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Baum oder Bambus – Der Rohstoff der Zukunft

INTERVIEW | Holz ist nachhaltig. Oder etwa nicht? Die Nachfrage danach ist jedoch so hoch, dass der Rohstoff nicht mehr schnell genug nachwachsen kann. Hier kommt Bambus ins Spiel.

Baum oder Bambus
Designelement

INTERVIEW | Holz ist nachhaltig. Oder etwa nicht? Die Nachfrage danach ist jedoch so hoch, dass der Rohstoff nicht mehr schnell genug nachwachsen kann. Hier kommt Bambus ins Spiel.

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05.08.2020 | Ein Interview geführt von Jessica Diedenhofen

Die Nutzung von Holz als Werkstoff gilt in der Theorie als nachhaltig. Mittlerweile verbrauchen wir jedoch mehr Holz, als nachwachsen kann. Hinzu kommt der kritische Zustand unserer Wälder aufgrund von Dürren oder Waldbränden. Joachim Wachner von Natbam sieht in Bambus den Rohstoff der Zukunft. Im Interview erzählt er uns, warum Bambus nachhaltiger ist als Holz, was ein BDS Board ist und inwiefern das Unternehmen von der Corona Krise beeinträchtigt wurde.

LifeVERDE: Herr Wachner, bitte stellen Sie uns Natbam kurz vor.

Joachim Wachner: Die Natbam® GmbH ist ein Start-Up Unternehmen. Wir entwickeln und vermarkten Produkte aus nachhaltigen Rohstoffen mit dem Schwerpunkt auf Bambus. Wir haben uns als Trademark registriert, damit sich unsere Produkte deutlich von Mitbewerbern abheben. Qualität und Nachhaltigkeit sind uns wichtig. Wir wollen, dass unsere Produkte ohne Schadstoffrisiken gekauft werden können. Das soll sich in unserer Marke wiederspiegeln.

Seit wann gibt es Natbam und wie wurde die Idee dazu ins Leben gerufen?

Wir sind seit November 2019 als GmbH im Handelsregister eingetragen. Sozusagen noch ein sehr junges Unternehmen. Die Idee zur Firmengründung entstand jedoch schon eine Zeit früher.

Wie sind Sie dazu gekommen Ihre Produkte gerade aus Bambus herzustellen?

Aus der Möbelbranche kommend habe ich jahrelang in Asien gelebt und war direkt mit der Holzbeschaffung vertraut. Daher wurde mir bewusst, dass es mit den Zuständen im Holzverbrauch nicht mehr so weiter gehen kann. Waldflächen schrumpften rapide vor meinen Augen. Ein belgischer Freund machte mich damals auf Bambus aufmerksam. Es war zur Zeit der Bankenkrise. Seitdem befasse ich mich mit Bambus.

Holz als Werkstoff ist auf Grund der Situation nicht mehr nachhaltig. Es wird seit Jahren schneller verbraucht als es nachwachsen kann. Und das bei einem ständig steigenden Bedarf und Nachfrage an dem Rohstoff. Zudem sind unsere Wälder in einem kritischen Zustand, was Alternativen zu einer nachhaltigeren Nutzung von Holz erfordert.

Der Einsatz von Bambus wird von uns als optimale Alternative gesehen, um den Verbrauch an Holz zu reduzieren und unseren Wäldern dadurch eine Erholungszeit zu ermöglichen. Bambus hat sehr viel Potenzial um als Rohstoff in der Energie-, Textil-, Papier- und Zellstoff-, Chemie- und Holz- Industrie eine Verwendung zu finden.

Bambus ist ein Gras, welches bis zu 30 Meter hoch und bis zu einem Meter am Tag wachsen kann. Bei der Ernte schneidet man den Bambushalm. Die entnommene Biomasse wird in unvergleichbar kurzer Zeit wieder durch neu nachwachsende Halme kompensiert. Die Menge der entnommenen Halme muss dabei in einem ausgewogenen Verhältnis zum gesamten Bambushain stehen.

CO2 wird beim Wachstum in großen Mengen aufgenommen und überwiegend in den Rhizomen, dem Wurzelwerk, gespeichert. Der Rohstoff den wir alle brauchen um globale Probleme zu bewältigen heißt Bambus.

Wie entstand die Idee des BDS Boards und was genau ist ein solches Board?

Das BDS Board ist wohl mit Abstand das umweltfreundlichste Brett aus Bambus in einer Plattenform was es zurzeit gibt. Der westliche Menschenverstand funktioniert bei Baumaterialien eckig. Bambus ist jedoch rund und bei Verbindungsstrukturen für Bambus sind in der Richtung von rechtwinkligen Baustoffen nach Stand der Technik Verfahren wie Laminierung oder Strand- Woven Techniken auch BPC Techniken bekannt, welche oft auch Substanzen wie Formaldehyd oder Melamin aufweisen. Zudem sind Materialverluste und Energieaufwand in diesen Methoden bei der Herstellung sehr hoch. Für industrielle Anwendungen ist Bambus dadurch auch preislich überwiegend nicht interessant.

Mein Bestreben lag darin eine Verbindung für Bambuslamellen zu entwickeln, die einen möglichst kleinen Materialverlust aufweist und bezüglich auf Umweltaspekte was Formaldehyd und Melamin angeht unbedenklich sein musste. Zudem war es eine Herausforderung ein Produkt zu haben, welches Bambusplatten durch niedrige Produktionskosten für eine industrielle Nutzung als nachhaltigen Rohstoff auch preislich interessant macht.

Das BDS- Board (Bamboo Dowel System Board) ist eine Verbindung von Bambuslamellen die klebstofffrei verbunden sind. Ich habe lange an der Technik gefeilt und auf Grund der Neuheit ein Patent angemeldet (DE 10 2018 126 956 A1 und WO 2020/089238 Al).

Ferner kann das BDS- Board auch als Mittellage oder Zwischenlage für Holzplatten (Sperrholzplatten) Verwendung finden. Die BDS- Plywood ist eine Hybrid Bauplatte aus Bambus und Holz. Hierdurch lässt sich der Holzverbrauch für Bauplatten um 50-70% reduzieren.

Wie spiegelt sich die Thematik Nachhaltigkeit in ihrem Unternehmen wider?

Nachhaltigkeit beginnt für uns schon in der Produktion mit der Auswahl der Rohstoffe und Betriebsmittel. Wir alle haben eine globale Verantwortung der wir uns bewusst sind. Im Wettbewerb kann ich sehen, wie Holzbestecke als Bambusbesteck angeboten werden und Bambusbecher mit Melaminharz hergestellt sind und als ökologisch unbedenklich beschrieben werden. Es gibt Länder und Produzenten die z.B. Borax-Granulat nutzen um Bambus resistent gegen Insekten und Pilzbefall zu machen. Bambuslaminate die eine E3- Norm erfüllen und mit UV-Lack überzogen wurden, werden als Schneidbrett oder Teller im Onlinehandel und Discounter angeboten. Dies ist unserer Meinung nach sehr bedenklich. Bambus ist vom Rohstoff sehr nachhaltig und verschafft uns dabei noch einen positiveren CO2 Abdruck, auch wenn er aus Asien kommt. Uns ist es wichtig, diese Eigenschaften nicht durch inkompetente Verarbeitungsmethoden in Frage zu stellen.

Nachhaltigkeit hat im Wettbewerb viele Interpretationen und selbst Bio-Plastik wird oft als nachhaltig angeboten. Es geht doch eigentlich darum zumindest solange einen Nutzen aus einer neuen Ressource zu ziehen bis sich die vorhandene/geschädigte Ressource wieder generiert hat und keinesfalls weitere Schäden in unserer Umwelt zu hinterlassen.

Ich möchte hierzu einen Verweis auf Wikipedia geben.

So sehen wir Nachhaltigkeit und so leben wir Nachhaltigkeit in allen Instanzen unseres Unternehmens.

In Ihrem Sortiment bieten Sie neben den Boards weitere Produkte aus Bambus an, welche sind die beliebtesten bei den Kunden?

Unser Sortiment ist entsprechend unserer Beziehungen umfangreich gestaltet und geht von Baumaterialien, Terrassendielen, Möbel bis über Verbrauchsgüter wie Holzkohle oder im Gastronomiebedarf von Einwegbesteck bis hin zu Toilettenpapier aus Bambus.

Momentan sind Pommesgabeln, Teller und Strohhalme sowie Bambusbestecke sehr beliebt. Doch wird sich noch im Laufe der Zeit herausstellen welches das beliebteste Produkt ist. Viele Artikel sind saisonal gefragt.

Was haben Sie für die Zukunft geplant?

Wir sehen uns als treibende Kraft Europa zu einem eigenständigen Standort für Bambusprodukte aufzubauen. Um dieses Ziel zu erreichen haben wir einen Pool von Experten für verschiedene Aufgaben definiert und stehen gerade in Verhandlungen und auch am Anfang dieses Ziel in einem Zeitplan von 8 bis 10 Jahren zu erreichen.

Wir sehen sehr viel Potenzial für die europäische Wirtschaft mit Bambus eine eigenständige Industrie aufzubauen. Besonders in den südeuropäischen Regionen sind bereits durch kleine Bambusplantagen erfolgreiche Ergebnisse was den Anbau von Riesenbambus, wie Moso (Phyllostachys edulis) angeht, zu verzeichnen. Daher sind wir sehr zuversichtlich unsere Pläne zu verwirklichen.

Haben Sie bei sich im Unternehmen viel von der Corona-Pandemie gespürt, bzw. haben Sie einen Unterschied zu davor feststellen können? Wie gehen Sie mit der Thematik um?

Unsere Produktion ist rohstoffbedingt in Asien, doch findet die Produktentwicklung und Weiterverarbeitung der Halbzeuge in Deutschland und auch an anderen Standorten in Europa statt. Daher haben wir schon sehr früh mit den Auswirkungen von COVID-19 Erfahrungen machen müssen. Wir wurden situationsbedingt zu Umstellungen in unserem Betriebsstrukturen gezwungen und sind mit einigen Projekten, die wir u.a. in den USA geplant haben und bisher nicht wieder aufnehmen konnten, stark ausgebremst worden.

Die Welt die wir noch bis vor sechs Monaten kannten hat sich verändert. Doch sehen wir es so, dass sobald die Pandemie durch einen Impfstoff überstanden ist, wir eine bessere Position haben, um unsere Langzeitziele zu erreichen.

In dem Sinne, bleiben Sie gesund!

 

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Bilder: Natbam, Unsplash



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