Terra Kahwa: Social Entrepreneurship mit Kaffeegenuss
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Terra Kahwa: Social Entrepreneurship mit Kaffeegenuss

INTERVIEW | Terra Kahwa produziert fairen Kaffee aus Äthiopien, der auch ohne die Labels "bio" und "fairtrade" auskommt. Gleichzeitig lebt der Verbraucher die Idee des Social Entrepreneurships und fördert durch den Kauf des Kaffees soziale Projekte.

INTERVIEW | Terra Kahwa produziert fairen Kaffee aus Äthiopien, der auch ohne die Labels "bio" und "fairtrade" auskommt. Gleichzeitig lebt der Verbraucher die Idee des Social Entrepreneurships und fördert durch den Kauf des Kaffees soziale Projekte.

12.09.2018 - Das Interview führte Romek Vogel, Bilder © Terra Kahwa

LifeVERDE.de: Frau Neumann, Sie haben sich mit TERRA KAHWA auf äthiopischen Kaffee spezialisiert. Welche Bedeutung hat das Wort "KAHWA?

Frau Neumann: Das arabische Wort „  KAHWA “ (قهوة) bezeichnete ursprünglich ein schwarzes Getränk aus Kaffa, einer südwestlichen Provinz Äthiopiens, deren Hauptstadt Jimma ist. Die populärste Legende erzählt, dass um 900 n.Chr. eine Ziegenherde im Königreich Kaffa in Äthiopien an einem Strauch mit roten Früchten weidete. Anstatt zu schlafen, sprangen die Tiere umher. Der Hirte erzählte einigen Mönchen von dem Erlebnis. Die gossen die Bohnen mit Wasser auf. Der Rest ist Geschichte. Insofern verdanken wir der Entdeckung des Kaffees einem tierischen Zufall. 

Wie kam es zur Gründung von TERRA KAHWA und warum wurde bewusst auf die bekannten Siegel und Zertifizierungen verzichtet?

Die Idee von Terra Kahwa ist 2008 von meinem Onkel André Plank und drei engen Freunden in Grenoble, Frankreich entstanden. Die 4 Freunde verbindet eine gemeinsame, zumindest vergleichbare, Einstellung zur Welt und natürlich die Vorliebe, guten Kaffee zu trinken. Die Initiatoren sind vier sehr unterschiedliche Menschen, die weder die gleiche politische Auffassungen noch dieselben Traditionen haben. Ihre Vergangenheit und ihre Kultur hätte sie nicht unterschiedlicher prägen können. Das alles hat sie jedoch nicht daran gehindert, eine tiefe Freundschaft füreinander zu entwickeln. Aber gerade ihre doch sehr ähnliche Weltanschauung weckte in ihnen den Wunsch, humanitär helfen zu wollen. Allerdings hatte jeder seinen Beruf und seine Familie und die Jahre vergingen, in denen sie aber nie aufhörten sich zu schreiben oder miteinander zu reden, oft über einer Tasse Kaffee. 2008 erschien ihnen der richtige Zeitpunkt etwas zu tun, das für andere nützlich sein würde. Sie waren gereift, es war Zeit zu pausieren und zu reflektieren.
Alle lasen sie das Buch von Jean Ziegler "Das Imperium der Schande", in dem er heftig die "Herren des Kaffees" attackiert. Das reichte aus, um sie zu motivieren. Im September 2008 flogen sie gemeinsam nach Äthiopien und lernten den kompletten Weg einer Kaffeebohne vom Baum bis in unsere Tasse kennen. Sie lernten die außergewöhnlichen Geschmacksnuancen kennen und der äthiopische Kaffee war für diese Kaffeeliebhaber überragend und einzigartig.
Sie trafen die Landwirte, die ihre Arbeit lieben aber nicht mehr davon leben können. Sie trafen den Staatsminister für Landwirtschaft H.E. Yaekob Yalla, der sie über die dramatischen Zustände und darüber aufklärte, dass der Kaffee zwar in Äthiopien wächst, aber die Gewinne (ca. 10 Mrd. EUR) in den Industrieländern realisiert werden.
Sie trafen Männer und Frauen, die sich mit einer Marktwirtschaft konfrontiert sahen, die sie nicht verstanden.
Zurück in Europa, mussten sie noch eine Frage lösen: was müssen wir tun, um ein wenig mehr Licht, ein wenig mehr Glück und ein wenig mehr Vernunft in diesen Kaffeemarkt zu bringen?
Anfangs waren sie sich über die ein oder andere Antwort unsicher. Allerdings war ihnen klar, dass sich diese Frage immer wieder stellen würde.
2017 entstand der Gedanke bei mir und meiner Schwester Heike Ohlberger Terra Kahwa Kaffee nach Deutschland zu bringen, da wir von dem Kaffee und der Idee, die hinter Terra Kahwa steht, voll und ganz überzeugt waren. Leider ist meine Schwester aus beruflichen Gründen aus unserem gemeinsamen Projekt ausgestiegen, so dass ich auf mich, neben meinem Beruf als Rechtsanwältin, allein gestellt war. Anfang 2018 konnte ich dann endlich mit meiner Seite online gehen.
Mein Onkel und auch mittlerweile ich werden natürlich oft gefragt, warum wir auf die bekannten Labels wie „bio“ und „fairtrade“ verzichten. TERRA KAHWA löst sich von den Labels wie "Bio" und "Fair Trade" ganz bewusst, da wir es nicht richtig finden die hohen Kosten für eine solche Zertifizierung zum Nachteil der äthiopischen Bauern oder aber zum Nachteil des Endverbrauchers zu finanzieren. Unser Kaffee wird regelmäßig durch eines der führenden Analyselaboratorien, der Eurofins Scientific SE untersucht. Wir wollen den Endverbraucher darüber aufklären, dass nicht jedes Produkt, dass mit den bekannten Labels gekennzeichnet ist, auch wirklich "bio" oder "fairtrade" ist. Bei einem Kaffee der pro Kilo im Supermarkt für 9,98 € verkauft wird und die bekannten Labels hat, fällt dies schwer zu glauben. Zumal den wenigsten Verbrauchern bekannt ist, dass darin in Deutschland noch 2,19 € Kaffeesteuer pro Kilo enthalten sind.

Mein Onkel sagt immer, dass das Handeln nach den Prinzipien des „Alter-Responsable“ (damit ist der verantwortungsvolle Blick auf den anderen Menschen gemeint) kein Label ist, sondern eine Geisteshaltung.

Was zeichnet Ihren Kaffee qualitativ aus?

Sidamo, Yirga Cheffe, Limu , Lekempti und Harar sind die Anbaugebiete unseres wilden Kaffees, dem  „Kaffee des Schattens“, herangereift im Wald unter dem Schutz großer tropischer Bäume.

Zunächst ist keine Pflanze Pestiziden oder chemischen Düngemitteln ausgesetzt. Die Ernte erfolgt mittels der pflanzenschonenden Picking-Methode, d.h. es werden lediglich die reifen Kaffeekirschen einzeln per Hand geerntet. Diese Methode ist sehr zeit-und kostenintensiv, führt aber zu einer hervorragenden Qualität des Kaffees. Bei der maschinellen Ernte gelangen auch faule oder unreife Früchte in den Kaffee. Unser Kaffee wird in Frankreich schonend und langsam mit der traditionellen Trommelröstung geröstet.

Durch den Kauf Ihres Kaffees unterstützt der Verbraucher nicht nur soziale Projekte , sondern lebt die Idee des „Social Entrepreneurships“. Würden Sie uns diesen Ansatz genauer erklären?

Social Entrepreneurship ist eine Frage der Einstellung, kein Label.
Das Präfix "Social" führt den Begriff des Anderen ein, aber auch die Bewegung, Evolution und das Gleichgewicht zwischen einem Punkt und dem anderen. Die Herausforderung des Social Entrepreneurships liegt darin, dass die äthiopischen Akteure die Verantwortung dafür übernehmen einen Kaffee von hoher Qualität zu erzeugen,  Terra Kahwa neben der sozialen Verantwortung, die Verantwortung für die nachhaltige Verarbeitung des Produktes Kaffee trägt, während der Verbraucher sich direkt oder indirekt  an dem Wohlergehen der äthiopischen Kinder im Aufnahmezentrum der Association ACEDE  beteiligt.  Durch den Kauf unseres Kaffees unterstützt der Verbraucher nicht nur soziale Projekte, sondern lebt die Idee des Social Entrepreneurships - auch ohne Bio-Zertifikat und Fairetrade-Siegel.
Das Handeln nach den Prinzipien des Social Entrepreneurships fordert uns zu einem ständigen Nachdenken auf,  in jeder Phase eines industriellen Prozesses oder des industriellen Handels, Fragen sowohl ethischer, sozialer und ökologischer Herkunft zu stellen und dadurch eine Verringerung von Ungleichheit zu gewährleisten.

Wie wird bei Ihnen Nachhaltigkeit gelebt - können Sie ein paar konkrete Beispiele geben?

Die Nachhaltigkeit beginnt ja schon beim Einkauf des grünen Kaffees in Äthiopien. Terra Kahwa kauft seinen Kaffee nicht an der Kaffeebörse, was wesentlich günstiger wäre, sondern direkt bei den Kooperativen der Bauern. Auch die Wahl der Röstmethode oder die Wahl der Verpackung ist nachhaltig. Man kann kein nachhaltiges Produkt anbieten und dann die Verpackung günstig in China kaufen, nur weil der französische Produzent teurer ist. Auch ich stand in Deutschland vor der Frage, wie versende ich den Kaffee und wollte schon recyceltes Verpackungsmaterial bestellen. Bis mir dann der Gedanke kam, das Material zu verwenden was mir selber geschickt wird und welches ich immer entsorgt hatte. Seit dem ich mich mit dem Projekt Terra Kahwa beschäftige hinterfrage ich viele Produkte und versuche im privaten Bereich viel bei regionalen Betrieben einzukaufen.

 Worauf sind Sie besonders stolz?

Stolz bin ich darauf, dass ich neben meinem Beruf als Rechtsanwältin die Firma Terra Kahwa Deutschland alleine gegründet habe. Angefangen von der Webseite bis hin zu den Flyern habe ich alles selber entworfen. Die Webseite orientiert sich zwar an der französischen Seite, musste aber komplett übersetzt werden und hängt auch nicht an der französischen Seite. Auch die Gründung des Unternehmens oder die Einrichtung eines Kaffeesteuerlagers hat viel Zeit in Anspruch genommen. Stolz bin ich aber vor allem, dass ich den Idealismus besitze ein Produkt anzubieten mit dem ich die Welt vielleicht ein wenig besser machen kann. Reich werde ich damit sicher nicht.

An wen richtet sich Ihr Angebot und wo kann man Ihren Kaffee kaufen?

Unser Angebot richtet sich grundsätzlich an jeden, der bereit ist für einen nachhaltigen, hervorragenden Kaffee mehr Geld auszugeben und so die Idee des „Alter-Responsable“ zu unterstützen. Nicht nur der private Verbraucher sollte sich hier angesprochen fühlen, sondern auch Unternehmen, die so auch ihren Teil zur Nachhaltigkeit beitragen können. Derzeit kann man meinen Kaffee hauptsächlich online unter www.terra-kahwa.de kaufen, allerdings bin ich bemüht möglichst viele Einzelhändler zu finden, die unseren Kaffee anbieten, da ich eigentlich kein Freund des Online-Geschäftes bin. Auch das gehört für mich zur Nachhaltigkeit, den Einzelhandel zu unterstützen. Auf meiner Seite kann man dann die Geschäfte, in denen unser Kaffee verkauft wird, finden. Terra Kahwa möchte auch die „Unverpackt“ –Geschäfte ansprechen, da wir hierfür spezielle wiederbefüllbare Tonnen anbieten.

 

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