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Nachhaltig ohne Tabus: Warum auch Bettgeflüster mit Nachhaltigkeit zu tun hat

INTERVIEW | Silikone und Kunststoffe für´s intime Vergnügen? – Nein Danke. Lieber zur nachhaltigen und gesunden Alternative greifen: Sexspielzeug aus natürlichen Materialien.

INTERVIEW | Silikone und Kunststoffe für´s intime Vergnügen? – Nein Danke. Lieber zur nachhaltigen und gesunden Alternative greifen: Sexspielzeug aus natürlichen Materialien.

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08.10.2020 | Ein Interview geführt von Deborah Iber


Sex soll Spaß machen – und umweltfreundlich sein! Umweltfreundlicher Sex, ist das wirklich ein Thema? Ja, denn der Großteil der Sexspielzeuge wird aus Silikon und Kunststoffen hergestellt. Wirklich nachhaltig ist das nicht. Und zudem erstaunlich schlecht für den Körper. Wir haben uns mit zwei Hertsellern von Sextoys aus Holz unterhalten. Das erste Gespräch dazu vor vier Wochen mit Infantasie und heute teilen wir mit dir unseren Einblick zu lustHOIZ. Auch lustHOIZ geht einen anderen Weg und stellt Sextoys aus Holz her, die schadstofffrei sind und ganz natürlich Freude machen. Wir haben uns von Co-Gründer und Geschäftsführer Clemens Cramer erklären lassen, wie das geht. Egal ob alleine oder zu zweit, hier bekommst du Lust auf Holz.


LifeVERDE: Clemens, bitte stelle uns lustHOIZ kurz vor.

CLEMENS CRAMER: lustHOIZ ist ein kleines Unternehmen aus dem wunderschönen Mittelfranken. Wir fertigen Sexspielzeuge aus Holz, die Spaß machen und gut aussehen. Dabei achten wir auf Nachhaltigkeit und einen umweltfreundlichen Ansatz. Neben Dildos und Analplugs haben wir auch veganes Gleitgel auf Wasser- oder Silikonbasis im Angebot. Im Bett (oder anderswo) sollte ja alles reibungslos ablaufen!
 

Seit wann gibt es lustHOIZ und wer steckt dahinter?

Wir, Arthur Aldinger und Clemens Cramer, haben lustHOIZ im Januar 2019 gegründet. Bis dahin hatten wir immer nur Billig-Sextoys aus Silikon in der Hand. Echt gruselig, was da an Schadstoffen drinsteckt. Als bayerische Naturburschen haben wir eine bessere, nachhaltige Alternative gesucht. Und Holz eignet sich ganz fantastisch für den Einsatz down under.

Welche Rolle nimmt das Thema Nachhaltigkeit in eurem Unternehmen ein?

Nachhaltigkeit ist das zentrale Thema bei lustHOIZ. Wir versuchen, alle Herstellungsprozesse grün und fair zu gestalten. Rohstoff, Materialien, Lieferwege, Verpackung und Versand sollen die Umwelt möglichst gering belasten. Wo es geht, verzichten wir auf Plastik.

Außerdem ist es uns wichtig, mit anderen Unternehmen aus der Region zu arbeiten. Das hält die Lieferwege kurz und supportet unsere lokale Wirtschaft.
 

Welche Materialien und Farben werden für die lustHOIZ Love-Toys verwendet?

Birkenholz, Lebensmittelfarben, schadstofffreie Lacke.

Drei einfache Zutaten für ein hervorragendes Ergebnis. Wir haben uns die Lacke und Farben bei Kinder-Holzspielzeug abgeschaut. Das muss die höchsten Qualitätsstandards erfüllen. Daran wollen wir uns messen.
 

Handgefertigt in Deutschland: Wie verläuft der Produktionsprozess eurer nachhaltigen Produkte?

Wir bekommen das Rohmaterial von unseren Lieferanten in der EU und konfektionieren es für das jeweilige Modell. Aktuell haben wir drei verschiedene Dildos und Analplugs in verschiedenen Größen. Dann wird das Holz in mehreren Bearbeitungsschritten in Form gebracht. Das erledigt eine Maschine, um scharfe Kanten zu vermeiden. Für den letzten Schliff greifen wir jedoch auf Handarbeit zurück. Jedes Stück ist ein Unikat – die Maserung im Holz sieht bei jedem Dildo ein bisschen anders aus. Danach versiegeln wir die Oberfläche mit einem schadstofffreien Lack. Der ist besonders robust und sogar feuchtigkeitsresistent. Unsere Dildos dürfen in der Badewanne plantschen oder mit unter die Dusche.
 

Neu bei lustHOIZ: Liebeskugeln aus Holz. Was ist die Besonderheit an diesen?

Liebeskugeln trainieren die Beckenbodenmuskulatur. Sie stärken das Empfinden beim Sex oder kommen bei der Rückbildung nach einer Schwangerschaft zum Einsatz. Man trägt sie für mehrere Stunden am Stück. Das bedeutet, dass sie stundenlang die Schleimhäute berühren. Der Körper absorbiert in der Zeit unzählige Schadstoffe und Mikroplastik von den herkömmlichen Liebeskugeln aus Silikon oder Plastik.

Wir wollten Liebeskugeln aus Holz herstellen, die genauso gut funktionieren wie Beckenbodentrainer aus Kunststoff – nur eben schadstofffrei und nachhaltig produziert. Der Prozess war bockschwer und hat uns einiges an Gehirnschmalz und Entwicklungszeit abverlangt. Besonders herausfordernd war die Suche nach den richtigen Materialien für das Rückholbändchen. Wir haben uns für Nylon entschieden, das wir mit einem schadstofffreien Kleber befestigen.

Nun können wir ein Produkt anbieten, das unsere Kund*innen bedenkenlos einführen und lange tragen können. Wir haben natürlich verschiedene Gewichtsklassen und Größen im Programm.
 

Allgemein gefragt: Worauf sollte deiner Meinung nach beim Kauf von Love-Toys geachtet werden?

Ich würde mich freuen, wenn in der Zukunft Faktoren wie Material und Nachhaltigkeit eine größere Rolle spielen. Viele Menschen wissen gar nicht, wie schädlich Silikon und Kunststoffe für den Körper sein können. Und Sextoys kommen dem Körper naturgemäß sehr nahe. Dadurch können Hautreizungen, Unverträglichkeiten oder sogar Allergien entstehen. Außerdem bilden sich in Silikon innerhalb weniger Monate oder Jahre Mikrorisse, in denen sich Bakterien einnisten können.

Auch die Entstehung der Sextoys sollte mehr Beachtung bekommen. Viele Sexspielzeuge werden billig hergestellt und haben lange Lieferketten und -wege. Das führt zu einer hohen CO2-Belastung und geht zu Lasten der Umwelt.

Natürlich bewegen sich nachhaltige Produkte nicht in derselben Preisklasse wie Silikon-Toys aus Fernost. Dafür sind unsere Holz-Dildos in der Regel gesünder, nachhaltiger und umweltschonender – und bei richtiger Pflege ein Begleiter fürs Leben.
 

Was wünscht ihr euch für die Zukunft von lustHOIZ und welche weiteren Produkte habt ihr geplant?

Unser Motto lautet „Wir lieben uns natürlich“. Ich wünsche mir, dass wir mit unseren Produkten viele Menschen erreichen und begeistern können.

Auf Messen höre ich manchmal Vorurteile, dass Holz kalt, splittrig und rau wäre. „Da fängt man sich doch einen Spreißel ein!“ Aber wenn die Kund*innen unsere Produkte dann in den Händen halten, schlagen die Zweifel schnell in Begeisterung um. „Was für ein Handschmeichler!“ oder „Der fühlt sich aber angenehm und warm an.“ Da geht einem schon das Herz auf.

Ich hoffe, dass wir den Nerv der Zeit treffen und ein Umdenken in der Branche erreichen. Mehr nachhaltige Sextoys, bitte!

Wir sind ein junges und ambitioniertes Start-up und wir haben noch einige Überraschungen auf unserem Produkt-Wunschzettel stehen. Unsere LovePaddels stehen schon in den Startlöchern. Bis zum Jahresende soll dann unser erster Vibrator auf den Markt kommen. Der hat einige technische Raffinessen, die man bei einem Holz-Vibrator nicht vermuten würde. Bleibt also gespannt!

 

Mehr zu diesem Thema: Spaß mit Holz – nachhaltiges Liebesspielzeug

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Bilder: Unsplash, lustHOIZ



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