Megatrend Upcycling
Gesellschaft

Megatrend Upcycling

1994 tauchte der Begriff Upcycling erstmals öffentlich auf, als der Ingenieur Reiner Pilz in der britischen Zeitschrift Salvo eine Wiederverwendung von Müll forderte. Sein Ruf wider die Verschwendung verhallte nicht ungehört, eine ganze Szene hat sich entwickelt. Ein Ende des Booms ist nicht abzusehen.

1994 tauchte der Begriff Upcycling erstmals öffentlich auf, als der Ingenieur Reiner Pilz in der britischen Zeitschrift Salvo eine Wiederverwendung von Müll forderte. Sein Ruf wider die Verschwendung verhallte nicht ungehört, eine ganze Szene hat sich entwickelt. Ein Ende des Booms ist nicht abzusehen.

03.05.2016

Im Hinblick auf die Endlichkeit natürlicher Ressourcen und exorbitanten Abfallmengen von deutschlandweit zuletzt knapp 400 Millionen Tonnen ist Upcycling ein Hoffnungsschimmer: Es ist Recycling plus Wertschöpfung. Dabei werden die im Abfall gespeicherten Energien und Rohstoffe bewahrt und zu neuwertigen Produkten umgewandelt. Das Gute daran: Werden Rohstoffe wiederverwendet, müssen sie nicht durch Bergbau, Land- und Forstwirtschaft neu beschafft werden, das wirkt sich hemmend auf Energieverbrauch und Luftverschmutzung aus.

Materialarmut versus Individualismus

In ärmeren Gesellschaften ist das alles nichts Neues, allein schon aus Materialarmut werden alte Stoffe traditionell wieder verwendet. Obwohl Industriegesellschaften eher im Wegwerfmodus verhaftet sind, schwappte das „aus alt mach neu“-Motto schließlich über und wurde als Ausdruck von Individualität zum Megatrend: Denn Upcycling ist kreativ und einzigartig. Vor allem Designer und Künstler widmeten sich der Idee und kreierten und hippe Möbel und Kunstobjekte.

Immer mehr Upcycling-Firmen

Nun entdecken immer mehr junge deutsche Firmen das Konzept für sich: Das Berliner Startup „Aluc“ etwa produziert Hemden, Blusen und Kleider aus „Preconsumer Waste“, d.h. Fehlerware und Musterstoffe – neuwertiger Abfall. Das Augsburger Unternehmen „manomama“ zerlegt Textilreste und Schnittabfälle aus Nähereien in Fasern und verarbeitet sie zu neuem Garn für ganze Kollektionen.

Soziales Engagement

Der soziale Faktor spielt dabei eine große Rolle: Bei „manomama“ etwa, die nach eigenen Angaben in einer ökologischen und regionalen Wertschöfpungskette produzieren, heißt es auf der Webseite: „Die einzige Aufgabe eines Unternehmens heute ist die 

Maximierung der Menschlichkeit – nicht die Steigerung des monetären Gewinns.“

Vielzahl an Materialien

Aber auch bei den Materialien sind die Start-ups innovativ und finden spannende Nischen: Die deutsche Firma „Zirkeltraining“ fertigt Taschen aus dem Leder von Sportgeräten und Turnmatten, auf denen Schüler ganzer Klassen jahrzehntelang ihre Turnübungen absolviert haben. Der Südtiroler Tischler Norbert Öttl nutzt für seine Taschen Holz – von der zarten Clutch über den soliden Aktenkoffer bis zum stämmigen Trolley.

Kleider aus Kuhmilch

Äußerst hautfreundlich sind die Kuhmilch-Kleider des Startups „Qmilch“. Die Mikrobiologin und Designerin Anke Domaske produziert aus nicht mehr verwertbaren Milchresten Fasern für die Bekleidungsindustrie. Allein in Deutschland werden pro Jahr rund zwei Millionen Liter Milch entsorgt, die Domaske nutzbar macht. 2010 erhielt sie dafür den Deutschen Gründerpreis.

Abgenutzte Textilreste nutzt die Berliner Stadtmission seit 2013 noch ergiebiger: 200 Tonnen alter Kleidung spenden die Berliner jedes Jahr dem kirchlichen Dienstleister. Was nicht für die sozialen Projekte oder die Second-Hand-Läden der stadtmissionseigenen "Komm-Und-Sieh"-Läden geeignet ist, geht an das Design-Label „Water to Wine“. Dort verwandeln lokale Designer die abgetragenen Materialien zu nachhaltiger Designermode. Mit den Einnahmen werden soziale Projekte unterstützt.

Nachhaltige Mode aus erster Hand

Weil Altkleidung aber ein riesiges Geschäft ist, sind enge Grenzen gesetzt. Das Gesammelte lässt sich oft nur zu Unikaten verarbeiten, den Massenmarkt zu bedienen, ist kaum möglich. Mittlerweile bieten auch immer mehr Modeunternehmen, die mit neuen Stoffen arbeiten, eine Alternative für die Umwelt-Mode-Bewussten.

Der Online-Shop Cecil etwa hat Nachhaltigkeitsaspekte fest verankert, die man als Kunde nachlesen kann. Das Unternehmen setzt zum Beispiel auf neue Wege der Energieerzeugung sowie auf Ökostrom und verwendet ausschließlich Stoffe nach dem Prüf- und Zertifizierungssystem Ökotex 100. Auch soziale Verantwortung gehört zu den Grundprinzipien. So arbeiten die Unternehmer mit der Deutschen Kleiderstiftung zusammen und tauschen alte Cecil-Artikel gegen Gutscheine ein. Gut erhaltene Kleidungsstücke und Haushaltswäsche kommen auf diese Weise sozialen Projekten zugute.

So werden die Upcycling-Startups auch über ihre häufig eher geringen Absatzzahlen hinaus wirksam, indem sie eine gesellschaftliche Entwicklung vorantreiben, in der sich große Hersteller gezwungen sehen, auf das wachsende Verbraucherbewusstsein zu reagieren.



Kommentare
Kommentare
Sabine
03.07.2016
Da gebe ich Mike recht. Viele Eltern schmeißen einfach die Kinderwägen weg obwohl der ein oder andere noch gut in Schuss ist. Der Massenkonsum ist echt schlimm geworden...

LG Sabine

Claudia
24.05.2016
Hallo, ich finde das eine sehr gute Sache! Auch in Thailand gibt es einen Tempel, dieser ist aber eher ein Wertstoffhof, hier bringen alle Thailänder ihre Möbel, Elektrogeräte etc hin. Jedes einzelne hergebrachte Ding wird neu aufbereitet und wieder verkauft. :)

Ich find das richtig toll und es gibt einen ein bisschen Hoffnung.

Liebe Grüße Claudia

Mike
03.05.2016
Sehr schön, das erfreut mich wirklich riesig. Ich bin Berater für Kinderwagen und es ist so traurig, dass die Eltern Ihre Kinderwagen nach 2-3 Jahren einfach wegschmeißen. Dabei könnten sie verschenkt werden oder häufig sogar wiederverkauft werden.

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