Demonstration für mehr Tierwohl, Umweltschutz und Klimagerechtigkeit
Gesellschaft

Demonstration für mehr Tierwohl, Umweltschutz und Klimagerechtigkeit

INTERVIEW I Am 19. Januar 2019 findet in Berlin wieder die Demonstration "Wir haben es satt!" für einen Kurswechsel in der EU-Agrarpolitik statt. Mehrere zehntausend Menschen werden dort erwartet, um für mehr Tierwohl, Umweltschutz und Klimagerechtigkeit zu demonstrieren. Wir haben mit einer der Organisatorinnen, Saskia Richartz, über die Ziele von "Wir haben es satt!" gesprochen!

INTERVIEW I Am 19. Januar 2019 findet in Berlin wieder die Demonstration "Wir haben es satt!" für einen Kurswechsel in der EU-Agrarpolitik statt. Mehrere zehntausend Menschen werden dort erwartet, um für mehr Tierwohl, Umweltschutz und Klimagerechtigkeit zu demonstrieren. Wir haben mit einer der Organisatorinnen, Saskia Richartz, über die Ziele von "Wir haben es satt!" gesprochen!

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11.12.2018 - Bilder: Wir haben es satt

LiveVERDE: Am 19. Januar 2019 findet eure Demonstration "Wir haben es satt!" in Berlin am Brandenburger Tor statt. Worum geht es?

Saskia Richartz: Es geht um faire Bedingungen für Bauern und Bäuerinnen, die für die Agrarwende ackern und gutes Essen für alle erzeugen – klima-, entwicklungs-, umwelt- und tierfreundlich! Wir haben Respekt vor dieser Arbeit. Es geht um mehr Tierwohl, Umweltschutz und Klimagerechtigkeit. Es geht auch um fairen Handel, weniger Ausbeutung und Lebensmittelverschwendung. Es geht um ein gerechtes und demokratisches Europa, auch in der Landwirtschaft. In Berlin verschleppt die Politik den Umbau der Tierhaltung auf den Höfen, und ziert sich vor einer Umverteilung der Agrargelder hin zu einer bäuerlichen und ökologischeren Landwirtschaft.

Was sind eure Ziele?

Wir brauchen den entscheidenden Kurswechsel in der EU-Agrarpolitik. Wir fordern Agrarministerin Julia Klöckner auf der Agrarindustrie endlich den Geldhahn abzudrehen. Aktuell gilt: Wer viel Land besitzt, bekommt viel Geld, unabhängig davon ob er gewünschte Leistungen erbringt oder nachhaltig wirtschaftet. Wir fordern: Subventionen nur noch für umwelt- und klimaschonende Landwirtschaft, artgerechte Tierhaltung und mehr Unterstützung für bäuerliche Betriebe, die bereit sind den Umbau der Landwirtschaft anzupacken.

Was schätzt ihr, wie viele Menschen zur Demo kommen werden?

Wir melden jedes Jahr 10.000 Teilnehmer*innen an und hoffen, dass es dann mehr werden. Das hat bislang auch jedes Jahr geklappt. Dass im letzten Jahr zur achten Demo 33.000 Menschen in Berlin auf die Straße gegangen sind, war ein toller Erfolg. Jetzt liegt es an dir! Wir brauchen wieder Viele am 19. Januar in Berlin.

Der Trägerkreis von "Wir haben es satt!" ist zahlreich, das reicht von attac, über den NABU bis hin zu Misereor. Wer war der Initiator der Demonstration und wie findet ihr euch heute intern zusammen, um eure Ziele zu verfolgen?

Wir sind rund 50 Organisationen und melden jedes Jahr zusammen als Bündnis die Demo an, natürlich immer mit den Bauern und Bäuerinnen, die mit ihren Traktoren die Demo anführen. Die breite unseres Bündnisses ist unsere große Stärke. Wir verbinden Bäuerinnen und Bauern, Umwelt- und Tierschützer*innen, Food-Aktivist*innen und entwicklungs-politischen Gruppen, und ziehen alle am selben Strang.

Worin liegen eurer Meinung nach die größten Probleme in der Tierhaltung in Deutschland und Europa?

Die Haltungsbedingungen sind in den meisten Ställen nicht artgerecht, und wir produzieren und konsumieren immer noch viel zu viel Fleisch. Das ist schlecht fürs Klima und die Gesundheit. Aber das größte Problem ist das die Rahmenbedingungen für eine art- und klimagerechte Landwirtschaft von der Politik verschleppt werden. Genau wie jetzt bei der Ferkelkastration. Statt in der Agrarpolitik weiter auf Masse statt Klasse zu setzen, sollte Frau Klöckner mehr finanzielle und gesetzliche Maßnahmen umsetzen, die es Bauern und Bäuerinnen erlaubt zügiger den Umbau ihre Ställe voranzutreiben.

Wie kann euch jede/r einzelne unterstützen?

Kommt zur Demo. Fragt wo euer Essen herkommt und wie es produziert wurde. Verschafft euch Gehör und wählt die Politiker ab, die den Kurswechsel im Klimaschutz, beim fairen Handel und der Agrar- und Ernährungswende ausbremsen. Für uns ist klar: In einem solidarischen Europa ist kein Platz für Ausbeutung und Ausgrenzung. Menschen-, Tier- und Bauernrechte sind nicht verhandelbar!

Woran sollten die Demonstrantinnen und Demonstranten im Vorfeld denken, also was darf man oder sollte man mitbringen, wie kleidet man sich am besten et cetera?

Bringt eure Kochtopf und Kochlöffel mit, denn wir laufen zum internationalen Agrarministergipfel und veranstalten dort ein Kochtopf-Konzert. Wenn dort Minister aus aller Welt tagen, schlagen wir mit den Töpfen Alarm für die globale Agrarwende. Und dicke Socken und eine warme Mütze mitbringen. Es kann schon ganz schön kalt werden, aber im Sommer demonstrieren kann ja jeder!

Wie können die Menschen konsumieren, ohne dabei die Tiere zu schädigen? Wie sieht also ein verantwortungsbewusster Lebensmittel-Konsum aus?

Am besten ist es wenn Konsument*innen den Hof kennen, wo ihr Essen herkommt. Das geht z.B. wenn man sein Essen über eine Solidarische Landwirtschaft direkt vom Bauern oder der Bäuerin bezieht. Wir sollten uns für unser Essen interessieren, und regional, saisonal und wenn möglich auch bio kaufen. Wer mitdenkt, schmeißt auch weniger weg. Außerdem, sollten wir weniger Fleisch und Milchprodukte konsumieren. Das ist nicht nur gesünder, es reduziert auch die benötigte Futtermenge und somit Ackerfläche, und den Ausstoß von Klimagasen.

Was sind eure Wünsche und Ziele für das Jahr 2019?

Ich wünsche mir eine bunte, friedliche und lautstarke Demo. Unsere Anliegen sind ernst, aber unsere Bewegung ist optimistisch, lebhaft und solidarisch – wir demonstrieren mit guter Laune. Außerdem wünsche ich mir ein gerechteres und menschliches Europa, dass alle Bürger*innen in einem nachhaltigen Lebensstil unterstützt und bestärkt. Ich wünsche mir Politiker, die ihre Versprächen nicht brechen, das Klima und die Umwelt schützen, und in den Verhandlungen zu einer Neuausrichtung der EU Agrarpolitik endlich den Kurswechsel einläuten.

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