Aus einer Bierlaune heraus entstand ein ernsthaftes Projekt
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Aus einer Bierlaune heraus entstand ein ernsthaftes Projekt

INTERVIEW | "Wir waren sicher, dass Bio-Honig aus der Region für die Region Erfolg haben musste. Also begonnen wir 2011, aus einer kleinen Hobby-Imkerei eine professionelle Bioland-Imkerei aufzubauen." Ein Interview mit Daniel Voigt, Mitgründer des Bienenwerk Suderbruch.

INTERVIEW | "Wir waren sicher, dass Bio-Honig aus der Region für die Region Erfolg haben musste. Also begonnen wir 2011, aus einer kleinen Hobby-Imkerei eine professionelle Bioland-Imkerei aufzubauen." Ein Interview mit Daniel Voigt, Mitgründer des Bienenwerk Suderbruch.

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28.06.2017

LifeVERDE: Gleich einmal vorweg: Wodurch unterscheidet sich Bio-Honig von konventionellem Honig?

Daniel Voigt: Zuerst sollten wir uns einmal näher mit dem Begriff „Bio-Honig“ auseinandersetzen. Die Bezeichnung „Bio-Honig“ hört sich gut an, ist aber strenggenommen nicht korrekt. Eine Biene fliegt 5 km und weiter, um Nektar zu sammeln, und kein Imker kann den Bienenflug so beeinflussen, dass die Bienen nur ökologisch bewirtschaftete Flächen anfliegen. Auch wenn ein Bio-Imker seine Bienen an Bio-Flächen aufstellt, gibt es keine 100%ige Garantie, dass die Bienen nicht auch auf konventionellen Flächen nach Nektar suchen. Dieses könnte nur dann gelingen, wenn sich im Umkreis von mindestens 5 km um das Bienenvolk ausschließlich Bio-Flächen befinden würden. Dann wäre die Bezeichnung „Bio-Honig“ zutreffend. Strenggenommen müsste man von „Honig aus Bioland-Bienenhaltung“ sprechen. Da sich so ein Wortungetüm aber niemand einprägen möchte, spricht man von „Bio-Honig“.

Es geht beim Bio-Honig nicht nur um das Produkt an sich, sondern auch um die Gesamtbetrachtung des Umganges mit Tieren, Pflanzen und Ressourcen. Viel zu häufig wird dieser Aspekt bei den Diskussionen über biologische und konventionelle Produkte nicht berücksichtigt. Meistens wird das Thema oberflächlich betrachtet und man reduziert die Unterschiede auf die Frage: „Sind Bio-Produkte gesünder oder besser als konventionelle Erzeugnisse?“ Wer Produkte nach den Richtlinien des Bioland-Verbandes herstellt, dem ist Folgendes wichtig:

  • mit der Natur, ihren Tieren und Pflanzen respektvoll und ihrem Wesen entsprechend umzugehen
  • Ressourcen zu schonen, nicht verschwenderisch zu sein
  • Energie zu sparen, emissionsarme Energien zu nutzen
  • zu versuchen, die Natur nicht zu schädigen oder gar zu zerstören
  • möglichst wenig künstliche Stoffe oder Energien in die natürlichen Kreisläufe einzubringen
  • die natürliche Vielfalt an Arten und Lebensformen zu erhalten
  • einfach mal etwas weiter zu denken als bis zur nächsten Ernte.

Vor allem in der heutigen Zeit muss ein Bioland-Produzent aber auch an Ertrag, Preise, Marktsituation und Effizienz denken. Die wenigen Kunden, die Bio-Produkte ausschließlich aus Überzeugung kaufen, reichen nicht mehr aus, damit ein Bio-Erzeuger davon leben kann. Der seit Jahren anhaltende Bio-Boom zeigt, dass sich die Verbraucher zunehmend mit den Inhaltsstoffen und der Erzeugung ihrer Lebensmittel befassen.

Honig ist grundsätzlich ein Naturprodukt und gilt allgemein als „nicht gesundheitsschädlich“. Dennoch gibt es wesentliche Unterschiede zwischen Honig aus biologischer und Honig aus konventioneller Erzeugung. Für unseren Bioland-Honig bedeutet das ganz konkret:

  • garantiert kein Einsatz und damit keine Rückstände von chemisch-synthetischen Medikamenten für die Bienen
  • garantiert keine Pollen aus genetisch veränderten Pflanzen

Leider weisen die immer feiner werdenden Analyseverfahren inzwischen auch im Bio-Honig ab und zu minimale Spuren von Pestiziden und Insektiziden nach. Diese liegen allerdings weit unter dem Grenzwert. Es ist traurig und erschreckend, dass wir keine 100%ige Garantie geben können, dass Bio-Honig wirklich frei von Schadstoffen ist. Auch in Trink- und Grundwasser kann man aufgrund der deutlich verbesserten Analytik zunehmend Spuren von Pestiziden und Insektiziden nachweisen.

Noch können Bioland-Imker selber entscheiden, in welchen Kulturlandschaften sie ihre Bienen aufstellen. Die Problematik von Spritzmittelrückständen im Honig bezieht sich vor allem auf Raps- und Kornblumenhonig, da dieser aus Nektarpflanzen gewonnen wird, die sich unmittelbar auf landwirtschaftlich bewirtschafteten Flächen befinden.
Wir versuchen, dieses Risiko zu minimieren, indem wir unsere Bienenvölker während der Rapsblüte weitgehend an Bioland-Flächen aufstellen und bei konventionellen Landwirten in der Umgebung den Zeitpunkt ihrer Raps-Behandlung erfragen.
In unserer Bioland-Imkerei steht aber nur etwa die Hälfte unserer Bienenvölker an Rapsflächen. Wir betreiben Bienenstände in Bioland-Heidelbeerplantagen (ein mooriges Gebiet, in dem im Umkreis von 5 km kein Raps angebaut wird) und in der Stadt Hannover. Hier befinden sich ebenfalls keine landwirtschaftlichen Flächen im Flugradius.
Zur Sommerhonigernte befliegen unsere Bienen vor allem Akazien- und Lindenbäume, die keinen direkten Pflanzenschutzmaßnahmen ausgesetzt sind. Im Spätsommer sammeln die Bienen im Naturschutzgebiet der Lüneburger Heide den Heidehonig.

Wir sollten aber noch einmal auf den wichtigen Aspekt des Einsatzes von chemisch-synthetischen Medikamenten in der Bienenhaltung eingehen. Dazu muss man wissen, dass man dem Bienenvolk sogenannte Mittelwände in die Beute hängt. Mittelwände sind Wachsplatten mit eingeprägtem Wabenmuster. Sie werden dem Bienenvolk als Bauvorlage und -erleichterung gegeben. Mittelwände kaufen fast alle Imker im Fachhandel und geben dafür ihr „Altwachs“ ab; oder sie stellen aus ihrem Altwachs selber Mittelwände her. Als Altwachs bezeichnet man die von den Bienen bebrüteten Waben, die aus dem Rähmchen geschmolzen werden. Das Wachs aus bebrütetem Wabenbau hat die Eigenschaft, Rückstände – wie beispielsweise zuvor eingesetzte Bienen-Medikamenten – regelrecht aufzusaugen. Auch Umweltgifte und Krankheitserreger können sich im Altwachs anreichern. Das Wachs muss also ständig erneuert und ausgetauscht werden. Dadurch besteht immer ein gewisses Risiko bei der Verwendung von Altwachs für die Herstellung der Mittelwände. In jüngster Vergangenheit wurden zudem Paraffine in gekauften Mittelwänden nachgewiesen. Bioland-Imkereien dürfen zur Behandlung ihrer Bienen gegen die Varroamilbe hingegen nur organische Säuren einsetzen, die auch natürlicherweise im Honig vorkommen. Diese zerfallen durch Verdunstung in CO2 und Wasser und hinterlassen bei fach- und sachgerechter Anwendung keine Rückstände in Wachs und Honig.
Es ist uns völlig unverständlich, warum der DIB (Deutsche Imkerbund) bislang weder ein grundlegendes Konzept zur Reinhaltung von Bienenwachs noch qualitätsgebundene Standards zur Wachsverarbeitung in der konventionellen Imkerei eingeführt hat. Diesem Thema widmet sich der Bioland-Verband seit jeher, da das Bienenwachs (der Wabenbau) die Kinderstube der Bienen und das Honiglager im Bienenstock ist.
Auch bei einer fach- und sachgerechten Honigverarbeitung kann kein Imker zu 100% ausschließen, dass kleinste (mit Rückständen behaftete) Wachsteilchen in den Honig gelangen und somit auf dem Frühstücksbrot landen.
In einer Bioland-Imkerei ist es deshalb nur erlaubt, eigenes jungfreudiges Entdeckelungswachs für die Herstellung der Mittelwände zu verwenden. Als Entdeckelungswachs bezeichnet man das Wachs, welches von den Bienen auf die mit Honig gefüllten Waben zum Verschließen aufgetragen wird. Entdeckelungswachs ist weiß und nicht gelb wie Wabenwachs bzw. dunkelbraun wie Altwachs. Es wird „frisch“ von den Bienen ausgeschwitzt (Wachsdrüsen) und bleibt nur kurz im Bienenstock, da wir Imker bei der Honigernte das Entdeckelungswachs entfernen, um an den Honig zu gelangen.

Bioland-Imkereien minimieren die Rückstände von Schadstoffen im Honig erheblich, weil sie (1) ausschließlich Entdeckelungswachs für die Mittelwände verwenden dürfen und (2) keine chemisch-synthetischen Medikamente einsetzen, sondern ausschließlich organische Säuren, die natürlicherweise im Honig vorkommen.

Und auch folgende Aspekte sind zu beachten:
Bioland-Imkereien werden konsequent einmal jährlich durch ein unabhängiges Zertifizierungsunternehmen kontrolliert. Bei Imkereien ohne Bio-Zertifizierung ist eine Kontrolle selten und eher zufällig. Darüber hinaus unterstützt man mit dem Kauf von Bio-Honig direkt den Kampf gegen Gentechnik sowie eine nachhaltige, vernünftige und zukunftsorientierte Landwirtschaft.

Wie kam es zur Gründung des Bienenwerks Suderbruch – und welche Firmenphilosophie verfolgen Sie?

Genau genommen fing unser Interesse für die Imkerei im Studium der Ökologischen Landwirtschaft in Witzenhausen an. In einem faszinierenden Einführungskurs über Bienen wurde uns schnell klar, dass der Sozialstaat der Bienen einzigartig ist. Er hatte einen bleibenden Eindruck auf uns hinterlassen.
Wir beide blieben auch nach unserem erfolgreich abgeschlossenen Studium in Kontakt – und auch das Interesse an Bienen blieb bestehen. Wir widmeten uns zudem intensiv der Frage, wie Landwirtschaft konkret verträglicher und nachhaltiger gestaltet werden kann.
Unsere ersten Ideen zu einem eigenen Bio-Honig entstanden zunächst aus einer Bierlaune heraus. Doch dann fingen wir an, ernsthaft an zu recherchieren. Das Ergebnis war verblüffend und erschreckend zugleich: Deutschlands Selbstversorgungsgrad bei Honig beträgt gerade einmal 20 bis 30 %. Das bedeutet, das rund 75 % des Inlandverbrauches an Honig importiert werden muss. Hier sprechen wir übrigens von Honig generell, ohne in biologischen und konventionellen Honig zu unterscheiden. Als wir uns daraufhin das Honigsortiment im Handel ansahen, stellten wir fest, dass der dort angebotene Bio-Honig zum größten Teil aus „EU- und Nicht-EU-Landwirtschaft“ stammt, also noch nicht einmal aus Deutschland! Jetzt wurde aus unserer Idee ein ernsthaftes Projekt. Wir waren sicher, dass Bio-Honig aus der Region für die Region Erfolg haben musste. Also begonnen wir 2011, aus einer kleinen Hobby-Imkerei eine professionelle Bioland-Imkerei aufzubauen.
Anfang 2012 gründeten wir schließlich mit mehreren Völkern sowie mit viel Schweiß treibender und klebriger Handarbeit das Bienenwerk Suderbruch. Die Freude an der Arbeit mit Bienen und das Erzeugen von Bio-Honig als rein natürliches Lebensmittels konnte nicht mehr gebremst werden. Schnell wurde uns klar, dass wir die Bioland-Imkerei weiter ausbauen wollen, um diese langfristig eines Tages im Haupterwerb führen zu können.
Durch das stetige Wachstum firmierten wir 2013 das Bienenwerk Suderbruch in Bienenwerk Suderbruch Mark Reinert & Daniel Voigt GbR um. Bei der Honigernte 2014 platzten unsere Verarbeitungsräume aus allen Nähten. Auch bei unseren Familien stieß die Honigverarbeitung zunehmend auf Ablehnung, wenn wir wochenlang die Küche mit unserem köstlichen, aber extrem klebrigen Honig in Beschlag nahmen.
Ende 2014 wurde dann unter massivem Einsatz unserer Arbeitskraft damit begonnen, neue Verarbeitungs- und Lagerräume zu schaffen. Nach einer anstrengenden, 5-monatigen Bau- und Umbauphase waren pünktlich zur Honigernte 2015 unsere neuen Räumlichkeiten fertiggestellt. 2016 errichteten wir eine Fachwerkscheune, um das gesamte imkerliche Material unterbringen zu können. Dort richteten wir auch eine Werkstatt ein, unter anderem zum Bau der Bienenbeuten. Die Scheune ist bis auf die Dachziegel und Kleinteile komplett aus Massivholz in klassischer Zimmermannsarbeit errichtet.
Und was uns besonders wichtig ist: Unsere Bioland-Imkerei macht uns immer noch sehr viel Freude und wir tragen dazu bei, eine verträgliche und nachhaltige Landwirtschaft zu etablieren.

Woher beziehen Sie Ihren Honig? Wie wird dieser produziert?

Die Geschichte mit der Biene und der Blume hat sicherlich schon jeder gehört. Im Grunde beginnt mit dieser Bestäubung auch die Honigproduktion. Was aber besonders bedeutsam an diesem ersten Schritt ist – er sichert der Menschheit das Überleben auf der Erde! Ohne die Bienen würde es eine sehr stark reduzierte Bestäubung geben. Ohne Bestäubung würde es weitaus geringere Erträge geben, bis hin zum Totalausfall von Ernten. Bienen bestäuben weltweit rund 80 % der Nutzpflanzen und sind damit unersetzlich für die Lebensmittelproduktion. Albert Einstein wird das Zitat zugeschrieben: „Wenn die Biene einmal von der Erde verschwindet, hat der Mensch nur noch vier Jahre zu leben.“ Ob das tatsächlich stimmt, sollten wir wohl besser nicht ausprobieren. Fakt ist jedoch, dass die Vielfalt an Wildbienen immer weiter abnimmt und die sogenannte Honigbiene zunehmend von der Varroamilbe bedroht ist. Es kann also durchaus passieren, dass irgendwann eine Generation mit der Aussage von Albert Einstein konfrontiert wird … Wir wollen es nicht hoffen!

Nun aber wieder zurück zu unserem Honig.
Wir produzieren unseren Bioland-Honig selber. Lediglich unseren Akazienhonig kaufen wir von einem Bioland-Imker zu, da wir in unserer Region noch keine Trachtmöglichkeit gefunden haben, selber Akazienhonig zu erzeugen.
Für unsere Sortenhonige stellen wir unsere Völker zum Zeitpunkt der Blüte an die Tracht. Sobald die ersten Rapsblüten aufgehen, stellen wir unsere Bienenvölker an die Bioland-Rapsfläche. Wenn die Lindenblüte beginnt, bringen wir unsere Völker in eine Region, in der große alte Lindenbäume stehen. Zur Heideblüte wandern wir mit unseren Bienenvölkern in die Heidefläche. Da Bienen immer die ergiebigste Nektarquelle anfliegen, gelingt es uns durch unser Konzept sehr gut, schöne Sortenhonige zu ernten.
Frühjahrshonige, Sommerblütenhonige oder Obstblütenhonige sind dagegen sogenannte Mischhonige. Das bedeutet jedoch nicht, dass diese Honige minderer Qualität sind oder nicht ebenso lecker schmecken wie Sortenhonige. Am besten kann man einen Mischhonig am Obstblütenhonig veranschaulichen. Wenn wir unsere Bienenvölker in eine Bioland-Obstplantage zur Bestäubung stellen, stehen dort verschiedene Obstbäume wie z. B. Apfel-, Birnen-, Pflaumen- und Kirschbäume. Die Bienen sammeln nun an den Äpfel-, Birnen-, Pflaumen- und Kirschbäumen den Nektar – und so entsteht ein Mischhonig.
Der Unterschied zwischen Sorten- und Mischhonigen ist der charakteristische Geschmack von Sortenhonigen. So kann man bei unserem Sortenhonig Lindenblüte noch sehr schön den Geschmack des ätherischen Öles (Menthol) der Lindenblüte herausschmecken.
Darüber hinaus müssen Sortenhonige noch eine ganze Menge anderer mikroskopischer und physikalisch-chemischer Merkmale erfüllen, um mit der spezifischen Sortenbezeichnung benannt werden zu dürfen. Wir stellen diese sicher, indem wir vor dem Abfüllen Proben des Honigs in einem zugelassenen Labor analysieren lassen. Das, was bei uns auf dem Glas steht, ist auch im Glas drin.

Leider ist es nicht verboten, verschiedene Honigsorten zu mischen und dann z. B. als Lindenblütenhonig zu verkaufen. Voraussetzung dafür ist, dass dieser Honig die mikroskopischen und physikalisch-chemischen Merkmale für die Bezeichnung „Lindenblütenhonig“ erfüllt.

Um eine unabsichtliche Vermischung zu vermeiden, beernten wir unsere Bienenvölker immer, bevor wir diese in eine neue Tracht fahren. Nach der Ernte werden die Waben unverzüglich entdeckelt und geschleudert, damit der Honig austritt. Frischer Honig ist (bis auf einige wenige Sorten) immer klar und flüssig. Jetzt wird bei uns der Honig erst einmal mehrere Stunden in einem Bottich stehen gelassen. Hierdurch steigen Wachsteilchen, die beim Schleudern in den Honig gelangt sind, nach oben und bleiben „auf dem Honig“ liegen.
Der nun natürlich geklärte Honig wird anschließend aus einem Hahn am Bottich abgelassen und durch ein feines Sieb in einen Rührbehälter gefüllt. Das feine Sieb reinigt den Honig zusätzlich von winzigsten Verunreinigungen. Bei all diesen Verarbeitungsschritten arbeiten wir weder mit Wärmezufuhr, wie zum Beispiel Heizspiralen, noch mit Druck, um den Honig durch das feine Sieb zu pressen. Diese Verarbeitung ist nur möglich, da wir unverzüglich nach der Ernte den Honig gewinnen und die Räume auf einer konstanten Temperatur und einer konstanten Luftfeuchtigkeit halten, so dass der Honig keinen Schaden nimmt, nicht reift oder zu kristallisieren beginnt. Im Rührraum herrscht eine konstante Temperatur von 14-17 °C (je nach Honigsorte) bei einer konstanten Luftfeuchtigkeit. Sobald der Honig fertig gerührt ist, wird er in Gläser abgefüllt und kommt in den Verkauf.

Wie sieht das Zuhause der Bienen aus?

Das Bienenvolk lebt in einer sogenannten Bienen-Beute. Das ist ein viereckiger Kasten, in den von oben Rähmchen mit Mittelwänden oder Wabenbau eingeführt werden. Je nach Platzbedarf oder Honigertrag kann die Beute nach oben aufgestockt werden. So entstehen die „Türme“, die viele sicherlich schon einmal in der Landschaft gesehen haben. Es gibt eine ganze Reihe unterschiedlicher Maße für die Beuten. Bioland-Imker dürfen nur Holzbeuten verwenden. Gängiger sind bei den meisten Imkern Styroporbeuten – und Styropor wird nach wie vor aus Erdöl hergestellt.
Wir zimmern unsere Beuten aus unbehandelter Weymouthskiefer selber. Ganz unten steht immer der sogenannte Brutraum, d. h. hier legt die Königin die Eier ab und die vielen Pflegebienen kümmern sich um die Brut, also die Aufzucht der jungen Bienen. Darüber setzt man den Honigraum. Die Bienen lagern den Honig über dem Brutnest ein, also im Honigraum. Der Honigraum ist durch ein Absperrgitter vom Wirtschaftsraum getrennt, so dass die Königin nicht in den Honigraum gelangen kann, um dort Eier abzulegen. Die Arbeiterinnen sind kleiner und können das Absperrgitter passieren. Diese Abtrennung ist für jeden Imker sehr hilfreich und wichtig, da man dadurch sicherstellt, dass keine Eier oder gar Brut in den Honig gelangt.
Das System ist im Grunde wunderbar – man stört das Volk nicht und kann trotzdem den leckeren Honig ernten. Aber wie so vieles ist es nicht ganz perfekt.
Ist der Wirtschaftsraum mit Brut gefüllt und hat die Königin keinen Platz mehr, um ihre Eier abzulegen, kommt das ganze Bienenvolk in „Schwarmstimmung“. Sind erst einige Bienen arbeitslos und wurden genügend Pollen- und Honigvorräte eingelagert, entschließt sich das Volk, sich zu vermehren, und beginnt, junge Königinnen aufzuziehen. Sind die Jungköniginnen schlupfreif und das Wetter schön, zieht der Schwarm aus dem Imkerkasten aus. Ein Naturschauspiel sondergleichen!
Für den Imker ist das allerdings nicht sehr positiv. Die Bienen machen sich mit 3 bis 5 kg Honig und der Hälfte der Mannschaft auf den Weg in ein neues Zuhause. Die Altkönigin führt den Schwarm an. Bei starken Völkern können auch noch Nach-Schwärme abgehen, bis das verbleibende Volk im Imkerkasten sehr klein geworden ist. Jetzt ist erst einmal eine Brutpause angesagt, bis die junge Königin von ihrem Hochzeitsflug zurückkehrt und wieder Eier legt.
Das sogenannte Abschwärmen will jeder Imker vermeiden. Bei konventionellen Imkern ist es deshalb erlaubt, der Königin die Flügel zu stutzen, damit diese nicht wegfliegen kann. Da der Bienenschwarm bei der Königin bleibt, „liegt“ der Schwarm vor der Beute. Bioland-Imkern ist dieser Eingriff strikt verboten.
Zum Glück gibt es mehrere verschiedene, wenngleich immer arbeitsintensive Maßnahmen, um einer Schwarmstimmung entgegenzuwirken. Zum Beispiel kann man einen zusätzlichen Brutraum anlegen, damit die Königin wieder Platz zum Eierlegen hat. Diese Methode bringt allerdings beim Einwintern gewisse Nachteile mit sich. Man kann auch Brutwaben entnehmen und damit Ableger bilden – dabei besteht jedoch immer das Risiko, die Königin zu verletzen oder gar zu verlieren.
Das Schwärmen ist für jeden Imker ärgerlich. Allerdings darf man auch nicht vergessen, dass das Schwärmen (im Grunde genommen handelt es sich eher um eine Teilung des Volkes) die urnatürliche Fortpflanzung der Biene ist. Es gibt viele Gründe, nicht nur der erwähnte Platzmangel, weshalb ein Bienenvolk abschwärmt. Diese zu erläutern, genauso wie das komplexe Sozialverhalten der Biene, würde aber dieses Interview sprengen. Wer sich dafür interessiert – und wir sind der Meinung, der Zeitaufwand lohnt sich – kann auch im Internet stöbern. Keineswegs muss man gleich zu hochwissenschaftlichen Bücher greifen.

Nun sind wir aber wieder etwas abgeschweift.
Nachdem unsere fleißigen Bienen vom Frühjahr bis zum Spätsommer hoffentlich viel Honig eingetragen und viele, viele Pflanzen bestäubt haben, nähert sich der Winter. Da wir Imker den süßen Honig geerntet haben, den die Bienen eigentlich für ihren Wintervorrat und nicht für uns Menschen gesammelt haben, müssen wir die Bienenvölker nun frühzeitig versorgen, damit diese noch ihren Wintervorrat anlegen können.
Eine Bioland-Imkerei darf ihren Bienen lediglich Bioland-Zucker, in Wasser gelöst als Sirup, verfüttern. Konventionelle Imkereien füttern meist kostengünstigere zucker- oder stärkehaltige Substanzen.
Wenn es jetzt immer kälter wird, stoppt die Königin irgendwann ihre Eiablage und das Bienenvolk reduziert sich von im Sommer 30.000 bis 50.000 Bienen auf etwa 5.000 bis 8.000 Bienen. Das verbleibende Bienenvolk inklusive der Königin passt nun in einen Brutraum ohne Honigräume und verbleibt draußen am Bienenstand. In der kalten Jahreszeit ziehen sich die Bienen zu einer Wintertraube zusammen. Sollte noch ein kleines Brutnest vorhanden sein, wird dieses auf sagenhaften 35 °C warmgehalten! Außen an der Wintertraube ist es kühler als in der Mitte. Deshalb wechseln sich die Bienen von innen mit den Bienen von außen stetig ab, nur die Königin bleibt immer im Zentrum.
Wenn im Frühjahr die Temperaturen wieder ansteigen, beginnt die Königin erneut mit der Eiablage und alles beginnt von vorn.
Männliche Bienen (Drohnen) haben übrigens nur eine einzige Aufgabe im Bienenvolk – die Jungköniginnen zu begatten. Drohnen leben in der Zeit von etwa April bis September. Danach wird im Bienenvolk keine Drohne mehr benötigt.

Vor welchen Herausforderungen stehen Sie aktuell?

In Bezug auf unsere Bioland-Imkerei stehen wir vor dem gewaltigen Problem des Herbizid-, Fungizid- und Insektizideinsatzes in der konventionellen Landwirtschaft. Damit geht die Unsicherheit einher, ob und wie viel Schaden unsere Bienen dadurch nehmen und welche Rückstände im Honig zu befürchten sind. Imker, egal ob biologisch oder konventionell arbeitend, zählen zur Landwirtschaftsbranche und können daher gut verstehen, dass ein Landwirt mit seiner Tätigkeit seinen Lebensunterhalt verdienen muss. Als Bioland-Imkerei einfach nur alle konventionellen Landwirte zu verurteilen, halten wir für falsch und nicht zielorientiert! Dennoch ist der Einsatz von Pflanzenschutzmittel in vielen Bereichen sehr fraglich. Bei Getreide zum Beispiel haben wir eine Selbstversorgung von mindestens 114 %. Das heißt, es wird mehr Getreide produziert, als wir in Deutschland benötigen. Hier ist die Frage nach dem Pflanzenschutzmitteleinsatz durchaus gerechtfertigt. Bei einer Selbstversorgung von über 100 % ergibt es eigentlich keinen Sinn, die Erträge durch sogenannte Pflanzenschutzmaßnahmen steigern zu wollen. Gerade bei Agrarprodukten ist der Preisverfall phänomenal, sobald es ein Überangebot am Markt gibt. Warum man sich dennoch dafür entscheidet, zusätzliche kostspielige Pflanzenschutzmaßnahmen durchzuführen, obwohl man genau weiß, dass man immer weniger für die Feldfrüchte bekommt, wird sich uns wohl nie erschließen.
Noch absurder wird der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln, wenn man sich die dadurch entstehenden Probleme bei den Kläranlagen und Wasserwerken anschaut. Die Abbauprodukte der Mittel finden sich nahezu überall im Grundwasser und in den Gewässern. Leider lassen sich dort, und auch im Honig, bereits geringe Spuren des Totalherbizids Glyphosat finden. Dieses wird zunehmend als „praktischer Komplettbewuchsvernichter“ in der Landwirtschaft eingesetzt. Darüber hinaus bringt es Getreide zur gleichmäßigen Abreife. Wir finden, dass Pflanzenschutz in gewissem Maße sicherlich Ertragsausfälle mindert und den Landwirten eine relative Einkommenssicherheit gibt. Nun aber jede pflanzenbauliche Herausforderung mit einem Mittel lösen zu wollen, statt beispielsweise mit einer anderen Fruchtfolge oder mechanischen Methoden, halten wir für eine Sackgasse. Sicherlich sind dies Initiativen, die vor allem den Großkonzernen der Agrarchemie entsprungen sind, um noch mehr Produkte am Markt zu platzieren. Hier muss aber eine Grenze gezogen werden, die dem Landwirt UND dem Natur- und Umweltschutz Sorge trägt! Jede Pflanzenschutzmaßnahme sollte abgewogen werden, in Bezug auf die Kosten und den Nutzen für den Flächenertrag, bzw. der Pflanzengesundheit. Sicherlich ist es nicht mehr sinnvoll, auch die 7. oder 8. Maßnahme zu fahren, wenn dabei nur noch eine Ertragssteigerung von 5 % im Raume steht. So ist eine Spritzung direkt in die Rapsblüte, während dort Tausende von Insekten (nicht nur Bienen) auf Nahrungssuche sind, sicherlich kritisch zu betrachten!
In die Abwägung der Maßnahmen muss zusätzlich das Schadpotenzial für Mensch, Tier und Umwelt einfließen. Der Landwirt ist letztendlich der Anwender der Mittel. Die Regeln für deren Einsatz werden schon vorher in den Zulassungen festgelegt.

Alleine die Tatsache, dass Insekten, Vögel und andere Tiere in Regionen mit einer intensiven industriellen Landwirtschaft unwiderruflich verschwinden, sollte Anlass sein, hier genauer hinzuschauen und der Entwicklung eine andere Richtung zu geben!

Sollte dieses Problem nicht in naher Zukunft gelöst werden oder sich gar verschärfen, würde das bedeuten, dass wir als Bioland-Imkerei ohne Selbstverschuldung irgendwann kein reines unbelastetes Naturprodukt mehr anbieten können.

Mehr zum Thema: Wer Honig nur aus dem Supermarkt kennt, verpasst das Beste



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