt der Renner wird.

In Ihrem Sortiment findet man sogar exotisch klingende Produkte wie Topinambur. Wächst das tatsächlich in Deutschland? Welches Gemüse sollte man außerdem probiert haben, das in Deutschland eher unbekannt ist?

Topinambur klingt sehr exotisch, ist aber eher eine etwas andere Kartoffel. Das ist eine absolute Nische und damit ein kleines Gewächs in der Nachfrage. Auf dem Feld ist das eher wucherndes Unkraut. Wir haben von diesen Produkten noch einiges in der Entwicklung. Ingwer zum Beispiel, als Bio-Ingwer. Artischocken sind auch solche Exoten für Deutschland und dienen mehr der Weihnachtsdekoration, denn als Gemüse. Derzeit bevorzugt man Gemüse, das rot gefärbt ist, wegen dem Anthozyan. Das soll besonders gesund sein. Roten Chinakohl haben wir in der Probe. Roten Kohlrabi stellen wir gerade wieder ein. Den will keiner haben. Aber gut,- vielleicht kommt das später. Schwarzkohl bzw. Palmkohl haben wir ebenfalls im Testanbau. Er soll sehr gesund sein. Gesund sind nun mal alle unsere Gemüsearten. Wenn genug davon gegessen wird, spielt es bestimmt keine Rolle, was man isst.

Bodenständigkeit und Innovation sind bis heute „Tradition“ im Familienunternehmen BEHR, das bereits in 4. Generation geleitet wird. Was bedeutet arbeiten bei der BEHR AG und was schätzen Ihre Mitarbeiter besonders?

Bodenständigkeit ist sehr wichtig, wenn man im Anbau von Gemüse erfolgreich sein will. Wir müssen unsere Nase immer wieder in den Dreck stoßen, damit wir geerdet bleiben. Der Beruf des Bauern ist eine gute Schule, den Blick unaufgeregt auf die Zusammenhänge in der Natur zu schulen. Wir wundern uns oft, wie Menschen, die nur die Stadt kennen, uns erzählen wollen, wie Ackerbau und Viehzucht funktioniert. Sie wirken auf uns dann oft nicht mit der Erde verwurzelt. Rein sachlich ist das ja auch schwierig, denn in der Stadt gibt es überwiegend Beton und darauf verwurzelt es sich schlecht. Für uns ist es wichtig, die sehr schwere Arbeit, die unsere Mitarbeiter täglich erledigen, zu würdigen. Es ist egal, ob es die ständigen Mitarbeiter sind oder die Saisonarbeitskräfte. Es wird Niemandem in unserem Beruf etwas geschenkt. Jetzt, bei der Hitzewelle, müssen unsere Mitarbeiter bis an den Rand der Erschöpfung arbeiten, um den Kulturen ausreichend Wasser durch die Beregnung zu geben. Sehr viel vertrocknet, weil die Aufgabe, ausreichend Wasser zu geben, zu groß ist. Deshalb werden die Gemüseprodukte auch knapper und das merkt man in den gestiegenen Preisen. Wenn der erste Regen fällt, dann ist „Ausschlafen“ für die Beregnungsleute angesagt. Das Geld, das bedeutet der Lohn, muss stimmen. Das wird von den Mitarbeitern zu Recht verlangt. Das ist aber nicht „Alles“, sondern nur eine Art der Zuwendung. Leistung verlangen wir, da sind wir nicht ängstlich. Aber wir arbeiten und leben mit Menschen und deshalb soll es auch menschlich zugehen. Das kostet monetär übrigens nichts und hilft doch so viel.

Vielen Dank!

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