Grüne Wirtschaft

Weg vom Einwegprodukt, hin zu Bambus

INTERVIEW | Einweggeschirr aus Plastik war gestern. Heute ist Bambus angesagt. Nachhaltig, biologisch abbaubar und Reduzierung der Abholzung heimischer Hölzer.

INTERVIEW | Einweggeschirr aus Plastik war gestern. Heute ist Bambus angesagt. Nachhaltig, biologisch abbaubar und Reduzierung der Abholzung heimischer Hölzer.

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01.07.2020 | Ein Interview geführt von Jessica Diedenhofen

Unsere Ressourcen werden knapper und die Meere immer mehr von Plastik vermüllt, da dieser nicht biologisch abbaubar ist. Um dem Plastikkonsum zu entkommen und unsere einheimischen Hölzer zu schützen ist Bambus die beste Lösung. Dieser wächst sehr schnell und ist zudem biologisch abbaubar und somit schonend zu unserer Umwelt. Wir haben uns mit Claudia Blechschmidt von deinbambuswald.de über ihr Bambussortiment unterhalten.

LifeVERDE: Frau Blechschmidt, bitte stellen Sie uns deinbambuswald.de einmal vor.

Claudia Blechschmidt: Deinbambuswald.de ist ein Onlineshop für nachhaltige Produkte. Der Großteil unseres Sortiments besteht aus Bambusprodukten, wie zum Beispiel der klassischen Bambuszahnbürste oder Schneidebrettern aus Bambus. Wir haben das Bambussortiment allerdings sinnvoll um weitere nachhaltige Nicht-Bambus-Produkte wie Bienenwachstücher oder Glasstrohhalme ergänzt, um unseren Kunden eine bessere und größere Auswahl anzubieten.

Wie kann der Kunde/die Kundin mit Ihren Produkten seinen/ihren Beitrag zum Umweltschutz leisten?

Immer mehr Menschen werden sich bewusst, dass diese Plastikflut auf Dauer keine Option für unseren Planeten ist, lange haben bei vielen Produkten aber Alternativen gefehlt. Und da setzen wir an. Wir bieten herkömmliche Produkte in einer nachhaltigen Version an, so kann der Kunde quasi im Vorbeigehen seinen Beitrag zum Umweltschutz leisten.

Wie wird bei Ihnen die Thematik der Nachhaltigkeit angegangen?

Nachhaltigkeit spielt für uns eine sehr große Rolle und wir versuchen, so nachhaltig wie nur irgendwie möglich durchs Leben zu gehen und dabei andere ebenfalls zu mehr Nachhaltigkeit zu inspirieren. Wichtig ist uns aber auch, dass das eben ein Prozess ist und niemand von heute auf morgen 100% nachhaltig sein kann, falls das denn überhaupt möglich ist. An vielen Stellen fehlen ja leider tatsächlich noch die Alternativen oder sie sind so umständlich, dass es kaum zumutbar ist. Wir versuchen deshalb auch vor allem mit Kleinstbeiträgen Mut zu machen und andere dazu zu ermuntern, ihren Beitrag zu leisten. Dabei gehen wir hoffentlich mit gutem Beispiel voran. Denn wenn jeder anfängt, ein bisschen mehr Rücksicht auf die Umwelt zu nehmen, ist uns allen geholfen.

Welche Vorteile hat Bambus gegenüber herkömmlichen Hauptressourcen für Alltagsprodukte?

Bambus hat zwei wesentliche Vorteile gegenüber den beiden Hauptressourcen, die wir dadurch ersetzen wollen. Was einem in der Regel sofort in den Sinn kommt, ist der Vorteil gegenüber Plastik. Plastik braucht Jahrhunderte, um abgebaut zu werden und wenn es in der Umwelt landet, belastet es diese nicht nur, es fordert auch noch viele tierische Opfer, besonders im Meer. Bambus dagegen ist biologisch abbaubar und daher kein Problem für die Umwelt. Unsere Wattestäbchen zum Beispiel können ganz einfach im Biomüll entsorgt werden. Bambus ist aber nicht nur umweltfreundlicher als Plastik, es ist auch nachhaltiger als Holz, da es unglaublich schnell wächst. Durch die Nutzung von Bambus können wir also auch die Abholzung heimischer Hölzer vermeiden und unsere Wälder unversehrt lassen. Ein wichtiger Punkt, da wir sie gar nicht so schnell wieder aufforsten können, wie wir sie abholzen. Was logisch ist, wenn man bedenkt, wie lange ein Baum braucht, bis er groß ist.

In welchem Preissegment sind Ihre Produkte angesiedelt? Welche Rolle nimmt dabei das Thema Preis bei Ihnen ein?

Ich würde uns im mittleren Preissegment ansiedeln. Nachhaltige Produkte sind immer etwas teurer als die herkömmlichen Einwegprodukte. Was viele dabei vergessen ist, dass wir den Preis für die Billigprodukte doch irgendwann bezahlen müssen. Sei es nun, weil wir die Umwelt kaputt machen, oder weil wir uns durch die Nutzung von Billigprodukten – meist unbewusst und ungewollt - an der Ausbeutung von Menschen beteiligen, die diese Produkte zu Billigstlöhnen produzieren, was irgendwann immer wieder zu uns zurückkommt. Als Verkäufer versuchen wir hier mehreren Parteien gerecht zu werden und wollen selbstverständlich nicht, dass nachhaltige Produkte ein Luxusgut sind. Unsere Preise sind daher fair für alle Beteiligten, sowohl für die Produzenten und deren Mitarbeiter als auch für die Kunden.

Woher beziehen Sie Ihre Rohstoffe?

Wir beziehen unsere Rohstoffe hauptsächlich aus China, denn dort wächst der Bambus.

Uns ist bewusst, dass China oft für seine geringen Umwelt- und Sozialstandards kritisiert wird. Der Anbau von Bambus erfolgt hier allerdings größtenteils kleinbäuerlich. Industrialisiert ist dieser Prozess zumeist noch nicht. Damit bietet Bambus gerade den vielen Bauern eine gute, alternative Einnahmequelle. Neben dem Anbau des Rohstoffs verarbeiten zudem oftmals viele kleinere und größere Unternehmen in China den Bambus zu den diversen Bambusendprodukten. Innerhalb dieser Unternehmen wird dabei zunehmend auf höhere Umwelt- und Sozialstandards Wert gelegt, wenn auch hier sicherlich noch Verbesserungspotenzial schlummert.

Welche aktuellen Trends und Entwicklungen finden Sie im Bereich der Bambusprodukte besonders spannend bzw. interessant?

Es ist schön zu sehen, dass die Menschen immer mehr darauf achten, woher die Produkte kommen, woraus sie bestehen und wie sie produziert werden. Viele neue nachhaltige Unternehmen in den verschiedensten Bereichen zeigen, dass es auch anders geht und viele Konsumenten sind mittlerweile bereit, für nachhaltige Produkte und faire Arbeitsbedingungen ein bisschen mehr zu bezahlen. Das ist eine wirklich schöne Entwicklung und ich hoffe, dass das erst der Anfang des Trends ist.

Welche Bedingungen würden Sie in der Bambus-Branche gerne ändern, damit alles noch nachhaltiger ablaufen könnte?

Schön wäre es natürlich, wenn der Bambus in Europa wachsen würde, aber darauf haben wir leiden keinen Einfluss. Dennoch erscheint es uns besser, ein nachhaltiges Produkt zu importieren, als ein Einwegprodukt aus Plastik. Für das Geschirr würde ich mir wünschen, dass es bald eine Alternative für Melamin gibt. Unser Geschirr besteht aus Bambusfasern, Maisstärke und Melaminharz, wodurch es zwar immer noch besser ist als herkömmliches Plastikgeschirr, aber eben noch nicht 100% nachhaltig. Wir prüfen hier momentan Alternativen und sind zuversichtlich, zukünftig auch in diesem Bereich weitere Produkte anbieten zu können.

Dürfen sich die Kunden und Kundinnen von deinbambuswald.de auf Produktneuheiten freuen?

Es wird demnächst weitere Vorratsbehälter geben, diesmal aus Glas mit Bambusdeckel. Darüber hinaus wollen wir auch das Möbelsortiment ausweiten, vor allem in der Kategorie Badezimmer können unsere Kunden hier gespannt sein.

Lies auch:  Diese Bambus-Fahrräder haben Style und sind nachhaltig

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