Orientierungshilfen für Anleger nachhaltiger Geldanlagen
Grüne Wirtschaft

Orientierungshilfen für Anleger nachhaltiger Geldanlagen

Norbert Wolf, Geschäftsführer der Steyler Ethik Bank ist überzeugt, dass ein Umdenken in der Finanzbranche nur ein weiterer logischer Schritt auf dem Weg zu mehr Nachhaltigkeit ist. Er spricht mit uns über Bewertungsmaßstäbe und Siegel.

Norbert Wolf, Geschäftsführer der Steyler Ethik Bank ist überzeugt, dass ein Umdenken in der Finanzbranche nur ein weiterer logischer Schritt auf dem Weg zu mehr Nachhaltigkeit ist. Er spricht mit uns über Bewertungsmaßstäbe und Siegel.

14.09.2016 aus der Themenreihe Grüne FINANZEN - Bildquelle: Steyler Ethik Bank

UMWELTHAUPTSTADT.de: Was glauben Sie, welche Motivation steht bei grünen Investments bei der Mehrheit der Anleger im Vordergrund, Ethik & Moral oder eine ordentliche Rendite?

NORBERT WOLF: Ich denke, am Ende ist es immer ein Mix verschiedener Motivationen. Eine ordentliche Rendite ist natürlich im Interesse jedes Anlegers. Aber nachhaltige Investoren folgen eben auch ethischen Überzeugungen. Sie wollen beiden Ansprüchen gerecht werden und liegen genau richtig damit: Denn moralisches Handeln und wirtschaftlicher Erfolg schließen sich nicht aus. Das ist meine feste Überzeugung.

Die Steyler Ethik Bank legt Kundengelder daher nach drei Prinzipien an. Wir wählen Anlagen aus, die einen positiven Beitrag zum Erhalt des Friedens, zu sozialer Gerechtigkeit und zum Schutz der Umwelt leisten. Wir beschränken uns also nicht auf den Bereich „grüne Investments“. Denn unsere Kunden möchten Natur und Klima schützen, kommen aber auch zu uns, um sich sozial zu engagieren. Dazu muss man wissen, dass die Gewinne der Steyler Ethik Bank in soziale Hilfsprojekte rund um den Globus fließen. Viele unsere Kunden fördern diesen Einsatz durch freiwillige Spenden oder auch durch die Gründung von Stiftungen.

Können Sie einschätzen, wie hoch der Anteil nachhaltiger Investments in Deutschland ist und welche Wachstumsraten wir in diesem Bereich erfahren?

In Deutschland haben nachhaltige Investments aktuell einen Anteil von 2,7 Prozent. Eine gute Informationsquelle ist der Marktbericht des Forums Nachhaltige Geldanlagen (FNG). Noch ist der Anteil also klein, aber er wächst schnell. In Deutschland wurden Ende 2015 nachhaltige Geldanlagen mit einem Gesamtwert von 136,6 Milliarden Euro verzeichnet. Im Vergleich zum Vorjahr ist dies ein Wachstum von sieben Prozent.

Wo stehen wir im internationalen Vergleich? Gibt es andere Länder, deren Investitionsverhalten und -landschaft deutlich nachhaltiger sind?

Ein Blick auf unsere direkten Nachbarn zeigt, dass die Schweiz und die Niederlande Marktführer in Sachen nachhaltige Investments sind. Das geht aus der „European SRI Study 2014“ hervor, einer Studie des europäischen Fachverbands für nachhaltige Geldanlagen Eurosif. Hinter diesen beiden Ländern reihen sich Großbritannien, Frankreich, Italien, Schweden und Deutschland ein.

Betrachtet man speziell die Ausrichtung von Großinvestoren, ergibt sich ebenfalls ein interessantes Bild. Laut der Nachhaltigkeitsstudie 2016 der Union Investment investieren in Skandinavien fast zwei Drittel der institutionellen Investoren nachhaltig, in Großbritannien und den Niederlanden trifft dies lediglich auf 50 Prozent zu. In der Schweiz folgen 71 Prozent und in Österreich 70 Prozent den Nachhaltigkeitskriterien. Mit 60 Prozent liegt Deutschland leicht hinter dem europäischen Durchschnitt.

Welches sind die größten Vorteile nachhaltigen Investierens?

Zum einen kann ich durch nachhaltige Investments sicherstellen, dass ich auch in finanziellen Angelegenheiten so handele, wie es meinen Werten und Überzeugungen entspricht. Die wenigsten von uns würden altes Motoröl einfach so in die Landschaft kippen. Aber wenn meine Geldanlagen in Unternehmen stecken, die ganze Landstriche verwüsten, soll ich das akzeptieren? Das ist doch nicht einzusehen.

Es gibt aber weitere starke Argumente, die dafür sprechen, mein Geld in nachhaltig wirtschaftende Unternehmen zu stecken: Firmen, die ökologisch und sozial handeln, haben meist ein besseres Rendite-Risiko-Profil. Mit nicht nachhaltigen Unternehmen können Investoren dagegen schwere Verluste erleiden. Man denke nur an die Ölkatastrophe im Golf von Mexiko oder das Atomunglück in Japan.

Kann man im Durchschnitt mit grünen Investments genauso viel Rendite erzielen wie mit herkömmlichen Geldanlagen?

Die Mär, dass grüne Investments Renditekiller sind, ist überholt. Bereits 2012 demonstrierte das Zentrum für europäische Wirtschaftsforschung (ZEW), „dass die meisten Aktienfonds und Aktienindizes, die nach dem Kriterium der Nachhaltigkeit konzipiert sind, durchaus mit herkömmlichen Geldanlagen mithalten können“ (ZEW: Studie zur Performance nachhaltiger Geldanlagen). Desweiteren zeigt die Forschung seit 30 Jahren, dass nachhaltige Anlagen gleichwertige Renditen erzielen. Das hat auch mit der Risikovermeidung zu tun, von der ich gerade gesprochen habe.

Welches sind aktuell die größten Hemmnisse der Menschen in grüne Geldanlagen zu investieren? Wie könnte beispielsweise die Politik bessere Rahmenbedingungen für ethische Investments schaffen?

Ich würde hier nicht von Hemmnissen sprechen, sondern denke eher, dass es bei vielen Anlegern noch am Bewusstsein fehlt. Anlegern muss klar sein, worin sie im Einzelnen investieren. Die Politik könnte zum Beispiel dafür sorgen, dass nachhaltige Investments flächendeckend mit einem Siegel versehen werden, wie wir es von Lebensmitteln kennen.

Gibt es objektive Kriterien und Siegel, an denen Verbraucher relativ leicht erkennen können, ob es sich um ein wirklich nachhaltiges Investment handelt, das nicht nur grün verpackt ist? Oder muss jeder Anleger selbst entscheiden, in welche Branche er investieren und worauf er vertrauen möchte? 

Ein wichtiges Bewertungskriterium liefert das FNG-Siegel des Branchenverbands Forum Nachhaltige Geldanlagen. Seit Ende 2015 bewertet es Publikumsfonds im deutschsprachigen Raum. Das Siegel definiert Mindeststandards und hat daher eine echte Aussagekraft. Verpflichtend ist zum Beispiel, dass Fonds nicht in Kernkraft, Rüstung und Waffen investieren. Und mindestens 90 Prozent des Fonds-Portfolios müssen nach den sogenannten ESG-Kriterien analysiert werden. Dies umfasst soziale und ökologische Kriterien sowie die Unternehmensführung.

Eine weitere Orientierungshilfe für Anleger ist das Transparenzlogo für Nachhaltigkeitsfonds, das vom Branchenverband Eurosif sowie dem Europäischen Transparenzkodex verliehen wird. Und auch die Fachzeitschrift ECOreporter vergibt ein strenges Siegel. Hierfür wird untersucht, wie ernsthaft Finanzdienstleister soziale, ökologische und ethische Ziele verfolgen. Und schließlich gibt es noch die Prinzipien für verantwortungsvolles Investment der Vereinten Nationen, genannt UN Principles for Responsible Investment (UNPRI). Unternehmen, die diese Selbstverpflichtung unterzeichnen, senden damit ein wichtiges Signal.

Wo bekomme ich als Anleger nachhaltige Geldanlagen? 

Das Forum Nachhaltige Geldanlagen listet auf seiner Website www.forum-ng.org Anbieter auf, die sich auf nachhaltige Investments spezialisiert haben oder nachhaltige Produkte anbieten. Hier finden Sie natürlich auch die Steyler Ethik Bank. Wir haben uns komplett der ethisch-nachhaltigen Geldanlage verschrieben, investieren also ausschließlich in Wertpapiere, die strenge soziale und ökologische Kriterien erfüllen. Alle unsere Kundenberater sind zudem zertifizierte Fachberater für ethisches Investment.

Was glauben Sie, wird in 20 Jahren nur noch nachhaltig investiert werden?

Das ist eine sehr wünschenswerte Vorstellung. Der fortschreitende Klimawandel und knapper werdende Ressourcen zeigen ja, wie notwendig ökologisches Handeln ist. Ich bin mir sicher, dass nachhaltige Investments weiter aus der Nische herauswachsen werden und immer mehr Anleger bewusst auswählen, welche Unternehmen Sie finanziell unterstützen wollen. Bei Lebensmitteln und dem Einsparen von Energie sind wir da schon weiter. Dass dieses Umdenken nun auch in der Finanzbranche stattfindet, ist nur ein weiterer logischer Schritt auf dem Weg zu mehr Nachhaltigkeit.

Vielen Dank



Kommentare
Kommentare
Tim
24.02.2017
Kann mich Tobias nur anschließen.
Langfristig wird es sich dahin entwickeln, dass wir uns ausschließlich von erneuerbaren Energien versorgen!

Tobias
15.09.2016
Ich investiere seit Jahren in nachhaltige Geldanlagen, wie z.B. Solar und Wind und bin sehr zufrieden.

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