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Handgemacht von Miezenhaps: Katzenfutter nach der BARF-Methode

INTERVIEW | BARF wird zur Ernährung von Hunden und Katzen angewendet. Was aber steckt hinter der Methode und wieso ist sie gut für Haustiere? Mehr dazu im Interview.

INTERVIEW | BARF wird zur Ernährung von Hunden und Katzen angewendet. Was aber steckt hinter der Methode und wieso ist sie gut für Haustiere? Mehr dazu im Interview.

27.08.2021 | Ein Interview geführt von Deborah Iber | Bild: Miezenhaps


BARF – das ist eine Art der Rohfütterung, die zum Beispiel bei Hunden und Katzen angewendet wird. Da industriell hergestelltes Katzenfutter oft einige Zusatzstoffe enthält und von den Katzen häufig nicht vertragen wird, hat Jessica beschlossen, eine Alternative herzustellen. Daraus ist Miezenhaps entstanden: Katzenfutter nach der BARF-Methode.

Mehr Infos zu BARF, wieso es für Katzen gesund sein kann und was das Miezenhaps-Futter so besonders macht, erfährst du von der Gründerin Jessica.

 

Jessica, mit Ernährung und Lebensmitteln kennst du dich gut aus. Wie kamst du dazu, Katzenfutter namens Miezenhaps herzustellen?

Eigentlich ist die Idee Katzenfutter zu produzieren durch meine eigene Not entstanden. Meine Katze Malou hatte sich nämlich immer wieder aufgekratzt und als Katzenmama macht man sich dann natürlich Sorgen. Also bin ich zum Tierarzt. Der hat mir dann diagnostiziert, dass meine Katze mit hoher Wahrscheinlichkeit sensibel auf irgendwelche Stoffe im Futter reagiert. Da es trotz diversen Futterwechseln und damit einhergehenden Schweißtropfen durch die Umstellung nicht besser wurde, habe ich mich kurzerhand dazu entschieden, mein Futter selbst zu machen. Ahnung davon hatte ich durch mein Studium. Den Rest habe ich durch viel Recherche und auch Weiterbildungen im Katzenernährungsbereich gemacht.

So wusste ich immer genau was drin ist. Da ich aber auch verstehen kann, dass nicht jeder dazu Lust hat – gerade, wenn es um rohes Fleisch geht – dachte ich mir, das ist eine gute Idee anderen Katzenhalter*innen mit einem tollen Katzenfutter das Leben zu erleichtern, so entstand Miezenhaps.


Jessica, die Gründerin von Miezenhaps mit einer ihrer Katzen (Bild: Miezenhaps).

Die Ernährungsform, die du anbietest, nennt sich BARF. Was bedeutet das und wieso ist das gut für die Katze?

Barf ist eine Abkürzung und bedeutet bones and raw food, also eine Rohfütterung. Wie sie ausgelegt wird ist zum Teil Ansichtssache. Was immer gleich ist, ist, dass man rohe, bei der Katze hauptsächlich tierische Bestandteile, verfüttert. Die Fütterung geht, wenn man will, wieder zurück zum Ursprung. Eine Katze frisst in der Natur kleine Beutetiere roh.

Generell bedeutet Barf nicht gleich gutes Futter! Es muss richtig zusammengesetzt, also ausgewogen sein. Wichtig sind eher die tierischen Bestandteile im Futter, die für eine artgerechte Katzenernährung unabdinglich sind. Ich habe mit Barf allerdings schon wirklich tolle Veränderungen an Katzen gesehen.

Was kommt rein in das Miezenhaps Futter und woher beziehst du die Zutaten?

In mein Futter kommen hauptsächlich regionale Zutaten. Dazu habe ich nicht einen, sondern mehrere Lieferanten. Die habe ich mir gut ausgesucht und sie entsprechen meinen Werten. Also so gesehen das, was auch ich essen würde.

Das Katzenfutter soll in erster Linie gut verwertbar für die Katze sein, allerdings versuche ich auch so viel wie möglich von einem Tier zu verwenden. Also nehme ich Muskelfleisch, Innereien, Knochen und Blut. Eine Art from nose to tail. Das möchte ich in den nächsten Jahren weiter ausbauen.

Du stellst das Futter selbst her. Wie kann man sich den Ablauf vorstellen?

Wenn man Menschen fragt, die nicht den Umgang mit rohem Fleisch gewohnt sind, dann würden sie dies erst erstmal als ekelig bezeichnen. Das ist es natürlich nicht.

Ich produziere in kleinen Chargen. Man kann es sich etwas vorstellen wie bei der Hackfleisch- bzw. Tartar Herstellung. Oder wer mal Wurst selbst gemacht hat, auch so. Das Fleisch wird zerkleinert, gewolft und mit den anderen Zutaten vermischt. Dann wird jedes Glas von Hand abgefüllt – echte Handarbeit! Im Anschluss wird alles für die Rückverfolgbarkeit etikettiert, versiegelt und dann tiefgefroren.


Das BARF-Futter von Miezenhaps gibt es in verschiedenen Sorten (Bild: Miezenhaps).

Deine Katze durfte „Testerin“ von Miezenhaps werden. Welche positiven Veränderungen konntest du bei ihr durch die Nahrungsumstellung feststellen?

Fangen wir mal bei meiner Malou an. Sie hat mittlerweile wesentlich weniger Hautprobleme als zuvor. Das ist ein ganz großer Punkt für mich persönlich. Bei meinem Kater Johnny Boy ist das anders. Er ist eher das Sensibelchen, wenn es um seinen Darm geht. Er verträgt absolut nichts Anderes. Ich habe schon oft bereut, wenn ich zum Beispiel vergessen habe, etwas aufzutauen, dass ich ihm anderes Futter gab. Katastrophe! Obendrein habe ich das Gefühl, dass meine Beiden ein unglaublich tolles Fell haben – das kann natürlich auch Einbildung sein, allerdings sagen das auch viele Besucher*innen, die die beiden kuscheln dürfen. Wenn ich zum Beispiel Trockenfutter füttere ist das nicht so. Und ja, auch ich gebe ab und an Trockenfutter.

Welche Schwierigkeiten traten bei der Umstellung zu BARF auf und welche Tipps hast du?

Hier habe ich auch wieder die zwei Klassiker direkt bei mir zuhause sitzen. Malou, die typische Katze, hat es natürlich zu Beginn kein bisschen gewürdigt. Schlimmer, sie hat es missbilligenden Blickes ignoriert. Und zwar eine gaaaanze Weile! Ich habe ein Jahr gebraucht, um sie davon zu überzeugen. Mit Erfolg! Und Johnny Boy – das komplette Gegenteil. Hingestellt und fertig! Lieblingsfutter gefunden. So scheiden sich die Geister bei den meisten Katzen.

Mein Tipp ist also: Glaub an dich und deine Katze! Es gibt immer einen Weg. Langsam damit anzufangen und positiv zu bleiben ist das A und O bei einer Umstellung. Ich helfe auch gerne dabei.


Zufriedene Katze nach ihrer BARF-Mahlzeit (Bild: Miezenhaps).

Was ist allgemein an konventionellem Katzenfutter „schädlich“ und was ist drin, das sich negativ auf die Gesundheit der Katze auswirken könnte?

Sehr gute und wichtige Frage! Das will natürlich jede*r Katzenhalter*in wissen. Allerdings ist das nicht so pauschal zu sagen. Denn nicht jedes industriell hergestellte, also konventionelle Katzenfutter, ist schädlich.  Es kommt immer darauf an was drin ist. Wie die Zusammensetzung, die (Nicht)Supplementierung, die Stoffe, die man nicht deklarieren muss etc. in dem spezifischen Futter sind. Man muss sich da tatsächlich jedes Futter einzeln angucken und gegebenenfalls auch bei den Hersteller*innen nachforschen. Dadurch erfährt man meist noch mehr als das Etikett hergibt. Warum vieles so hieroglyphisch auf den Etiketten steht, wird einem auch selbst erst bewusst, wenn man Katzenfutter in Deutschland herstellt. Da gibt es nämlich so das ein oder andere zu beachten.

Neben Katzen liegt dir auch die Umwelt am Herzen. Wie gestaltest du Miezenhaps nachhaltig und was würdest du gerne noch optimieren?

Ich selbst versuche in meinen Alltag viele kleine Dinge, die einem so selbstverständlich erscheinen, immer nachhaltiger zu gestalten. Deshalb wollte ich von Anfang an auch ein Unternehmen gründen, das der Umwelt nicht schadet, sondern sie sogar verbessert. Das naheliegendste waren für mich die Zutaten, mit denen ich das Katzenfutter produziere. Da habe ich schon verraten, dass ich diese soweit es geht von regionalen Händlern, Herstellern und Schlachtern beziehe. Das stärkt nicht nur die regionale Wirtschaft, sondern die Wege bleiben kurz und damit der CO2-Ausstoß niedrig.

Für mich zählen auch faire Preise zu einem nachhaltigen Handeln, denn ich möchte nicht, dass mein Handelspartner seine Ware unter Wert verkauft. Vor allem weil sie ähnliche Werte wie ich teilen und bspw. ihre Tiere artgerecht halten und nicht wahllos Antibiotika einsetzen. Das kann man eben nur mit gegenseitigem Respekt und Verständnis. Denn ich nehme bewusst einen höheren Einkaufspreis in Kauf, was meine Marge verringert. Für mich ist es das wert.

Um auf das Thema mit der Optimierung zu sprechen zu kommen: Da könnte ich ständig hier und da was drehen. Ich möchte so vieles machen! Denn ich bin eine Perfektionistin und mir ist nichts gut genug. Aber ich bin nur eine (Haupt)Person und kann mich immer nur auf wenige Dinge konzentrieren, um mich nicht zu verzetteln und es ordentlich zu machen. Was ich aber weit oben auf meiner Liste habe, ist die Verwendung von regionalen Bio-Produkten. Da bin ich immer mit einem Auge auf der Suche, am besten direkt vom Bauern um die Ecke. Außerdem möchte ich möglichst alles vom Tier effektiv verwenden. Dafür experimentiere ich mit neuem Futter, Leckerli etc. Das benötigt sehr viel Zeit.

Und in ein paar Jahren, wenn Miezenhaps ordentlich Mitarbeitende braucht, möchte ich die Inklusion mit meinem Unternehmen fördern und vielen verschiedenen Menschen eine Chance auf gute Arbeit und einen fairen Lohn bieten.

 

Vielen Dank für das Interview, liebe Jessica!

Dir schwebt nun auch noch eine Frage im Kopf herum, die du gerne an Miezenhaps stellen möchtest?

Dann schreib sie in die Kommentare - wir freuen uns auf den Austausch mit dir!

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Für Hundeliebhaber*innen: Vegetarische Ernährung für meinen Hund – Go or No?

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