Eco Fashion: Wissen wo die Seide herkommt
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Eco Fashion: Wissen wo die Seide herkommt

INTERVIEW | Das Unternehmen Seidentraum versteht sich als Partner für Designer, Modemacher, Schneider und Hobby-Handwerker für nachhaltige und gesunde Textilien im Bereich Eco Fashion. Sie kaufen ihre Ware direkt beim FairTrade-Hersteller. Kinderarbeit und schlechte Arbeitsbedingungen können damit ausgeschlossen werden.

INTERVIEW | Das Unternehmen Seidentraum versteht sich als Partner für Designer, Modemacher, Schneider und Hobby-Handwerker für nachhaltige und gesunde Textilien im Bereich Eco Fashion. Sie kaufen ihre Ware direkt beim FairTrade-Hersteller. Kinderarbeit und schlechte Arbeitsbedingungen können damit ausgeschlossen werden.

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06.06.2017

LifeVERDE: Herr Dr. Langer, seit wann gibt es Seidentraum und welche Firmenphilosophie verfolgt Ihr Unternehmen?

Matias Langer: Ich habe mit dem Projekt Seidentraum Ende 2010 begonnen, im Mai 2011 fand die Gründung des Unternehmens statt.

Seidentraum versteht sich als Partner für Designer, Modemacher, Schneider und Hobby-Handwerker für nachhaltige und gesunde Textilien im Bereich Eco Fashion. Ein paar Fakten dazu:

Erste Priorität in unserem Angebot haben Produkte, die

  • aus kbT zertifizierter Rohware hergestellt werden
  • aus einer FairTrade-Handelsbeziehung stammen
  • direkt beim Hersteller von uns eingekauft werden
  • die garantiert ohne Kinderarbeit hergestellt wurden

Welche Produkte bieten Sie an? Und welche Vorteile bietet Ihre Seide im Vergleich zu konventioneller Seide?

Der Schwerpunkt unseres Sortiments liegt auf Seidenstoffen. Außerdem führen wir Garne, Fasern, Kokons, Seidentücher, Seidenbettwäsche, Babykleidung und DOB. Die Vorteile sind:

Die gesamte textile Kette ist auf Nachhaltigkeit ausgerichtet. Die Produkte sind frei von Schadstoffen und unter umweltverträglichen Bedingungen hegestellt. Die Seidenqualität ist optimal und die positiven Eigenschaften der wertvollsten Naturfaser kommen voll zur Geltung. Besonders für Menschen mit sensibler Haut ist dies ein wichtiger Aspekt (z.B. Babys mit Neurodermitis…). Bei Verwendung von Peace Silk kommt der Aspekt des Tierschutzes hinzu. Keine Seidenraupe muss für die Textilproduktion oder Mode sterben. Der Respekt vor der Schöpfung und dem Leben lassen uns mit gutem Gewissen diese wunderschönen Stoffe tragen. Zudem unterstützen wir mit unserer Produktion den Aufbau nachhaltiger einkommensquellen in den Regionen, die unter dem durch uns verursachten Klimawandel leiden (siehe Projekt Meghalaya Silk).

Wer trägt Ihre Kollektionen und welches Feedback erhalten Sie?

Die Seidenstoffe werden von Labels/Designern zu trendigen und edlen Kleidungsstücken verarbeitet. Meine Kunden sind immer wieder begeistert von Qualität der Stoffe. Besonders Frauen begeistert die Möglichkeit, Seidenstoffe zum Beispiel für ihr Hochzeitskleid zu bekommen, für das kein Tier sterben musste. Mütter sind immer wieder dankbar für Babywäsche aus reiner Seide für ihre Kleinen mit Hautproblemen.

Achten Menschen Ihrer Meinung nach immer mehr darauf, was sie tragen, woraus Ihre Kleidung besteht und dass sie damit nicht der Umwelt schaden?

Durch die tragischen Ereignisse in Bangladesch und an anderen Orten und durch die weltweite Berichterstattung über die Situation der Arbeiter in der Textilproduktion sind die katastrophalen Bedingungen in den Fabriken Asiens sehr stark ins Bewusstsein der Verbraucher gerückt. Immer mehr Kunden ist es wichtig zu wissen, wie und wo ihr Kleidungsstück produziert wurde.

Wie wird sich die Szene der nachhaltigen Mode in Zukunft in Deutschland weiterentwickeln?

Wenn man sich die Entwicklung im Bereich Bio-Lebensmittel von den Siebziger Jahren bis jetzt anschaut, sieht man, dass inzwischen in jedem Supermarkt gesunde und ökologisch erzeugte Bio-Ware zu kaufen ist. Früher gab es das nur in kleinen Bioläden. Ich gehe davon aus, dass die Entwicklung bei Textilien ähnlich verlaufen wird. Es werden sicherlich noch ein paar Jahre ins Land gehen, bevor Eco Fashion in der Mitte der Gesellschaft angekommen ist, aber an vielen Stellen ist das Bewusstsein bereits vorhanden. So ist das Thema Nachhaltigkeit und Naturfasern zum Beispiel in den Curricula von Modeschulen und Hochschulen inzwischen fest verankert.

Was ist im Umgang mit Seide unbedingt zu beachten: Wie sind die Seidenblusen beispielweise zu waschen?

Bei Seide bestehen viele Vorurteile in Bezug auf ihre vermeintliche Empfindlichkeit: „Seide kann man nicht waschen und nur reinigen“. Das stimmt nicht!

Häufiges und zu heißes Waschen führt bei allen Naturfasern zu einem schnelleren Verschleiß. Man sollte also einen schonenden Waschvorgang mit möglichst niedrigen Temperaturen auswählen. Bei starker Verschmutzung, zum Beispiel Fettflecken, lässt sich auch Seide problemlos bei 60°C waschen. Der einzige Unterschied besteht bei der Wahl des Waschmittels. Die Seidenfaser verträgt üblichen (alkalischen) Waschmittel nicht und sollte zur längeren Haltbarkeit und Freude mit einem Seidenwaschmittel oder mit Neutralseife gewaschen werden.

Wie wird in Ihrer Firma außerdem Nachhaltigkeit gelebt?

  • Für die Konfektionierung arbeiten wir mit dem lokalen Handwerk in Leipzig zusammen
  • Für den Betriebsbedarf suchen wir uns regionale Lieferanten in Sachsen
  • Wir verwenden recylingfähige bzw. recycelte Verpackung
  • Unser Werbematerial wird auf Recyclingpapier gedruckt
  • Wir vermeiden CO2-Emissionen durch geeignete Auswahl unserer Partner
  • Unseren Energiebedarf decken wir mit bürgereigenem Strom der Elektrizitätswerke Schönau
  • Wärme und Gemütlichkeit verschafft uns Gas von Polarstern
  • Wir fahren mit grünem Strom der Deutschen Bahn und sind Carsharing-Partner bei teilauto

Welche aktuellen Trends im Bereich nachhaltige Mode finden Sie besonders spannend?

Ich bin gespannt, wie sich das Bündnis für nachhaltige Textilien weiterentwickeln wird. Ich bin seit Beginn als Mitglied dabei. Das erfreuliche ist, dass an dieser konzertierten Aktion alle Akteure beteiligt sind:  das BMZ, große und kleine Unternehmen, Berufsverbände, Gewerkschaften, NGOs… Es ist eine großartige Leistung von Bundesminister Müller gewesen, alle Beteiligten nicht nur an einen Tisch zu bekommen, sondern auch ein handlungsfähiges Instrument zu schaffen.



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