Grüne Wirtschaft

Ökopflaster von Ehl – Nachhaltiger Betonboden zum Schutz des Wasserkreislaufs

INTERVIEW | Regenwasser sollte immer abfließen können. Mit Öko-Pflastersteinen kann man einen geraden Untergrund bauen, bei dem Wasser zurück ins Grundwasser gelangt.

INTERVIEW | Regenwasser sollte immer abfließen können. Mit Öko-Pflastersteinen kann man einen geraden Untergrund bauen, bei dem Wasser zurück ins Grundwasser gelangt.

04.04.2022 | Ein Interview geführt von Laura Hampel | Bild: Ehl

Weltweit gibt es immer mehr Flächenversiegelung. Große Parkplätze, Straßennetze und Industriegebiete sorgen dafür, dass Grünflächen schwinden. Kritisch wird das, wenn Regenwasser nicht mehr richtig abfließen kann. Wenn z.B. Parkplatzboden nicht versickerungsfähig ist, führt das dazu, dass Kanalisationen bei Starkregen überfüllt sind und der Boden darunter insgesamt trockener wird. Um eine nachhaltige Alternative für Terrassen und Garageneinfahrten zu schaffen, gibt es Öko-Pflastersteine.

Ehl stellt solche Ökopflaster her. Im Interview haben wir das Unternehmen gefragt, was genau der Unterschied zu herkömmlichen Pflastersteinen ist und was die die Einsatzbereiche der nach nachhaltigen Betonsteine sind.

 

LifeVERDE: Flächenversiegelung durch Beton wird in Verbindung zum Schutz des Wasserkreislaufs kritisiert. Wie kann man Flächenversiegelungen verhindern?

Marco: Flächen lassen sich ganz einfach mit einem Ökopflaster entsiegeln. So bleibt die Fläche weiterhin stabil und befahrbar und fördert gleichzeitig die natürliche Anreicherung des Grundwassers.

 

Euer Unternehmen ist bereits über 40 Jahre alt. Seit wann hat das Thema Nachhaltigkeit bei euch eine größere Rolle eingenommen?

Wir beschäftigen uns bereits seit einigen Jahren mit nachhaltigen Themen. So werden jedes Jahr neue, strengere Ziele gesetzt und ein interner Report erstellt. Gleichzeitig arbeiten wir gemeinsam mit unseren Schwesterunternehmen in Europa und in Nordamerika kontinuierlich an neuen Methoden, um CO2-Emissionen weiter zu reduzieren. So profitieren wir vom interdisziplinären Wissen und den langjährigen Erfahrungen von mehreren Unternehmen aus den verschiedensten Ländern. 

Beton als Untergrund hat viele Vorteile (Bild: Ehl).
 

Warum setzt ihr auf Betonstein-Untergrund? Welche Vorteile bietet Beton?

  1. Robustheit und Langlebigkeit von Beton

Betonsteine gehören zu den robustesten, stabilsten und langlebigsten Alternativen der Bodenbeläge im Außenbereich. Er ist hitzebeständig, mit modernen Hydrophobiermitteln frostsicher, unempfindlich gegen Kratzer und dazu sehr belastbar. So sind Betonsteine ab einer Dicke von 6 cm und bei richtiger Verlegung in der Regel von bereiften Fahrzeugen befahrbar. 

  1. Rutschhemmung

Mit einer leicht rauen Oberfläche sind Betonsteine besonders rutschfest – selbst bei leichter Nässe. Da Wasser verglichen mit anderen Materialien wie Keramik oder den meisten Natursteinen schnell versickert, entstehen keine Pfützen auf der Oberfläche. So besteht auf einem Betonsteinpflaster weniger Rutschgefahr. 

  1. Lebendige Formen und Farben

Beton ist vielseitig. Er lässt sich in viele verschiedene Farben und Formen zaubern und überrascht dabei jedes Mal neu. So sind Betonsteine in Holz- oder Natursteinoptik visuell kaum noch von ihren Vorlagen zu unterscheiden.

  1. Zeitlosigkeit und Kombinationsmöglichkeiten

Beton hat kein Alter. Das zeitlose Material fasziniert über Generationen hinweg und bleibt vielseitig kombinierbar. So harmoniert es perfekt mit Stoffen wie Holz, Metall, Schiefer oder Wasser, sowie in Grünanlagen mit Pflanzen, Beeten und weitläufigen Rasenflächen. 

  1. Schnelle Verfügbarkeit und Preis

Betonsteine können relativ schnell und in großen Mengen produziert werden. So profitieren Sie als Kunde von kurzen Wartezeiten und günstigen Preisen.

  1. Nachhaltigkeit

Betonsteine sind regionale Produkte. Der Großteil der Rohstoffe wird aus der direkten Umgebung des Werks bezogen und dort verarbeitet. So bleiben Transportwege besonders kurz und umweltfreundlich. Dank ihrer besonderen Robustheit kann man mit Betonsteinen langfristig und nachhaltig planen. Dabei bleibt Beton recyclebar und kann in Teilen wiederverwertet werden. 

  1. Einheitliches Bild

Betonsteine werden exakt nach Maß gefertigt und sehen aus wie aus einem Guss. So erstrahlen die Steine nicht nur in einem einheitlichen Farbbild, sondern passen auch an Größen, Formaten und Formen perfekt zueinander. So klappt die Verlegung der Steine stressfrei und genau nach Plan. 

  1. Frostsicherheit

Betonsteine, die mit Massehydrophobierungsmitteln hergestellt werden, können weniger Wasser aufnehmen verglichen mit anderen Betonsteinen. So ist die Oberfläche wasserabweisend und lässt gleichzeitig genug Wasser durch, um Pfützenbildungen zu vermeiden. Das hat zwei Vorteile: Wasser und Tausalz können nur bis zu einem bestimmten Grad in den Stein eindringen und haben so keine Möglichkeit, ihn von innen zu beschädigen (= erhöhte Frost-Tausalz-Beständigkeit). Dadurch, dass sich keine Wasserschicht auf der Oberfläche bilden kann, wird außerdem Glatteis vermieden.

 

Was macht eure Ökopflaster nachhaltiger als herkömmliche Pflastersteine?

Der größte Vorteil eines Ökopflasters ist die Kombination aus einer wasserdurchlässigen und gleichzeitig besonders stabilen Fläche. Die Fläche ist so nicht nur begehbar, rutschhemmend und befahrbar, sondern beugt auch Überschwemmungen und Wasserschäden vor. Das natürliche Versickern von auftretendem Wasser entlastet die öffentliche Kanalisation und verbessert das Klima direkt in Bodennähe.

Eine wasserdurchlässige, also eine entsiegelte Fläche unterstützt so eine umweltfreundliche Umgebung. Das ist auch der Grund, warum viele Kommunen inzwischen Abwasser- bzw. Niederschlagskosten für entsiegelte Fläche erstatten.

Alle EHL Ökopflaster wurden auf Ihre Wasserdurchlässigkeit in der verlegten Fläche geprüft und die Mindestanforderungen der Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen weit überschritten. So gibt es für all unsere Ökopflaster Prüfzeugnisse, die eine Versickerungsleistung von mindestens 270l/(s x ha) belegen.

 

Für welche Bereiche sind die Ökopflaster als Untergrund geeignet?

Unter den richtigen Voraussetzungen sind Ökopflaster eine gute Wahl für den heimischen Garten und die Terrasse, für gepflasterte Hofflächen, PKW-Parkplätze und Fuß- und Radwege.

Es sollte KEIN Ökopflaster verbaut werden wenn:

  1. Der Untergrund nicht wasserdurchlässig genug ist. Das kann mit einem einfach Bodentest geprüft werden.
  2. Sich die Fläche im Wasserschutzgebiet befindet.
  3. Die Fläche mit Schadstoffen in Berührung kommt (z.B. stark belastete Verkehrsflächen) und das abfließende Wasser das Grundwasser verschmutzen könnte.

 

Wie funktioniert das Verlegen der Pflastersteine auf umweltfreundliche Art und Weise?

Beim Bau einer Ökofläche geht man wie folgt vor:

  1. Die Wasserdurchlässigkeit des Bodens wird mit Hilfe eines Bodentests geprüft. Den gibt es auf unserer Website.
  2. Danach wird eine geeignete Tragschicht mit ausreichend wasserdurchlässigem Material verlegt. Eine geeignete Tragschicht ist z.B. ein Baustoffgemisch im grobkörnigen Bereich (0/32-0/45 mm). Das Material wird in Lagen von etwa 15 cm eingebaut und bis zur Standfestigkeit verdichtet. Als ausreichend wasserdurchlässig gilt ein Material, wenn es einen Durchlässigkeitswert (k) von mindestens 5,4 x 10-5 m/s aufweist. Wir empfehlen außerdem ein Gemisch aus natürlichen Gesteinskörnungen (rein mineralischer Herkunft). Wenn man sich für eine industriell hergestellte oder rezyklierte Körnungen entscheidet, sollte man vorab prüfen, ob das Material für versickerungsfähige Pflasterflächen geeignet ist.
  3. Anschließend sollte man das Oberflächengefälle prüfen. Die Tragschicht sollte ein Mindestgefälle von 1 % aufweisen (= 1 cm Gefälle auf 1m). Ab 5 – 7 % Gefälle findet gar keine Versickerung mehr statt, da hier das Regenwasser zu schnell abfließt.
  4. Auf die Tragschicht kommt nun eine Ausgleichschicht aus Splitt mit groben Gesteinskörnungen von z. B. 1/3, 2/4 oder 2/5 mm. Für eine wirkungsvolle Versickerung in Ihrer Pflasterfläche empfehlen wir, die im EHL-Prüfzeugnis des ausgewählten Pflasters erwähnte Körnung zu verwenden. Dabei gilt: Die jeweils untere Schicht sollte Wasser schneller versickern lassen können als die nächsthöhere Schicht (inklusive des Fugenmaterials). Nur so fließt das Wasser ganz normal ab, ohne, dass es sich aufstaut.
  5. Jetzt wird der gewünschte Belag verlegt. Der Abstand der empfohlenen Fugenbreiten sollte unbedingt eingehalten werden. Das gelingt besonders gut mit Dränpflaster, der hat nämlich einen integrierten Abstandhalter. Sobald der Boden verlegt ist, sollte die Verschmutzung der Oberfläche unbedingt vermieden werden und fertige Abschnitte vor Bauschutt, Erde etc. geschützt werden. 
  6. Zum Schluss werden die Fugen mit dem geeigneten Fugenmaterial gefüllt und die Fläche abgerüttelt. Das verwendete Fugenmaterial darf auf keinen Fall 0-Korn (Feinanteile kleiner als 1 mm Durchmesser) enthalten. Die Wasserdurchlässigkeit des Pflasterbelages sowie der Fugen wird sonst stark gemindert. 

 

Kommt es bei den ökologischen Betonsteinen zu höheren Kosten als bei herkömmlichen Betonsteinen? Wenn ja, wie kommt der höhere Preis zustande?

Ökopflaster kostet nicht mehr als herkömmliche Betonsteine. Lediglich die Form der Steine und ihre Verlegung sind anders. Dadurch entstehen keine extra Kosten.


Ökopflaster verursacht keine höheren Kosten als herkömmliche Betonsteine (Bild: Ehl).

 

Was wollt ihr in Zukunft verändern, um noch nachhaltiger zu agieren? 

  1. Weniger Zement

Wir experimentieren schon seit einiger Zeit mit alternativen Rohstoffen, um den Zementanteil im Betonstein zu reduzieren ohne Stabilität und Robustheit zu verlieren. Damit lassen sich weitere CO2-Emissionen einsparen.

  1. Mehr Recyclingbeton

Zusätzlich erhöhen wir jedes Jahr den Anteil an Recycle-Beton in unseren Produkten, um natürliche Ressourcen zu schonen.

  1. Noch kürzere Strecken

Kürzere Transportwege bedeuten gleichzeitig weniger CO2-Emissionen. Das gilt sowohl für die Anlieferung von Rohstoffen als auch für die Lieferung unserer Produkte zu den Gartenbesitzer*innen. So beziehen wir für unsere Produktion vorwiegend regionale Rohstoffe und liefern unsere Produkte vom nächstgelegenen Werk aus. Dank der flächendeckenden Verteilung unserer Standorte in ganz Deutschland bleiben Transportwege so kurz wie möglich.

 

Vielen Dank für das Interview Marco!

Dir schwebt nun auch noch eine Frage im Kopf herum, die du gerne an Ehl stellen möchtest?

Dann schreib sie in die Kommentare - wir freuen uns auf den Austausch mit dir! 

 

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