Grüne Wirtschaft

Mit nachhaltiger Blumenerde in den Frühling

Interview | Im Interview mit Christian Mauke von Floragard haben wir die Fragen geklärt, welche Blumenerde nachhaltig ist, was nachhaltige Premium-Erden kosten und wo torffreie und Bio-Erde am meisten genutzt wird.

Mit nachhaltiger Bluemerde in den Frühling
Designelement

Interview | Im Interview mit Christian Mauke von Floragard haben wir die Fragen geklärt, welche Blumenerde nachhaltig ist, was nachhaltige Premium-Erden kosten und wo torffreie und Bio-Erde am meisten genutzt wird.

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23.04.2020 l Bilquelle: unsplash

Das Interview haben wir mit Christian Mauke, Leitung Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, von Floragard geführt.

LifeVERDE: Herr Mauke, bitte stellen Sie uns das Unternehmen Floragard einmal kurz vor

CHRISTIAN MAUKE: Seit mehr als 100 Jahren arbeitet die Floragard Vertriebs-GmbH in Oldenburg erfolgreich in der Entwicklung und im Vertrieb von Premium-Blumenerden und Substraten für den Profi-Gartenbau, die für höchste Kultursicherheit und erstklassige Wachstumserfolge stehen. Vertrauen, Erfahrung und Zuverlässigkeit sind die Grundlagen, auf die wir im Verbund mit den über 21 produzierenden Partner- und Gesellschafterwerken bauen. Ein stetig wachsendes Archiv mit über 3000 Rezepturen steht für die individuellen Lösungen und Innovationen, die unsere Mitarbeiter suchen und finden. 

Wofür steht Floragard?

Unser Antrieb sind blühende Gärten, gesunde Pflanzen und weltweit zufriedene Kunden, die darin bestätigt werden, das Beste gewählt zu haben. Zudem sind wir nah am Anwender, sowohl im Gartenbau als auch im Hobby-Garten. Was interessiert die Menschen wirklich, wenn es um Erden geht? Nur wer das weiß, kann neue und ansprechende Verpackungen und innovative Produkte entwickeln, die bei der Zielgruppe auf Begeisterung stoßen.

Erklären Sie unseren Lesern*innen bitte einmal, welche Rolle für Sie das Thema Nachhaltigkeit spielt und wie es sich in Ihrer Arbeit und in Ihrem Angebot widerspiegelt?

Im Bereich unserer Premium-Erden haben wir torffreie und Bio-Erden seit vielen Jahren im Sortiment. Die älteste Floragard Bio-Erde für Hobby-Gärtner gab es bereits vor 20 Jahre Jahren. Und auch im Gartenbau ist besonders im Bereich des Gemüse- und Kräuterbaus der Anteil der Bio-Substrate wachsend. Wir entwickeln derweil unser Sortiment stets weiter. Seit dem Frühjahr 2020 ist unsere neue Bio-Linie auf dem Markt und flächendeckend in den Märkten erhältlich. Vier von sechs Erden aus dieser Linie sind zudem sogar vegan aufgedüngt, d.h. ohne tierische Inhaltsstoffe wie Horn. Diese Erden sind das Ergebnis langjähriger Forschung, allerdings war der Sprung von herkömmlicher Erde zu torffreier in der Entwicklung deutlich aufwendigerer. Unser Anspruch ist: Wir möchten ein Qualitätsprodukt liefern. Der Endverbraucher soll ja seine Pflanzen auch in veganer Erde zuverlässig wachsen sehen. Hier steckt für uns die größere Herausforderung, denn wir möchten unsere selbst ernannten Qualitätskriterien mit allen Erden stets erreichen. Zudem bauen wir den Anteil der regionalen Ausgangsstoffe durch die Erweiterung der Holzfaseranlagen unserer Gesellschafter laufend aus. 

Durch welche Produkteigenschaften würden Sie sagen, sind Ihre nachhaltigen Produkte besser als die konventionellen bzw. was sind Ihre Alleinstellungsmerkmale?

Im Bereich der Blumenerden und Substrate muss man klar sagen: Torf ist und bleibt die leistungsfähigste Ausgangsbasis für unsere Produkte. Mit konventionellen umhüllten Langzeitdüngern erreicht man eine Nährstoffversorgung der Pflanzen für bis zu 9 Monate. Deswegen nehmen konventionelle Produkte weiterhin einen umfangreichen Teil unseres Sortiments ein, im Gartenbau wie im Hobby-Garten. Doch wir sind uns bewusst, dass höher, schneller, weiter nicht für alle Anwender das entscheidende Kriterium ist, sondern sich ein wachsender Teil zu mehr Nachhaltigkeit orientiert und dabei auch gerne Kompromisse in der Anwendung eingeht. Beispielsweise, dass man früher nachdüngen muss oder häufiges Gießen muss. 

Das Alleinstellungsmerkmal ist sicherlich neben den Rezepturen die Gestaltung und die Namensgebung der Produkte. Lecker! Aromatisch! Duftend! Sauer! Vielseitig! Belebend! – das gab es bisher in den Erdenstraßen der Gärtnereien und Gartencentern noch nicht. 

Wir haben einen neuen Ansatz gewählt. Früher war das Sortiment der Bio-Erden sehr umfangreich, es gab beispielsweise eine Tomaten- und Gemüseerde sowie eine Bio-Erde BeerenObst. Mit der neuen Linie haben wir das Sortiment auf das Notwendigste komprimiert. Im Vorfeld haben unsere Gartenbauingenieure festgelegt, welche Anwendung kann ich mit dieser Rezeptur erledigen. So ist z.B. die Bio-Erde Lecker! eine Tomaten- Gemüseerde, Hochbeeterde und eine Beerenerde in einem.

Thema Preis: In welchem Preissegment sind Ihre Produkte angesiedelt und welche Rolle nimmt das Thema Preis bei Ihnen ein?

Im Vergleich zu anderen Blumenerden, beispielsweise aus dem Eingangsbereich von Supermärkten, sind Floragard Produkte in der Regel höherpreisig, sodass man beispielsweise für eine torfreduzierte 10 Liter Blumenerde ca. fünf Euro zahlt. Im Vergleich zum konventionellen Produkt zahlt man für das vegane Bio-Pendant, die Bio-Erde Vielseitig, sechs Euro. 

Reflexartig stellt man sich natürlich die Frage, wie eine konventionelle Erde auf Torfbasis teurer sein kann als eine, die auf alternativen Ausgangsstoffen basiert. Der bereits heute bestehende Wettbewerb um alternative Rohstoffe wird sich mit jedem Prozentpunkt der Torfminderung verstärken. Wenn zum Beispiel das EEG das Verbrennen von nachwachsenden Rohstoffen begünstigt, dann sinkt die Verfügbarkeit. Auch ist der Gedanke weit verbreitet, zum Beispiel Kompost sei „umsonst“. Auch das ist nicht so, denn neben der Verfügbarkeit muss ja auch noch eine bestimmte Qualität erreicht werden – dadurch, dass wir nicht nach dem günstigsten Preis gehen, sondern nach der Kultursicherheit des torffreien Produkts kommt es eben zu den genannten höheren Produktionskosten. Ebenfalls sind die torfreduzierten Produkte auch schwerer, dadurch entstehen höhere Transportkosten

Welchen Platz nimmt das Thema Nachhaltigkeit im Gartenbau allgemein ein und wie spiegelt ihr Sortiment das wider? 

In den Bereichen „torffrei“ oder „Bio“ ist die Nachfrage verhalten, sie spielt eigentlich nur im Kräuteranbau oder bei der Produktion von Gemüse-Jungpflanzen eine Rolle. Viele unserer Profi-Kunden setzen weiterhin auf torfhaltiges beziehungsweise torfreduziertes Substrat. Ob die Nachfrage seitens der Verbraucher irgendwann zum Umdenken animiert, wird die Zukunft zeigen. Ein wichtiger Punkt für den Produzenten ist die Kultursicherheit – und die bietet in erster Linie ein torfhaltiges Substrat. Im Garten- und Landschaftsbau ist zumindest was die Grünflächenpflege der Kommunen betrifft zu erkennen, dass hier stark auf torffreie Substrate gesetzt wird. 

Und welche Bedingungen würden Sie gerne in der Deutschen Wirtschaft ändern, damit alles noch etwas nachhaltiger abläuft?

Weniger bürokratische Hürden würden der Erdenbranche sicher helfen. Alle Beteiligten sich einig, dass Qualität und Verfügbarkeit von alternativen Rohstoffen gesichert und ausgebaut werden müssen. Seit 2013 strebt unser Gesellschafterwerk Moorkultur Ramsloh den Bau eines eigenen Kompostwerks an. Dort soll Grünschnittkompost, gespeist durch die Pflege der renaturierten ehemaligen Torfabbauflächen, produziert werden. Qualität, die man in eigener Hand hat – weitgehend frei von Mikroplastik aus öffentlichem Grün. Alle Parteien waren sich von Anfang an einig, dass es sich um ein gutes Projekt handelt – doch die Mühlen der Bürokratie mahlen so langsam, dass es bis heute nicht zum Bau des Kompostwerks gekommen ist. Angesichts dieser Realitäten täte ein offener, sachlicher Diskus zwischen Handel, Erdenbranche, Gartenbau-Produzenten, Politik und NGOs gut. 

Auf welche Produktneuheiten dürfen sich Ihre Kunden in der nächsten Zeit freuen?

Mittelfristig werden wir den Torfanteil in den konventionellen Erden der Floragard Vertriebs-GmbH weiter senken und bei der Auswahl verstärkt auf regionale alternative Rohstoffe setzen. Weiterhin sind wir dabei, nachhaltigere Lösungen für den immer stärker werdenden Onlinehandel zu entwickeln.

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