Upcycling auf Bestellung
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Upcycling auf Bestellung

THEMENWOCHE UPCYCLING | Carla Cixí kreiert in ihrem berliner Label vor allem Oberteile, Blusen und Kragen in zeitaufwendiger, mühevoller Handarbeit. Die Stoffe dafür erhält sie meist von ihren Kundinnen selbst. Diese bringen ihre alte Kleidung mit und die Designerin fertigt ihnen daraus etwas Neues, Individuelles an.

THEMENWOCHE UPCYCLING | Carla Cixí kreiert in ihrem berliner Label vor allem Oberteile, Blusen und Kragen in zeitaufwendiger, mühevoller Handarbeit. Die Stoffe dafür erhält sie meist von ihren Kundinnen selbst. Diese bringen ihre alte Kleidung mit und die Designerin fertigt ihnen daraus etwas Neues, Individuelles an.

21.02.2017 - Das Interview führte Gessica Mirra, Bilder © ww.carlacixicrocheting.com

LifeVERDE: Frau Cixí, wie kam es zu der Gründung Ihres Unternehmens?

Carla Cixí: Mein Label habe ich 2014 gegründet. 2012 bin ich der Upcycling-Bewegung hier in Berlin näher gekommen und habe angefangen, meine Gestaltungskraft ernster zu nehmen. Dann kam mir dir Idee alte Stoffen zusammen zu häkeln und damit alte Kleidungsstücke neu zu gestalten. 

Hatten Sie von Anfang an Erfolg mit Ihrem Upcycling-Konzept, oder hat sich das erst über die Jahre geändert?

Ich bin ehrlich gesagt noch dabei mein Label zu etablieren! Meine Art und Weise zu arbeiten ist sehr zeitaufwendig und erfolgt nur durch mein handwerkliches Geschick. Jedes Stück ist ein Unikat und nach Maß angefertigt. Momentan besteht meine Kundschaft aus extravaganten Frauen (positiv gemeint!), die sich trauen ein einzigartiges Stück zu tragen.  

Wie funktioniert das Upcycling bei Ihnen konkret? 

Ich arbeite ausschließlich mit seidenartigen Stoffen aus Second-Hand Klamotten, die nicht mehr tragbar sind (z.B.  stockfleckig, zerrissen), oder mit Stoffresten, die ich in Second-Hand Läden und auf Märkten finde. Die Materialien zu besorgen ist immer das grösste Problem des Upcyclingsprozesses. Bis jetzt habe ich mit kleinen Mengen an Materialien gearbeitet: ganz oft kommen die Kunden mit ihren eigenen alten Blusen, Stoffresten und daraus gestalte ich dann das Design nach Absprache. Im Moment arbeite ich an einer Kollektion von Oberteilen und sammele schon seit mehr als einem Jahr seidige Second-Hand Stücke und Stoffreste. Am schwierigsten sind passende Farbtöne in Zusammenhang mit häkelgeeigneter Textildichte (45g/m² bis 90g/m²) und  Stoffqualität zu finden, die der gesamten Vorstellung des Projektes entsprechen. Die Stoffmenge für ein Oberteil liegt durchschnittlich bei 3 Meter, da beim Häkeln ganz viel Stoff verbraucht wird.

Die ausgewählten Klamotten werden gewaschen, auseinander gemacht, in bruchlose Bänder zerschnitten, und erst dann in Knäule eingewickelt. Wenn es keine spezielle Kundenanfrage gibt, lass ich mich von Farben, Konsistenz und Dehnbarkeit der Materialien inspirieren. Ich häkele dann direkt an der Schneidepuppe. Einen richtigen Entwurf gibt es dabei nicht: ich mache eine Menge Skizzen, die dann nicht immer umgesetzt werden oder mindestens nicht so genau wie auf der Zeichnung! Meine ist tatsächlich eine alte Art und Weise zu arbeiten, die der Fast-Fashion Welt widerspricht: das ist echte Slow-Fashion! 

Welche Kleidungsstücke bieten Sie an?

Meine Designauswahl besteht zum großen Teil aus gehäkelten Oberteilen und Kragen. Die Oberteile sind nach Maß angefertigt und die Kunden wenden sich direkt an mich um die Bestellung abzusprechen. Die Kragen sind online oder in verschiedenen Läden zu erwerben. Neulich ist eine neue Kollaboration mit dem Laden QuesBerlin in Prezlauerberg entstanden. Der Laden bietet handgemachte Frauen-Strickmode aus hochwertiger Wolle an und meine Upcycle-Kragen passen sehr gut zu der bestehenden Kollektion. 

Was können Konsumenten tun, um die nachhaltige Entwicklung mit zu fördern?

Zuallererst weniger aber ganz gezielt und bewusst kaufen! Die Designer, die sich mit Nachhaltigkeit beschäftigen bieten einzigartige, hochwertige, gut haltbare Kleidung an. Die kleinen Modelabels sind online oder in großen Städten sehr präsent. Ich kaufe seit Jahren nicht mehr in großen Kettenläden. Ich versuche meine Freunde so gut wie möglich zu überzeugen, so dass die Idee von Slow-Fashion sich einwurzelt und ein neues Kaufverhalten entsteht. Eine gute alternative sind Second-Hand Läden – ganz viele arbeiten für sehr gute Zwecke wie „Komm&Sieh“-, Klamotten-Tausch-Organisationen oder tolle Projekte/Läden wie Bis es mir vom Leibe fällt oder Sekundär-Schick, die aus alten Kleidern der Kunden was neues gestalten! 

Wenn Eltern ihre Kinder so erziehen würden, sollte es nicht so lange dauern, bis wir eine neue Konsumentenwelt erschaffen würden. Ich bin optimistisch und habe den Eindruck, dass sich etwas schon bewegt und langsam ändert.  

Welche Erwartungen haben Sie an die Zukunft Ihres Unternehmens?

Ich habe das optimistische Gefühl, dass mein Kleinunternehmen sich in ein paar Jahren gut etabliert haben wird. Ich arbeite unauffällig aber fleißig daran.

Und noch eine abschließende Frage: Wo sehen Sie die Modebranche in 10 Jahren?

Der Weg zur Abschaffung der Ungerechtigkeit bei der Massenproduktion und Zulieferindustrie in Richtung Slow-Fashion und Postwachstum ist schon gezeigt worden. Die neue Geschichte der Modebranche schreiben wir gerade!

Upcycling-Kleider sind sogar schon auf dem Laufsteg angekommen: Lesen Sie hier mehr zum Thema.



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