Grüne Wirtschaft

Wiesenhof: Nachhaltigkeitsziele und Privathofkonzept

INTERVIEW | Dr. Ingo Stryck erläutert, weshalb das Privathofkonzept gut ankommt und stellt die aktuellen Nachhaltigkeitsziele vor.

Das Tierwohl und alternative Haltungsformen stehen dabei im Fokus.

INTERVIEW | Dr. Ingo Stryck erläutert, weshalb das Privathofkonzept gut ankommt und stellt die aktuellen Nachhaltigkeitsziele vor.

Das Tierwohl und alternative Haltungsformen stehen dabei im Fokus.

Mehr zu den Themen:   nachhaltigkeitsbericht wiesenhof fleisch
19.06.2019 - Bild © Timo Lutz Werbefotografie

LifeVERDE: Die PHW-Gruppe zu der auch die Marke WIESENHOF gehört, hat 2018 einen Nachhaltigkeitsbericht rausgebracht. Was sind kurz zusammengefasst, die wichtigsten Fakten, die in diesem Bericht enthalten sind?

Dr. Ingo Stryck (Geschäftsführer Marketing bei WIESENHOF): Seit 2009 befassen wir uns intensiv mit dem Thema Nachhaltigkeitsmanagement und haben entsprechende Strukturen an den verschiedenen Standorten unserer Unternehmensgruppe aufgebaut. 2010 begann die intensive Zusammenarbeit mit dem Zentrum für nachhaltige Unternehmensführung (ZNU) und inzwischen sind wir als einziges Unternehmen der Fleischbranche an fünf Produktionsstandorten nach dem ZNU-Standard „Nachhaltiger Wirtschaften“ zertifiziert. Wir verstehen unter Nachhaltigkeit das Zusammenspiel der drei Säulen Ökonomie, Ökologie und Soziales. Darauf aufbauend haben wir für uns notwendige Handlungsfelder definiert. Diese sind insbesondere Tierwohl und die Zusammenarbeit mit den Vertragslandwirten, Umwelt und Produktion, Rohstoffe und Futtermittel sowie soziale Verantwortung. Unser erster Nachhaltigkeitsbericht baut darauf auf und konzentriert sich auf unser Geschäftsfeld Geflügelspezialitäten mit der Marke Wiesenhof. Wir fördern und fordern den aktiven und konstruktiven Dialog und leben Transparenz gegenüber unserer Anspruchsgruppen. Auf freiwilliger Basis haben wir uns entschieden, den Nachhaltigkeitsbericht zu erstellen. Dieser gibt einen Einblick in Nachhaltigkeitsziele und -management, etablierte Prozesse sowie die vielschichtigen Maßnahmen in unterschiedlichen Unternehmensbereichen. Somit können wir zum einen in unseren Handlungsfeldern den aktuellen Ist-Zustand darstellen und zum anderen durch die uns selbst gesetzten Ziele unsere Schwerpunkte verdeutlichen und auch festlegen, was wir langfristig erreichen wollen. Ein Fortschrittsbericht wird Anfang 2020 veröffentlicht.

Seit wann beschäftigen Sie sich schon mit alternativen Tierwohlkonzepten? Was ist Ihre Motivation dahinter und wie viele verschiedene Tierwohlkonzepte gibt es inzwischen? 

Wir engagieren uns schon seit mehr als zwei Jahrzehnten im Bereich Tierwohl und wollen als Lebensmittelhersteller dem Verbraucher die Möglichkeit bieten, sich für ein bestimmtes Tierwohlkonzept zu entschieden. Wir schaffen damit Angebote. Unsere Partnerlandwirte ziehen neben konventionellem Geflügel auch Geflügel für die Konzepte Privathof, Beter Leven, Guilde-Huhn, Kip van Morgen und DONAUTAL Premium (Schweizer Tierschutzstandard) auf. Komplettiert wird dies durch die Initiative Tierwohl.

Das Privathof-Konzept ist bislang ihr erfolgreichstes Konzept. Woran liegt das?

Das Privathof-Konzept ist zwischen Bio und konventionell angesetzt und hat sich in den vergangenen Jahren bei Handel und Verbraucher gut entwickelt. Dies liegt an drei Gründen: Erstens ist unser Privathof-Konzept glaubwürdig. Das Mehr an Tierschutz ist wissenschaftlich belegt. Zweitens haben wir mit dem Deutschen Tierschutzbund als Labelgeber einen Partner gefunden, dem Konsumenten die Gewissheit gibt, dass die Tiere unter besonders guten und vom Deutschen Tierschutzbund kontrollierten Bedingungen aufwachsen. Drittens sind unsere Privathof-Produkte preislich so angesiedelt, dass sie für viele Verbrauchergruppen attraktiv sind. Wir bieten unter WIESENHOF Privathof sowohl frische Geflügelprodukte als auch Wurstprodukte an.

Ihre Privathof-Produkte tragen das Label vom Deutschen Tierschutzbund. Welche Standards beinhaltet dieses Tierschutz-Zertifikat?

Die wichtigsten Kriterien sind neben einer vom Deutschen Tierschutzbund zugelassenen langsamer wachsenden Rasse die längere Aufzuchtdauer der Hähnchen und die geringere Besatzdichte. Zudem gibt es Rückzugsmöglichkeiten: Die Tiere leben in weiträumigen Offenställen oder Ställen mit Wintergarten mit Tageslicht und einem natürlichen Tag- und Nachtrhythmus. Strohballen, Picksteine und Sitzstangen im Stall geben den Tieren die Möglichkeit, ihre natürlichen Verhaltensweisen auszuleben.

Die Privathöfe sind alternative Haltungskonzepte. Aktuell hat Wiesenhof hiervon 31 Partnerbetriebe. Ist die Produktion dieser Höfe am Ende nur ein Tropfen auf den heißen Stein oder leisten diese Betriebe bereits einen veritablen Beitrag zu Ihrer Gesamtproduktion?

Aktuell schlachten wir rund 160.000 Tiere aus dem Privathofkonzept pro Woche. Allerdings müssen wir die Produktionsmengen sämtlicher Tierwohlprodukte betrachten. Anfang 2016 wurden pro Woche noch rund 500.000 Tiere aus den verschiedenen Tierwohl-Konzepten geschlachtet. Ende 2017 konnten wir diese Produktionsmenge mit rund 1,7 Millionen Tieren pro Woche mehr als verdreifachen, das waren rund ein Drittel der deutschen Produktion der PHW-Gruppe. Ende 2018 haben wir die deutsche Produktionsmenge sämtlicher Tierwohlprodukte auf über 60 Prozent erhöht.  Und bis Ende 2019 soll der Anteil bis 80 Prozent der deutschen Produktion steigen.

Haben die Verbraucher die Möglichkeit, einen WIESENHOF-Partnerbetrieb zu besichtigen, um sich von den realen Bedingungen vor Ort zu überzeugen?

Ja. Wir sehen es als unsere Aufgabe, Handel, Verbraucher, Medien, NGOs und Politik umfassend über die Unterschiede in den einzelnen Tierhaltungsformen zu informieren. Die größte Herausforderung ist es, deutlich zu machen, was hinter einem Konzept steht. Bei Stallrundgängen, die wir regelmäßig anbieten, können sich Interessierte das beste Bild von der Geflügelhaltung machen. Auch einen virtuellen Stallrundgang bieten wir an.

Wie soll und muss sich Wiesenhof für die Zukunft ausrichten, um höchsten Tierschutzansprüchen zu genügen und um den eigenen Erwartungen gerecht zu werden?

Das Thema Tierwohl ist nach wie vor im Blickpunkt der Gesellschaft. Der Markt für Tierwohl-Produkte wird daher auch künftig weiter wachsen. Wir arbeiten in dem Bereich der alternativen Haltungsformen bereits seit 20 Jahren und stehen hier im Austausch mit den Tierschutzorganisationen und der Wissenschaft. Die starke Konkurrenzsituation bedingt, dass sich nur innovative und glaubwürdige Konzepte durchsetzen. Das Wiesenhof „Geflügel von regionalen Höfen“ rückt unseren Wettbewerbsvorteil heimischer Ware in den Vordergrund, bei dem wir eine lückenlose Rückverfolgbarkeit bis zum einzelnen Landwirt abbilden können. Denn nur in der gemeinschaftlichen Zusammenarbeit mit unseren Vertragslandwirten und der regionalen Lieferkette können wir tagtäglich die hochwertige Markenqualität liefern.  
 

Auch Interessant: Kritik an veganer Ernährung - Pro und Contra
 

DU möchtest zum Thema Nachhaltigkeit auf dem Laufenden bleiben? Dann abonniere unseren kostenlosen LifeVERDE-Newsletter & JOBVERDE-Newsletter.



Kommentar erstellen

Name *
E-Mail *
URL
Kommentar *


Grüne Unternehmen