Fahrverbote in Deutschland
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Fahrverbote in Deutschland

Werden die ersten Fahrverbote in deutschen Großstädten wirklich kommen? Diese Frage beschäftigt uns nicht nur heute: Wir machen eine Zeitreise zurück zu den ersten Fahrverboten der Bundesrepublik.

Werden die ersten Fahrverbote in deutschen Großstädten wirklich kommen? Diese Frage beschäftigt uns nicht nur heute: Wir machen eine Zeitreise zurück zu den ersten Fahrverboten der Bundesrepublik.

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25.11.2018 - Autor: Eva Burghardt -Bild:Pixabay

Für die Bürger muss ein merkwürdiges Gefühl gewesen, über leere Autobahnen spazieren zu können, an jenem 25. November 1973. An diesem Tag trat das erste Fahrverbot als einer von vier "Autofreien Sonntagen" in Kraft. Im Zuge der Öl-Krise in diesem Jahr, war der Öl-Preis derart rasant angestiegen, dass die Auswirkungen die gesamte Wirtschaft stark beeinträchtigte. Die großen Industrienationen litten unter schweren Rezessionen, die die Ölkrise ausgelöst hatte. Der Grund hierfür war nicht etwa Ressourcenknappheit,sondern vielmehr die Politik und Wirtschaft.
 Viele Industriestaaten sahen sich mit ihrer Abhängigkeit von fossilen Brenn- und Treibstoffen konfrontiert. Wir haben Ihnen die Gründe für Fahrverbote in Deutschland einmal in einer Chronologie dargestellt

Fahrverbote während der Öl-Krise 1973

Um Öl zu sparen und die Bevölkerung für den Ernst der Lage zu sensibilisieren wurde daher das sogenannte "Energiesicherungsgesetz"  erlassen. Es besagte, dass in den sechs Monaten ab dem 25. November an vier aufeinander folgenden Sonntag ein Fahrverbot gelte. Auch Geschwindigkeitsbegrenzungen auf den Straßen waren darin enthalten. Doch der gewünschte Spareffekt blieb aus. Die Fahrverbote an den autofreien Sonntagen konnten nicht verhindern, dass die Bundesrepublik im Jahr 1974 eine mehrstellige Milliardensumme aufbringen musste, um die Ölimporte zu bezahlen. Die Folge war eine verstärkte Wirtschaftskrise, die den Anstieg der Arbeitslosigkeit föderte und viele Unternehmen in die Insolvenz trieb. So blieben zwar die Straßen an den Sonntagen leer, doch damit auch das Bankkonto vieler Arbeitnehmer.

Giftige Luft in Großstädten – Smog-Alarm in den 80ern

Man kennt die Bilder aus asiatischen Großstädten: Die Wolkenkratzer verschwinden im grau-braunen Dunst des giftigen und stickigen Nebels, Menschen mit Mundschützen laufen durch die Straßen und über allem hängt die bedrückende Luft des Smogs. Dieses Phänomen, das sich aus den englischen Wörten für Rauch (smoke) und Nebel (fog) zusammen setzt, ist eine durch Emissionen verursachte Luftverschmutzung. Vor allem in Großstädten tritt es häufig auf, da dort eine höhere Schadstoffkonzentration vorliegt als anderswo. Die Entstehung von Smog hängt allerdings in erster Linie mit Wind und Wetter zusammen. Er tritt vor allem an windschwachen Tagen auf und entsteht in Gebieten wo die Luft schlecht zirkulieren kann.

Was uns heute eher als imposante Bilder aus den Großstädten dieser Welt bekannt ist, war Deutschland während der 80er Jahre Realität. Vor allem das Ruhrgebiet mit seinen großen Industriegebieten war davon betroffen. Am 18. Januar 1985 wurde dort durch eine Smog-begünstigende Wetterlage Smog-Alarm in der Stufe 3 ausgerufen. Das bedeutete, dass in weiten Teilen des Ruhrgebiets Fahrverbote in Kraft traten und die Arbeit in der Industrie nur noch eingeschränkt ablaufen durfte. Der giftige Nebel über den Städten stellte ein erhebliches Gesundheitsrisiko dar und beeinflusste den gesamten Betriebsablauf. Auf den Autobahnen war das Fahrverbot nur für Rettungswagen, Polizei, Feuerwehr und die Presse aufgehoben. "Das war schon ein verrücktes Gefühl alleine über die A40 zu fahren ohne andere Autos auf der Autobahn", erzählt ein Zeitzeuge, der als Reporter tätig ist.

Der Smog der Abgase hat sich damals überall abgesetzt: "Die weiße Wäsche, die wir draußen aufhingen wurde grau und an den Fensterscheiben setzte sich Ruß ab", erinnerte sich eine Zeitzeugin. "Damals wurde uns allen bewusst, dass eine schlimme Umwelt schädlich für den Menschen ist.", erklärt sie und weist aber auch darauf hin, dass durch solche Situationen damals die Umweltbewegung ihren Anfang nahm: "Der Smog-Alarm und die Katastrophe von Tschernobyl hat uns alle aufhorchen lassen und da wussten wir, dass wir etwas tun müssen."

Fahrverbote und Umweltschutz - – Der Diesel soll an allem Schuld sein.

Was die Menschen damals schon gespürt hatten, ist auch heute wieder ein aktuelles Thema: Unser Handeln hat Auswirkungen auf die Natur. Heute streiten Politiker und Vertreter aus der Autoindustrie wieder über die Fahrverbote. Diesmal sind es vor allem die Diesel-Fahrzeuge, die aus den Städten ferngehalten werden sollen. In Hamburg wurden die Verbote bereits eingeführt. Auch in anderen Großstädten sollen die Diesel-Fahrverbote bald gelten. Doch ob Diesel oder nicht: Die Autoabgase sorgen heute in Deutschland zwar nicht mehr für Smog-Alarm, haben aber weltweit große Auswirkungen auf den CO2-Ausstoß. Es gibt viele Alternativen, um die hohe Umweltbelastung zu vermeiden: Elektro-Autos, Fahrgemeinschaften  bilden oder einfach mal den Weg zur Arbeit mit dem Fahrrad fahren. Fahrverbote sind höchstens ein kleiner Schritt zu einem nachhaltigen Umgang mit den Ressourcen, eine große Veränderung kann nur in unseren Köpfen stattfinden.

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