Grüne Wirtschaft

Recycelter Schmuck aus traditioneller Gusstechnik von say time

INTERVIEW I Schmuck, dessen Materialien zertifiziert oder recycelt sind? Dass das funktioniert zeigt das junge Unternehmen say time mit seinen nachhaltigen Schmuck- und Uhrenkollektionen.

INTERVIEW I Schmuck, dessen Materialien zertifiziert oder recycelt sind? Dass das funktioniert zeigt das junge Unternehmen say time mit seinen nachhaltigen Schmuck- und Uhrenkollektionen.

02.12.2020 I Ein Interview geführt von Dorothea Meyer I Bilder: say time

Vor zwei Jahren gründete Selina Aynur Yanik gemeinsam mit Victor Gorelik das Schmuck-Label say time. Hier kreieren die beiden nachhaltige Schmuck- und Uhrenkollektionen aus nachhaltigen und zertifizierten Materialien, die von hoher Qualität sind und mit zeitlosem Design überzeugen.

Mehr zur Gründungsgeschichte, den Schmuck-Zertifizierungen und den Besonderheiten der handgefertigten Schmuck-Kollektionen von say time erfährst du unter anderem im Interview mit Gründerin und Geschäftsführerin Selina Aynur Yanik.

Nachhaltige-Mode.de: Selina, was steckt hinter say time?

Selina: Mitte 2018 habe ich das Label say time mit Victor Gorelik gegründet, nachdem wir uns an der Zeichenakademie kennenlernten und feststellten, dass wir sehr ähnliche Gedanken zur Schmuckbranche hatten und auch unser Verständnis von Ästhetik sich in vielen Punkten gleicht. Der Name say time ist eigentlich abgeleitet von meinem eigenen Namen: Selina Aynur Yanik – S.A.Y.. Da unser Gründungsprojekt eine nachhaltige Uhr war, ist der Name say time daraus geworden. Aber inzwischen haben wir auch eine Hochzeitschmuck- und Trauringkollektion die say yes heißt, sowie eine Alltagsschmuckkollektion, die unter say time jewellery läuft.

Was hat say time dazu bewegt, nachhaltigen Schmuck herzustellen?

In der Ausbildung zur Goldschmiedin an der Zeichenakademie Hanau lernt man, wie Gold, Silber und Edelsteine abgebaut werden. Das hat mich damals sehr nachhaltig geprägt, denn die Arbeitsbedingungen sind zum Teil absolut unmenschlich. Nachdem wir dann jedoch Alternativen kennenlernten, nämlich Fair Trade Gold und Silber, recycelte Metalle und nachhaltig gewonnene Edelsteine, war es überhaupt keine Frage mehr, für welche Variante ich mich entscheide. Leider ist es allgemein sehr leicht zu verdrängen, wo einzelne Materialien herkommen. Zwischen den Minen und uns, den Goldschmieden, Juwelieren und Schmuckschaffenden, liegen ja noch Zwischenhändler, die den ganzen Prozess anonymer machen. So denken viele beim Kauf von Materialien oft nicht an die Herkunft. Daher verwenden wir auch am liebsten das recycelte Metall. Denn der Idealfall wäre ja, dass der recycling-Zyklus so gut ausgebaut wird, dass überhaupt kein neues Material benötigt wird. Wir fragen unsere KundInnen deshalb auch immer gezielt, ob sie alten Schmuck zuhause haben, damit dieser eben wieder in den Zyklus einfließen kann.

Bei say time betitelt ihr eure Produkte als fair. Woher bezieht ihr eure Materialien zur Herstellung des Schmucks und worauf legt ihr dabei besonders Wert, um fair und nachhaltig zu handeln?

Unser Fair Trade Gold und Silber beziehen wir von Fair Trade zertifizierten Händler*innen, die mit ebenso zertifizierten Minen arbeiten. Auch wir sind als Teil dieser Kette natürlich ein zertifizierter Partner*innen. Hier gibt es zwei verschiedene Siegel.
Das eine kennt sicherlich jeder von Kaffee und Bananen. Hier handelt es sich um das klassische Fair Trade Siegel. Was viele nicht wissen ist, dass es auch zertifizierte Minen gibt.

Das zweite Siegel heißt Fair Mined. Die Standards und Regelungen unterscheiden sich kaum von Fair Trade. Sie beschäftigen sich aber ausschließlich mit dem Thema Bergbau. Für Steine ist die Sache nicht ganz so einfach, da es hier keine richtigen Zertifikate gibt. Auch bei Diamantzertifikaten ist Vorsicht angesagt. Das Problem sind oft die unzähligen Zwischenhändler*innen, die das wirklich transparente Nachverfolgen der Herkunft der Steine fast unmöglich macht. Daher arbeiten wir hier mit zwei Edelsteinhändlern unseres Vertrauens. Beide fahren selbst in die Minen in denen die Steine abgebaut werden und machen sich selbst ein Bild von der Arbeitsweise. Sie unterstützen viele Minenarbeiter*innen auch durch Projekte um die Bedingungen zu verbessern. Eine tolle Alternative können auch Laborsteine sein. Die haben inzwischen eine fantastische Qualität und dafür musste nicht mal ein Berg umgegraben werden!

Weitere Aspekte, die wir berücksichtigen, sind möglichst kurze Lieferwege und die bevorzugte Zusammenarbeit mit anderen traditionellen Kleinunternehmen, die vergleichbare nachhaltige Strategien verfolgen wie wir.

say time stellt auch Schmuck aus recycelten Materialien her. Wie hoch ist der Anteil an Kollektionen aus ausschließlich recycelten Materialien innerhalb eures gesamten Sortiments und möchtet ihr diesen Prozentsatz zukünftig weiter erhöhen?

Unsere gesamte Ketten-Kollektion besteht aus recyceltem Material, bei allen anderen Kollektionen überlassen wir die Wahl immer den Kund*innen. Da wir kaum auf Lager produzieren, um auch eine Überproduktion zu vermeiden und weil wir viele Schmuckstücke noch individuell den Kundenwünschen anpassen, können die KundInnen vorab entscheiden, aus welchem Material er oder sie das Schmuckstück haben möchte. Sie können aus Fair Trade, Fair Mined und recycelt auswählen. Es gibt aber auch bei uns immer noch Raum für Verbesserungen. Denn bei vielen Dingen, wie Verschlüssen die wir nicht selbst anfertigen, ist es sehr schwer nachzuvollziehen, ob diese aus recyceltem oder neuem Material hergestellt wurden. Das ist ein Problem der Transparenz in der Branche. Aber wir merken auch, dass sich immer mehr bewegt. Wichtig ist auch, dass KundInnen mehr nachfragen. Denn nur so können wir gemeinsam für mehr Aufklärung sorgen. 

 

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                                                                      Das komplette Interview findest du auf Nachhaltige-Mode.de:

                                                                   Recycelter Schmuck aus traditioneller Gusstechnick von say time

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