Frag die Expert*innen!

Frag die Expert*innen! To-Go-Mehrwegsysteme

Ausgewählte Expert*innen geben Antworten auf eure Fragen zu Mehrwegsystemen für Take-Away-Mahlzeiten

Frag die Expert*innen!
Designelement

Ausgewählte Expert*innen geben Antworten auf eure Fragen zu Mehrwegsystemen für Take-Away-Mahlzeiten

LifeVERDE-Experte für To-Go Mehrwegsysteme: Thorben Bechtholdt (reCIRCLE) | Bild: pixabay

Schnell ein warmes Mittagsgericht vom Lieblingslokal ins Büro mitgenommen, auf dem Rückweg eine Portion Pommes auf die Hand und natürlich das Heißgetränk der Wahl spätestens auf dem Weg zur Arbeit am nächsten Morgen. Da sammelt sich einiges an an Behältern, in denen wir die Köstlichkeiten mit uns herumtragen. Meistens handelt es sich dabei um Einwegprodukte. Schnell ahnt man, dass da einiges zusammenkommt, was da täglich im Müll landet. Die Zahlen lassen einen erschrecken: In Deutschland sind es deutlich über eine halbe Million Tonnen Müll, der durch To-Go-Verpackungen entsteht - pro Tag! Abhilfe schaffen können hier Mehrwegsysteme. Doch wie funktionieren die und wie viele Nutzer*innen muss eine Mehrwegschale haben, damit sie tatsächlich nachhaltig wird?

Solche und ähnliche Fragen zum Thema nachhaltige Lebensmittelverpackungen stellen sich hunderte Menschen täglich – ein klarer Fall für unser Informations-Format “Frag die Expert*innen!”. Wir bringen Licht ins Dunkel und geben eure Fragen rund um nachhaltige Produkte und Themen direkt an unsere Partner*innen weiter, die selbst Hersteller*innen, Produzent*innen, Dienstleister*innen, Wissenschaftler*innen oder aus einem anderen Grund Expert*innen auf dem jeweiligen Gebiet sind.

  1. Wieviel Plastik bzw. Verpackungsmüll kann durch Mehrwegsysteme schätzungsweise eingespart werden?
  2. Wie lange kann eine Mehrwegverpackung genutzt werden und was passiert danach damit?
  3. Muss ich Pfand zahlen, um das Mehrwegsystem nutzen zu können?
  4. Sind die Mehrwegbehälter aus Plastik wirklich nachhaltiger als Einwegprodukte?

1. Wieviel Plastik bzw. Verpackungsmüll kann durch Mehrwegsysteme schätzungsweise eingespart werden?

In Deutschland entstehen täglich 770 Tonnen Verpackungsmüll durch Takeaway-Einwegverpackungen. Auf Basis von Nutzungszahlen registrierter Mehrwegbehälter lässt sich hochrechnen, dass derzeit etwa 108 000 Einwegverpackungen pro Monat eingespart werden können, wenn rund 450 Gastronomiebetriebe teilnehmen. Insgesamt gibt es aber 180 000 gastronomische Betriebe. Das noch ungenutzte Einsparungspotenzial ist somit enorm hoch.

Thorben Bechtholdt (reCIRCLE)

2. Wie lange kann eine Mehrwegverpackung genutzt werden und was passiert danach damit?

Abhängig vom Material der Mehrwegverpackung variiert das stark und ist somit je nach Mehrwegsystem unterschiedlich. Berücksichtigt man lediglich die Spülzyklen, dann können Mehrweg-Boxen bis zu 1000 Mal wiederverwendet werden. Geht man von „echten“ Nutzungen aus, das heißt, in der Box wird auch geschnitten etc., dann schaffen sie bis zu 200 Befüllungen. Das heißt im Umkehrschluss, dass durch einen einzigen Mehrwegbehälter bis zum Ende seines Lebenszyklus 200 Einwegverpackungen eingespart werden können.

Danach werden die Mehrwegbehälter aus dem System genommen, um sie wiederzuverwerten. Die Deckel werden beispielsweise zu Abstandshaltern für die Bauindustrie, die Boxen hingegen können gelagert werden bis eine ausreichende Menge zur Verfügung steht, um sie weiterzuverarbeiten.  Kleiner Ausblick dazu: Gemeinsam mit unserem Produktionspartner in der Schweiz arbeiten wir von reCIRCLE aktiv daran, ein Recycling-Verfahren zu entwickeln, das in Zukunft sogar einen Einsatz der recycelten Boxen und Deckeln mit Lebensmittelkontakt zulässt. Das ist bislang leider nicht möglich.

Thorben Bechtholdt (reCIRCLE)

3. Muss ich Pfand zahlen, um das Mehrwegsystem nutzen zu können?

Das kommt ganz auf das Mehrwegsystem an. Es gibt Systeme, die auf Pfand für die Nutzer*innen verzichten. Der Vorteil an einem pfandbasierten System besteht darin, dass ein höherer Anreiz geschaffen wird, um die Mehrwegbehälter nach der Nutzung wieder in den Kreislauf zurückzuführen, statt sie wegzuschmeißen oder bei sich im Schrank verstauben zu lassen. In der Regel kann bei jedem System die Rückgabe in allen teilnehmenden Partner-Restaurants erfolgen.

Thorben Bechtholdt (reCIRCLE)

4. Sind die Mehrwegbehälter aus Plastik wirklich nachhaltiger als Einwegprodukte?

Ob Mehrwegbehälter nachhaltiger sind als Einweg, hängt von der Anzahl der Wiederverwendungen ab. Bereits ab 8-16 Wiederverwendungen (je nach Material der Einwegverpackung) schneidet beispielsweise eine Box von reCIRCLE besser ab als Einweggeschirr. Die Akzeptanz von Mehrwegsystemen ist deshalb mitentscheidend für ihren Mehrwert. Erst, wenn viele Menschen Mehrweg nutzen, werden die Behälter nachhaltig.

Thorben Bechtholdt (reCIRCLE)

Experte für To-Go Mehrwegsysteme

Thorben Bechtoldt, Geschäftsführer von reCIRCLE

Thorben Bechtoldt ist Gründer und Geschäftsführer von reCIRCLE Deutschland. Seine Mission: Kreislaufwirtschaft erlebbar machen und zeigen, dass Nachhaltigkeit nicht Verzicht bedeutet, sondern ganz einfach sein und Spaß machen kann.

Das Start-up reCIRCLE Deutschland bietet eine pfandbasierte Mehrwegalternative für die Gastronomie im To-Go-Bereich und verfügt derzeit über ein Netzwerk von rund 450 Partnerlokalen in ganz Deutschland. Die speziell auf die Bedürfnisse der Gastronomie angepasste, vielfältige Produktpalette wird als Pay-per-Use-Modell für Restaurants, Cafés und Betriebsgastronomien angeboten. So können Stand heute bereits monatlich 108 000 Einweckverpackungen eingespart werden.

„In Deutschland entstehen täglich 770 Tonnen Verpackungsmüll durch Takeaway-Einwegverpackungen." (Thorben Bechtoldt)

Was sind deine Fragen zum Thema Mehrwegsysteme für Take-Away-Mahlzeiten?

Schreib uns gerne an expertinnen@lifeverde.de, wir sichten und sammeln die Themen und geben sie dann weiter an unsere Expert*innen.

Du bist selbst Expert*in auf einem nachhaltigen Gebiet und möchtest als LifeVERDE-Expert*in Fragen zu deinem Fachthema beantworten? Wir freuen uns über eine Nachricht an expertinnen@lifeverde.de.




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