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Besondere Hüllen für deinen Körper – handgefertigte Textilien von naht.und.art

Interview | Mit Leidenschaft und Kreativität werden im Näh-Atelier naht.und.art einzigartige Kleidungsstücke und Wohntextilien gefertigt. Zu Corona-Zeiten nun auch nachhaltige Behelfsmasken aus Bio-Baumwolle.

Handgefertigte Textilien von naht.und.art
Designelement

Interview | Mit Leidenschaft und Kreativität werden im Näh-Atelier naht.und.art einzigartige Kleidungsstücke und Wohntextilien gefertigt. Zu Corona-Zeiten nun auch nachhaltige Behelfsmasken aus Bio-Baumwolle.

25.05.2020 | Ein Interview geführt von Deborah Iber | Bilder: naht.und.art


Naht.und.art fertigt hochwertige Näharbeiten aus umweltfreundlichen Stoffen und Materialien. Im eigenen Atelier in Schwalenberg entstehen die individuellen Stücke. Annabell Schneider-Kliewe stellt sich und ihr NähAtelier vor und führt uns in die Welt des fairen und umweltfreundlichen Nähens.
 

LifeVERDE: Frau Schneider-Kliewe, bitte stellen Sie uns naht.und.art einmal kurz vor.

ANNABELL SCHNEIDER-KLIEWE: Der Hände Werk als Kunst begreifen - naht.und.art ist ein freies und unabhängiges NähAtelier zur Ausführung von Näharbeiten nach handwerklicher Kunst, in Schwalenberg, NRW. Wir bieten unsere ganze Leidenschaft und zwanzig Jahre Erfahrung im Umgang mit Nadel und Faden. Wir fertigen Bekleidung und Accessoires aus Bio Stoffen und bieten diese direkt und über unsere Internetseite www.nahtundart.com sowie unseren Etsy-Shop atelierNAHTUNDART an. Die von uns verwendeten Bekleidungsstoffe können für eigene Nähprojekte auch bei uns erworben werden. Außerdem gehören hochwertige Einrichtungsstoffe sowie die Fertigung individueller WohnTextilien zu unserem Angebot. Vorhänge, Kissen und Polster werden auf Wunsch maßgefertigt, immer unter Einbeziehung der Bedürfnisse des Kunden und der Berücksichtigung der Anforderungen des Einsatzbereichs. Für uns spielen der persönliche Kontakt zu unseren Kunden und die ausführliche Beratung eine wichtige Rolle.

Was sind die Besonderheiten Ihrer naht.und.art Kleidungsstücke und Materialien?

Das Besondere an unseren Kleidsamkeiten ist, dass sie nach eigenem Design im eigenen Atelier gefertigt werden – von der Idee bis zum fertigen Produkt – alles aus einer Hand! Unsere Produkte sind individuelle Einzelstücke, die absolut fair produziert werden. Für unsere Kleidungsstücke und Accessoires verwenden wir am liebsten Bio-Stoffe. Wir lieben es, den kreativen Prozess von der puren Idee bis zum wahrhaftigen „in die Welt bringen“ zu durchleben und unsere Kreationen mit anderen Menschen zu teilen. Das Erleben von der Ent-Wicklung eines Stoffballens bis hin zur Umhüllung eines Körpers oder dem Auskleiden eines Raumes schenkt uns – jedes Mal aufs Neue – Energie. Kleidung schenkt Geborgenheit – gute Rohstoffe und faire Produktionsbedingungen schenken Wohlbefinden.
 

Welche Rolle spielt in Ihrem Atelier das Thema Nachhaltigkeit?

Nachhaltig ist für uns etwas, das von Dauer ist, bestenfalls etwas, das, ohne die Umwelt zu belasten, hergestellt und rückstandslos wieder in den Kreislauf der Natur aufgenommen werden kann. Die Herkunft der von uns verwendeten Materialien spielt für uns eine große Rolle und wir sind darauf bedacht, diese nachzuvollziehen. Dabei ist es uns wichtig, solchen Materialien den Vorzug zu geben, die möglichst schonend für die Erde produziert werden. Wir durchdenken bei allem, was wir verbrauchen – unsere Stoffe, unsere Schnittpapiere, unsere Etiketten und Schilder, unsere Versandmaterialien, unseren Energiebedarf – ständig, wie wir uns verbessern können, was wiederverwendet werden kann und wie wir die Wege kurzhalten können. Unsere Etiketten, unser Garn, unsere Werbematerialien werden zum Beispiel in Deutschland produziert, unseren Papierbedarf decken wir, soweit möglich, über recyceltes Material, wir achten auf Mülltrennung. Außerdem wird unser Betrieb zu 100% mit Ökoenergie versorgt! Wir legen großen Wert auf die Langlebigkeit unserer Produkte. Dafür verwenden wir etwas stabilere Garne, verriegeln die Nähte gut und bieten unseren Kunden auch die Reparatur der bei uns gekauften Stücke an. Auch empfehlen wir stets eine möglichst schonende Wäsche - dadurch wird nicht nur die Umwelt, sondern auch die Faser geschont und Dein Kleidungsstück bleibt Dir länger erhalten!
 

Momentan produzieren Sie aufgrund der Corona-Situation in erster Linie Gesichtsmasken, die Bio und fair sind – was macht die Masken zu einer „grünen“ Alternative?

Ja! In dieser einzigartigen Situation, die uns erkennen lässt, wie verletzlich wir als Menschen sind, wie fein unser Beziehungsnetz und wie fragil unser System ist, haben wir uns dafür entschieden, unsere Fertigkeiten zur Produktion von Behelfsmasken einzusetzen. Wir möchten den Menschen eine anschmiegsame, faire Bio-Mehrwert-Variante einer Mund- und Nasenbedeckung - in der gewohnten naht.und.art – anbieten! Unsere Masken sind doppellagig aus feinem Bio-Jersey gearbeitet, können beidseitig getragen werden, sind waschbar und dadurch wiederverwendbar! Sie schützen das Gesicht - auch gegen kaltes Wetter oder gegen Staub! Durch die achtsamen Produktionsprozesse in unserem Atelier, die Verwendung von Bio-Baumwoll-Stoffen und die Möglichkeit, die Masken direkt bei uns, beim Hersteller, beziehen zu können, sehen wir unsere Behelfsmasken eindeutig als grüne Alternative!

Führen Sie uns durch einen „normalen“ Tag (abgesehen von Corona) Ihres naht.und.art Ateliers – wie läuft dieser ab?

Bei uns läuft fast kein Tag wie der Andere! Einzig das Eine steht immer im Mittelpunkt: die liebevolle Verarbeitung von hochwertigen Stoffen. Durch unser vielfältiges Angebot und die dadurch ganz verschiedenen Aufträge und Vorhaben ist unsere Arbeit sehr abwechslungsreich und kreativ – immer spannend! Wir – das sind mein lieber Mann und ich und eine Mitarbeiterin. Die anstehenden Aufgaben teilen wir nach Fertigkeiten, Freiräumen und Bedarf. Ein „normaler Arbeitstag“ bewegt sich bei uns zwischen Bügeleisen und Telefon, zwischen Nähmaschine und Computer, zwischen Stoffballen und Polsterhammer. Zu unseren täglichen Aufgaben gehören die Planung und Durchführung in verschiedensten Bereichen, die Bearbeitung von Bestellungen, Montage von Vorhängen oder die Pflege unserer Maschinen oder der Website. Und viele Tage verbringen wir in Ruhe, vertieft in das Nähen, in das Verwirklichen von Ideen, in die Ausführung von Nähaufträgen.
 

Was hat sich nun verändert?

Seit wir Behelfsmasken produzieren hat sich hier, in unserem Atelier, alles sehr beschleunigt! Tatsächlich ist die Nachfrage viel größer, als wir es uns hätten träumen lassen - wir sind glücklich-überwältigt von der positiven Resonanz. In den letzten Wochen verbringen wir quasi unsere gesamte Zeit in der Nähwerkstatt und bearbeiten Bestellungen, pflegen Kundenkontakt und nähen und nähen und nähen..! Während Aufträge in anderen Bereichen „seit Corona“ so gut wie ausblieben, hat die Entscheidung, Masken zu produzieren, es uns ermöglicht, unseren Betrieb aufrecht zu erhalten. Für die Zukunft haben wir viele Ideen und Pläne für naht.und.art.

In welchem Preissegment sind Ihre Kleidungsstücke angesiedelt und welche Rolle nimmt das Thema Preis bei Ihnen ein?

Ich denke, unsere Kleidungsstücke sind im mittleren Preissegment angesiedelt. Tatsächlich ist der Preis für den Großteil der Textilien im Allgemeinen ja seit Jahren absolut unverhältnismäßig. Das führt dazu, dass Menschen, manchmal ganz automatisch, die Preise für handwerklich, in Deutschland oder anderen Wohlstandsländern produzierte Kleidung, mit den Preisen für Textilien von Massenproduzenten, die Menschen unter oft unwürdigen Bedingungen ausbeuten, vergleichen.  Setzt man - bewusst oder unbewusst - diese Preise ins Verhältnis, die nicht vergleichbar sind, scheinen unsere Preise vielleicht hoch. Wenn man sich aber überlegt, dass ein Mensch vielleicht zehn Stunden, beispielsweise an einem Kleidungsstück mit aufwändiger Applikation, arbeitet, die Materialkosten, die Betriebskosten anteilig hinzugerechnet werden müssen – wie hoch darf der Preis dann sein? Was verdient eine Jede, ein Jeder in der Stunde? Was ist fair? Bei der Preisgestaltung bewegt uns der Wunsch, dass möglichst viele Menschen sich unsere Stücke leisten können, unter Berücksichtigung dessen, was wir brauchen, um uns und unseren Betrieb finanzieren zu können. Rücksichtsvoll und fair produzierte Produkte haben ihren fairen Preis, der die Kosten der Herstellung widerspiegelt.

Welche Bedingungen in Ihrer Branche würden Sie gerne ändern, damit alles noch etwas nachhaltiger abläuft?

Wünschen würde ich mir, dass Menschen in den „Textil-Produktionsländern“ nicht mehr in Abhängigkeit von schlecht bezahlten, oft lebensbedrohenden, Arbeitsplätzen gebracht und gehalten werden; dass Rohstoffe nicht mehr auf Kosten des Planeten produziert werden, nur, um sie im nächsten Moment wieder als Müll zu bezeichnen. Die Massen-Textilproduktion verursacht viel Leid und Dreck, verbraucht Unmengen an Ressourcen und verschiebt unsere Wertschätzung gegenüber unserer Kleidung und der Arbeit, die es macht, diese herzustellen.

Ich würde mir wünschen, dass wir alle noch mehr nachdenken, was wir kaufen und was wir wirklich brauchen. Wenn wir uns für ein Einzelstück, eine besondere Hülle für unser einzigartiges Selbst, bewusst entscheiden, dann kann uns ein einzelner Pullover für viele Jahre kleiden, oder Hemden, die gern zuerst im Bereich der Ellenbogen brüchig werden, können noch eine lange Zeit weiter als Kurzarm-Hemd getragen werden.

Wunderbar wäre auch, wenn den nähenden Berufen mehr Anerkennung und Achtung zuteilwürde. Häufig wird das Nähen minderwertig gegenüber anderen Handwerken / Berufen angesehen, was nicht gerechtfertigt ist.

Das Nähen ist ein kunstvoller Prozess: die Verwandlung eines wertvollen Tuchs in eine dem Körper angemessene, schützende Hülle, mit der Du Dein Innerstes im Außen schmücken kannst, erfordert Fingerspitzengefühl. Ich selbst verarbeite Textilien seit zwanzig Jahren und immer noch sehe ich jeden neuen Stoff, jedes neue Stück als Chance, mein Bestes zu geben, mich auszudrücken und zu verwirklichen. Dafür bin ich sehr dankbar.

 

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