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Lasst uns Fair Together sein – Faires Kunsthandwerk aus Bali

INTERVIEW I Eine Reise nach Bali ist derzeit nicht möglich. Mit dem traditionellen Kunsthandwerk von Fair Together kannst du die indonesische Kultur zu dir nach Hause holen.

Hol dir Bali nach Hause
Designelement

INTERVIEW I Eine Reise nach Bali ist derzeit nicht möglich. Mit dem traditionellen Kunsthandwerk von Fair Together kannst du die indonesische Kultur zu dir nach Hause holen.

22.04.2021 I Ein Interview geführt von Dorothea Meyer I Bilder: Unsplash, Fair Together

Wer schon einmal nach Indonesien gereist ist, kennt die traditionelle Handwerkskunst aus Naturmaterialien wie Bambus, Kokosnuss oder Gräsern. Den Anblick der nachhaltigen Schalen, Bretter, Schüsseln & Co. können wir aufgrund der derzeitigen Corona Situation nicht vor Ort genießen. Die Marke Fair Together macht es aber möglich, das traditionelle Handwerk und die Kunst Indonesiens nach Deutschland zu bringen. In enger Zusammenarbeit mit indonesischen Künstler*innen entstehen auf Bali unter fairen Bedingungen nachhaltige Produkte für den alltäglichen Gebrauch.

Wie läuft die Zusammenarbeit mit den Künstler*innen aus Bali und Fair Together genau ab? Wie entstand die Idee, Handwerk und Design aus Indonesien nach Deutschland zu bringen und wie nachhaltig und fair ist das Ganze wirklich? Dem und mehr sind wir mit Gründerin Claudia Radtke auf die Spur gegangen.

LifeVERDE: Claudia, welche Geschichte steckt hinter Fair Together?

Claudia: Vor über 30 Jahren habe ich während meines Dolmetscher-Studiums ein Jahr bei einer balinesischen Familie gelebt und an der Universität Udayana in Denpasar Sastra Indonesia (Kultur, Geschichte und Sprache in Indonesiens) studiert. Meine positiven Erfahrungen, die ich als Anfang 20-Jährige auf Bali gemacht habe, prägen noch heute mein Leben.

Die Entwicklung der nach außen heilen Tourismusbranche sowie die Liebe zu Bali haben mich bewogen, einen Beitrag zu leisten, die Schönheit und Einzigartigkeit Balis zu erhalten.

Hinter Fair Together steht die Idee, Nationen zu verbinden und traditionelles Handwerk sowie Design aus Indonesien nach Deutschland zu bringen.

Welche Produkte bietet Fair Together an und wie kam der Mix zustande? Auf welche Kriterien legst du bei der Produktauswahl Wert?

Alle Produkte werden unter nachhaltigen und fairen Bedingungen auf Bali handgefertigt. Die Materialien sind schnell nachwachsende Rohstoffe, die ohne Zusatzstoffe verarbeitet werden. Unsere Produkte werden aus Naturmaterialien wie Suar Wood, Bambus, Kokosnuss, Rudraksa-Samen, Gräsern etc. hergestellt.

Unsere Produkte sind für den täglichen Gebrauch gedacht, daher bieten wir Schalen, Salatbestecke, Bretter, Türstopper etc. an, die nicht nur dekorativ, sondern auch für Salate, Müsli und Bowls verwendet werden können.

Unsere Produkte sind praktisch und dekorativ, wie zum Beispiel unsere Bambuskörbe, ein 5-teiliges Set, das gut für die Aufbewahrung, aber auch als Deko verwendet werden kann.

Unsere Bali Bags sind zeitlos, haben verschiedene Innenfutter aus Bali-Batik.

Neben Naturmaterialien, werden unsere Produkte auch aus recycelten Materialien hergestellt. Wie zum Beispiel unsere Ketten aus recyceltem Glas.

Zusammengefasst: Alle unsere Produkte sind natürlich, nachhaltig, aber auch dekorativ

Gibt es im Fair Together Sortiment einen Bestseller sowie einen Ladenhüter? Welche sind das?

Bestseller:
Salatbestecke und Müslischalen aus Suarwood mit Bambus-, Kokos- oder Zimteinlagen
Bali Bag in natur

Ladenhüter:
Ketten aus recyceltem Glas, da leider zu schwer, aber da arbeiten wir dran.

Inspiration holst du dir aus Bali. Wie sehen die Handelsbeziehungen für die Produktion und Herstellung deiner Fairtrade Produkte noch aus?

Alle meine Produkte werden ausschließlich auf Bali hergestellt. Durch die langjährige und enge Beziehung mit Bali besteht ein Vertrauensverhältnis, daher konzentriere ich mich bei meinen Handelsbeziehungen nur auf Bali und meinen Partner MITRA BALI

Ihr arbeitet in Partnerschaft mit MITRA BALI. Kannst du uns mehr dazu verraten?

Mit dem Gründer von MITRA BALI Agung Alit und seiner Frau Hani Duarsa verbindet mich eine über 30-jährige Freundschaft. Die Familie von Agung Alit hat mich während meiner Studienzeit auf Bali als ein Familienmitglied aufgenommen.

Mitra Bali wurde im Jahr 1993 gegründet, in einer Zeit, in der Fair Trade und Nachhaltigkeit noch nicht in aller Munde waren. Bis heute habe ich niemanden getroffen, die sich leidenschaftlicher für Fair Trade einsetzen, als Hani und Agung Alit.

Bali ist bekannt für seine Natur, seine Kunst und seine Spiritualität / Hinduismus. Diese Einzigartigkeit wird leider immer mehr durch den wachsenden Tourismus, aber auch durch die Vereinnahmung des Islams, verdrängt. Indonesien ist der weltgrößte Inselstaat mit mehr als 17.000 Inseln und das Land mit der weltweit größten Anzahl von Muslimen. Nur Bali ist noch vom Hinduismus geprägt. Religion und Spiritualität sind die Basis der Balinesischen Kultur und bestimmen das tägliche Leben. Leider ist diese Kultur durch die Vereinnahmung von innen und außen in Gefahr. 

Das Ziel von Mitra Bali ist es, Tradition, Kreativität und den Spirit von Bali zu erhalten und in die Welt zu tragen. Für viele balinesische Handwerker und Künstler ist es schwierig, Zugang zu einem größeren Markt zu finden. Mitra Bali hilft ihnen dabei und entwickelt zusammen mit ihnen Produkte zu fairen Bedingungen.

Mitra Bali liegt auch die Stärkung der Frau am Herzen. Bali ist nach wie vor patriarchalisch geprägt. Durch ihre kunstvollen Arbeiten können Frauen zum Lebensunterhalt beitragen und ermöglichen, dass ihre Kinder zur Schule gehen, ein Familienschrein gebaut werden kann und somit auch die balinesische Kultur erhalten bleibt.

Mitra Bali hat einen Treffpunkt mit angeschlossener Bibliothek für Studenten und junge Menschen geschaffen – Taman Baca. Dort können kostenlos Bücher gelesen werden und es finden Konzerte und Diskussionsrunden statt. Solche Orte sind für uns etwas ganz Normales, aber auf Bali ist dieser Ort einzigartig.

Zusätzlich hat Mitra Bali Projekte zur Rekultivierung initiiert, um die Bevölkerung zu unterstützen und um die Schönheit und Einzigartigkeit Balis zu erhalten.

Welche Einschränkungen musstet ihr mit Fair Together im letzten, von Corona geprägten Jahr erleben und wie geht ihr damit um?

Da alle Messen und Märkte abgesagt worden sind, mussten wir uns auf den Online-Handel konzentrieren. Es fehlt uns der direkte Kontakt mit unseren Kunden. Alle unsere Produkte erzählen eine Geschichte und sind nicht nachhaltig, weil es gerade „in“ ist. Hinter jedem Produkt steht ein Mensch, den ich persönlich kenne.

Durch Corona mussten sich viele Balinesische Künstler*innen anderweitig umschauen und verdingen sich als Tagelöhner um zu überleben. Es gibt keine staatliche Unterstützung. Mitra Bali verteilt monatlich an seine MitarbeiterInnen und KünstlerInnen Reis, Öl, getrocknete Nudeln, Eier, Vitamin C, Handdesinfektionsmittel und Seife etc.

Auch ist das Preis für Holz und Silber um 300% gestiegen, so dass die Produkte auch teurer geworden sind.

Bis August 2020 hatte Mitra Bali ein eigenes Geschäft, in dem die Künstler ihre Produkte direkt an Touristen verkaufen konnte. Seit März 2020 konnte dieses Geschäft nicht mehr geöffnet werden und somit hat Mitra Bali dieses Geschäft im August für immer geschlossen. Die Waren der Künstler können jetzt nur noch über Freunde verkauft werden.

Regionalität schlägt lange Transportwege und internationale Handelsbeziehungen. Wie stehst du zu dieser Aussage?

Generell kann ich dem zustimmen. Es ist wirklich die Frage, ob es sinnvoll und auch wirklich kostengünstiger ist in Asien etc. zu produzieren.

Aber bezogen auf die Künstler*innen in Bali kann ich sie nur unterstützen, in dem ich ihre Waren kaufe und sie in Deutschland einer breiten Öffentlichkeit zugänglich mache. Die Künstler wollen nicht einfach nur Geld haben. Sie möchten Geld durch ihre Arbeit verdienen.

Durch den Transport nach Deutschland unterstütze ich die Künstler*innen vor Ort und trage dazu bei, dass traditionelle Kunst, Arbeitsweisen und Kultur erhalten bleiben.

Wie denkst du, kann man bewirken, dass immer mehr nachhaltige Konsumentscheidungen getroffen werden?

Aufklärung, immer und immer wieder. Produkten und nachhaltigem Leben ein Gesicht geben. Es muss nicht immer im Großen sein. Gerade kleine Dinge können das Große vorantreiben.

Welchen Beitrag möchtest du mit Fair Together leisten?

Pertukaran Budaya ist das indonesische Wort für Kulturaustausch und spiegelt die Grundwerte von Fair Together wider.  Unser Ziel ist es, einen fairen kulturellen, sozialen, wirtschaftlichen und nachhaltigen Austausch zu schaffen, damit balinesische Familien ein selbstbestimmtes Leben führen können, indem sie ihre Familien ernähren und ihre Kinder zur Schule schicken können. Wir möchten besonders Frauen in ihren Rechten und ihrer Fürsorge unterstützen.

 

Vielen Dank für das Interview, liebe Claudia!

Dir schwebt nun auch noch eine Frage im Kopf herum, die du gerne an Fair Together stellen möchtest?

Dann schreib sie in die Kommentare. Wir freuen uns auf den Austausch mit dir!

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