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Faltbare Mehrwegbecher – im Gespräch mit up2u

INTERVIEW | Einwegbecher machen einen großen Teil des Mülls aus, den man so sieht. Was den faltbaren Mehrwegbecher von up2u so einzigartig macht, erfährst du hier im Interview.

INTERVIEW | Einwegbecher machen einen großen Teil des Mülls aus, den man so sieht. Was den faltbaren Mehrwegbecher von up2u so einzigartig macht, erfährst du hier im Interview.

20.04.2022 | Ein Interview geführt von Luis Niehoff | Bild: Ketut Subiyanto, Pexels

Ganz gleich, ob Kaffee- oder Teetrinker, die meisten kennen das Problem: Man ist unterwegs und kauft sich ein Getränk, es gibt aber nur Einwegbecher. Einen Pappbecher kann man schlecht wiederverwenden, sodass er meist direkt im Mülleimer landet.

Um dem entgegenzuwirken, hat up2u einen Mehrwegbecher entwickelt, der durch eine spezielle Falttechnik in jede Tasche passt, sodass niemand mehr auf Einwegprodukte zurückgreifen muss. Wie es dazu gekommen ist und was von up2u noch zu erwarten ist, erfährst du hier im Gespräch mit Christian Gruber, dem Head of Business Development and Sales.

 

LifeVERDE: Hey (Christian Gruber), up2u ist das Unternehmen mit dem einzigartigen, nachhaltigen Trinkbecher für unterwegs. Was war die ursprüngliche Motivation und was habt ihr daraus entwickelt? 

Christian Gruber: Mein Vater ist beruflich viel unterwegs. Während seinen Geschäftsreisen war er immer wieder darauf angewiesen auf Einwegprodukte wie Becher aus Plastik zurückzugreifen. Der Gedanke, dass dieses Einwegprodukt unter hohem Energie- und Ressourcenaufwand produziert wurde und dann nach wenigen Minuten wieder im Müll landet, hat ihn unseren To-go-Konsum hinterfragen lassen. Jeder kennt die überfüllten Mülleimer in Städten oder den Plastikmüll am Strand. Doch scheinbar gibt es noch immer zu wenige praktische und nachhaltige Lösungen, um diesem Trend entgegenzuwirken. Daher haben wir uns die Frage gestellt, was getan werden muss, um auf Einwegprodukte zu verzichten. Schnell sind wir zu dem Entschluss gekommen, dass wir eine nachhaltige und praktische Lösung brauchen, die die Vorteile von Einweg und Mehrweg miteinander vereint. Das Produkt sollte immer zur Hand sein, wenn man ein To-go-Getränk konsumieren möchte. Es darf beim Transport nicht stören und muss deshalb klein und leicht sein. Es sollte Freude bei der Nutzung machen, clever sein und durch sein Design überzeugen. Hohe Qualität, Langlebigkeit und Zuverlässigkeit sollten das Konzept abrunden. So ist die Idee zu einem eigens entwickelten faltbaren und innovativen Mehrwegbecher entstanden. Unser MuC My useful Cup® lässt sich durch einen patentierten Faltmechanismus auf 1/3 seiner Größe reduzieren und passt somit in jede Jacken- oder Handtasche. Er immer zur Hand und kann in wenigen Sekunden entfaltet werden, wann immer man Lust auf ein To-go-Getränk hat. Durch das geringe Gewicht von 115 g und die minimale Größe kann er beim Transport verstaut werden ohne Platz wegzunehmen oder störend zu sein. Dadurch soll die Akzeptanz zur dauerhaften Nutzung von Mehrwegprodukten gesteigert werden. 

MuC zusammengefaltet und ausgefaltet

Der MuC lässt sich klein zusammenfalten, sodass er kaum Platz wegnimmt (Bild: up2u).

Eure Mission geht gegen die Verwendung von Mikroplastik und die Wegwerfkultur vor. Wo liegen hier die Probleme, besonders auch im Hinblick auf To-go-Produkte? 

Wer regelmäßig bei seinem Lieblingsrestaurant bestellt, der kennt diese Situation: Nach dem Essen stapeln sich die Plastikverpackungen und werden nach Verwendung in den Müll geworfen. Auch der Kaffee-Einwegbecher landet nach durchschnittlicher Nutzungsdauer von gerade einmal 15 Minuten sehr schnell im Mülleimer. Leider wird der Großteil dieser Abfälle nicht etwa recycelt, sondern aus Kostengründen einfach verbrannt. Dadurch werden Ressourcen fahrlässig vernichtet. Noch schlimmer ist es, wenn der Plastikmüll in der Natur landet. Laut Studien gelangen in Deutschland jährlich knapp 500.000 Tonnen Plastikmüll in die Natur. Über einen langen Zeitraum hinweg entsteht dadurch sogenanntes Mikroplastik, das sich dann in den Weltmeeren ablagert und über Meerestiere in unsere Nahrungskette gelangt. Zum einen werden dadurch unsere Natur und Tierwelt stark gefährdet, zum anderen wird Mikroplastik auch vom menschlichen Körper aufgenommen und kann sich ablagern, was nicht nur eklig, sondern auch schädlich ist. Bei unserem MuC verwenden wir deshalb besonders hochwertige Materialien, die abrieb- und reißfest sind, so dass kein Mikroplastik entsteht.

Eure Falttechnik des Bechers ist einzigartig. Was waren die Hürden in der Entwicklung und gab es einen besonderen Moment, von dem aus alles rund lief? 

Die erste große Herausforderung lag zunächst darin, sich neue Konzepte für mögliche Falttechniken zu überlegen. Ein einfacher Faltmechanismus nach dem Ziehharmonika-Prinzip kam von Anfang an nicht in Frage, da dieses Konzept häufig droht, in sich zusammenzufallen und außerdem keine designtechnische Differenzierung ermöglicht. Gemeinsam mit unserem Designteam hochE aus Nürnberg haben wir also begonnen verschiedene Möglichkeiten und Techniken auszuprobieren und zu evaluieren. Die Schwierigkeit lag dabei vor allem darin, einen Mechanismus zu entwickeln, der eine maximale Komprimierung auf maximal 1/3 der Größe des Bechers ermöglicht und zugleich eine möglichst hohe Stabilität im ausgefalteten Zustand bietet. Schließlich hat sich ein Faltmechanismus durchgesetzt, den wir aus der Origami-Faltkunst abgeleitet haben. Der Becher wird nun mit einem einfachen, aber cleveren Twist eingedreht und hat eine besonders hohe Steifigkeit, wenn man ihn benutzt. Wenn man ihn auspackt, springt der Becher quasi von alleine auf und ist ein echter Hingucker. 

Becher-Modelle

Von der Idee bis hin zum fertigen MuC hat es mehrere Versuche gebraucht (Bild: up2u).

Hauptbestandteile des Bechers sind Silikon und Hartkunststoff. Klingt jetzt erstmal weniger nachhaltig als ein Bambus-Mehrwegbecher. Wieso diese Materialien und wo liegen die Nachhaltigkeitsargumente? 

Wir mussten für unseren faltbaren Mehrwegbecher Materialien wählen, die zum einen robust, aber auch flexibel sind und dennoch kein hohes Gewicht haben. Somit sind viele Materialien und Rohstoffe wie Holz, Bambus oder Metall schon einmal ausgeschieden. Mit Silikon und ABS Hartkunststoff haben wir dennoch nachhaltige Alternativen gefunden – immer vor dem Hintergrund, dass das Produkt häufig verwendet wird und nicht wie ein Einwegbecher direkt im Müll landet. Kunststoff/ Plastik hat heutzutage häufig einen schlechten Ruf, was allerdings auf das viele Einwegplastik zurückzuführen ist, das unsere Umwelt belastet und nicht wieder dem Wertstoffkreislauf zugeführt wird. Hochwertiger Kunststoff wie wir ihn verwenden bietet jedoch viele Vorteile und wird in beinahe allen Lebensbereichen eingesetzt, ist leicht und dennoch robust, absolut lebensmittelecht und geschmacksneutral. Der besonders hochwertige ABS Kunststoff weist eine sehr gute Abriebfestigkeit auf. Damit wirken wir bewusst der Bildung von Mikroplastik entgegen. Außerdem gewährleistet die Stabilität und Robustheit von ABS dem MuC eine lange Lebensdauer und sorgt für den optimalen Halt beim Trinken. Nicht zuletzt ist der verwendete ABS-Kunststoff zu 100% recyclebar und BPA-frei. Silikon ist ebenfalls sehr langlebig, reißfest und UV-beständig und gewährleistet somit eine lange Lebensdauer des MuC. Die Produktion von Silikon kommt anders als die meisten anderen Kunststoffe ohne Erdöl aus. Hauptbestandteil ist Silizium, welches aus Sand, Sauerstoff, Kohlenstoff und Wasserstoff gewonnen wird. Silikon hält sowohl sehr hohen als auch niedrigen Temperaturen Stand, ist frei von Schadstoffen und kommt ohne Weichmacher aus. Auch das Silikon ist zu 100% recycelbar. Außerdem kommt unser Becher ganz ohne Klebstoffe oder andere Bindemittel aus. Durch einen cleveren Steckmechanismus sind diese überflüssig. Viele Bambusprodukte scheitern genau hieran und enthalten häufig schädliche Stoffe wie Melamin, die zudem dazu führen, dass Produkte nicht mehr biologisch abbaubar sind. Sollte unser MuC dennoch einmal seine Lebensdauer überschreiten, kann er zu 100% recycelt und dem Wertstoffkreislauf wieder zugeführt werden – entsprechend dem Konzept von Cradle to Cradle. 

Welche alternativen Ideen gab es schon vor eurem MuC My useful Cup und welche Gründe sprechen hier für euren Becher? 

Natürlich gibt es auch in unserem Segment einige Wettbewerber und alternative Ideen. Erstens wären da Pfandsysteme für Becher. Dabei erhält man sein Getränk in einem Hartplastikbecher und bezahlt 1€ Pfand für den Becher. Nach dem Konsum kann man dann den Becher bei allen teilnehmenden Gastronomiebetrieben abgeben. Es handelt sich hierbei zwar um eine nachhaltige Lösung, mit der allerdings einige Nachteile verbunden sind. Oftmals ist bei 1€ Pfand der Anreiz nicht groß genug, den Becher zurückzubringen, sodass er doch im Müll landet. Zusätzlich ist dieses System mit Mehraufwand für den Kunden verbunden, da man nach dem Konsum einen weiteren teilnehmenden Store aufsuchen muss. Häufig kommt es dann vor, dass man ausgerechnet in diesem Moment keinen findet und den Becher mit sich führen muss, ohne dass man ihn verstauen kann, da er sperrig ist und keinen verschließbaren Deckel hat. Es gibt zwar Deckel, allerdings müssen diese dann wiederum gekauft werden und können nicht abgegeben werden wir der Becher selbst. Die Vermutung liegt nahe, dass diese Deckel dann auch schnell im Müll landen. Es bleibt also fraglich, ob dieses System tatsächlich so nachhaltig ist. Mit unserem MuC hat man diese Probleme nicht. Nachdem man das To-go-Getränk genossen hat, faltet man den Becher zusammen und steckt ihn einfach in seine Tasche. Über ein mögliches Auslaufen muss man sich dabei keine Gedanken machen, da der MuC tropfdicht verschlossen wird. Zweitens gibt es noch andere faltbare Becher am Markt. Diese setzen aber zumeist auf einen einfachen Ziehharmonika-Faltmechanismus, wodurch der Becher oftmals instabil ist und in sich zusammenfällt. Im Gegensatz dazu setzen wir auf einen an die Origami-Kunst angelehnten Faltmechanismus. Dadurch ist der MuC im ausgefalteten Zustand äußerst stabil und fällt nicht in sich zusammen. Zusätzlich verleiht das Origami-Faltmuster unserem Becher ein einzigartiges und ästhetisches Design, das durch ein Geschmacksmuster geschützt ist. Unsere Kunden sind somit nicht nur nachhaltig, sondern auch stylisch unterwegs. Im Gegensatz zu anderen Wettbewerbsprodukten entwickeln und produzieren wir unseren Becher CO2- und klimaneutral hier in Bayern, um unseren ökologischen Fußabdruck zu minimieren. 

Der faltbare MuC steht nicht alleine für up2u’s Ideen. Welche Produkte sind noch bei euch zu finden? 

Aktuell ist der faltbare MuC unser Hauptprodukt. Zusätzlich verkaufen wir noch thermoisolierte Trinkflaschen aus Edelstahl mit unserem up2u Branding. In Kombination mit unserem Becher bieten wir noch verschiedene Accessoires an. Dazu zählen unsere Hang On Taschen, die wir speziell für den MuC entwickelt haben, um den Transport noch einfacher zu machen. Beispielsweise kann die Tasche mit einem Karabiner an einem Rucksack befestigt werden. Auch unsere Hang On Tasche ist Made in Germany und wird hier per Hand gefertigt. Unser MuC kann auch durch verschiedene Bänder und Farbkombinationen individualisiert werden. Somit ist für jeden Geschmack etwas dabei. 

Welche „einfalt“sreichen Projekte machen up2u in den nächsten Jahren weiter groß? Ist schon was in Planung?

Unser nächstes faltbares Projekt ist bereits angelaufen und soll Ende dieses Jahres auf den Markt kommen. Wir tüfteln an einer faltbaren Lunchbox mit der unsere Kunden problemlos ihre Lunchpakete mit zur Arbeit nehmen oder ihre Speisen beim Imbiss ums Eck abholen können, ohne dabei auf umweltschädliche Einwegboxen zurückgreifen müssen. Die Lunchbox wird sich perfekt in unser aktuelles Produktportfolio eingliedern, wodurch wir unserer Vorstellung von einem Ökosystem aus nachhaltigen und innovativen Produkten und Dienstleistungen wieder einen Schritt näherkommen. Beide Produkte können dann problemlos gemeinsam genutzt werden und sind dadurch natürlich auch optisch ein absoluter Hingucker. Zudem arbeiten wir an einer Smartphone App, um weitere Anreize zur Nutzung von nachhaltigen Mehrwegprodukten zu schaffen. Es sind auch verschiedene Service-Dienstleistungen in Planung. Hierzu können wir gerade aber leider noch nicht vielmehr verraten

Vielen Dank für das Interview, Christian!

Dir schwebt nun auch noch eine Frage im Kopf herum, die du gerne an up2u stellen möchtest?

Dann schreib sie in die Kommentare  wir freuen uns auf den Austausch mit dir! 

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