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Mit dem E-Roller smart und nachhaltig durch die Stadt

INTERVIEW | E-Roller bringen dich geräuschlos, emissionsfrei und entspannt von A nach B. Mehr zu der nachhaltigen Mobilitäts-Alternative in diesem Beitrag.

INTERVIEW | E-Roller bringen dich geräuschlos, emissionsfrei und entspannt von A nach B. Mehr zu der nachhaltigen Mobilitäts-Alternative in diesem Beitrag.

17.08.2020 | Ein Interview geführt von Deborah Iber


Das Unternehmen Kumpan electric stellt coole Elektro-Roller her. Ein kleiner Vorgeschmack: Die Roller werden lokal in eigener Produktion gefertigt, sie können geliehen oder gekauft werden und der Akku kann einfach zu Hause aufgeladen werden. Weitere interessante Infos über die smarten Begleiter gibt´s im Interview mit einem der Gründer, Patrik Tykesson.
 

LifeVERDE: Herr Tykesson, bitte stellen Sie uns Kumpan electric einmal kurz vor.

PATRIK TYKESSON: Kumpan electric stellt Elektroroller in eigener Produktion in Remagen her. Unser Unternehmen besteht aus vier Säulen:

  1. Endkunden-Geschäft: Unsere „Kumpanions“, wie wir unsere E-Rollerfahrer nennen, sind inzwischen nicht nur in Deutschland, sondern auch in Frankreich, Spanien, den Niederlanden, Österreich, der Schweiz und Belgien unterwegs. 
  2. B2B-Geschäft: Wir sind bei Sharing-Anbietern wie beispielsweise Evo (Oberhausen/Essen), Coono (Tübingen), KRuiser (Krefeld) oder ganz frisch auch bei evita (Jena) im Einsatz. Zudem arbeiten wir gerade daran, das Thema Lieferdienste und Firmenflotte weiter auszubauen.
  3. Unsere Akkus: Wir haben unsere Batterypacks ebenfalls selbst entwickelt. Inzwischen finden sie nicht nur in unsere E-Rollern, sondern auch in weiteren Mobilitätslösungen Einsatz. Hier sehen wir die Zukunft!
  4. Scrooser: Ende letzten Jahres haben wir die Fatbike-Roller Scrooser aus Berlin übernommen und sind stolz darauf, nun noch ein weiteres E-Fahrzeug auf die Straßen Europas zu bringen.
     

Das Unternehmen wurde vor 10 Jahren von Ihnen und Ihren Brüdern Daniel und Philipp gegründet. Wie entstand die Idee dazu und wofür steht das Unternehmen heute?

Da wir aus einer Unternehmerfamilie kommen, war der Wunsch schon früh da, ein eigenes Unternehmen zu gründen. In den letzten Zügen meines Studiums habe ich dann angefangen, mich mit unterschiedlichen Themen zu beschäftigen, die mir spannend und zukunftsweisend erschienen. So schaute ich mir auch an, was sich im Bereich E-Mobilität in der Zeit tat: 2009 muss man sagen, war diese noch in den Kinderschuhen: Der Tesla Roadster war erst zwei Jahre zuvor auf den Markt gekommen.

Ich schaute mir jedoch vor allem an, was sich bei den Zweirädern so abspielte und merkte: Kaum etwas – die Marktlücke war entdeckt. Die ersten Ideen wurden tatsächlich ganz Startup-mäßig auf einer Serviette in einem Restaurant skizziert. Ich „pitchte“ die Idee meinen Brüdern und sie waren sofort Feuer und Flamme. Ein paar Tage später legten wir los!

Was zeichnet das Unternehmen Kumpan aus Ihrer Sicht aus und macht es zu einem außergewöhnlichen E-Roller-Anbieter?

Erstens die Tatsache, dass wir als einer der wenigen alles selbst machen und dies ohne großen Konzern im Hintergrund: Egal ob Design, Entwicklung oder Produktion: Es ist alles handgemacht und von uns. Die E-Roller selbst sind schick, aber trotzdem funktional und vernetzt; sie lassen sich beispielsweise mit dem Smartphone verknüpfen und öffnen, so dass man keinen Schlüssel mehr braucht. Zudem sind wir, wie oben schon kurz angeteasert, eben mehr als ein Produkthersteller, sondern bieten Dienstleistungspakete wie das Sharing an. Zuletzt sei noch unsere Innovationsarbeit beim Thema Akku genannt, mit dem wir noch viel vorhaben: Weit über die Mobilitätsbranche hinaus übrigens. Mehr darf ich zu diesem Zeitpunkt leider nicht verraten… 
 

Das finden wir sehr spannend. Nun zur Nachhaltigkeit – diese spielt bei Kumpan natürlich eine große Rolle. Neben dem Einsatz für emissionsfreie Fahrzeuge, welche weiteren Nachhaltigkeitsaspekte werden bei Kumpan umgesetzt?

Wir achten vor allem auf eine ressourcenschonende Produktion und lokales Sourcing. Bei letzterem sind wir bei einem guten Level von rund 90%, die unsere Komponenten aus Europa kommen, ca. 80% beziehen wir aus Deutschland und hier am liebsten regional. Unsere Kartonage kommt beispielsweise von einer Behindertenwerkstatt des Orts und ist aus recyceltem Karton. Natürlich werden wir immer nach den Akkus gefragt: Nachdem wir unsere Akkus schon lange in Europa fertigen, warten wir noch darauf, dass unser Investor Peter Carlsson, CEO von Northvolt, seine Zellenfabrik in Schweden fertigstellt: Dann hätten wir endlich auch Batteriezellen, die aus europäischer Produktion stammen!
 

Die E-Roller von Kumpan stammen, wie Sie bereits erwähnt haben, komplett aus eigener Produktion. Stellen Sie uns einmal den Produktionsprozess vor.

Nehmen wir als Beispiel unseren vorderen Kotflügel:

  • Der Prototyp wird nach unseren Entwürfen von einem kleinen mittelständischen Produzenten in Overath angelegt.
  • Nach dem Fertigstellen der Werkzeuge kann er diesen dann fertigen.
  • Das fertig bearbeitete Teil geht zum Beschichter in der Nachbarschaft, weiter zum Lackierer und dann zu uns.
  • Nach der Trocknung wird der Kotflügel verpackt und in großen Stückzahlen zu uns nach Remagen gefahren.
  • So findet ein Großteil unserer Komponente – von Beleuchtung über Display, über Gabelbrücke bis zu unseren Verkleidungsteilen- ihren Weg zu uns. Hier findet die komplette Vormontage und Montage statt.

Die Roller sind noch echte Manufakturware, das heißt wir haben keine riesigen Laufbänder auf denen Roboterarme die Roller montieren, sondern fleißige Mitarbeiter, die jeden Kumpan in Teamarbeit bauen.  In sechs Montageschritten kommen Hardware, Elektronik und schließlich Software zusammen. Zuletzt kommt der E-Roller in die Qualitätskontrolle und wird zum Versand in recycelter Kartonage verpackt.

Welche Roller-Modelle gibt es bei Ihnen und für welche Personen sind Sie geeignet?

Unsere Modellfamilie, die 54 i Serie, besteht insgesamt aus vier verschiedenen Rollern, davon haben wir zwei schon auf den Markt gebracht, weitere zwei kommen im Herbst dieses Jahres.

Das Einstiegsmodell ist unser 54 inspire, der sich vor allem an die junge, urbane Zielgruppe richtet, denn es ist unser günstigster Kumpan. Er fährt 45 km/h schnell und hat eine Motorleistung von 3kw, dabei Platz für 3 Akkus, die eine durchschnittliche Reichweite von ca 45 km pro Akku (das hängt immer von Gewicht, Steigung, Wegbeschaffenheit, etc. ab) bieten. Dies sind vor allem Leute, die kurze Strecken schnell und flexibel zurücklegen wollen, gleichzeitig aber Interesse daran haben, einen schicken fahrbaren Untersatz zu haben und nachhaltig unterwegs zu sein: Ohne Benzin, ohne Emissionen und, was ich auch zum Thema mit reinzähle, ist wie unfassbar leise der Kumpan ist im Gegensatz zu knatternden Mopeds und normalen Rollern. Ein wichtiger weiterer Mehrwert aller Modelle: Unsere E-Rollerfahrer sind nicht auf externe Infrastruktur beim Laden angewiesen, denn wir haben entnehmbare Akkus, die an jeder Steckdose im Haushalt aufgeladen werden können. Dies macht die Nutzererfahrung sehr angenehm und praktikabel!

Das zweite Modell ist der 54 iconic, der auch 45 km/h fährt, aber eine höhere Motorleistung und ein paar weitere Feature wie beispielsweise die Frontladung oder LED-Beleuchtung hat, und daher preislich etwas über dem inspire liegt. Da man beim iconic während des Fahrens die Akkus nicht wie beim inspire tauschen muss (es gibt drei, statt nur einen Anschluss), sondern sie sich von selbst „abwechseln“, eignet sich der iconic auch für Leute, die schon mal längere Strecken fahren und gern bequem von A nach B kommen.

Im Herbst kommen dann unser 54 impulse und 54 ignite, die schnellen Modelle mit 70 km/h und sogar 100 km/h. Hierfür braucht man schon einen Zusatz-/oder Motorradführerschein, das heißt die Zielgruppe hier sind oft richtige Liebhaber, die gern auch auf Landstraße unterwegs sind, gern schnell unterwegs sind und Spaß daran haben, als Pionier unterwegs zu sein, denn die schnellen Modelle sind am Markt rar gesät – es gibt nur zwei weitere Anbieter.
 

Kumpan wünscht sich, dass 2030 mehr Elektro-Roller in Europa unterwegs sind als benzinbetriebene. Was muss Ihrer Meinung nach noch geschehen, damit diese Vision Realität wird?

Zunächst einmal: Ich glaube, wir sind schon auf einem sehr guten Weg dahin. Was wir schade finden, ist, dass das Thema E-Auto Förderung derzeit in aller Munde ist, es jedoch keinen flächendeckenden Bonus für E-Roller gibt. Die Stadt München beispielsweise bezuschusst den Kauf eines neuen E-Rollers mit 1000€; viele andere Kommunen haben jedoch gar kein Programm in die Richtung, vom Bund gibt es auch nichts. Dabei muss man sagen: Insgesamt ist das Thema E-Mobilität nach wie vor Nische, da viele Menschen es sich schlichtweg nicht leisten können. Wir E-Roller Hersteller bieten da einen guten Einstieg, um sich mit dem Thema auseinander zu setzen und vielleicht einfach im Rahmen des Sharing die Roller zu testen – sich dann bestenfalls davon begeistern zu lassen! Dann könnte es 2030 klappen, die knatternden Benziner von den Straßen zu vertreiben



Kommentare
Daniel1529
23.09.2020
Auch Autofahrer dürfen künftig unter Auflagen 125er Motorräder bzw Elektro-Motorräder fahren ohne einen speziellen Führerschein zu machen
Der Deutsche Bundesrat hat beschlossen, dass künftig jeder Deutsche unter bestimmten Voraussetzungen mit seinem normalen Autoführerschein auch 125er-Leichtkrafträder fahren darf. Das Gesetz beinhaltet, dass die Inhaber von Autoführerscheinen ohne zusätzliche Fahrprüfung 125 Motorräder bzw. Elektro Motorräder fahren dürfen, wenn sie mindestens 5 Jahre lang schon ihren Autoführerschein der Klasse B haben, mindestens 25 Jahre alt sind und mindestens 9 Fahrschuleinheiten á 90 Minuten absolviert haben, 4 davon in Theorie und 5 in der Praxis.

In Deutschland dürfen Autofahrer schon bisher auch 125er Motorräder bzw Elektro-Motorräder fahren, wenn sie ihren Autoführerschein vor dem 01.04.1980 erworben haben.


QUELLE : https://elektroroller-futura.de/blog/74_aaa.html

Waltraud Stille
19.08.2020
Lieber Patrick,
Deine E-Roller finde ich großartig Deine Beiträge immer super interessant. Gerade kam mir die Idee, ob Ihr mal einen Prototyp mit 3 Rädern für Senioren entwerfen könntet? Wir Babyboomer kommen in die Jahre und ich kann mir vorstellen, dass Ihr damit neue Kunden gewinnen könntet.
Liebe Grüße nach Remagen von Waltraud

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