Grüne Wirtschaft

Möbel im Einklang mit der Natur

INTERVIEW | Langlebigkeit, hochwertige Handwerksqualität und Naturverbundenheit – in diesem Beitrag lernst du Möbelstücke kennen, die diese Kriterien erfüllen und die Natur in deine vier Wände holen.

INTERVIEW | Langlebigkeit, hochwertige Handwerksqualität und Naturverbundenheit – in diesem Beitrag lernst du Möbelstücke kennen, die diese Kriterien erfüllen und die Natur in deine vier Wände holen.

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06.07.2020 | Ein Interview geführt von Deborah Iber

Natürlichkeit und Langlebigkeit stehen bei den Möbeln von ZEITRAUM im Vordergrund. Die nachhaltigen Möbelstücke zeichnen sich außerdem durch ihr modernes, charakteristisches Design aus. Im Interview mit Tim Köhnken, Nachhaltigkeitsmanager von ZEITRAUM, erhältst du interessante Einblicke in das Unternehmen und erfährst, wie das Nachhaltigkeitsversprechen dort umgesetzt wird.
 

LifeVERDE: Herr Köhnken, bitte stellen Sie uns Zeitraum einmal kurz vor.

TIM KÖHNKEN: ZEITRAUM ist ein familiengeführtes Unternehmen und im bayrischen Voralpenland zuhause. Diese Region war schon immer stark geprägt durch den respektvollen Umgang mit natürlichen Ressourcen und dem Streben nach handwerklicher Perfektion. Ausgehend von diesen Werten wurde ZEITRAUM 1990 unter der Prämisse gegründet, Qualität, Design und Nachhaltigkeit stets Hand in Hand gehen zu lassen. Es war von Beginn an das Ziel, Möbel herzustellen, die über Generationen hinweg ihre Funktion erfüllen und dabei im Einklang mit der Natur stehen.
 

Der bewusste Umgang mit den Ressourcen sowie die Reinheit der Materialien stehen bei Zeitraum-Möbeln im Vordergrund. Wie setzen Sie diese Werte um?

Nachhaltigkeit ist tief in der Unternehmensstrategie von ZEITRAUM verankert. Unser Ziel ist es, die Umweltauswirkungen aller Prozesse zu minimieren und dabei höchsten sozialen Ansprüchen zu genügen. Aus diesem Grund verarbeiten wir ausschließlich Laubhölzer aus nachhaltiger Forstwirtschaft und verzichten bewusst auf deren chemische Behandlung. Unsere biologischen Öle bewahren die offenporige Oberfläche des Materials und unterstreichen die Natürlichkeit der Möbel. Der möglichst ressourcensparende Einsatz von Massivholz und die Verwendung von hochmodernen computergesteuerten Verarbeitungstechnologien in Kombination mit klassischer Handarbeit ermöglichen uns eine energie- und ressourceneffiziente Wertschöpfung. Dabei achten wir darauf, dass wir durch raffinierte Holzverbindungen und fachgerechte Verarbeitung der Möbel den Charakter des Holzes herausarbeiten, um so unserem wertvollen Rohstoff gerecht werden zu können.

Jeder Entwurf wird mit einem minimalen Einsatz von Materialien konzipiert und ist eine Hommage an das Pure, die Reinheit des Materials und die Beständigkeit der Form. Aus Überzeugung handeln wir nachhaltig und fühlen uns dem Grundsatz der Reparaturfähigkeit unserer Produkte verpflichtet, weil nur damit deren Langlebigkeit über Generationen hinweg gewährleistet ist.

Wie hat sich Ihr Unternehmen seit der Gründung entwickelt bzw. welche Veränderungen bezüglich der Nachhaltigkeit ergaben sich seit der Gründung?

ZEITRAUM hat sich von Beginn an der Nachhaltigkeit verschrieben. Die unmittelbare Abhängigkeit von der Natur prägte unser Empfinden für Verantwortung und Langfristigkeit. Mit dieser Grundeinstellung Massivholzmöbel in Deutschland herzustellen, erwies sich anfangs als schwierig, aber in unseren Augen als notwendig. Die damaligen Designs waren extravagant und farbenfroh – Massivholzmöbel hingegen eher langweilig und trist. Trotzdem blieb ZEITRAUM seinen Werten bis heute treu. In Sachen Nachhaltigkeit können wir auf lange Jahre Erfahrung zurückgreifen und sind froh, dass dieses wichtige Thema immer mehr an Bedeutung gewinnt.

Natürlich hat sich das Unternehmen in den letzten Jahren weiterentwickelt, um sich auf allen Ebenen der Nachhaltigkeit immer besser und breiter aufzustellen. Dazu ist es uns wichtig diesen Begriff in ganz verschiedenen Bereichen und in all seinen Facetten umzusetzen. Das schaffen wir natürlich durch die Beschaffenheit unserer Möbel, aber insbesondere auch durch die hohen Ansprüche an Sozialverträglichkeit und die absolute Transparenz in der gesamten Wertschöpfung. Wir wollen unseren KundInnen die Möglichkeit geben, unsere Produkte und Abläufe bestmöglich kennenzulernen. Darum haben wir in diesem Jahr den „Furniture Footprint“ in unsere Prozesse und Website integriert. Dabei handelt es sich um ein interaktives Nachhaltigkeitsbewertungssystem von Produkten. Die Bewertungen sind produktspezifisch auf unserer Homepage zu finden. Sie dienen der größtmöglichen Transparenz gegenüber unseren KundInnen und bieten die Möglichkeit zum eigenverantwortlichem Handeln. Außerdem fördert das System die Entwicklung von Produkten sowie der Wertschöpfung im Sinne der Nachhaltigkeit auf ökologischer, sozialer und ökonomischer Ebene (www.zeitraummoebel.de/furniture-footprint).

Außerdem wird eine Vielzahl unserer Produkte im „Flatpack“, einem optimierten Verpackungsmaß durch geeignete modulare Konstruktion transportiert. Das spart bis zu 500% des eigentlichen Transportvolumens und somit letztendlich wertvolle fossile Rohstoffe. Dazu werden unsere Möbel mittlerweile äußerst ressourceneffizient und individuell nach Maß durch Maschinen verpackt. Zusätzlich hat in diesem Jahr eine Umstellung unserer Verpackungsmaterialien stattgefunden. Ziel dabei war es, alle Kunststoff-Materialien mit Recycling- oder biologisch abbaubaren Alternativen zu ersetzen. Für den Outlet-Verkauf verwenden wir, soweit es uns möglich ist, Verpackungsmaterialien mehrfach.

Auch der Blick über den Tellerrand hinaus ist uns sehr wichtig. Um das globale Wachstum des Waldes zu fördern und die Umweltwirkungen unserer Prozesse weiter zu senken, haben wir uns in diesem Jahr entschieden gemeinsam mit OroVerde partnerschaftlich Bäume zu pflanzen. So erreichen wir einen ökologischen, ökonomischen und sozialen Mehrwert, denn OroVerde setzt sich nicht allein für die Aufforstung der Wälder ein, sondern stoppt auch deren Zerstörung, richtet Schutzgebiete ein, fördert nachhaltige Landwirtschaft und sorgt für entsprechende lokale Bildungsmaßnahmen.

Welche Maßnahmen wir noch ergreifen, kann man in unserem Nachhaltigkeitsbericht oder auf unserem Blog online einsehen.
 

All Ihre Möbelstücke werden in Produktionsbetrieben in Süddeutschland gefertigt. Welche Vorteile bietet die regionale Produktion?

Durch die regionale Produktion können wir unsere Transportwege kurzhalten und durch die jahrzehntelange Zusammenarbeit sind unsere Prozesse bis ins letzte Detail stark vereinfacht. Wir arbeiten sehr eng mit unseren Herstellungsbetrieben zusammen. Das gemeinsame Wachstum verbindet uns – Wir optimieren Prozesse, schützen die Umwelt und pflegen den respektvollen Umgang miteinander. Das erlaubt uns absolut transparent und effizient zu arbeiten. Gemeinsam können wir jede Idee und Vision angemessen umsetzen.  Auch Trotz globalem Vertrieb und hohem Preisdruck möchten wir in Zukunft weiterhin lokal herstellen. Wir setzen auf unsere langen Partnerschaften, wollen uns unserer sozialen Verantwortung stellen und möchten traditionelles Handwerk in unserer Region und darüber hinaus fördern. Dabei steht für uns immer der verantwortungsvolle Umgang mit Mensch und Natur im Vordergrund.
 

Massivholz macht den Großteil Ihrer Möbel aus. Was macht das Material zu einer nachhaltigen Alternative?

Massivholz ist ein außergewöhnlicher Rohstoff. Durch die Herstellung von langlebigen, modular gestalteten Möbeln aus Holz können wir die Umweltwirkung ausgehend von den von uns verwendeten Materialien stark reduzieren und sogar einen positiven Effekt auf unsere Umwelt erzielen. Holz ist nicht nur ein nachwachsender Rohstoff mit hohem Kreislaufpotenzial und wirkt sich positiv auf unser menschliches Wohlbefinden aus, es ist auch ein äußerst wirksamer Kohlenstoffspeicher und damit bedeutend für den Kampf gegen den Klimawandel. Für unsere Produktion beziehen wir ausschließlich Holz aus nachhaltiger, zertifizierter Forstwirtschaft. So können wir garantieren, dass trotz Holzentnahme der Wald und somit seine CO₂-senkende Wirkung wächst. Doch auch das Holz in unseren Möbeln enthält gespeicherten Kohlenstoff – in einem Kubikmeter Holz sind zirka 250 kg Kohlenstoff. Das entspricht ungefähr 1 t CO₂. Zum Vergleich: Ein modernes Kraftfahrzeug emittiert etwa 1,5 Tonnen CO₂ im Jahr. Damit speichert Holz mehr CO₂ als bei der gesamten Wertschöpfungskette unserer Möbelherstellung emittiert. Auch die im Holz enthaltene Energie ist ausgesprochen hoch. So hoch, dass bei einer möglichen thermischen Verwertung des Holzes mehr Energie entsteht, als für die gesamte Herstellung des Möbels gebraucht wurde. Darüber hinaus ist es ein sehr leichter Werkstoff und birgt eine außergewöhnlich hohe Reparaturfähigkeit. 

Die Verwendung von Holz in Möbeln bedeutet also aktiver Klimaschutz. Es ist ein natürlich nachwachsender Rohstoff, wirksamer Kohlenstoffspeicher, Energieträger, wiederwerwendbar und wirkt sich positiv auf ein gesundes Innenraumklima aus.
 

Welche weiteren umweltfreundlichen Materialien werden für Ihre Möbel verwendet?

Grundsätzlich achten wir sehr darauf, dass die von uns verwendeten Materialien weder dem Menschen, noch der Umwelt schaden. Um das zu tun haben wir, wie bereits erwähnt, in diesem Jahr den „Furniture Footprint“ in unsere Prozesse integriert.

Insgesamt arbeiten wir fast ausschließlich mit umweltfreundlichen Produkten. Das reicht von vegetabil (pflanzlich) gegerbtem Leder, über Naturlatexmatratzen bis hin zu Baumwolle aus kontrolliert biologischem Anbau.  Die Öle, die wir verwenden, basieren weitestgehend auf natürlichen Rohstoffen und sind nach vollständigem Aushärten sogar biologisch abbaubar. Aber auch die meisten anderen Materialien sind natürlicher Herkunft. Viele Bezugsstoffe die wir verwenden, bestehen zu nahezu 100 % aus Schurwolle oder stammen bereits aus einem Recyclingprozess. Wir bieten beispielsweise Bezugsstoffe an, die aus PET-Flaschen gefertigt wurden. Außerdem verwenden wir sogenannte „HolzKunststoff-Verbundwerkstoffe“ als Ersatz zu herkömmlichen Kunststoffen für Stapelpuffer beim OKITO. 

Bei ZEITRAUM besteht die Überzeugung, dass alle Materialien und Koppelprodukte wertvolle Ressourcen sind, die wiederverwendet werden müssen. Das Unternehmen prüft daher alle Produkte auf ihr Kreislaufwirtschaftspotential, den ökologischen Fußabdruck und handelt nach der internen Umweltstrategie.
 

Uns interessiert auch der Produktionsprozess bei Zeitraum. Schildern Sie uns einmal den Vorgang vom „Baum im Wald“ bis zum „nachhaltigen Stuhl“.

Der Produktionsprozess hängt immer stark vom späteren Möbel ab. Wir bieten überwiegend reine Massivholz-Stühle an. In unserem Sortiment gibt es aber auch Produkte mit „Formholz“-Elementen – Formholz ist gebogenes Furnierschichtholz, welches oft für Lehnen und Sitzflächen verwendet wird. Außerdem steht die Mehrzahl der Stühle in gepolsterter Variante zur Verfügung. Um einen kurzen Eindruck zu vermitteln, möchte ich mich daher auf einen reinen Massivholz-Stuhl beschränken.

Möbel aus Massivholz zu fertigen, ist eine ganz besondere Herausforderung und fordert nach wie vor viel Handarbeit. Wir verwenden keine Plattenmaterialien, die wir zu Tischen und Stühlen weiterverarbeiten – unsere Möbel bestehen aus miteinander verleimten Holzlamellen, die aus Bohlen herausgesägt werden.

  • Der Weg vom Baum zum fertigen Produkt ist lang und beginnt mit der Auswahl des Rohmaterials, dem Baum. Schon hier ist Vorsicht geboten, denn kleinste Merkmale auf der Rinde des Baumes verraten dem geschulten Auge welche Qualität die späteren Bohlen haben werden. Wenn der richtige Baum gefunden ist, wird er gefällt, entastet und aus dem Wald zum Werk transportiert.
  • Dort wird der Stamm dann in einer sogenannten „Blockbandsäge“ zu Bohlen weiterverarbeitet. Schon hier ist es wichtig zu wissen, was aus diesen Bohlen hergestellt werden soll, denn davon hängt es ab, wie dick sie gesägt werden. Anschließend wird das Rohmaterial gestapelt. Es muss trocknen – je nach Trocknungsverfahren kann das mehrere Jahre dauern. 
  • Nachdem das Holz getrocknet ist und die optimale Holzfeuchte erreicht hat, wird es weiterverarbeitet. Nun werden aus den getrockneten Bohlen die Holzlamellen gesägt. Anders als bei vielen anderen Herstellern verarbeitet ZEITRAUM ganz gezielt auch Holz mit wuchsbedingten Unregelmäßigkeiten, Farbunterschieden, gesund verwachsenden Ästen und Wirbeln, um den natürlichen Charakter des Holzes zu erhalten. Für diesen Arbeitsschritt ist viel Erfahrung nötig, denn das spätere Erscheinungsbild der Sitzfläche und die fachgerechte Herstellung des Gestells ist davon abhängig, wie die Lamellen herausgeschnitten, und zusammengestellt werden.
  • Darauf folgt das Abrichten und Hobeln.  Anschließend können aus den gehobelten Lamellen Stuhlbeine gedrechselt, Zargen gefertigt, Sitzflächen verleimt und Lehnen gefräst oder gebogen werden.
  • Danach werden die aufwendigen Zapfen herausgearbeitet, Dübellöcher gebohrt, Rundungen und Fasen hergestellt und den einzelnen Elementen der letzte Schliff verliehen. Nach weiteren Schleifgängen wird das Stuhlgestell verleimt.
  • Darauf folgt der Feinschliff und die Vergütung der Oberfläche mit natürlichen Ölen. Um eine widerstandsfähige Oberfläche zu erhalten, wird das Öl dabei mehrfach aufgetragen.
  • Sobald es ausgehärtet ist, kann das Möbel verpackt und verschickt werden um dann über Generationen hinweg seine Funktion zu erfüllen.

 
 

Welche Möbelstücke sind bei Ihnen zu finden und welche Besonderheiten haben Sie für die Zukunft geplant?

Die Produktpalette von ZEITRAUM bietet neben Betten, Stühlen, Tischen, Stauraum-, Beistell- und Polstermöbeln auch verschiedene Lampen. Unser Sortiment umfasst etwa 80 Produkte, die jeweils alle individuell konfigurierbar sind. Neben der Holzart ist es möglich, Farbe, Ausführung und Bezugsmaterial frei zu wählen. Wir möchten uns deutlich von kurzlebigen Gütern distanzieren und fühlen uns dem Grundsatz des amerikanischen Architekten, Konstrukteur und Philosophen Richard Buckminster Fuller (1895-1983) verpflichtet, der besagt, dass „man niemals etwas konstruieren sollte, was man nicht reparieren kann“. Auch der Aspekt der Reparaturfähigkeit unserer Möbel begründet deren Langlebigkeit. ZEITRAUM entwickelt, prüft, verwirft, beginnt neu und arbeitet unaufhörlich an der Qualität der Möbel, um dem Wert des Rohstoffes Holz gerecht zu werden. Wir möchten unserer Linie treu bleiben und unsere Produkte noch nachhaltiger gestalten. Dazu wäre es insbesondere wünschenswert für konventionelle Polstermaterialien ökologisch sinnvolle Alternativen mit gleichwertigen Eigenschaften zu finden. Auch in Sachen Modularität sowie im Bereich der steckbaren Verbindungen sehen wir für die Zukunft noch Potenzial.

Bilder: ZEITRAUM

 

Lies auch: Low-Waste Zuhause dank nachhaltiger Möbel

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