Heiko Schäfer war vor seiner Zeit bei Mammut unter anderem auch bei BOSS und Adidas tätig und konnte dort bereits viel über Nachhaltigkeit in der Modeindustrie lernen.
Von Heiko wollte Marcus im Podcast deshalb wissen, welche Rolle das Thema Nachhaltigkeit in der Outdoor-Branche spielt, welche Parallelen zur Mode-Branche gezogen werden können und wie Mammut das Thema Nachhaltigkeit konkret bei seinen Produkten und bei der Außenkommunikation umsetzt.
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„Nachhaltigkeit ist kein Marketinginstrument, sondern unternehmerische Pflicht“
Dr. Heiko Schäfer, CEO des Outdoor-Ausrüsters Mammut, über Verantwortung, Grenzen des Wachstums und die Illusion grüner Perfektion
GRÜNES MIKRO: Herr Schäfer, Sie führen seit Herbst vergangenen Jahres den Schweizer Bergsportausrüster Mammut. Was zeichnet das Unternehmen aus Ihrer Sicht aus?
Schäfer: Mammut steht für hochfunktionale, sicherheitsrelevante Produkte für den Bergsport. Wir stellen nicht nur Bekleidung her, sondern auch Ausrüstung wie Seile, Gurte oder Helme – Produkte, bei denen Vertrauen und Qualität im Zweifel über Leben und Tod entscheiden. Dieses Qualitäts- und Sicherheitsversprechen prägt unser Selbstverständnis ebenso wie unseren Umgang mit Nachhaltigkeit.
GRÜNES MIKRO: Sie waren zuvor unter anderem bei Adidas und Hugo Boss tätig. Was konnten Sie aus der Modeindustrie in die Outdoor-Branche mitnehmen?
Schäfer: Zum einen die Erkenntnis, wie zentral Marke, Glaubwürdigkeit und langfristiges Vertrauen sind – gerade bei global agierenden Unternehmen. Zum anderen die Erfahrung, dass Nachhaltigkeit nicht als Projekt, sondern nur als strukturelles Thema funktioniert. Bei Boss habe ich Nachhaltigkeit konzernweit verantwortet. Bei Mammut ist sie noch tiefer in der DNA verankert.
GRÜNES MIKRO: Gilt die Outdoor-Branche nicht ohnehin als nachhaltiger als die klassische Mode?
Schäfer: Der Anspruch ist sicherlich höher, aber leichter ist es nicht. Unsere Produkte sind technisch komplex und stark von petrochemischen Materialien abhängig. Der Baumwollanteil liegt bei uns bei etwa zehn Prozent. Nachhaltige Alternativen sind hier deutlich schwerer umzusetzen als in der klassischen Mode. Perfektion gibt es nicht – entscheidend ist, ehrlich mit den eigenen Grenzen umzugehen.
GRÜNES MIKRO: Wie äußert sich dieser Anspruch konkret im Unternehmen?
Schäfer: Wir setzen seit Jahrzehnten auf Langlebigkeit und Reparierbarkeit. Bereits in den 1990er-Jahren haben wir Reparaturservices eingeführt. Heute reparieren wir jährlich rund 15.000 Produkte in Europa und weitere 5.000 in den USA. Zudem verwenden wir seit Mitte der Neunziger recycelte Materialien – lange bevor das öffentlich diskutiert wurde.
GRÜNES MIKRO: Dennoch stehen auch Outdoor-Marken zunehmend unter Greenwashing-Verdacht. Wie gehen Sie damit um?
Schäfer: Sehr vorsichtig. Wir kommunizieren bewusst zurückhaltend. Ein Beispiel ist unsere dekarbonisierte Trailrunning-Kollektion, bei der wir gemeinsam mit Climeworks CO₂ aktiv aus der Atmosphäre entfernen lassen – ohne Offsetting. Auch darauf gab es kritische Reaktionen. Das nehmen wir ernst. Nachhaltigkeit ist kein Zustand, sondern ein Lernprozess.
GRÜNES MIKRO: Lässt sich Nachhaltigkeit nicht einfacher über höhere Preise finanzieren?
Schäfer: Die Daten zeigen etwas anderes. Nachhaltigkeit ist für Konsumenten ein wichtiges Auswahlkriterium, aber die Bereitschaft, dafür mehr zu zahlen, ist begrenzt. Sie ist heute eine Grundvoraussetzung – keine Zusatzleistung. Investitionen müssen daher aus der eigenen Profitabilität kommen. Ohne wirtschaftliche Stärke gibt es keinen Fortschritt.
GRÜNES MIKRO: Wie nachhaltig ist die Branche insgesamt?
Schäfer: Sie wird jedes Jahr etwas besser, ist aber nicht nachhaltig. Die Modeindustrie verursacht enorme CO₂-Emissionen und produziert massiv zu viel. Auch die Outdoor-Branche ist Teil dieses Systems, wenn auch mit höherem Anspruch und teilweise besseren Lösungen. Entscheidend wird sein, ob die selbst gesteckten Klimaziele tatsächlich erreicht werden.
GRÜNES MIKRO: Was sind für Mammut die größten Herausforderungen der kommenden Jahre?
Schäfer: Klar der Klimaschutz. Wir haben uns verpflichtet, unsere Emissionen bis 2030 gegenüber 2018 um 50 Prozent zu reduzieren und auf dem 1,5-Grad-Pfad zu bleiben. Das betrifft Materialien, Prozesse und Lieferketten gleichermaßen. Es ist ambitioniert – aber alternativlos.
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