Helau und Alaaf Unsere Städte versinken während des Karnevals im Müll
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Helau und Alaaf - Unsere Städte versinken während des Karnevals im Müll

Eins haben die Karnevalshochburgen Düsseldorf, Köln und Mainz an den jecken Tagen neben den feiernden Karnevalisten gemeinsam – große Müllberge.

Eins haben die Karnevalshochburgen Düsseldorf, Köln und Mainz an den jecken Tagen neben den feiernden Karnevalisten gemeinsam – große Müllberge.

06.02.2018 - Ein Beitrag von Gessica Mirra, Foto: Symbolbild © Pixabay

Bonbons, Luftschlangen, Konfetti, Getränkedosen, Flaschen, zahllose Becher und Plastiktüten – an und nach den Karnevalstagen türmen sich die Müllberge auf Düsseldorfs Kölns und Mainzer Straßen und Plätzen. 24 Tonnen zusätzlicher Müll fällt nur an Altweiber in der Düsseldorfer Altstadt an. Und 90-100 Tonnen zusätzlicher Müll werden an Rosenmontag produziert. 2013 hatten die Entsorgungsbetriebe in Mainz rund 60 Tonnen Abfall zu beseitigen. Noch mehr Tonnen Müll waren es 2016 in Köln: Hier blieben nur nach dem Rosenmontagszug 150 Tonnen Müll zurück, auch hier Kamelle, Konfetti, Dosen und Flaschen. Über die gesamten jecken Tage waren es sogar 440 Tonnen Müll in der Domstadt!

Wo landet der Kölner Karnevals-Müll?

Zunächst einmal holt die AWB die riesigen Mengen an Karnevals-Müll ab. Der Müll kommt dann nach Bayenthal, zur Balthasar GmbH. Der Müll wird hier in einer großen Wagenhalle ausgekippt, dann kommt er auf ein Sortierband, wo er durchsucht wird. Alles, was wiederverwertet werden kann, wird aussortiert, der Rest wird in verschiedene Müllverbrennungsanlagen aus dem ganzen Rheinland gefahren und dort verbrannt.

Weniger Exzesse in Köln durch mehr Bühnenprogramm

Nach den Geschehnissen am 11.11.2017 ist man der Meinung, man müsse versuchen, für möglichst viele Besucher ein Angebot zu schaffen. Nach dem Sessionsauftakt hatte es viele Klagen gegeben - unter anderem wegen Wildpinkelns, riesigen Müllbergen und Pöbeleien unter Alkoholeinfluss. Und auch die S-Bahnen und Züge bei der Anreise wurden nicht verschont. Die Kölner Verkehrs-Betriebe (KVB) mussten zeitweise den Betrieb sogar komplett stoppen, da angetrunkene Karnevalisten auf den Gleisen umherliefen.

Ein „Runder Tisch“ mit Vertretern der Stadt Köln und der Gastronomie haben daraufhin Lösungsvorschläge erarbeitet: Geplant sind nun mehr organisierte Veranstaltungen und mehr Bühnenprogramm. Die Jecken erwarten in den kommenden Karnevalstagen außerdem mehr Sicherheitsmaßnahmen, mehr Absperrungen und neue Regeln für Bierbuden. Die Stadt baut zudem ihr Toilettenangebot auf rund 700 aus - vorher waren es 80.  

Zahlen zum Karneval:

  • 3000 Firmen beliefern Ihre Kunden deutschlandweit mit Kamelle, Kostümen und Uniformen
  • 6 Millionen Schminksets werden in Deutschland im Schnitt vor den Karnevalstagen verkauft, außerdem 2 Millionen Hüte, 900.000 Perücken und 500.000 Masken
  • 85 Millionen geben die Jecken für Kostüme aus - Das hat der Bund Deutscher Karneval (BDK) zusammen mit der Unternehmensberatung Boston Consulting Group berechnet. Im Schnitt sind das 53 Euro für jeden pro Session aus. Die Männer geben mehr als die Frauen aus (59 versus 48 Euro).

Düsseldorf

  • Über 300 offizielle Sitzungen und Bälle finden allein in Düsseldorf in der 5. Jahreszeit statt.
  • Der Düsseldorfer Rosenmontagszug ist 5,5 Kilometer lang. 
  • 117 Wagen bilden den Zug der Landeshauptstadt NRWs.
  • 40.000 Altbiere zapfen die großen Hausbrauereien an Altweiber in Düsseldorf.
  • Eine Millionen Menschen besuchen Düsseldorf an Rosenmontag.
  • 800 Polizisten und 600 Sanitätshelfer sorgen für Sicherheit und medizinische Erstversorgung.
  • 30.000 Berliner stellt ein (beispielhafter) Düsseldorfer Bäcker an Altweiber her. 

Mainz

  • 40 Millionen Euro kommen durch den Karneval zusätzlich in die Kassen von Wirtschaft und Stadt.
  • 60 Tonnen Süßigkeiten werden von den Mainzer Karnevals-Wagen geworfen.

Köln

  • Über eine Million Besucher aus aller Welt zog es 2017 nach Köln - allein an Rosenmontag.
  • Laut dem Institut der deutschen Wirtschaft geben die Narren rund um den Dom circa eine halbe Milliarde Euro pro Session aus – das ist ein Viertel des bundesweiten Karnevals-Umsatzes und 200 Millionen mehr als bei der Karnevalskonkurrenz in Düsseldorf.
  • Die Kölner Gastronomie nimmt an den jecken Tagen 165 Millionen Euro ein. Innerhalb von fünf Tagen macht manches Altstadt-Lokal damit bis zu einem Drittel seines Jahresumsatzes.
  • 75 Karnevals-Umzüge finden nur in Köln statt.
  • Köln profitiert dauerhaft mit 5.000 Arbeitsplätzen vom Karneval. 3.500 Jobs sollen es in Düsseldorf sein.
  • Die Uniformen für die Karnevalisten auf den Wagen schlagen mit jeweils rund 2.000 Euro zu Buche, dazu kommen im Schnitt 400 Euro pro Person fürs Wurfmaterial.
  • 2017 waren es auf Kölns Festwagen 1.429 Verkleidete. 3.840 liefen in Fußgruppen mit.
  • 1.513 in Tanzgruppen waren 2017 Teil des Kölner Karnevals, davon 723 in Kindertanzgruppen.
  • 2.151 Musiker aus 78 Kapellen sorgten für Stimmung.

  • 300 Tonnen Süßigkeiten wurden beim Rosenmontagszug in Köln in die Menge geworfen, davon 700.000 Tafeln Schokolade und 220.000 Pralinenschachteln. Auch tausende Stoffpuppen und kleine Präsente wurden geworfen.
  • 400 neue Kölsche Titel erscheinen jedes Jahr auf CD oder im Internet
  • Pro 20-minütigem Auftritt verdient die Kultband “De Höhner” 3.000 Euro
  • 500 Pferde gehen allein in Köln beim Rosenmontagszug mit. Laut Institut für Agrartechnik der Uni Hohenheim hinterlassen sie 16 Tonnen Mist. (Daraus könnte man in einer Biogasanlage 2.100 Kubikmeter Biogas erzeugen und somit 1.200 Liter Diesel oder Heizöl ersetzen). 2017 liefen 826 Reiter, Pferdebegleiter und Kutscher mit den Pferden.
  • Circa 100 Tribünen wurden 2017 in der Stadt aufgestellt.
  • 64 Sanitätstrupps, 9 Ärzte und 548 Helfer waren im letzten Jahr im Einsatz. Rund 2500 Polizeibeamte wurden beim Rosenmontagszug 2017 eingesetzt. 1.500 Personen an Sicherheitspersonal wie Zugordner, Wagenbegleiter und Personal an den Deichseln wurden von den Gesellschaften, dem Festkomitee und von externen Sicherheitsunternehmen gestellt.

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