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Recycelte Rucksäcke – die wichtigsten Fragen und Antworten

Welche Vorteile bieten recycelte Rucksäcke und was sollte bei der Produktion beachtet werden? Unser LifeVERDE-Experte Adrian Goosses (AIRPAQ) beantwortet alle wichtigen Fragen rund ums Thema.

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Designelement

Welche Vorteile bieten recycelte Rucksäcke und was sollte bei der Produktion beachtet werden? Unser LifeVERDE-Experte Adrian Goosses (AIRPAQ) beantwortet alle wichtigen Fragen rund ums Thema.

LifeVERDE-Experte für recycelte Rucksäcke Adrian Goosses (AIRPAQ) | Bild: Iswanto Arif, Unsplash

Rolltop-Rucksäcke sind voll im Trend. Das liegt nicht nur daran, dass sie viel Stauraum bieten, sondern auch wegen ihres schicken Designs. Wenn es sich dazu noch um recyceltes Material handelt, kann ein Rucksack kaum besser werden. Trotzdem stellen sich einige Fragen, wie: Wie nachhaltig sind geupcycelte Rucksäcke wirklich und sind diese dann automatisch auch vegan?

Diese und weitere Fragen stellen sich täglich hunderte Menschen – ein klarer Fall für unser Informations-Format “Frag die Expert*innen!”. Wir geben eure ausgewählten Fragen rund um nachhaltige Produkte und Themen direkt an unsere Partner*innen weiter, die selbst Hersteller*innen, Produzent*innen, Dienstleister*innen, Wissenschaftler*innen oder aus einem anderen Grund Expert*innen auf ihrem Gebiet sind.

1. Welche Vorteile haben nachhaltige Rolltop-Rucksäcke?  
2. Sind upgecycelte Rucksäcke nachhaltig?
3. Was macht upgecycelte Rucksäcke nachhaltig?
4. Unter welchen Bedingungen (oder wo) sollten nachhaltige Rucksäcke hergestellt werden?
5. Wie gut sind upgecycelte Rucksäcke?
6. Sind recycelte Rucksäcke auch gleich vegan?
7. Woher kommen die Materialien, die recycelt werden?
8. Welche Voraussetzungen müssen Materialien erfüllen, um für Upcycling geeignet zu sein?
9. Bestehen Upcycling-Rucksäcke zu 100% aus alten Materialien?
10. Wieviel kosten Uppcycling-Rucksäcke?

11. Was sind die Unterschiede zwischen Recycling, Upcycling und Downcycling?

 

1. Welche Vorteile haben nachhaltige Rolltop-Rucksäcke?

Für mich sind das zwei Fragen. Zum einen die Frage nach dem Vorteil von Rolltop-Rucksäcken: Der größte Vorteil ist sicherlich, dass man das Volumen um bis zu 30 bis 40 Prozent variieren kann. So kann man mal einen großen Einkauf mitnehmen oder auch nur das Allernötigste. Rolltops sind auch leichter wasserfest zu gestalten, im Gegensatz zum Beispiel zu einem Reißverschluss. Zusätzlich sind Rolltops aktuell natürlich total modern, minimalistisch und haben ein schönes Design.

Die zweite Frage zum Vorteil von nachhaltigen Rucksäcken ist leicht zu beantworten: Es sollte den meisten mittlerweile bewusst sein, welche Vorteile ein nachhaltiger Lebensstil für unsere Umwelt bringt. Wir müssen die Ressourcen unseres Planeten mit Wertschätzung und Achtsamkeit behandeln und deshalb versuchen, möglichst viele Aspekte unseres Lebens nachhaltig zu gestalten. Das kann bei Nahrungsmitteln, Mülltrennung und Reisen anfangen und bei Mode und beim Rucksackeinkauf weitergehen.

Somit haben nachhaltige Rolltop-Rucksäcke einerseits einen funktionalen Vorteil und andererseits entlasten sie indirekt die Umwelt.

Adrian Goosses (AIRPAQ)

2. Sind upgecycelte Rucksäcke nachhaltig?

Ja, absolut! Ich würde sogar sagen, Upcycling ist die nachhaltigste und umweltschonendste Verwertung von Materialabfällen. Denn beim  Upcycling können viele Rohstoffe in ihrer „natürlichen“ Form belassen und direkt weiterverarbeitet werden, ohne zusätzliche
Ressourcen zu verbrauchen. Somit ist Upcycling ressourcenschonend, spart Energie und Kosten und verringert Luft- und Wasserverschmutzung.

Zur Erklärung: Um beispielsweise aus Polyethylenterephthalat (kurz PET), das aus dem Pfandsystem stammt oder aus dem Meer gefischt wurde, per Recycling einen Rucksack herzustellen, sind viele Produktionsschritte und Ressourcen nötig. Um den Prozess grob zu beschreiben: Die Flaschen werden getrennt und gesäubert, zu kleinen Flakes geschreddert, mit einer Lauge erneut gesäubert, die Flakes werden eingeschmolzen, eingefärbt und zu dünnen Fäden verarbeitet. Auch sind recycelte Polyesterfasern unregelmäßiger als herkömmliche Fasern und müssen deshalb intensiver und öfter gefärbt werden. Das bedeutet einen höheren Verbrauch von Chemikalien und Wasser.

Zusätzlich wird beim Upcycling – im Gegensatz zum Recycling und Downcycling – auf kreative und umweltschonende Weise eine Aufwertung des Materials erzielt.

Adrian Goosses (AIRPAQ)

3. Was macht upgecycelte Rucksäcke nachhaltig?

Ich denke, es ist die direkte Verarbeitung, wie eben schon angesprochen. In den meisten Fällen kann der „Materialabfall“ sofort zu einem Rucksack verarbeitet werden und muss nicht erst aufwendig in mehreren Produktionsschritten – meist chemisch und mit großem Ressourcenaufwand – zu einem Textil umgewandelt werden.

Es handelt sich außerdem überwiegend um sehr wertige Materialien, die dafür sorgen, dass ein Rucksack langlebig wird. Und Langlebigkeit ist mindestens genauso wichtig wie die Materialherkunft. Denn was nutzt ein nachhaltiger Rucksack, der schnell kaputtgeht und wieder auf dem Müll landet.

Für mich ist aber auch die Verarbeitung ein essenzieller Bestandteil. Die Produktion muss fair unter den bestmöglichen Arbeitsbedingungen und mit möglichst geringem Logistikaufwand gestaltet sein, sonst ist selbst ein Upcycling-Produkt nicht nachhaltig.

Adrian Goosses (AIRPAQ)

4. Unter welchen Bedingungen (oder wo) sollten nachhaltige Rucksäcke hergestellt werden?

Idealerweise sollten nachhaltige Rucksäcke so nah wie möglich am Absatzmarkt hergestellt werden, um die CO2-Ausstöße durch Liefer- und Transportwege so gering wie möglich zu halten. Es ergibt keinen Sinn, Müll zur Verarbeitung zu einem Produkt um den Globus zu schicken und es am Ende einen nachhaltigen Rucksack zu nennen.

Am besten sollte die Herstellung auch dort stattfinden, wo man transparent nachweisen kann, unter welchen Bedingungen produziert wird. Wie ist dort der Einsatz von umweltschädlichen Stoffen reguliert und wie wird das kontrolliert? Wie sind die Arbeitsbedingungen in der Produktion? Wichtig sind faire Löhne, ein soziales und sicheres Arbeitsumfeld und keine Mehrarbeit.

Es sollten möglichst viele Prozesse von der Herstellung bis zum Verkauf des fertigen Rucksacks nachhaltig gestaltet sein.

Adrian Goosses (AIRPAQ)

5. Wie gut sind upgeycycelte Rucksäcke?

Es kommt natürlich auf das Hauptmaterial an, aber eigentlich sind Upcycling-Rucksäcke sehr robust und langlebig. Da sie bereits in anderen Zusammenhängen gebraucht wurden, erzählen sie alle eine spannende Geschichte und sehen dadurch auch alle unterschiedlich aus. Man bekommt mit einem Upcycling-Rucksack keine industrielle Massenware, sondern ein besonderes Unikat.

Gut zu wissen ist auch, dass die Mode- und Textilindustrie für 10 Prozent der weltweiten Treibhausgasemissionen verantwortlich ist. Sie gehört damit zu den umweltschädlichsten Branchen der Welt. Mit Upcycling-Produkten können nicht nur die Umwelt und unser Planet entlastet, sondern auch diese Industrie grüner werden. Denn die Modeindustrie kann dabei nützlich sein, Müll aus anderen Branchen sinnvoll zu verwerten, wie das zum Beispiel bei upgecycelten Rucksäcken der Fall ist.

Adrian Goosses (AIRPAQ)

6. Sind recycelte Rucksäcke auch gleich vegan?

Nein, recycelte und upgecycelte Rucksäcke sind nie automatisch vegan. Es kommt zum einen natürlich auf das Grundmaterial an sich an. Denn wenn jemand alte Lederreste weiterverarbeitet, ist das Hauptmaterial an sich ja schon tierischen Ursprungs. Zum anderen gibt es viele tierische Komponenten, die bei der Rucksackproduktion verwendet werden können. Wenn man sich sicher sein will, dass es sich um veganes Produkt handelt, kann man auf entsprechende Zertifikate achten.

Adrian Goosses (AIRPAQ)

Experte für recycelte Rucksäcke

Adrian Goosses, Mitgründer von AIRPAQ

Adrian Goosses ist neben Michael Widmann Mitgründer von AIRPAQ. Die beiden setzten sich bereits im Studium mit Nachhaltigkeit und Upcycling auseinander. Auf dem Schrottplatz kam ihnen die Idee, aus Airbags Rucksäcke zu gestalten. Für Adrian Goosses ist Upcycling die kreativste Form des Wiederverwertens. Er ist begeistert davon, sich mit Materialien auseinanderzusetzen und so Ressourcen zu schonen.

AIRPAQ produziert Upcycling-Rucksäcke und Accessoires aus Airbag-Ausschussware sowie Gurtschlössern und Sitzgurten aus alten Autos von Schrottplätzen. Hergestellt werden die Unikate fair und nachhaltig am EU-Standort in Rumänien. Seit der Gründung 2017 konnte AIRPAQ bereits 38 Tonnen Autoschrott upcyceln (Stand März 2022).

„Man muss nicht direkt sein ganzes Leben umkrempeln, um nachhaltig zu leben. Man kann mit ganz kleinen Dingen anfangen und dabei schon eine große Wirkung erzielen. Das Upcycling ist da eine tolle Möglichkeit, Ressourcen mehrfach zu nutzen und gleichzeitig total kreativ zu sein.“

Weitere Hintergrundinformationen zum Thema recycelte Rucksäcke

(erstellt von Johanna Metz für die LifeVERDE-Redaktion)

7. Woher kommen die Materialien, die recycelt werden?

Rucksäcke können aus verschiedenen Materialien recycelt werden. Einige Materialien stammen aus verschiedenen Industrien, die diese Abfallprodukte nicht mehr verwenden. Hierzu zählen zum Beispiel Rucksäcke aus Autoschrott, Schnittresten, Feuerwehrschläuchen und Ähnlichem.

Rucksäcke, die aus Plastik bestehen, werden oft aus recycelten PET-Flaschen oder Meeresplastik hergestellt.

Es gibt aber auch die Möglichkeit, Rucksäcke aus eigenen, nicht mehr gebrauchten Materialien, wie alten Gardinen, herstellen zu lassen oder selbst herzustellen.

8. Welche Voraussetzungen müssen Materialien erfüllen, um für Upcycling geeignet zu sein?

Fast alle Materialien eignen sich für Upcycling. Um einen Rucksack zu fertigen, wird eine große Menge an Rohstoffen benötigt, die möglichst stabil sein müssen, um nicht zu reißen, wenn ein großes Gewicht mit dem Rucksack getragen wird. Wenn ein Rucksack beispielsweise aus Stoffresten hergestellt werden soll, bieten sich vor allem möglichst große Stücke an. 

Für andere Gebrauchszwecke müssen Materialien andere Kriterien erfüllen. Um beispielsweise einen Stiftehalter aus alten Materialien zu upcyceln, sollte das Produkt hoch und hohl sein, wie eine leere Dose oder eine Toilettenpapierrolle.

9. Bestehen Upcycling-Rucksäcke zu 100% aus alten Materialien?

Meist bestehen bis zu 99% eines Upcycling-Rucksacks aus wiederverwerteten Materialien. Kleine Details wie zum Beispiel Reißverschlüsse sind aber oft nicht recycelt.

10. Wieviel kosten Upcycling-Rucksäcke?

Rucksäcke unterscheiden sich in ihrer Form und Größe sowie in den recycelten Materialien, weshalb die Preise stark auseinandergehen können. Es gibt somit Modelle, die unter 100€ und andere, die über 200€ kosten.

11. Was sind die Unterschiede zwischen Recycling, Upcycling und Downcycling?

Recycling, Upcycling und Downcycling haben das gemeinsame Ziel, Altes wiederzuverwerten und somit Ressourcen zu sparen. Upcycling und Downcycling sind dabei Unterarten vom Recycling, die sich vor allem in der Qualität der neu entstehenden Produkte unterscheiden. Beim Upcycling haben die neuen Produkte eine höhere Qualität, beim Downcycling eine geringere.

Recycling: 

  • ursprüngliches Produkt wird meist zerstört/ in einzelne Bestandteile zerlegt
  • Wiederaufbereitung
  • Wertstoff wird für neues Produkt genutzt (gleiche oder neue Bestimmung)

Upcycling:

  • Unterart des Recyclings
  • Altes meist in selber Form belassen
  • neues Produkt unterscheidet sich von der ursprünglichen Bestimmung
  • bessere Qualität als vorher
  • z. B. Autoreifen-Schaukel/ Stiftehalter aus alter Dose

Downcycling

  • Unterart des Recyclings
  • schlechtere Qualität als vorher
  • z. B. Putzlappen aus alter Kleidung

 

Was sind deine Fragen zum Thema recycelte Rucksäcke?
Schreib uns gerne an expertinnen@lifeverde.de, wir sichten und sammeln die Themen und geben sie dann weiter an unsere Expert*innen.

Du bist selbst Expert*in auf einem nachhaltigen Gebiet und möchtest als LifeVERDE-Expert*in Fragen zu deinem Fachthema beantworten? Wir freuen uns über eine Nachricht an expertinnen@lifeverde.de.




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