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Naturnah und regional - Speiseöle der Ölmühle Garting

Interview | Die Ölmühle Garting stellt vollwertige Speiseöle in Bio-Qualität her. Geschäftsführer Toni Lamprecht berichtet uns im Interview mehr über die Besonderheiten.

Interview | Die Ölmühle Garting stellt vollwertige Speiseöle in Bio-Qualität her. Geschäftsführer Toni Lamprecht berichtet uns im Interview mehr über die Besonderheiten.

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29.04.2020 - Ein Interview geführt von Deborah Iber

In der Ölmühle Garting werden Spieseöle aus natürlichen und regionalen Zutaten hergestellt. Im Interview mit Geschäftsführer Toni Lamprecht erfährst du mehr über die Ölmühle und die Produktion der Öle.

LIFEVERDE: Herr Lamprecht, bitte stellen Sie uns die Ölmühle Garting einmal kurz vor.

TONI LAMPRECHT: Die Ölmühle Garting stellt seit 2011 Speiseöle her. Dabei handelt es sich um einen alten Bauernhof, dessen Stall in eine Speiseölproduktion umgebaut wurde.
 

Wofür steht die Ölmühle Garting?

Wir stehen für möglichst wenig Bearbeitung. Wir sind der Meinung, dass jeder Arbeitsschritt, der gemacht wird, auf Kosten der Qualität geht. Gerade die industrielle Ölherstellung besteht aus vielen Bearbeitungsschritten, sodass das Öl vermeintlich praktischer wird. So wird es zum Beispiel desodoriert: Das bedeutet, es wird bei 250° mit Wasserdampf behandelt, um geschmacksneutral zu werden. Rein nach dem Motto: Wenn etwas nach nichts schmeckt, gibt es keinen der es nicht mag.

Welche Rolle spielt für Sie das Thema Nachhaltigkeit und spiegelt es sich in Ihrer Arbeit und in Ihrem Angebot wider?

Unser Hauptziel ist neben der naturnahen Produktion der Bezug aus der Region. So bekommen wir ca. 95% der Samen unmittelbar aus der Region (Umkreis ca. 100km), 4% stammen aus anderen Teilen Deutschlands und Österreichs und ca. 1% (Kokos, Sesam und Schwarzkümmel) stammt von weiter weg.

Dabei versuchen wir natürlich so umweltfreundlich wie möglich zu arbeiten. Dies beginnt bei den Landwirten, denen wir zum einen eine größere Pflanzenvielfalt ermöglichen sowie Ideen geben, ohne chemischen Pflanzenschutz zurecht zu kommen. Auch die Produktion ist bei uns „automatisch“ umweltfreundlich – wenig bearbeiten bedeutet wenig Energie und keine Hilfsmittel.
 

Durch welche Produkteigenschaften würden Sie sagen, sind Ihre nachhaltigen Produkte besser als die konventionellen bzw. was sind Ihre Alleinstellungsmerkmale?

Hier gibt es 2 Bereiche. Zum einen ist es besser für die Umwelt, wenn die Einsatzstoffe nicht um den halben Erdball gefahren werden. Zum anderen ist es vor allem für die Gesundheit unserer Kunden sehr wertvoll, vollwertige Lebensmittel zu erhalten, die noch voller Pflanzbegleitstoffe stecken, die ein Naturprodukt mitbringt. Ein funktionierendes Immunsystem ist sehr wichtig. Das geht aber nur, wenn man dem Körper alles gibt was er braucht. Hier sehe ich für den Großteil der Gesellschaft den Weg über eine vollwertige Ernährung. Das funktioniert aber nicht mit hochverarbeiteten Produkten, wie geschmacksloses Öl, hocherhitzte und homogenisierte Milch, weißem Mehlen oder zu guter Letzt auch nicht mit Fertiggewürzen.
 

Was ist das Besondere an Ihrer Anbau- und Produktionsmethode?

Unsere Besonderheit ist es, möglichst nichts mit den Produkten zu machen. Wir filtern zum Beispiel nicht. Dazu bräuchte man ein Filterhilfsmittel, das das Öl beeinflusst: Entziehung von Spurenelementen sowie Beeinflussung von Geschmack und Farbe.

Ich glaube bei der Filterung geht es nicht um den Wunsch des Endkunden – dieser hat nichts gegen ein wenig „Satz“ am Boden – sondern hauptsächlich um die weitere Verarbeitung. Beispielsweise das Desodorieren (Geschmacksneutral zu machen): Bei diesem Vorgang würde der Satz verbrennen, er kann für diesen Vorgang also nicht gebraucht werden. So sehe ich es mittlerweile sogar als absolutes Qualitätsmerkmal, wenn das Öl nicht gefiltert ist.

Unsere Öle stellen wir zum Großteil aus konventionellen Samen her, denn wie gesagt ist für uns die Verarbeitung am wichtigsten. Zu einer guten Verarbeitung zählen natürlich auch gute Samen – diese gibt es aber auch in konventioneller Form. Bio wäre zwar noch besser, zum Teil aber bedeutend teurer und nicht in der Region verfügbar. Der Kunde kann selbst entscheiden, was seiner Meinung nach für ihn und die Natur besser ist.

In der Landwirtschaft sind wir mittlerweile auch offiziell Bio. Dabei habe ich mich länger gesträubt, weil ich die Bio-Siegel eher kritisch sehe. Es sind zwar viele Punkte enthalten, die sinnvoll sind, aber auf Vertrauen basieren, da sie nicht wirklich zu kontrollieren sind. Hier sehe ich die größte Chance für Kleinhersteller, da diese wirklichen Kontakt zu den Kunden haben und daher ehrlicher arbeiten müssen.
 

Welche aktuellen Trends und Entwicklungen finden Sie im Bereich Bio-Ernährung besonders spannend?

Der Weg zur Regionalität und kleinen Einheiten sowie die Bereitschaft, etwas selbst zu machen und hier auch kleine Fehler oder Einschränkungen zu akzeptieren.
 

Welche Bedingungen in Ihrer Branche würden Sie gerne ändern, damit alles noch etwas nachhaltiger abläuft?

Ein relativ einfaches Mittel wäre es meiner Meinung nach, den Transport teurer zu machen. Es wird sich so oft beschwert, dass so vieles aus China oder von sonst wo kommt. Gekauft wird es trotzdem. Wenn hier auf jeden gefahrenen Kilometer eine Umweltsteuer draufkäme und das Produkt dadurch teurer werden würde, müsste man sich nicht mehr so viele Schritte einfallen lassen, damit letztendlich das Lebensmittel von Deutschland in der ganzen Welt verkauft wird und zum Teil die gleichen Lebensmittel vom Rest der Welt wieder nach Deutschland kommen.
 

Auf welche Produktneuheiten dürfen sich Ihre Kunden in der nächsten Zeit freuen?

Hier sind wir immer offen und reagieren auf Kundenanfragen bzw. auf Angebote von Lieferanten. Ziel ist es, immer das Urprodukt aus der Region zu bekommen und es dann nativ verkaufen zu können. Die letzte neue Sorte war bei und das Kirschkernöl, und im Moment versuchen wir uns an einem Hanfsamen-/Blütenöl.

 



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