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Nachhaltig & fair hergestellte Badeanzüge – die wichtigsten Fragen und Antworten

Welche Materialien eignen sich für nachhaltige Badeanzüge und worauf muss man bei der Reinigung achten? Unsere LifeVERDE-Expertin Christin Schwarzer (MYMARINI) beantwortet alle wichtigen Fragen zum Thema.

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Designelement

Welche Materialien eignen sich für nachhaltige Badeanzüge und worauf muss man bei der Reinigung achten? Unsere LifeVERDE-Expertin Christin Schwarzer (MYMARINI) beantwortet alle wichtigen Fragen zum Thema.

LifeVERDE-Expertin für nachhaltige & fair hergestellte Badeanzüge: Christin Schwarzer (MYMARINI) | Bild: Unsplash, Margot Pandone

Langsam steigen die Temperaturen und die Sonnenstunden nehmen zu. Das heißt, dass die Badesaison nicht mehr weit ist. Und egal ob Schwimmen oder Planschen, ob Kalt- oder Warmduscher*innen, wichtig ist passende Bademode. Doch worauf muss man hier achten, wenn man nachhaltig sein will?

Diese und weitere Fragen stellen sich täglich hunderte Menschen – ein klarer Fall für unser Informations-Format “Frag die Expert*innen!”. Wir geben eure ausgewählten Fragen rund um nachhaltige Produkte und Themen direkt an unsere Partner*innen weiter, die selbst Hersteller*innen, Produzent*innen, Dienstleister*innen, Wissenschaftler*innen oder aus einem anderen Grund Expert*innen auf ihrem Gebiet sind.

1. Welche Materialien bieten sich zur Herstellung von nachhaltigen und fair-hergestellten Badeanzügen an? 
2. Worauf sollte bei der Reinigung von nachhaltigen Badeanzügen geachtet werden? 
3. Wie können nachhaltige Standards in nichtdeutschen Produktionsländern von fair-hergestellten Badeanzügen sichergestellt werden?

1. Welche Materialien bieten sich zur Herstellung von nachhaltigen und fair-hergestellten Badeanzügen an? 

Grundsätzlich empfiehlt es sich bei Textilien auf recycelte und/oder natürliche (Bio-)Materialien (Baumwolle, Hanf, Leinen…) zu setzen. Badeanzüge werden grundsätzlich starken Umwelteinflüssen durch Salz- und Chlorwasser, UV-Strahlung, Sonnencreme und Sand ausgesetzt. Zeitglich müssen die Materialien bestimmte Eigenschaften wie Elastizität und schnelles Trocknen vereinen. Deshalb kommt man um synthetische Materialien wie Polyester oder Nylon eigentlich nicht drum herum.  Die leichten, robusten und tendenziell wasserabweisenden Garne lassen sich zusätzlich so ausstatten, dass sie UV-Schutz bieten und eine höhere Chlorresistenz aufweisen.

Recyclingtechnologien für Nylon und Polyester wurden in den letzten Jahren stetig verbessert. Durch die Regenerierung von z.B. Nylon können bis zu 90% CO2 im Vergleich zur konventionellen Herstellung aus Rohöl eingespart werden. Die Qualität der recycelten Garne ist i.d.R. identisch zu sogenannten Virgin-Garnen. Allerdings werden Recyclinggarne nur in ausgewählten Qualitäten angeboten und zur Herstellung werden ebenfalls Rohstoffe (Pre- und Postkonsumentenabfälle) benötigt.

Deshalb sollte auf besonders robuste und langlebige Materialien gesetzt werden. Badeanzugsstoffe sind meist ein Mix aus synthetischem Garn und Elastan, welches für die Elastizität des Stoffes sorgt. Wichtig ist, dass das verwendete Elastan für Badeanzüge geeignet ist. D.h. eine höhere Chlor- und UV-Beständigkeit aufweist. Nur so kann, bei richtiger Pflege gewährleistet werden, dass die Form und Elastizität der Swimwear lange erhalten bleibt. 

Christin Schwarzer (MYMARINI)

2. Worauf sollte bei der Reinigung von nachhaltigen Badeanzügen geachtet werden? 

Es gibt keinen Unterschied bei der Reinigung von nachhaltigen und nicht nachhaltigen Badeanzügen. Wichtig ist es die Bademode nach jeder Nutzung gründlich mit Süßwasser zu spülen, vor allem nach dem Gebrauch im Chlor- oder Salzwasser. Es reicht eine Handwäsche mit warmem Wasser, um Farben und Elastizität des Stoffes lange zu erhalten.

Salz, aber vor allem Chlor greifen die chemische Struktur der elastischen Fasern (Elastan) an und zerstören diese innerhalb kürzester Zeit, bei unzureichender Pflege. Als Folge brechen die Elastanfasern und der Badeanzug leiert aus.

Deshalb empfiehlt sich nach jedem Badebesuch:
Den Badeanzug gründlich mit warmem Wasser per Hand ausspülen. Bei Bedarf kann etwas milde Seife verwendet werden.
Anschließend aufhängen und gut trocknen lassen. Bevorzugt im Schatten, um negative Einflüsse durch UV-Strahlung zu verringern.
 

Die Waschmaschine sollte aus vielerlei Gründen gemieden werden:
Waschmaschinen sollten immer möglichst voll sein und nicht für einzelne Teile betrieben werden. Dies verbraucht unnötig Energie und Wasser.
In der Waschmaschinentrommel kommt es zu einem größeren Abrieb von Mikroplastik, welches dann in die Gewässer geleitet wird.

Christin Schwarzer (MYMARINI)

3. Wie können nachhaltige Standards in nichtdeutschen Produktionsländern von fair-hergestellten Badeanzügen sichergestellt werden?

Produktionsstätten sind ein Schlüsselpunkt der Wertschöpfungskette und tragen maßgeblich zum ökologischen Fußabdruck des Produktes bei. Ebenso wichtig ist es auf faire Arbeitsbedingungen zu achten. Deshalb ist ein hohes Maß an Transparenz hier besonders wichtig.

Auch in nicht-deutschen Produktionsländern können hohe nachhaltige Standards sowohl für ökologische als auch soziale Aspekte gewährleistet werden. In der EU gibt es in einigen Bereichen einheitliche Richtlinien für die Industrie, vor allem wenn es um ökologische Aspekte (Emissionen, Wasseraufbereitung etc.) geht.

Internationale Siegel und Normen, können als Orientierung für eine faire und ökologisch nachhaltige Produktion dienen. Bekanntere Siegel wie GOTS (Global Organic Textile Standard) oder Naturtextil findet man bei Badeanzügen in der Regel nicht, da diese nur für Textilien aus natürlichen Materialien (Baumwolle, Leinen, Hanf etc.) Anwendung finden. Stattdessen empfiehlt es sich auf GRS (Global Recycling Standard) und die Öko-Tex Zertifizierung zu achten, wobei letzteres heutzutage ein absolutes Minimum darstellen sollte. Höhere Standards im sozialen wie ökologischen Bereich müssen z.B. für eine Cradle-to-Cradle Zertifizierung erfüllt werden. Dieses steht gleichzeitig für die Kreislauffähigkeit und absolute Umweltverträglichkeit des Produktes und ist vertrauenswürdig, aber bei Verbraucher*innen noch nicht sehr bekannt.

Nichtsdestotrotz ist es wichtig zu betonen, dass Produktionsstätten auch nachhaltig agieren können ohne diese Zertifizierungen. Vor allem kleinere Produzenten und Brands können sich den äußerst zeitaufwendigen und kostspieligen Zertifizierungsprozess nicht leisten. Deshalb ist es in jedem Fall wichtig, dass produzierende Betriebe bereit sind Auftraggeber*innen bzw. unabhängige Stellen ihre Produktionsstätten zu zeigen, damit diese sich selbst von den Arbeitsbedingungen und Standards überzeugen können.

Christin Schwarzer (MYMARINI)

Expertin für nachhaltige und fair hergestellte Badeanzüge

Christin Schwarzer, Beratung von MYMARINI

Christin Schwarzer ist seit 2021 für die Bereiche Nachhaltigkeit und nachhaltige Innovationen verantwortlich. Bereits 2018, während ihres Umweltwissenschaftenstudiums an der Leuphana, hat sie angefangen in Kooperation mit MYMARINI und Prof. Dr. Michael Braungart die Möglichkeit kreislauffähiger Badeanzüge zu erforschen.

MYMARINI ist ein Ethical Design Label aus Hamburg, das 2013 gegründet wurde, um einen positiven ökologischen und sozialen Einfluss zu haben. Ein erwachsenes, modisches und gleichzeitig funktionales Label, das Swimwear kreiert, die mit minimalem Einfluss auf den Planeten und Respekt für alle beteiligten Personen hergestellt wird. Designt für alle Bodyshapes, ist die Marke bekannt für die Wendbarkeit der Styles und den beliebten „Mini-Shape-Effekt“.

„Recycelte Garne und faire Arbeitsbedingungen können nur den Anfang für nachhaltige (Bade-)mode darstellen. Wir brauchen Umdenken hin zu kreislauffähigen Designs! Was heute ein Badeanzug ist könnte schon morgen ein Teppich sein.“ (Christin Schwarzer)


 

Was sind deine Fragen zum Thema nachhaltige und fair hergestellte Badeanzüge?

Schreib uns gerne an expertinnen@lifeverde.de, wir sichten und sammeln die Themen und geben sie dann weiter an unsere Expert*innen.

Du bist selbst Expert*in auf einem nachhaltigen Gebiet und möchtest als LifeVERDE-Expert*in Fragen zu deinem Fachthema beantworten? Wir freuen uns über eine Nachricht an expertinnen@lifeverde.de.



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