Faire Handys statt "BlutHandys"
Grüne Wirtschaft

Faire Handys statt "Blut-Handys"

THEMENWOCHE FAIRE HANDYS | Elektrogeräte wie Smartphones, PCs und Fernseher müssen heute immer leistungsfähiger und am besten trotzdem günstig sein. Dabei können wir uns kaum vorstellen, wie katastrophal die Arbeitsbedingungen der Menschen sind, die für uns diese Geräte zusammenbauen oder die nötigen Rohstoffe bergen. Aber gibt es Alternativen?

<p><strong>THEMENWOCHE FAIRE HANDYS</strong> | Elektrogeräte wie Smartphones, PCs und Fernseher müssen heute immer leistungsfähiger und am besten trotzdem günstig sein. Dabei können wir uns kaum vorstellen, wie katastrophal die Arbeitsbedingungen der Menschen sind, die für uns diese Geräte zusammenbauen oder die nötigen Rohstoffe bergen. Aber gibt es Alternativen?</p>
Mehr zu den Themen:   faire handys
27.02.2017 - ein Beitrag von Gessica Mirra, Bild © Unsplash, www.pixabay.com

In Deutschland tauschen wir im Schnitt alle 18 Monate unser altes Handy gegen ein neues ein. Oftmals wechseln wir es nur deshalb aus, weil es nicht mehr dem neuesten Stand entspricht. Dies führt dazu, dass nach Schätzungen von Industrie und Regierung, in deutschen Haushalten inzwischen mehr als 80 Millionen veraltete oder kaputte Mobiltelefone einfach herumliegen. Viele Smartphones werden auch einfach im Hausmüll entsorgt: Letzteres ist nicht nur verboten, sondern schädigt auch die Natur. Denn Handys bestehen aus einem bunten Materialmix: Acrylnitril-Butadien-Styrol-Polycarbonat, Keramik, Kupfer, Zinn, Blei, Kobalt, Aluminium, Wolfram, Gold, Palladium, Mangan, Lithium-Verbindungen, Chromoxid, Flüssigkristalle, Beryllium, Phosphor und Molybdän. Diese Stoffe sind zu großen Teilen nicht natürlich abbaubar.
Aufgrund einer unsachgemäßen Entsorgung können die Inhaltsstoffe über den Boden in Grundwasser und in die Atmosphäre gelangen und so zu einer Gefahr für Mensch und Umwelt werden.

Handys recyceln

Um die Umweltauswirkungen zu reduzieren und den Elektroschrott zu minimieren ist ein produktgerechtes Recycling notwendig. Da die meisten Handys ausrangiert werden, weil sie nicht mehr den neuesten Standards entsprechen, jedoch noch einwandfrei funktionieren, ist ein hochwertiges Recycling gar nicht so schwer: Während Kunststoffteile zunächst von Hand entfernt werden, gelangen die Überbleibsel in einen Schredder, in dem der Rest mechanisch zerkleinert wird. Dies geschieht, um die einzelnen Bestandteile besser auseinander sortieren zu können. Die abgetrennten Kunststoffbestandteile werden in den häufigsten Fällen verbrannt, um dadurch die notwendige Energie für die Schmelzprozesse zu gewinnen. Durch diesen Prozess besitzen die recycelten Ressourcen eine deutlich bessere Energiebilanz als die neu aus dem Bergbau gewonnenen Materialien. Insbesondere die sogenannte Leiterplatte des Handys enthält wertvolle Edelmetalle. Durch eine modern ausgerüstete Schmelze können diese wertvollen Ressourcen abgetrennt und zu einem sehr großen Teil zurückgewonnen werden. Damit können sie erneut für die Produktion von Mobiltelefonen genutzt werden. Das Recycling schont also nicht nur knappe und teure Edelmetall-Ressourcen, sondern ermöglicht auch eine schadlose Entsorgung gefährlicher Schwermetalle.

Ausbeutung von Mensch und Umwelt

Die Produktion unserer Smartphones und die Bergung der Rohstoffe – aber auch die Nutzung- belastet unsere Umwelt. Durch das Aufladen unserer Handyakkus werden laut einer Greenpeace-Schätzung in diesem Jahr 122 Megatonnen CO2 ausgestoßen. Auch zum elektronischen Müllberg von insgesamt 65,4 Millionen Tonnen tragen sie bei.
Für elektronische Geräte wie Smartphones wird ein bunter Mix an Rohstoffen benötigt. Dieser stammt teilweise aus Quellen, die mehr als zweifelhaft sind. Zum Beispiel aus der Demokratischen Republik Kongo, wo man Mensch und Natur ausbeutet, um an die benötigten Mineralien zu gelangen. Auch in den Fabriken – ein Großteil von ihnen hat ihren Standort in Asien – sind die Arbeitsbedingungen fragwürdig: Die Arbeiter verdienen wenig, stehen unter hohem Druck und müssen viele Überstunden machen. Auch um Sicherheit und Gesundheitsschutz ist es für die Arbeiter oft nicht gut bestellt.

Greenpeace setzt sich ein

Im „Ratgeber Grüne Elektronik 2012“ erhielten einige namhaften Hersteller schlechte Noten. Deswegen stehen sie seitdem unter anderem von Greenpeace unter Beobachtung. Das trägt Früchte: „Apple zeigt ganz klar, dass es möglich ist, elektronische Geräte giftfrei zu produzieren“, sagt Nunu Kaller, Sprecherin von Greenpeace Österreich. Auch die Anstrengungen von Apple, weniger Energie zu verbrauchen, lobt Greenpeace. Viele Billighersteller aus Asien werden aber weiterhin mit Argwohn betrachtet. Diese würden sich beispielsweise nicht zum Chemikalieneinsatz und den Arbeitsbedingungen äußern. "Bis zur wirklich grünen und nachhaltigen Produktion liegt noch ein weiter Weg vor allen Beteiligten."

Erste Schritte für faire Smartphones

Einer der ersten Unternehmen, die Handys "fair" hergstellt haben, war das niederländische Startup Fairphone. Damit Handys nachhaltiger und umweltfreundlicher sind, wird einem hier vor allem der Austausch von defekten Bauteilen einfacher gemacht. Darüber hinaus ermöglicht diese Bauweise einen individuellen Aufbau des Handys nach den eigenen Bedürfnissen. Für Hobbyfotografen kann zum Beispiel eine entsprechend hochauflösende Kamera eingebaut werden. Auch die ständige Aktualität des Handys wäre dadurch gesichert.
Shiftphone zog als deutscher Produzent für faire Handys bald nach. Bei Shiftphone steht der Mensch im Vordergrund, hier soll keiner ausgenutzt werden. Das bedeutet faire Löhne und Arbeitszeiten, keine Kinderarbeit sowie gute Arbeitsbedingungen. Die Phones von Shiftphone sind frei vom Konfliktmaterial Coltan, was Umwelt und Mensch schützen soll. Auch hier ist der Speicher erweiterbar und der Akku einfach auszutauschen. Damit Handybesitzer von Shiftphone defekte Teile selbst austauschen können, sind bei Shiftphone einzelne Teile schnell nachbestellbar. In Tutorial-Videos erhalten sie dafür eine Anleitung.
Erste Schritte in Richtung umweltfreundliche Handys ging auch das Unternehmen Sony Ericcson mit dem c901, welches 2009 erschien. Das Gehäuse dieses Handymodells besteht zur Hälfte aus recyceltem Material und ein Sensor regelt die Display-Helligkeit nach der Umgebungshelligkeit. So soll der Akku entlastet und die Lebensdauer verlängert werden. Auch bei der Verpackung wurde gespart, so liegt keine gedruckte Anleitung vor.

Nachhaltigkeit in Apps

Das Thema Nachhaltigkeit inspiriert auch immer mehr Apps. So hilft uns die ein oder andere App nachhaltig zu leben und einzukaufen: Die "Barcoo"-App macht es möglich, beim Einkauf auf nachhaltige Produkte zu achten. Über die Kamerafunktion des Handys wird der Barcode des Produktes eingescannt. Mittels einer "Nachhaltigkeitsampel" wird dann in unterschiedlichen Stufen die Nachhaltigkeit bzw. die umweltschonende Produktion des Produktes dargestellt.
Um den Siegel-Dschungel im Supermarkt zu durchblicken, der mittlerweile viele Produkte als besonders nachhaltig und umweltfreundlich anprangert, gibt es den "Nabu-Siegel-Check".
Eine andere Möglichkeit die Umwelt per Smartphone zu schützen sind Apps, die Informationen zum nachhaltigen Verkehr, wie dem Carsharing beispielsweise, geben.

Kann man Smartphones also komplett ökologisch und fair produzieren? Nein, aktuell wohl noch nicht. Bis zur Vorstellung des komplett schadstoffarmen Smartphones wird noch Zeit vergehen. Aber Umweltvereine wie auch einige Hersteller arbeiten daran, die Situation zu verbessern. Nicht nur die Produzenten und „Überwacher“ sind hier gefragt, sondern auch wir Konsumenten. Wir sind es am Ende, die diese Produkte kaufen – oder eben nicht.





Kommentare
Kommentar erstellen
Name *
E-Mail *
URL
Kommentar *
Grüne JOBS
Auch interessant


Grüne Unternehmen