Ein Interview mit Mischa Karafiat
Gesellschaft

Ein Interview mit Mischa Karafiat

Die Ressourcen von Wind, Wasser und Sonne sind noch lange nicht ausgereizt. Schon jetzt wurden im Bereich der Erneuerbaren Energien mehr Arbeitsplätze geschaffen als im Bereich der fossilen Energieträger.

Die Ressourcen von Wind, Wasser und Sonne sind noch lange nicht ausgereizt. Schon jetzt wurden im Bereich der Erneuerbaren Energien mehr Arbeitsplätze geschaffen als im Bereich der fossilen Energieträger.

Photo by Bente Stachowske

Herr Karafiat, Sie betreiben eine Event- & Projektmanagementagentur. Welche Dienstleistungen bieten Sie an?

Die Schwerpunkte meiner Arbeit liegen in der Beratung von Firmen, Verbänden und NGOs aus den verschiedensten Bereichen sowie in der Umsetzung von Projektideen, die sie entweder allein oder mit mir als Partner entworfen haben. Dabei stehe ich ihnen beim Realisieren, in Fragen zu Sicherheit und Nachhaltigkeit zur Seite oder begleite die Projekte als Projektleiter bis zum Ende mit.

Neben diesen Projekten von „außen“, unterstütze und initiiere ich viele Projekte, die mir persönlich wichtig sind. Dabei handelt es sich um große Projekte wie z.B. Großdemonstrationen gegen Atomkraft oder aber auch kleine wie Veranstaltungen für das alternative Filmprojekt www.graswurzel.tv.

 

Der Nachhaltigkeitsaspekt ist ein wesentlicher Bestandteil bei der Planung und Durchführung Ihrer Projekte. Können Sie ein oder zwei konkrete Beispiele hierfür nennen?

Bei Veranstaltungen, bei denen ich von Anfang an der Organisation beteiligt bin, lege ich besonderen Wert darauf, so ressourcenschonend wie möglich zu handeln. Fragen, die ich mir dabei jedes Mal stelle, sind zum Beispiel: Was kann ökologischer hergestellt werden? Welche Auflage von Prospekten oder Flyern wird tatsächlich gebraucht? Kann das Tool wieder- oder weiterverwendet werden? Aber auch Themen wie die Vermeidung von Atom- oder Kohlestrom und der Einsatz von energiesparenden Geräten bis hin zu Pfandsystemen in der Gastronomie nehme ich in meiner Arbeit sehr ernst.

Nachhaltig soll aber meiner Meinung nach auch die Zusammenarbeit mit Menschen und Firmen sein. So habe ich mir über die Jahre ein gut funktionierendes Netzwerk aufgebaut. Von den meisten Firmen, mit denen ich zusammenarbeite, weiß ich, dass sie meine Philosophie teilen. Das sieht man u.a. daran, dass wenn das Budget einmal wirklich knapp ist, ich mich trotzdem 100%ig auf sie als Partner verlassen kann.

 

Wie verantwortungsbewusst und umweltfreundlich werden Ihrer Einschätzung nach Events in Deutschland durchgeführt? Wo sehen Sie noch Verbesserungspotenzial?

Agenturen und Veranstalter mit „grünen“ Ansprüchen schießen im Moment aus dem Boden und viele Kunden haben einen immer höheren Anspruch an ihre Veranstaltung oder ihr Projekt. Es gibt mittlerweile eine ganze Reihe kleiner und großer Events, die durch ihre Arbeit Meilensteine gesetzt und einen nicht mehr aufzuhaltenden Stein ins Rollen gebracht haben. Ich bin mir sicher, dass früher oder später jeder Veranstalter von diesem Stein erwischt. Ich persönlich hoffe natürlich auf eher früher...

Trotz der vielen guten Projekte gibt es jedoch eine große Zahl von Firmen und Agenturen, die nicht darüber nachdenken, wie z.B. Müll vermieden werden kann. Unglaubliche Mengen an Müll entstehen durch den einmaligen Einsatz auf einem Event. Dafür gibt es leider zig Bespiele die vom exklusiven Event bis zur internationalen Groß-Messe reichen. Hier wird in „nach mir die Sintflut“-Manier gewirtschaftet und nur auf den kurzfristigen Erfolg geschaut.

Ich hoffe, das immer mehr Auftraggeber darauf schauen, was da eigentlich in ihrem Namen passiert – auch und gerade wenn die Gäste weg sind. Als Auftraggeber haben sie die Macht die Dienstleistungsfirmen und Agenturen zur Vernunft zu bringen.

 

Für die meisten Menschen ist Nachhaltigkeit noch ein Fremdwort. Seit wann beschäftigen Sie sich mit diesem Thema und wie sieht für Sie ein umweltbewusster Lebensstil aus?

Im Jahr 1992 bin ich in meiner Heimatstadt Frankfurt (Oder) einem Greenteam beigetreten. Greenteams sind die Kindergruppen von Greenpeace. Dort habe ich angefangen, mich mit dem Thema Umwelt- und Naturschutz zu beschäftigen. Diese Themen spielen sehr stark in den Begriff Nachhaltigkeit mit rein. Seitdem begleiten mich diese Themen bei allem was ich mache.

Für mich sind umweltbewusste Menschen all jene, die ihre Umwelt, also auch ihre Mitmenschen und die folgenden Generationen, bei dem was sie tun im Blick haben. Ein Mensch, der bewusst den Stromanbieter wechselt, um zu verhindern, dass folgende Generationen mit dem angefallenen Atommüll leben müssen. Oder jemand der seine Ernährung auf Bio umstellt, um die ökologische Landwirtschaft und Tierhaltung zu fördern. Aber auch Menschen, die sich trotz aller Umstände zum Reisen in die Bahn setzen und nicht in ein Flugzeug. All diese Menschen haben für mich einen umweltbewussten Lebensstil.

 

Ein Schwerpunkt Ihres Engagements liegt bei Anti-Atom-Initiativen. Mit welchen Argumenten treten Sie Kritikern gegenüber und für welche Energieerzeugungsformen machen Sie sich stark?

Die Atomtechnologie ist so unglaublich komplex. Da müssen Menschen, Computer und Material zu mehr als 100% funktionieren. Es gibt tausende Bespiele, wo einer dieser Faktoren ausgefallen ist. Diese werden u.a. auf www.contrAtom.de gesammelt. Die Gefahr, die mit solch einem Ausfall zusammenhängt, ist so unbeschreiblich groß, dass es für mich absolut nicht nachvollziehbar ist, wie Politik und Konzerne uns Menschen dieser Gefahr wissentlich aussetzen können.

Ein zweites Argument ist die ungelöste Endlagerfrage für den strahlenden Atommüll. Es gibt weltweit keine Möglichkeit den Atommüll sicher über 100.000de Jahre zu lagern. Allein dieser unvorstellbar lange Zeitraum, in dem der Müll todbringend strahlt, sollte Argument genug sein, kein einziges Gramm Atommüll mehr zu produzieren. Doch auch mit dem „Atomausstieg“ der Bundesregierung werden Atomkraftwerke noch bis 2022 weiterlaufen und jede Minute weiteren Müll produzieren, für den es keine Lösung gibt.

Die sicherste und flexibelste Energieversorgung ist die, die uns die Natur kostenlos und ganz ohne Risiko zur Verfügung stellt. Die Ressourcen von Wind, Wasser und Sonne sind noch lange nicht ausgereizt. Schon jetzt wurden im Bereich der Erneuerbaren Energien mehr Arbeitsplätze geschaffen als im Bereich der fossilen Energieträger.

In den flexiblen Erneuerbaren Energien liegt die Zukunft und nicht in alten Schwerfälligen wie Atom und Kohle.

 

Sie engagieren sich im privaten Leben stark als ehrenamtlicher Mitarbeiter für verschiedene Organisationen. Sollte sich Ihrer Meinung nach jeder „pflichtbewusste Bürger“ intensiver in die Gesellschaft einbringen oder reicht es, wenn sich eine Minderheit dafür bereit erklärt?

Für mich ist das Ehrenamt eine sehr wichtige Einrichtung und eine sehr gutes Instrument, die Gesellschaft und seine Umgebung mitzugestalten. In der politischen Bildung, bei vielen Kulturangeboten oder auch im sozialen Bereich sind Ehrenamtliche schon jetzt nicht mehr wegzudenken. Das kann aber nur weiter Bestand haben, wenn viele Menschen das große Ganze im Blick haben und sich in ihrer Freizeit engagieren. Schon früh, wie etwa in der Schule oder im Elternhaus, muss jungen Menschen diese Möglichkeit der Gestaltung mit auf den Weg gegeben werden.

Neben den vielen und wichtigen sozialen Kontakten hat jeder Mensch auch die Möglichkeit, in solchen Projekten zu „wachsen“. Man erlernt Fähigkeiten, die einem z.B. im Berufsleben entscheidende Vorteile gegenüber Mitbewerbern bringen können. Jedes einzelne Projekt, an dem ich in der Vergangenheit in irgendeiner Form mitgewirkt habe, hat sich bisher positiv auf mein Berufsleben ausgewirkt.

 

Welche Projekte haben Sie für 2012 geplant? Wie kann man Sie bei Ihren Initiativen unterstützen?

Für 2012 gibt es wieder verschiedene Projekte, an denen ich planerisch oder auch beratend mitarbeite. Unter anderem das studentisch organisierte lunatic Festival in Lüneburg, das Dockville Festival in Hamburg und die Ausstattung des Büro-Neubau in den Greenpeace Deutschland einziehen wird.

Und auch in Sachen Anti-Atom gibt es 2012 jede Menge zu tun: Am 11. März ist der erste Jahrestag der andauernden atomaren Katastrophe in Fukushima, im April folgt der Jahrestag des Super GAU in Tschernobyl. Außerdem versucht die Bundesregierung mit einem so genannten Endlagersuchgesetz, Gorleben als Endlager für hochradioaktiven Müll durchzusetzen, obwohl der Salzstock dafür geologisch vollkommen ungeeignet ist.

Informationen darüber wie jeder einzelne die Projekte unterstützen kann, findet man auf www.contrAtom.de oder www.ausgestrahlt.de

Neben all den Plänen, die es für 2012 schon gibt, freue ich mich aber auf viele weitere spannende Projekte, über die ich stolpere oder die an mich herangetragen werden.

Mehr über Mischa Karafiat auf www.mischakarafiat.de



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