Grüne Wirtschaft

Schmuck der besonderen Art von RADIAN – geometrisch, unkonventionell und nachhaltig

INTERVIEW | Für seine Schmuckstücke nutzt das Schmucklabel RADIAN ein 3 D Druckverfahren – dadurch entstehen einzigartige Formen. Was dahintersteckt und wie die Nachhaltigkeit miteinbezogen wird, erfährst du hier.

INTERVIEW | Für seine Schmuckstücke nutzt das Schmucklabel RADIAN ein 3 D Druckverfahren – dadurch entstehen einzigartige Formen. Was dahintersteckt und wie die Nachhaltigkeit miteinbezogen wird, erfährst du hier.

09.03.2021 | Ein Interview geführt von Deborah Iber | Bilder: RADIAN


Schmuck – die einen mögen ihn dezent und unauffällig, die anderen ausgefallen und besonders. Die Schmuckstücke von RADIAN zählen definitiv zur zweiten Sorte. Mithilfe eines speziellen 3 D Drucks entstehen bei dem Berliner Schmucklabel Ringe, Armbänder, Ketten und Ohrringe mit einzigartigen Formen. Wie die Schmuckproduktion außerdem nachhaltig ablaufen kann und was RADIAN dafür tut, erfährst du im Interview mit Gründer Sandro.

 

LifeVERDE: Sandro, du bist einer der Gründer von RADIAN. Wie kamt ihr dazu, ein Schmucklabel zu starten und welche Intension steckt dahinter?

SANDRO: Im Laufe meines Industriedesign-Studiums in Bozen kam meiner Freundin Nicole und mir während eines Workshops die Idee für ein besonders komplexes Ringdesign. Mit konventionellen Herstellungsverfahren war dieser allerdings unmöglich zu realisieren. Die Universität in Bozen hatte damals gerade neue Werkstätten ausgebaut und unter anderem konnten wir in ihnen einen 3D Drucker benutzen, um Prototypen zu fertigen. Das Verfahren ermöglichte uns, ein Muster des Ringes anzufertigen. Nach einigen Optimierungen wagten wir uns dann an unseren ersten 3D Druck aus Metall und waren vom Ergebnis begeistert.

Und nicht nur wir – der damalige Dekan der Fakultät für Design und Künste, Kuno Prey, sah das Potenzial in unserem Produkt und ermutigte uns, auf der Grassi Messe in Leipzig auszustellen. Unsere „Solitaire“-Kollektion wurde dort sehr gut angenommen und die Teilnahme an der Messe legte den Grundstein für das heutige Schmuck- und Interiorlabel RADIAN.


Der RADIAN Schmuck fällt vor allem durch seine kreativen, geometrischen Formen auf. Dafür nutzt ihr, wie du bereits erwähnt hast, ein spezielles 3D Druckverfahren. Was genau ist das und was sind die Besonderheiten?

3D Druck ist ein Verfahren der additiven Fertigung, das bereits seit den 80er Jahren existiert. Die kommerzielle Bedeutung hat sich allerdings erst in den letzten Jahren entwickelt und heute hat fast jeder schon einmal davon gehört. Es gibt viele verschiedene Formen des 3D Drucks und doch haben alle ein Grundprinzip gemeinsam: Das Druckerzeugnis entsteht durch das schichtweise Auftragen von Material. Durch diesen schrittweisen Aufbau können Formen und Geometrien realisiert werden, die bisher nur schwer oder unmöglich umgesetzt werden konnten.


Was euren Schmuck auch besonders macht, ist die bewusste und nachhaltige Herstellung. Erkläre unseren Leser*innen einmal, wie genau ihr die Nachhaltigkeit in die Schmuckproduktion einbezieht.

Wir haben nicht explizit als nachhaltiges Unternehmen angefangen. Die meisten Aspekte, die heute den Nachhaltigkeitsgedanken von RADIAN ausmachen, sind aus einer Grundüberzeugung entstanden, die wir im Laufe der Zeit ausgebaut haben.

Zum Beispiel produzieren wir hauptsächlich in der EU und explizit in Deutschland, um die hiesige Wirtschaft zu stärken, Transportwege kurz zu halten und um sicher zu gehen, dass das Arbeitsrecht bei der Produktion eine wichtige Rolle spielt. Außerdem benutzen wir größtenteils recycelte, recyclingfähige und nachhaltig hergestellte Materialien. Die Versandemissionen unserer Produkte kompensieren wir für jeden Kauf und in unserem Büro setzen wir auf grünen Strom. Nicht zuletzt ist es unser Anspruch, Produkte herzustellen, die sich durch Langlebigkeit auszeichnen.
 

Welche Materialien verwendet ihr für eure Schmuckstücke?

Der 3D Druck ermöglicht uns das Verwenden einer Vielzahl von Materialien; von leichtem, sehr stabilem und flexiblen Nylon bis hin zu robustem Stahl, charmantem Messing und den Klassikern Silber und Gold. Jedes Material hat seinen eigenen Reiz! Beispielsweise unsere Solitaire Kollektion ist in all diesen Ausführungen erhältlich. Das zur Herstellung verwendete 3D Druckverfahren ist dabei fast jedes Mal ein anderes. Das ist für mich als Designer besonders spannend und auch unsere Kundschaft freut sich über diese große Vielfalt, aus der sie auswählen kann!

Erläutere uns gerne, wie die Herstellung vom Rohmaterial zum fertigen RADIAN-Schmuck im Detail abläuft. 

Zunächst entstehen in einem Findungsprozess die Idee zur Kollektion und erste Handzeichnungen. Überzeugen die ersten Ansätze, gehen wir ins Digitale und konkretisieren das Design. Unser Handwerk und unsere Expertise liegen in diesem Bereich. Das, was der Goldschmied eigentlich an seiner Werkbank macht, ist unsere Aufgabe beim 3D Modellieren. Wenn wir dann den ersten Prototyp in der Hand halten, wird beobachtet, ausgewertet und so lange verbessert, bis wir mit dem 3D gedruckten Produkt so zufrieden sind, dass wir es in den Handel bringen können. Gerade bei Schmuckstücken, die aus Metall sind, arbeiten wir beim Finish mit Goldschmieden zusammen, die dadurch ebenfalls am Produktionsprozess beteiligt sind. Wir sehen uns deshalb in keinem Fall als Konkurrenz zu ihnen, sondern als Ergänzung zu einem wunderbaren Handwerk. Aus dieser Symbiose traditioneller und innovativer Techniken können einzigartige Dinge entstehen, die die Welt so noch nicht gesehen hat.
 

Ihr stellt neben Armbändern auch Ketten, Ringe und Ohrringe her und habt verschiedene Kollektionen. Kannst du uns einige einmal vorstellen?

Gerne! Neben der eingangs erwähnten Solitaire Kollektion, die mit der abstrahierten Form eines geschliffenen Edelsteins spielt, haben wir zum Beispiel die ägyptisch inspirierte Nefertiti Kollektion (engl. für Nofretete). Sie spielt mit dem Gedanken, was die alten Ägypter wohl gemacht hätten, wenn sie Zugang zum 3D Druck gehabt hätten. Highlight der Kollektion ist ein großzügiges Collier, das, inklusive beweglicher Elemente, in einem Teil gedruckt ist!

Auch die 3D gedruckte Crystal Kollektion hat einen spannenden Entstehungsprozess. Die Ringe sind vollkommen parametrisch aufgebaut. Ich habe eine Definition geschrieben, die es theoretisch ermöglicht, eine unendliche Anzahl an Ringdesigns in einem gewissen Rahmen zu erstellen. Gar nicht so einfach, sich da für einen Liebling zu entscheiden. Die Komplexität und der Detailreichtum des Rings sind beeindruckend und erinnern an eine in der Natur gewachsene Struktur. Der 3D Druck erst ermöglicht, dass solche Schmuckstücke zu erschwinglichen Preisen herzustellen sind.

Abseits von unserem Schmuck werden wir jetzt auch Produkte im Bereich Interior verkaufen. Neu im Programm haben wir unsere Surf Kollektion: bei uns in Berlin 3D gedruckte, nachhaltige Seifenhalter, die aus recyceltem PET hergestellt werden. Zusammen mit Coudre Berlin ist eine farbenfrohe, moderne Sammlung entstanden, die mit abstrahierten Formen von Wellen spielen. Sie sind ein echter Hingucker und immer mehr Shops nehmen sie in ihr Sortiment auf. Man merkt: das Thema Nachhaltigkeit gewinnt an Bedeutung!

Welchen ökologischen und sozialen Herausforderungen seht ihr euch bei der Schmuckproduktion gegenübergestellt?

Die Themen Edelmetalle und deren Gewinnung sind in dieser Hinsicht sicherlich unter den wichtigsten. Wir beziehen unser Gold zum Beispiel nur von Firmen, die konfliktfreie Herstellung garantieren. Das ist für uns ökologisch sowie sozial gesehen von höchster Bedeutung. Unsere Pit Kollektion beschäftigt sich mit genau diesem Aspekt. Ein weiterer Gesichtspunkt ist der verantwortungsvolle Abbau und Handel von Diamanten. Dieser ist allerdings für uns als Label nicht relevant, da wir derzeit keinen Diamantschmuck anbieten.

Die Konsument*innen sollten beim Kauf von Schmuckstücken unter anderem auf genau diese Punkte achten. Sie haben letztendlich die Macht darüber, wie ein Schmuckstück hergestellt wird, welches sie tragen. Wir würden uns wünschen, dass Schmuck wieder zeitloser wird und die allgemein verfügbare Qualität von Schmuck wieder zunimmt. Weg vom billigen Massenprodukt und hin zu Besonderheiten mit einer Geschichte. Dazu wollen wir als Label unseren Beitrag leisten und wir bekommen immer wieder Zuspruch von Kundinnen und Kunden, die genau das zu schätzen wissen. Das ist ein sehr gutes Gefühl.
 

Was möchtet ihr in Zukunft noch optimieren, um euren Schmuck und die Produktion nachhaltiger zu gestalten?

Wir arbeiten derzeit daran, einige Komponenten durch lokal produzierte zu ersetzen. Außerdem werden wir weiter die Recyclingquote der eingesetzten Materialien und Verpackungen erhöhen. Auch im Bereich 3D Druck wird sich herstellungstechnisch noch viel in diese Richtung entwickeln und wir freuen uns darauf, immer die neuesten und nachhaltigsten Lösungen zu testen und in unser Programm aufzunehmen. Damit wir Schmuckstücke und Produkte an unsere Kunden verkaufen können, mit denen man sich gut fühlt und auf die man stolz ist.

 

Vielen Dank für das interessante Interview, Sandro!

Dir schwebt nun auch noch eine Frage im Kopf herum, die du gerne an Radian stellen möchtest?

Dann schreib sie in die Kommentare - wir freuen uns auf den Austausch mit dir!
 

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